Kate­go­rien

Das Märchen von der Beru­fung: Ein Abge­sang in 5 Akten

Published On: 16. November 2016Cate­go­ries: Karriere

woman-1733881_1280„Ich wollte immer schon Pilot werden.“ Oder: „Es war mein Kind­heits­traum, Schau­spieler zu sein und jetzt bin ich es.“ Glauben Sie daran, dass es solche Beru­fung als Konzept für alle wirk­lich gibt? Haben Sie sie viel­leicht schon gefunden? Oder zwei­feln Sie an sich, weil sie sich meilen­weit davon entfernt sehen? Weil Sie nicht schon als Kind etwas wollten, was Sie dann schwung­voll reali­siert haben? Zwei­feln Sie nicht, suchen Sie nicht nach Beru­fung. Oft führt nicht ein Thema in einen Beruf, sondern die Persön­lich­keit und die jeweils erreichte persön­liche Ich-Entwick­­lungs­­­stufe.

Ein Abge­sang auf den Beru­­fungs-Hype, denn…

Erster Akt: Die Suche nach Beru­fung ist nicht selten Flucht vor eigener Entwick­lung und der Arbeits­welt.

Könnte mehr drin sein für mich? Unzu­frie­den­heit im Job hat oft mit Konflikten zu tun, die im Zusam­men­hang mit der eigenen Entwick­lung stehen. Beispiels­weise möchten sich manche dem Wett­be­werb und der Politik nicht stellen. Teil­weise fehlen Erfolge und man schwimmt als zu kleiner Fisch im Teich, Aner­ken­nung fehlt, oder der Beruf und das Ego passen nicht zusammen. Viele sind auch fixiert auf den Job als Iden­ti­fi­ka­ti­ons­bringer. Es gibt zu wenig kogni­tive Anre­gungen, der Frei­zeit­be­reich liegt brach. Part­ner­schafts­pro­bleme werden oft mit der Suche nach Beru­fung verquickt. In diesen Fällen geht es oft nicht um das neue große Rad, sondern um eine kleine Schraube.

Ein zweiter Punkt liegt in der Arbeits­welt, wie sie sich derzeit gestaltet. Diese ist in Teilen hoch­gradig unat­traktiv. Es gibt in der Digi­ta­li­sie­rung extrem lang­wei­lige Jobs, etwa im Online-Marke­­ting. Oft sind es Jobs, bei denen man „zwangs­in­tro­ver­tiert“ wird, so formu­lierte es mal ein Kunde. So suchen Berufs­er­fah­rene häufig – fast schon als Gegen­be­we­gung — „was mit Menschen“. Diese Jobs liegen aber in anderen Berei­chen und sind gewöhn­lich schlechter bezahlt. So steckt man schnell in einem Dilemma: Die “Beru­fung” ist teuer, für Allein­ver­diener oft nicht machbar.

Tipp: Karrie­re­coachs können  helfen, Brücken von alten zu neuen Themen im Lebens­lauf zu finden. Sie können den Arbeits­markt aber nicht ändern – und dessen Entwick­lung hin zu immer mehr Spezia­li­sie­rung, die bran­chen­fremde Bewer­bungen — und “Beru­fungs­er­fül­lung” immer schwie­riger macht.

Zweiter Akt: Mit Beru­fung lässt sich vor allem auch viel Geld verdienen, deshalb lohnt es sich, daran fest­zu­halten.

Beru­fung ist hoch­gradig kommer­zia­li­siert. Es füllt auch die eigene Kasse, wenn man sugge­riert, dass in jedem Menschen etwas schlum­mert, das schon seit Geburt da ist oder zumin­dest schon im Sand­kasten in einem steckte. Oft kommt hier Coaching ins Spiel. Nach wie vor lässt sich mit Coaching-Ausbil­­dungen viel Geld verdienen. Auf der Suche nach Beru­fung schauen sich die meisten nämlich nach dem Bekannten, dem Sicht­baren um. Viele sehen da eben Coaching. Was sie nicht sehen: Coach ist kein Beruf, man kann damit allein kein Geld verdienen und im privaten Markt sind mehr oder weniger ausschließ­lich jene erfolg­reich, die gute Unter­neh­mer­typen sind.

