Kate­go­rien

Coach-Hono­­rare: Wer klein denkt, bekommt auch Klein­geld

Published On: 14. März 2013Cate­go­ries: Führung

10 Jahre Networ­king: Claudia Kimich und ich spra­chen uns erst­mals 2003 tele­fo­nisch und trafen uns 2004 dann live auf der Systems in München. Seitdem haben wir uns jedes Jahr einmal live gesehen und seit einiger Zeit tele­fo­nieren wir regel­mäßig. Wir sind unter­schied­liche Typen, aber eine Sache eint uns: Wir packen an. Wir reden nicht lange, sondern tun. Diese Woche haben wir uns am Telefon etwas eschauf­fiert: Über eine neue Gene­ra­tion von Coachs, die Wunder erwartet und nicht bereit ist, an sich selbst zu arbeiten, die sich Geld­segen erhofft und nichts dafür inves­tieren will. Weil wir finden, dass das ein wich­tiges Thema ist, legen wir einen Teil unserer Diskus­sion hier offen.
Svenja Hofert: Es passiert aufgrund meiner bei Karriere & Entwick­lung offen gelegten Hono­rare sehr selten, aber ab und zu haben meine Assis­tentin oder ich es mit Leuten zu tun, denen meine Bera­tung zu teuer ist. Für diese Ziel­gruppe habe ich auch Kexpa gegründet. Wer über Kosten stöhnt? Es sind nie Manager und Fach­kräfte, die das Gros meiner Kunden stellen: Preis­sen­sitiv sind vor allem Coachs, die Bera­tung suchen, weil sie nach zwei, drei, vier Jahren neben­be­ruf­lich immer nur noch einen Kunden pro Monat oder Woche haben und von mir wissen wollen, wie das denn sein kann. Ehrlich gesagt, wundere ich mich manchmal über soviel Fehl­ein­schät­zung von Märkten und Erfolgs­kon­zepten. Jeden­falls sehe ich genau das als Kern des Problems: DASS nämlich vornehm­lich weib­liche Coachs und Berater nicht inves­tieren – weder im über­tra­genen noch im direkten Sinn. Wie erlebst du das?

Claudia Kimich: Da kann ich auch ein Lied von singen. Neulich fragte mich eine gut situ­ierte Dame, die ihre Preise nicht durch­setzen konnte, wie teuer ich sei. Als ich das Honorar nannte, wandte sie sich ab – das sei aber teuer. „Da nehme sie doch besser jemand für 30 EUR“, bemerkte sie.  Da musste ich doch sehr lachen! Jemand mit Geld­ver­hand­lungs­pro­blemen sucht sich ausge­rechnet einen Berater, die selbst leben­diges Beispiel für schlechtes Verhan­d­­lungs-Stan­­ding ist. Jemand, der offensiv zeigt, dass er/sie nicht ökono­misch denken und handeln kann, wird als Berater gewählt! Die holen sich Rat von jemand, der als Schuster selbst mit löch­rigen Sohlen rumläuft.  Naja, glück­li­cher­weise entscheidet das jeder selbst und trägt dann auch die Verant­wor­tung!

