Kate­go­rien

Die Diszi­plin­pille und andere Mittel gegen Schwei­ne­hunde

Published On: 8. März 2011Cate­go­ries: Karriere

Wenn die Doktor­ar­beit nicht durch­ge­zogen wird und drei Jahre im Schne­cken­tempo fort­schreitet, das Fern­stu­dium im Unter­la­gen­stapel hängt oder beruf­liche Verän­de­rungs­pro­jekte aller Art stocken, sagen Freunde und Bekannte: ZIEH das doch einfach mal durch. Mach doch einfach mal.  Scheint leicht, ist schwer.

Eine Klientin stellte sich jeden Morgen um 5 Uhr den Wecker, um vor der Arbeit zu lernen. Sie ist dann zwar auch in aller Herr­gotts­frühe aufge­wacht, hat nach einem kurzen Schlag auf den Wecker doch weiter bis 8 Uhr geschlafen. Mona­te­lang. Der Tag war vermiest, weil immer dieses üble Gefühl „du schaffst  nichts, wieder mal versagt“ im  Raum hing. Das schlechte Gewissen — ein tägli­cher Begleiter.

Was hier fehlt, ist Diszi­plin und die rich­tige Maßnahme zur inneren Schwei­­ne­hund-Über­­­win­­dung. Diszi­plin braucht man, um umfang­reiche Vorhaben zu reali­sieren, die nicht in den Flow bringen und deshalb mühsam sind. „Natür­lich“ diszi­pli­nierte Leute sagen an dieser Stelle „das Leben ist kein Ponyhof“ und machen sich an die Arbeit. Undis­zi­pli­nierte schieben alles vor sich her und wenn sie kontakt­freudig sind, spre­chen mit ihren Freunden und Bekannten ausführ­lich darüber, was sie alles wollen,  aber nicht schaffen. Viel­leicht machen sie auch Pläne und Check­listen, die sie aber nicht einhalten oder maximal ein paar Tage.

Oft hat solche Diszi­plin­lo­sig­keit mit zu viel Gnade sich selbst gegen­über zu tun und fehlenden Prin­zi­pien. Ziel- und Zweck­ori­en­tierte Menschen im Reiss-Profil gehören manchmal zu dieser Spezies, vor allem wenn sie nicht gleich­zeitig sehr ehrgeizig oder ordent­lich sind (im Reiss-Profil also eine „grüne“ Macht und/oder Ordnung haben).  Sie halten Prin­zi­pien, die keinen Sinn zu machen scheinen, für über­flüssig. Viel­leicht hatten sie ein tradi­ti­ons­be­wusstes Eltern­haus und stellen sich bewusst gegen Aussagen wie „was du ange­fangen hast, zieh auch durch.“ Genau dieses Prinzip ist aber nötig, wenn man keine starke intrin­si­sche Moti­vaton fühlt. Eine Bera­terin, die ein Fern­stu­dium endlich abschließen wollte, aber nicht konnte, weil sie 1000 Gründe fand, sich inter­es­san­teren Dingen zu widmen, hing sich das Prinzip „Frag nicht, rede nicht, mach einfach“ über den Computer. Sie sprach fortan nicht mehr mit Freunden über all das, was sie nicht schaffte und versagte sich jeden selbst­be­trü­ge­ri­schen Flucht­ver­such („so schönes Wetter“).

Jeder Jeck is anders, heißt es dieser Tage in Köln. Lösungen für Diszi­plin­pro­bleme sind immer indi­vi­duell. Deshalb halte ich nicht viel von Zeit­ma­nage­ment. Es nutzt wenig, zu wissen, wie man sich zeit­lich struk­tu­rieren kann, wenn das Problem im Kopf und in der Haltung liegt. Lösungen sind deshalb immer indi­vi­duell und der jewei­ligen Persön­lich­keit entspre­chend. Lösungen können auch verrückt sein – so lange sie helfen. Eine Klientin verord­nete sich eine Diszi­plin­pille, einen Placebo mit einem großen „D“ drauf. Alles ist erlaubt, wenn es um Ziele geht, die zu wichtig sind, um sie einfach aufzu­geben.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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