Kate­go­rien

Der Mara­thon­lauf und andere Karrie­re­irr­wege

Published On: 14. Februar 2010Cate­go­ries: Karriere

Mara­thon­läufer wollen besser sein als andere, haben Ellen­bogen, sind Kämpfer. Deshalb liebt die Unter­neh­mens­be­ra­ter­branche den Mara­thon­läufer genau wie den Triath­leten und den Zehn­kämpfer. Studien beweisen, dass Ausdau­er­sportler beruf­lich erfolg­rei­cher sind. Ehrgeiz, Biss und Durch­hal­te­ver­mögen fusio­nieren in einem Lang­stre­cken­läufer. Wenn er seinen Ehrgeiz nicht auf die Straße legt, dann inves­tiert er ihn in ein Unter­nehmen.

Die Mehr­zahl der Absol­venten und Berufs­ein­steiger ist weder je Mara­thon gelaufen noch über­mäßig ehrgeizig gewesen. Doch wenn sich das Studium dem Ende zuneigt, bekommen sie es mit der Angst zu tun, gerade jetzt, wo es so wenig Stellen gibt. Hätte ich viel­leicht doch noch einen Mara­thon­lauf absol­vieren sollen? Sollte ich zur Not einen erfinden, um den Lebens­lauf auf zu hübschen?

Öfter mal werde ich das gefragt, gerade von Berufs­ein­stei­gern. Ich finde das genauso irri­tie­rend wie die Frage nach dem Ehrenamt und dem sozialen Enga­ge­ment, das in Indus­trie­un­ter­nehmen gern gesehen ist (aber bitte nicht zu viel davon). „Sollte ich mich kurz­zeitig bei Green­peace enga­gieren, damit im Lebens­lauf irgend­etwas gesell­schaft­lich Verwert­bares drin steht?“ fragte mich mal jemand.

Spätes­tens im Vorstel­lungs­ge­spräch oder Assess­ment Center brechen solche Lügen­ge­bilde. Man muss nicht mal ein guter Psycho­loge sein, um zu merken, wo etwas dahinter ist und wo nicht. Echte Mara­thon­läufer betreiben ihren Sport nämlich nicht, weil sie Karriere machen wollen, sondern um der sport­li­chen Ziele und der körper­li­chen Akti­vität willen. Deshalb fallen Leis­tungs­sportler nach ihrer aktiven Phase entweder in ein tiefes Loch oder sie arbeiten ohne finan­zi­elle Notwen­dig­keit mit ähnli­cher Energie in anderen Jobs weiter, siehe Oliver Bier­hoff.

Niemand kann tun als sei er so wie ein Mara­thon­läufer, wenn er nicht so ist. Neulich begeg­nete mir ein junger Manager, der nur einmal einen Mara­thon geschafft hatte — mit 5,5 Stunden, aber immerhin. Es hatte ihm gezeigt, dass man sich Dinge vornehmen und auch errei­chen kann. Aber auch: Den Ehrgeiz jedes Jahr besser zu werden und dem Körper alles abzu­ver­langen, den kann man sich nicht für die Bewer­bungs­phase andenken. Der ist da oder nicht. Das gleiche gilt für soziales Enga­ge­ment: Es wäre schön, wenn mehr Menschen sich enga­gieren würden. Aber bitte nicht für den Lebens­lauf.

 

Zu diesem Beitrag passt: Das Karrie­re­ma­cher­buch.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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