Auch Gurus können vom Beru­­fungs- (wahl­weise Erfolg-) Verspre­chen gut leben, da sie – wie bei Narzissten üblich — Menschen um sich scharen, die sie bewun­dern… Perfekt, um das mit einem Ruf „du kannst das auch“ zu verbinden. Nur leider gar nicht realis­tisch für all die Follower, die weniger selbst­ver­liebt sind. Und ihren eigenen Miss­erfolg dann auf sich selbst schieben. Klar doch.

Wer sich ernst­haft mit beruf­li­cher Neuori­en­tie­rung beschäf­tigt, muss auch die eigene Persön­lich­keit betrachten. Und die ist mitunter ganz, ganz anders als die der Gurus, denen man folgt. Das bedeutet, man kann eben nicht alles reali­sieren, was diese geschafft haben. Und glauben Sie bloß nicht diesen Quatsch von „jeder nutzt nur 10% seiner Möglich­keiten“. Ein Mythos, stimmt einfach nicht. Wird aber gern als Anlo­cker genutzt.

Tipp: Karrie­re­coa­ching ist oft Karrie­re­ent­wick­lung, setzt also beim bishe­rigen Lebens­lauf an. Sie darf nicht mit Verspre­chungen locken, sondern muss den Menschen abholen und bei seiner Suche begleiten. Da gehören Reali­täts­checks unbe­dingt dazu!

Dritter Akt: Beru­fung ist in Wahr­heit oft Ich-Entwick­­lung.

Früh Beru­fene haben oft schon früh die Faszi­na­tion von etwas entdeckt – nicht selten weil sie sozial eher am Rand standen. Sie haben schon als Jugend­liche eine eigen­wil­li­gere – sich von der Gruppe abgren­zende — Persön­lich­keit entwi­ckelt, während die anderen noch im Main­stream mitschwammen. Das ist Ich-Entwick­­lung, hier mehr dazu.

In diesem Main­stream bewegen sich Berufs­ent­schei­dungen vor allem im Bereich dessen, was man kennt oder häufig sieht — oder eben bewusst dagegen (was struk­tu­rell dasselbe ist).  Viele schwimmen so vor sich hin. In der allge­meinen Unsi­cher­heit geben Tests – vor allem Eltern — Sicher­heit, die eigent­lich gar nichts über Berufs­fin­dung im jungen Alter aussagen, etwa der für diesen Zweck eher unpas­sende MBTI®.

Beru­fungs­jünger für Spät­be­ru­fene auf der anderen Seite propa­gieren die jeder­zeit mögliche Neuori­en­tie­rung und fokus­sieren diese auf Inter­essen. Doch so wichtig diese sind, geht es doch auch und zual­ler­erst um Persön­lich­keits­ent­wick­lung. Viele haben auch im Erwach­se­nen­alter noch gar keinen reifen inneren Kern, folgen nicht wirk­lich eigenen Maßstäben, sondern denen von anderen. Unter diesem Vorzei­chen lässt sich nichts Eigenes finden, da es dann auch nicht möglich ist, sich aus einer wirk­lich erwach­senen Perspek­tive für oder gegen etwas zu entscheiden.

Tipp: Beziehen Sie nicht nur Ihre Stärken mit ein, sondern auch Ihre Motive bzw. Bedürf­nisse und Werte, aus denen sich eine Hand­lungs­rich­tung ableitet. All das sagt oft mehr über künf­tige Jobs aus als Themen und Inter­essen.

Vierter Akt: Beru­fung ist ein Opfer der Digi­ta­li­sie­rung

Heute ist eine stetig wach­sende Wissen­s­tiefe für die Ausübung von Jobs nötig. Selbst Jobs im Kommu­ni­ka­ti­ons­be­reich, nehmen wir agile Coaching, braucht ein tieferes fach­li­ches und metho­di­sches Know-how.  Man kann ein fehlendes Studium heute auch nicht mehr so leicht ausglei­chen wie früher, das heißt bestimmte Natur­wis­sen­schaftler, Infor­ma­tiker und Wirt­schafts­in­ge­nieure sind klar im Vorteil.