Svenja Hofert: Das ist etwa so, wie die unter­neh­me­ri­sche Bera­tung von jemand zu holen, der selbst ausschließ­lich von KFW-Geldern oder Aufträgen staat­li­cher Insti­tu­tionen lebt. Man geht zu Leuten, die leben­dige Beispiele für geschei­tertes Unter­neh­mertum sind. Ich habe in meinem Slow­­Grow-Prinzip geschrieben, dass jeder seine Form der Selbst­stän­dig­keit finden kann – aber das darf man bitte nicht miss­ver­stehen. Ich meine mit Slow­Grow lang­same Entwick­lung, das impli­ziert die Bereit­schaft sich Schritt für Schritt nach vorne zu bewegen. Was ich dagegen oft sehe ist kompletter Still­stand. Ehrlich gesagt, und das macht mich fast ein wenig traurig, sehe ich das sehr oft bei Frauen. Männer sind viel prag­ma­ti­scher, wenn sie Coach sind. Sie verstehen eher, dass ein Selbst­stän­diger eine komplett andere Iden­tität — ergo ein anderes Denken, Fühlen, Handeln — annehmen muss als ein Ange­stellter. Viele gründen in ihrer Ange­stellten-Iden­­tität und wollen diese auch nicht ablegen.
Claudia Kimich: Ausge­rechnet eine Frau bemerkte auf einem meiner Vorträge: „Es ist doch ok, dass die Männer mehr verdienen, weil sie die Familie ernähren müssen“. Was ist das für eine Einstel­lung! Und nein, das war kein Mäus­chen aus der Kosme­tik­ab­tei­lung, sondern eine gestan­dene Frau, die in einem inter­na­tio­nalen Konzern arbei­tete. Auch keine vom Dorf!  Unglaub­lich. Bei mir geht es immer erst um die Haltung, ohne die ist gar keine Verhand­lung möglich. Wer sich nichts zutraut, kann auch nichts errei­chen. Ich arbeite da oft mit System­auf­stel­lungen für die eigenen inneren Persön­lich­keiten. Da steht die Taschen­tü­cherbox schon griff­be­reit.
Svenja Hofert: Bei Xing schrieb mir eine: „Ihr Beispiel gibt mir Hoff­nung, dass ich auch so erfolg­reich werden kann.“ Ich habe nichts geant­wortet, aber dachte nach Klick auf die low-budget Webseite mit “syste­mi­schem Coaching”: Vom Schau­spiel leben können auch nur zwei Prozent, diese Branche „Coaching“ steuert genau darauf zu, wenn Leute SO denken. Sie setzen sich am Anfang auch komplett falsche Bench­marks, das kann nur zu Frust führen.

Claudia Kimich: Es geht auch einfach nicht ohne Inves­ti­tion: Inves­ti­tion in die Zeit, in Geld, in Netz­werke. Ich war  im Radio, in Frau­en­zeit­schriften, in vielen Tages­zei­tungen… Es bringt nur selten unmit­tel­bare Reso­nanz. Viel wich­tiger ist der stete Tropfen, der den Stein höhlt. Es geht um Aufbau von Image, was viele Jahre dauert. Und gerade heute schrieb mir eine Dame, dass sie durch die Medien an mich und meinen Vortrag erin­nert worden wäre und sie braucht jetzt Coaching. Es kommt also, nur liegt manchmal viel Zeit dazwi­schen.
Svenja Hofert: Jede Woche mache ich drei bis fünf Inter­views mit Medien. Natür­lich wirkt sich das aus, aber keines­wegs so wie viele das denken. Die Wirkung ist so gut wie nie unmit­telbar, nur sehr wenige Artikel bringen direkte Reso­nanz. Das verstehen viele nicht. Auch, dass man nicht so weit kommt, wenn man strom­li­ni­en­förmig denkt (also altes und bekanntes Wissen repro­du­ziert anstatt neue Gedanken zu entwi­ckeln) und in Beam­ten­deutsch schreibt, sehen einige nicht. Dann nehmt doch monat­lich 1500 EUR in die Hand und geht zu einer guten PR-Agentur! Aber Geld ausgeben wollen die, die am meisten jammern, eben nicht. Auch PR muss low budget sein. Und wen kriegt man low budget? Genau: Anfänger.
Claudia Kimich

© Dmitriy Melnikov — Fotolia.com

Ich sage dann gern: Tun Sie mir einen Gefallen und lernen Sie leiden ohne zu jammern, vor allem nicht in meiner Gegen­wart. Wer klein denkt, bekommt Klein­geld! Da ist noch viel zu tun. Packen wir´s an: Über das Portal Karriereexperten.com starte ich am 27 .4. meinen Verhand­lung­s­tango speziell für Coachs und Berater  in Hamburg. Dann kommt Butter bei die Fische. Aber umsonst ist das nicht….
Mehr Infos zu Claudia Kimichs  Work­shop  finden Sie hier.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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9 Kommen­tare

