Kate­go­rien

Die Macht­kar­riere: Bei uns herr­schen Selbst­dar­steller und einfluss­reiche Bereichs­fürsten

Published On: 18. Oktober 2013Cate­go­ries: Führung
machtkarriere

Copy­right: Chris­tina Hucke

Weiter geht es mit dem zweiten Teil meiner Serie über Karrie­re­sys­teme. Vor Jahren habe ich öfter Assess­ment Center mit Studenten durch­ge­führt. Eine meiner Lieb­lings­übungen: Die Teil­nehmer sollten in der Gruppe darüber disku­tieren, ob Bestechung normal und legitim, ja nötig sei, auch wenn ein Unter­nehmen diese offi­ziell verbiete.

Nicht über­ra­schend, dass vor allem klas­sisch Karrie­re­ori­en­tierte diese Frage teils flam­mend bejahten. Das sei nötig, gehöre dazu etc. Womög­lich liegt es daran, dass auch viele Karrie­re­rat­geber auf Basis eines Macht­kar­rie­re­sys­tems argu­men­tieren, das vor allem dadurch gekenn­zeichnet ist, dass es unge­schrie­bene Gesetze neben den geschrie­benen Regeln gibt.

Welche Werte herr­schen im Macht­kar­rie­re­system?

Im posi­tiven Sinne haben hier Macher gute Karten, die  Netze spinnen und Kontakte aufbauen können. Im nega­tiven Sinn ist unge­zü­gelter Kapi­ta­lismus ebenso wie Bestechung (trotz Compli­ance und Sabanes Oxley) ein starkes Signal für die Macht­kar­riere. Partys und Feiern gehören, in mode­rater Dosis positiv, in der Über­trei­bung à la Ergo Versi­che­rung negativ. Sie sorgen dafür, dass auch Menschen sich wohl­fühlen, die keine Alpha­tiere sind, aber von diesen prote­giert werden.

Eine der wich­tigsten Regeln lautet „Lass dich nie fest­na­geln“. Je mäch­tiger jemand ist, desto weniger wird er seine Aussagen schrift­lich fixieren – im Zweifel lassen sich Worte so rück­wir­kend umdeuten. Macht­kar­rie­re­sys­teme sind darwi­nis­tisch. „Der Stär­kere setzt sich durch!“ gilt in solchen Ökosys­temen.

Was kenn­zeichnet Karriere im Macht­kar­rie­re­system?

Im Macht­kar­rie­re­system setzen sich die durch, die eine starke Selbst­über­zeu­gung haben; der Typ „Selbst­dar­steller“ hat beste Karten. “Rede über deine Leis­tungen, deine Erobe­rungen, Deine Macht” – hier kommt das gut an.

Welche Unter­nehmen ticken so?

Meiner Beob­ach­tung nach setzt sich das Macht­kar­rie­re­öko­system leichter in weniger regle­men­tierten Umfel­dern (regle­men­tiert ist z.B. Pharma) durch, etwa in den Medien, Agen­turen oder in klei­neren Firmen oder relativ auto­nomen Einheiten größerer Unter­nehmen – so wie in Spar­ten­or­ga­ni­sa­tionen. Ganz knall­harte Macht­kar­riere herrscht im Struk­tur­ver­trieb. Und wenn ich das richtig bewerte, wohl auch in der Politik (wie anders als Macht­kar­rie­re­po­li­tisch erklärbar ist SPD-Hanne­­lore Krafts gest­riger Schwenk?).

In der Betriebs­wirt­schafts­lehre wird die Diver­genz zwischen Sparten- und Unter­neh­mens­in­ter­essen übri­gens nicht ohne Grund häufig als Nach­teil der Sparten-Orga­­ni­­sa­­ti­ons­­form ange­sehen. Das heißt aber nicht, dass eine Matrix­struktur nega­tive Macht­kar­rie­re­struk­turen komplett verbannt. Doch unge­zähmtes Auftreten ist hier unwahr­schein­li­cher.

Wie bewirbt man sich in solchen Unter­nehmen?

Bewerben sollten Sie sich durch opti­male Selbst­dar­stel­lungen und maxi­males „Spoi­ling“. Damit meine ich: Hängen Sie heraus, was Sie heraus­hängen können. Die Rubrik „Beiträge zum Geschäfts­er­folg“ kommt hier sehr gut an, sofern es um Führungs­po­si­tionen geht. Gute Kontakte sind Gold wert und sollten maximal betont sein. Stellen Sie heraus, was Sie erreicht und aufge­baut haben. „Macher“ sind hier gern gesehen. Und Menschen, die bewiesen haben, dass sie sich durch­setzen können.

Vorsicht, mit „Spoi­ling“, wenn Sie Indianer und noch mehr, wenn Sie India­nerin sind. In Assis­tenz­rollen ist in Macht­kar­rie­re­sys­temen der loyale, anpas­sungs­fä­hige Typ gefragt, der am besten nicht allzu mora­lisch orien­tiert sein sollte. Siehe Anfang.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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