Doch ein Studium reicht auch nicht aus, um ein Jobprofil rund zu machen. Um aus einem Mitar­beiter einen Data Scien­tisten zu machen benö­tigt man schät­zungs­weise drei bis fünf Jahre, Studium nicht einge­rechnet. Viele Jobpro­file sind zudem eng an eine Branche oder Firma gebunden, was Wechsel zuneh­mend schwierig macht – obwohl diese andrer­seits gefor­dert sind.

Umori­en­tie­rungen sind somit erheb­lich lang­wie­riger, selbst ein Master­stu­dium von zwei Jahren reicht nur dann für einen Kurs­wechsel aus, wenn es spitz auf der vorhe­rigen Erfah­rung aufsetzt. Zudem sind die Profile vieler Neur­ori­en­tierer proble­ma­tisch, da nicht wenige aus Abbau- bzw. Vordi­­gi­­ta­­li­­sie­rungs-Bran­chen kommen. Alter­na­tiven? Derzeit oft Ausbil­dungs­be­rufe mit Nach­wuchs­mangel. Der Mode­rator Tobias Schlegel etwa sattelte zum Sani­täter umsat­telte – gar nicht aus Not, sondern um einen inneren Ruf zu folgen (siehe fünfter Akt).

Tipp: Wege vom Akade­­miker-Job zum Azubi könnten und sollten Schule machen, da hier ein Neuein­stieg anders als in digi­ta­li­sierten Bran­chen schon mit einer zwei- oder drei­jäh­rigen Ausbil­dung möglich ist.

Dem Ruf oder der Berufung folgen?

Dem Ruf oder der Beru­fung folgen?

Fünfter Akt: Beru­fung ist in Wahr­heit ein Lebens­­­phasen-Ruf

Der Glaube daran, dass es so etwas wie eine Beru­fung gibt, geht auf eine ameri­ka­ni­sche Coun­­selor-Gene­ra­­tion (Coun­se­lors liegen irgendwo zwischen Coach und Psycho­loge) zurück, die in den 1970er Jahren groß geworden ist. Dies war eine Zeit, in der es noch Berufe gab, Ausbil­dungs­zeiten kurz waren und die Komple­xität begrenzt. Zu den bekannten Vertre­tern gehören etwa Richard Nelson Bolles und Barbara Sher, die mit Büchern wie „Wish­craft“ berühmt wurde. Bolles war vorher Pfarrer. Sein Glaube an Beru­fung erklärt sich reli­giös, ebenso wie der vieler anderer in diesem Segment. Aus gött­li­cher Perspek­tive kann Beru­fung natür­lich  kaum hinter­fragt werden.

Geht man weniger spiri­tuell daran, etwa entwick­lungs­psy­cho­lo­gisch, ist Beru­fung ein momen­taner Ruf, der durch ein Bedürfnis ausge­löst ist, das mit 18 Jahren ganz anders ist als mit 50… Beispiels­weise ist dieser Ruf mit 50 oft ganz­heit­li­cher, werte­ge­trie­bener, mehr auf Lebens­ba­lance ausge­richtet. Denn dann hat man auch meis­tens erkannt, dass Glück nichts mit Geld zu tun hat — sondern vor allem mit einem stabilen sozialen Umfeld, wie auch kürz­lich eine Harvard-Lang­­zei­t­­studie ergab (hier dazu Ted-Auftritt von Robert Waldinger). Und das fordert eben ganz andere Jobs, worauf die Arbeits­welt derzeit über­haupt nicht ausge­richtet ist.

Tipp: Der Ruf nach etwas Neuem, hat also viel mit den eigenen Gestal­tungs­mög­lich­keiten zu tun. Es geht mitunter weniger darum, was man genau inhalt­lich macht, als viel­mehr um das passende Umfeld, das einem Möglich­keiten bietet, etwa in Sachen Flexi­bi­lität.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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16 Kommen­tare

