Kate­go­rien

Die Zukunft der Arbeit: Warum wir Schritt für Schritt lernen müssen, Unter­nehmer zu werden

Published On: 7. Dezember 2012Cate­go­ries: Führung

Waren Ihre Eltern selbst­ständig? Wahr­schein­lich nicht. Und wenn Sie zu den mehr als 90 Prozent Nicht-Unter­­neh­­mer­kin­­dern gehören, die Zukunft der Arbeit aber ein Umdenken von Ihnen fordert? Dann ist das schwer; der Schalter lässt sich selten von heute auf morgen umlegen. Das geht nur Step by Step.

Die meisten von uns sind es nicht gewohnt, für alles und jedes selbst die Verant­wor­tung zu über­nehmen – und das muss ein Unter­nehmer. Entschei­dungen als Unter­nehmer (und hier schließe ich Frei­be­rufler explizit ein) sind immer meine; ich kann sie niemanden in die Schuhe schieben. Wenn ich an die Unter­­nehmer- oder Frei­be­ruf­ler­kinder meiner Schul­zeit denke, so sind diese immer früher oder später selbst selbst­ständig geworden – das wurde so vorge­lebt.

Über­wie­gend wurde uns, die wir nicht aus Unter­­nehmer- oder Frei­be­ruf­ler­haus­halten stammten, jedoch ein Arbei­ter­leben oder eine Kamin­kar­riere präsen­tiert. In meiner kauf­män­nisch geprägten Familie, war Selbst­stän­dig­keit kein Thema. Ich wundere mich im Nach­hinein, wie das je auf meinen Plan kommen konnte.

Wer ohne die Prägung des Eltern­hauses in die Selbst­stän­dig­keit startet, startet öfter klein, wie jetzt ein Kurz­be­richt der IAB über Solo-Selb­st­­stän­­dige (Titel: “Die Förde­rung bewährt sich”) darlegt. Wir sehen hier: es werden immer mehr Unter­nehmer — aber das Wachstum bezieht sich vor allem auf Unter­nehmer ohne Mitar­beiter.

Quelle: IAB

Inso­fern habe ich ganz typisch begonnen: Kurz vor der Jahr­tau­send­wende mit einigen Star­tu­pideen lieb­äu­gelt, aber das Risiko gescheut. Die ersten frei­be­ruf­li­chen Jobs suchte ich als Subun­ter­nehmer von Outpla­ce­ment­be­ra­tungen. 5000 DM inves­tierte ich in Flyer und Visi­ten­karten (damals war der Druck noch teuer), um das alles kurz danach wegzu­werfen,. weil es mir nicht mehr gefiel. Ich war zu feige — so könnte man das sehen. Oder auch so: Ich wuchs flie­ßend nach dem Slow­­Grow-Prinzip. In den Anfangs­jahren habe ich enorm viel gelernt, ich wüsste nicht wie das aussähe, wenn ich sofort mehr auf Risiko gesetzt hätte. Wahr­schein­lich war das sogar nötig.

Im IAB-Kurz­­be­richt steht das, was zu erwarten war: Die Förder­instru­mente für Selbst­stän­dig­keit haben sich als sehr stabil und lang­fristig erfolg­reich bewährt. Über die Hälfte derje­nigen, die sich mit dem Über­brü­ckungs­geld selbst­ständig gemacht haben, heute Grün­dungs­zu­schuss, haben heute Mitar­beiter. Sie brau­chen für diesen Schritt aber länger als Unter­neh­mer­kinder in 3. Gene­ra­tion. So wie ich auch. Dann sind aber auch sie arbeits­platz­för­dernd. Eine meiner Mitar­bei­terin ist über 60, die andere hat drei kleine Kinder. Als kleine Unter­neh­merin, die selbst ohne unter­neh­me­ri­schen Hinter­grund aufge­wachsen ist, gebe ich denen Chancen, die es sonst schwer hätten. Das ist typisch und eine Chance für viele, die in Konzernen ausge­puckt werden, sei es wegen Burnout oder aufgrund ihres Alters. Ich habe zwar nie Geld der Arbeits­agentur bekommen, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, aber die Idee des Grün­dungs­zu­schusses  finde ich fantas­tisch und notwendig bei der Entwick­lung, die der Arbeits­markt nimmt. Wer glaubt, der Trend der Unter­nehmen auszu­la­gern wäre zu stoppen, irrt. Es wird Groß­un­ter­nehmen geben, die größer werden. Und es werden mehr und mehr Satel­liten entstehen, die Dienst­leis­tungen für diese Unter­nehmen anbieten. Darin stecken die inhalt­lich span­nenden Themen. Und hierfür ist Förde­rung drin­gend nötig. Jedoch: Wer nicht-unter­­neh­­me­risch sozia­li­siert ist, stellt nicht nur erstmal keine Mitar­beiter ein, sondern nimmt auch keinen 100.000 EUR Kredit auf, er KANN aus seiner Kamin­­kar­rieren-sozia­­li­­sierten Persön­lich­keit nur langsam wachsen.