  1. Simone Happel 14. März 2013 at 11:48 — Reply

    Liebe Svenja, liebe Claudia,
    es hat Spaß gemacht, euren Dialog zu verfolgen. Dabei habe ich mir eine Frage gestellt. “Warum scheinen sich gerade weib­liche Coaches so zu verhalten?” Ich glaube, dass das zum einen daran liegt, das viele Frauen nach einer halb­über­wun­denen Lebens­krise Coach werden, was an sich keine schlechte Sache sein muss. Aber zum einen ist der Begriff “Coach” nicht geschützt und jeder kann sich so nennen, d. h. es gibt unter­schied­liche oder gar keine Ausbil­dung als Hinter­grund. Zum anderen hat so eine Selb­stän­dig­keit auch eine Busi­­ness-Seite. Und scheinbar tun sich viele Frauen mit ihrem eigenen (Selbst)Wert schwerer als Männer, oder?
    LG Simone

  2. Dagmar Hampel 14. März 2013 at 12:57 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    Ihr Artikel beschreibt genau das, was mir — neben dem Coaching — auch in anderen Berei­chen begegnet. Ich hab’ dazu mal in meinem eigenen Blog ein paar Impuls­fragen gepostet.

    Nach­zu­lesen unter:
    http://bit.ly/YcW1N1

    Viele Grüße!
    Dagmar Hampel

  3. Enrico Brie­gert 14. März 2013 at 20:12 — Reply

    Beim Lesen dieses Blogs kam mir die Frage, ob es dann viel­leicht doch sinn­voll ist, eine Zwang-Renten-Versi­che­rung für Frei­be­rufler einzu­führen. Warum? Dies würde zu höheren Tages­sätzen zwingen und wer es nicht schafft, muss sich eine Anstel­lung suchen. Man könnte ja beispiels­weise die ersten drei Jahre frei­stellen.
    Warum der Gedanke? Wie sollen die von Ihnen beschrie­benen Kollegen für ihre eigenen Rente vorsorgen, wenn sie kein ange­mes­senes Honorar real­sieren können?

    • Svenja Hofert 15. März 2013 at 10:24 — Reply

      Ja, das finde ich auch. Es müsste eine Pflicht-Lösung à la Künst­ler­so­zi­al­kasse geben. Weiter müsste man mal den Schwarz­ver­die­nern in diesem Job den Garaus machen. Gerade Neben­be­rufler und Coachs, deren Ehepartner die großen Bröt­chen besorgt, nehmen gern Bargeld — und dass das öfter nicht sauber beim Finanzamt dekla­riert wird, schafft einen unge­rechten Wett­be­werbs­vor­teil für “Krauter” und Nach­teil für Profis. Schwarz­ar­beit ist Betrug, ich finde es unmög­lich und es ärgert mich sehr, wie locker das teils gesehen wird, auch in anderen Gewerben. Klienten sollten hell­hörig werden, wenn sie ohne offi­zi­elle Rech­nung abkas­siert werden. Und bei 30 Euro, siehe Clau­dias Beispiel, kann ich mir ganz schlecht vorstellen, dass da jemand eine offi­zi­elle (und auch aufwän­dige Buch­hal­tung) führt. LG Svenja Hofert