  1. Henrik Zabo­rowski 17. November 2016 at 10:47 — Reply

    Moin Svenja,

    vielen Dank, das ist der mit Abstand beste und klarste Artikel den ich seit langem zu dem Thema Beru­fung gelesen habe. Eben hart an der Realität und nicht so ein verklä­render Blöd­sinn. Auf den rein­zu­fallen auch ich immer mal wieder in Gefahr bin. Und dann kommen genau die Gedanken dazu so diffus hoch, die Du deut­lich klar­stellst. Jetzt brauche ich mich nicht mehr fragen, ob ich mit meiner diffusen Meinung richtig liegt 😉 Jetzt habe ich es Schwarz auf Weiß von der Exper­ting! Top!
    Herz­li­chen Gruß,
    Henrik

  2. Regine Bött­cher 17. November 2016 at 16:28 — Reply

    Danke! 5 x “JA” und “Daumen hoch” !

  3. Steffen 17. November 2016 at 23:47 — Reply

    Guten Tag Frau Hofert, ich weiss nicht, welcher “Teufel” sie geritten hat, aber das hier ist totaler Quatsch. Schade, dass Sie mit diesem State­ment nach Aufmerk­sam­keit heichen und Kasse machen wollen. Nichts anderes ist das!! Ich kenne Beiträge von Ihnen, die sind genau das Gegen­teil. Ok, man könnte sagen, Sie haben nun eben eine andere Meinung … Es geht doch um Sinn! Man(n)/frau lebt nur einmal!!

    • Svenja Hofert 18. November 2016 at 9:00 — Reply

      Hallo S., was genau ist totaler Quatsch? Kasse mache ich damit über­haupt nicht, das hier ist ein rein ehren­amt­li­cher Blog, den ich — obwohl ich das könnte und die Zahlen das hergeben, mir ständig Geld ange­boten wird — nicht kommer­ziell nutze und auch nicht bewerbe. Womit also mache ich Kasse? Mit meinem Blick auf den Arbeits­markt, den ja hier viele Coachs bestä­tigen? Mit meiner Einschät­zung des Begriffs Beru­fung? Man sollte, wenn man sich schon äußert, dies auch konkret und argu­men­tativ unter­mauert tun. ich bin eindeutig für Sinn­suche, diese ist jedoch nicht nur im Arbeits­leben zu suchen. LG Svenja Hofert

      • Axel Wimmer 26. Dezember 2016 at 19:00 — Reply

        Servus Frau Hofert,
        ich bin über einen anderen Artikel (Zukunft der Arbeit…5 Weichen­stel­lungen…) hier gelandet. Da gäbe es auch einiges zu sagen. Aber das setzt eine Ebene höher an. Ich will aber hier eine Bemer­kung abge­geben, weil ich Ihre Ansicht nicht teile. Auch hier setzen Sie für mein Dafür­halten zu “tief” an. Alles was ich hier schreibe ist leider Opfer der Verkür­zung. Aber klar. Ein Mittel­schul­ab­sol­vent ist begrenzt in seiner Wahl. Ich glaube aber schon — und das mach ich auch mit meinen Kunden (viele junge Menschen), dass man Grund­rich­tungen für sich abste­cken kann. “mit Menschen arbeiten”, “forschen mit Technik”, “raus­gehen und über­zeugen”, “Gesund­heit als Berufs­ziel”, sind Big Five (wenn man das Modell heran­ziehen will) Trends, denen man nach­gehen kann oder die man auch für das Finden einer Beru­fung nutzen kann. Wenn man klar voraus­blickt, ist die Digi­ta­li­sie­rung doch schon seit 20 Jahren da, ich weiß gar nicht warum soviel Wind gemacht wird. Es ist ja jetzt schon so, dass wir Arbeit so orga­ni­sieren können, dass nur noch das übrig bleibt, was nur der Mensch machen kann. Da bleibt für Beru­fung wieder mehr Raum.

  4. Julitta Rössler 18. November 2016 at 6:50 — Reply

    Vielen Dank für diese klare und an der Realität der Arbeits­welt orien­tierte Sicht.
    Als Resi­­lienz-Coach habe ich immer wieder Klienten, die lieber gestern als heute ihre häufig tatsäch­lich sehr belas­tende beruf­liche Situa­tion verlassen möchten. Ihr größter Wunsch an mich: Lieber Coach hilf mir raus und hin endlich zu dem, was mich ausmacht, zu meiner Beru­fung. Wenn ich es mit einem Invest­ment­banker mit gut gefülltem Bank­konto zu tun hab, kann ich über alles nach­denken. Übli­cher­weise sind meine Klienten aber mitten im “normalen” Leben und haben schlicht und einfach exis­ten­zi­elle Zwänge. Dann gilt es Plan B zu schmieden. Der bedeutet oft, sich mit der Realität anzu­freunden, auch wenn sie nicht gut tut. Spätes­tens kommen Bedürf­nisse und Werte ins Spiel. Da kann das drin­gendste Bedürfnis momentan schon mal ganz einfach die finan­zi­elle Absi­che­rung eines guten Ausbil­­dungs- oder Studi­ums­starts der Kinder sein, weil Werte wie Familie, Zuge­hö­rig­keit, Liebe, Sicher­heit… von essen­zi­eller Bedeu­tung sind. Auf diese Weise kann aus einem drückenden “ich muss, aber ich kann nicht mehr…” ein ” ich möchte hier noch eine Weile aushalten, weil es mir wichtig ist, …” werden. Das ist dann Akzep­tanz und Annahme des Unab­än­der­li­chen, der einzige Weg wieder in die Selbst­ver­ant­wor­tung. So können Ener­gien frei werden, um sich z. b. In der Frei­zeit wieder mit neuen Themen zu beschäf­tigen. Wer weiß, viel­leicht wird daraus irgend­wann die Erfül­lung der persön­li­chen Beru­fung. Damit bin ich wieder bei einem der zentralen Faktoren für Resi­lienz: Akzep­tanz und Selbst­versnt­wor­tung, eine wesent­liche Basis für persön­liche Entwick­lung und Wachstum. Rsilienz ist Verän­de­rungs­kom­pe­tenz in Reinst­form und bedeutet immer auch, eine realis­ti­sche Sicht auf die Realität einnehmen zu können, wie auch hier beschrieben. Danke.
    VG Julitta Rössler

    • Anne Wiet­schorke 18. November 2016 at 17:15 — Reply

      Liebe Frau Hofert,

      jetzt lese ich schon seit einigen Jahren immer mal wieder Ihren BLOG und finde auch immer wieder sehr inter­es­sante und fundierte Artikel darin. In dem Fall möchte ich mich aber gerne zu Wort melden, weil Sie Barbara Sher erwähnen und die kenne ich nun zufäl­li­ger­weise sehr gut. Sie spricht nie von Beru­fung, sondern eben von Talenten und Inter­essen. Was aber viel wich­tiger ist: sie hat noch nie jemanden dazu aufge­for­dert, einfach den Beruf aufzu­geben oder zu wech­seln. Ganz im Gegen­teil. Sie gehört ganz klar auch nicht in die Abtei­lung “Posi­tives Denken”, “Glaub an dich selbst” usw. Da gibt es ganz andere und nach meiner Auffas­sung wirk­lich gefähr­liche Gurus — abge­sehen davon ist Barbara Sher alles nur kein Guru. Sie hat aber klug erkannt, dass Menschen für persön­liche Entwick­lung etwas brau­chen, was sie intrin­sisch antreibt (wenn es denn die beruf­liche Situa­tion nicht hergibt). Wo das ist, ist im Prinzip völlig egal und der Neben­ef­fekt ist oft der, dass es plötz­lich im Job viel besser läuft; so ist jeden­falls meine Erfah­rung und ab und zu ist sogar ein Seiten­ein­stieg drin, aller­dings nach entspre­chender Weiter­bil­dung oder auch durch Kontakte. Aber ganz häufig wird das, was Sie viel­leicht Beru­fung nennen, in den Bereich Frei­zeit, Ehrenamt, Weiter­bil­dung verla­gert und zwar immer verbunden mit den Werten und Bedürf­nissen, die dahinter stehen. Das ist ein ganz wesent­li­cher Kern der Arbeit von Barbara Sher.

      Der Kommentar ist jetzt leider etwas länger geworden, als gedacht… war aber wichtig.