  4. Swanette Kuntze 15. März 2013 at 16:34 — Reply

    Liebe Svenja, liebe Claudia,
    ich finde dieses Inter­view sehr unter­haltsam und infor­mativ. Ja, der Markt der Coaches ist thema­tisch, quali­tativ und preis­lich weit gestreut. Und sicher­lich ist auch die anvi­sierte Ziel­gruppe mit entschei­dend, welcher Preis reali­siert werden kann. Macht es doch einen Unter­schied, ob ich mit Privat­per­sonen in meinem eigenen Wohn­zimmer arbeite oder mit Führungs­kräften und eigene Coachingräume vorhalten oder eine Reit­halle (für Pfer­de­ge­stützte Coachings) mieten muss.
    Auch bleibt die Frage, ob sich Coaching-Weiter­­bil­­dungen merk­lich in der Höhe des Preises wieder spie­geln.
    Passt der Preis zu der abge­lie­ferten Qualität? Oder ergibt er sich aus guter PR?

    Ich glaube, dass es eine Kombi­na­tion aus Know-how, guter Perfor­mance, einer Selbst-Wert-Haltung, klarer Posi­tio­nie­rung und stetiger Außen­dar­stel­lung ist. Dann klappt es auch mit den Wunsch-Kunden.
    (Swanette Kuntze, Coach! Kuntze-CundC.de)

    • Svenja Hofert 15. März 2013 at 17:19 — Reply

      eindeutig setzen sich im Privat­kun­den­markt dieje­nigen durch, die eine höhere Sicht­bar­keit und Kunden­bin­dung erzeugen können, was meiner Meinung ohne Substanz nicht möglich ist. Bei den Firmen­kun­denn ist es etwas anders. Auch da gibt es mitt­ler­weile ein ziem­li­ches Gefälle im Hono­rar­ge­füge.
      LG Svenja Hofert

  5. Jens Jann­asch 15. März 2013 at 21:36 — Reply

    …ach ja, das liebe Geld…
    Ich habe gerade letzte Woche auf meiner Site einen kurzen Artikel dazu geschrieben. Es ging um Coachees, die Erfah­rung mit der anderen von Ihnen beschrie­benen Seite gemacht haben. Die ordent­lich verlangt haben, aber unor­dent­lich gear­beitet haben. Die im Coaching das schnelle Geld wittern und eine Ein-Mann-Show abziehen und Allein­un­ter­halter spielen.
    Wie hier schon gesagt wurde- der Begriff ist nicht geschützt. Nach was orien­tiert sich also ein Laie? Wer klein denkt, bekommt auch kleine Leis­tung. Wer viel zahlt, bekommt aber auch keine Garantie,so lange sich jeder “ich-kenn-mich-aus” sich “Coach” nennen kann.
    Für 30€ ein Coaching? Wie soll das gehen? Selbst wenn man es nur “aus Zeit­ver­treib” nebenbei macht ?
    Mein Professor hat immer gesagt: wer nicht bereit ist für gute Leis­tung gut zu bezahlen, der hat keinen Druck bzw. Grund für ein Coaching.
    In diesem Sinne, einen schönen Abend

    • Svenja Hofert 16. März 2013 at 10:22 — Reply

      Hallo Herr Jann­asch, voll­kommen klar: viel Geld heißt nicht viel Leis­tung, und wenig nicht wenig. Da spielt ganz viel rein, vor allem müssen beide eine halb­wegs gleiche Sprache spre­chen. Deshalb finde ich Blogs als Sortie­rungs­kri­te­rium so gut. Nirgendwo merkt man besser wie jemand tickt und ob es einem gefällt. Blöd nur, wenn der Blog von der PR-Abtei­­lung stammt… 😉 LG Svenja Hofert

  6. […] “Wer klein denkt, bekommt auch Klein­geld” Unter dieser Über­schrift findet sich ein anre­gendes und auch erhel­lendes Gespräch zwischen Karriere-Coach Svenja Hofert und Verhand­lungs­expertin Claudia Kimich. Das Thema lässt sich auch auf andere Bereiche über­tragen: Wer seine Träume klein hält, bekommt auch nur kleine Ergeb­nisse. Lesens- und nach­den­kens­wert! […]

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