      Herz­li­chen Gruß
      Anne Wiet­schorke

  5. Ralf 18. November 2016 at 19:25 — Reply

    Es stellt sich die Frage, wie sich die Findung der Beru­fung darstellen wird, wenn durch Indus­trie 4.0 Berufs­gruppen wegfallen werden und wir das heute schon wissen. Man stelle sich vor, jemand schult aufwändig um, um fest­zu­stellen, das er zwar seinem Instinkt irgend­wann im Leben gefolgt ist aber dann bitter der Digi­ta­li­sie­rung zum Opfer fällt.

    • Jörg K. Unkrig 19. November 2016 at 19:16 — Reply

      Lieber Ralf,

      das ist aus meiner Sicht kein neues Problem. Immer schon gab es Berufe, die aufgrund von Entwick­lungen (Beispiel: Indus­tra­li­sie­rung) wegfielen. Mein Tipp: Beruf­lich nicht zu eng aufstellen und immer einen Plan B in der Hinter­hand haben.

  6. Jörg K. Unkrig 19. November 2016 at 19:13 — Reply

    Liebe Kollegin Hofert,

    guter Artikel zu einem Bereich, der gerade in der Karrie­re­pla­nung meist wenig Beach­tung findet, der aber für die Person und seine Entwick­lung wichtig ist. Die Frage nämlich: “Was ist oder wo sehe ich meine Beru­fung? Was hat mich schon als Kind inter­es­siert? oder eben: Was nicht?”

    Ich einem Punkt bin ich nicht ganz Ihrer Meinung: Als Coach kann man schon seine Bröt­chen verdienen. Es ist zwar kein klas­si­scher Beruf, kann aber Beru­fung sein.

    Mit kolle­gialen Grüßen

    Jörg K. Unkrig

    • Svenja Hofert 20. November 2016 at 14:41 — Reply

      Hallo Herr Unkrig, es geht eben meist nicht darum, was hat mich schon als Kind moti­viert. Mein Artikel soll moti­vieren, gerade DAS mal zur Seite zu lesen und anders zu denken. Es kann ein Aspekt sein, aber einer von sehr vielen. Als Coach kann Geld verdienen, wer gleich­zeitig eine Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit ist und dann ist er/sie oft kein klas­si­scher Coach. LG Svenja Hofert

  7. Markus Väth 23. November 2016 at 13:08 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    klasse Artikel. Ein Punkt beschäf­tigt mich: Ich sehe diesen maso­chis­ti­schen Trend zur Spezia­li­sie­rung in Studium und Beruf auch, besod­ners von Seiten der Unter­nehmen, die glauben, ein super­enges Studium führe pass­genau in die Kompe­tenz. Mitnichten. Sobald nämlich das Anfor­de­rungs­profil geän­dert wird, schreit man nach einem neu designten Schmal­­spur-Bachelor. Ein Spiel ohne Ende.

    Deshalb liegt für mich mit die größte Heraus­for­de­rung in einem Umbau des Bildungs­sys­tems, das persön­liche “Umbil­dung” über mehrere Lebens­phasen leichter macht — Beru­fung hin oder her.

  8. […] Das Märchen von der Beru­fung: Ein Abge­sang in 5 Akten | Persön­lich­keits­ent­wick­lung und Karriere ne… […]

  9. Alex­andra Czerny-Bohn 9. Januar 2017 at 23:03 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    danke für diesen klaren Artikel. Auch ich treffe über meine Arbeit immer wieder auf Menschen, die ihre Beru­fung oder Lebens­auf­gabe in ihrer Arbeit suchen. Damit wird die Mess­latte an einen Beruf oder eine Arbeits­stelle sehr hoch gelegt und manch’ einer bleibt untätig aus Angst, es könnte nicht die eine, wahre Aufgabe sein. Beson­ders schwierig wird es auch, wenn die einmal gefunden geglaubte Beru­fung aus gesund­heit­li­chen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann. Dann ist die beruf­liche Neuori­en­tie­rung für diese Menschen beson­ders anstren­gend und oft ein langer Weg.

  10. […] Thema Beru­fung „Beru­fung – ein Abge­sang in 5 Akten“ habe ich bereits hier geschrieben. Auch den diese Woche erschienen Xing-Artikel von Bernd Slag­huis […]

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