Nicht über­ra­schend deshalb ein Detail der IAB-Studie, wonach Unter­neh­mer­kinder eher die Neigung haben, mehr Geld für ihre Grün­dung auszu­geben, was bis zu einem gewissen Grad auch durchaus ein Erfolgs­kon­zept sein kann. Nicht-Unter­­neh­­mer­kinder haben diese natür­liche Neigung nicht.

Dass der Staat Grün­dungen solcher Satel­liten fördert ist also notwendig – auch um die Zukunft der Arbeit mit immer mehr Wissens­ar­beit um Unter­nehmen herum zu ermög­li­chen. Denn ohne Förde­rung sucht man sich als nicht unter­neh­me­risch sozia­li­sierter Mensch im Zweifel doch lieber eine nied­riger quali­fi­zierte Posi­tion. Schade, dass die Förde­rung in diesem Jahr stark einge­schmolzen worden ist. Ich sehe viele, die sonst bereit wären, zu gründen, sich so aber so noch nicht trauen.

Also müssen wir auf andere Konzepte setzen, z.B. auf neben­be­ruf­liche Starts. Wer nicht mit Unter­neh­mer­el­tern groß geworden sind, muss sich erst langsam an Selbst­stän­dig­keit gewöhnen. Lang­sames Wachstum ist etwas, was die Banken und Wirt­schafts­för­de­rungen nicht gern sehen. Aber es ist orga­ni­sches Wachstum und verzahnt mit dem Wachstum der globa­li­sierten Konzerne. Das über­sehen einige.

Viel­leicht sind solche Langsam-Gründer erst nach fünf oder zehn Jahren bereit, den nächsten Schritt zu gehen und z.B. Mitar­beiter einzu­stellen. Dabei hilft mein Slow­­Grow-Prinzip.  Zum Buch erhalten Sie bei Kexpa® Selbst­lern­pro­gramme, die Sie bei der erfolg­rei­chen Grün­dung und beim Wachstum unter­stützen. 

Sicher­heits­ori­en­tierte Klein­denker, lernen hier ein prag­ma­ti­sches System kennen, sich weit­ge­hend ohne Invest­ment einen Test­markt zu suchen und sich prak­tisch auszu­pro­bieren. Denn wie ich es gemacht habe – Visi­ten­karten und Flyer zum Start und dann hoffen, es kommt jemand – ist die völlig falsche Heran­ge­hens­weise. Machen Sie Ihren Proof of Concept, über­schaubar und syste­ma­tisch!

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Helga Numberger 7. Dezember 2012 at 14:45 — Reply

    Und mal wieder ist das IAB schlauer als die Agentur für Arbeit, dessen “Kind” das IAB ist… Ich wundere mich schon seit Jahren über das Para­doxon, dass Maßnahmen, die das IAB als sinn­voll erachtet, oftmals gekürzt werden und dass bei Maßnahmen, welche der näheren Prüfung nicht stand­halten, trotzdem das Geld zum Fenster heraus­ge­worfen wird.

    Im Übrigen bin ich auch ein NIcht­un­ter­neh­mer­kind und kann nur das bestä­tigen, was Sie geschrieben haben. Es fällt mir unheim­lich schwer, den großen Schritt in die komplette Selb­stän­dig­keit zu gehen. Das Dumme ist nur, dass mein Ange­stell­tenjob mir so viel Energie raubt, dass das Aufbauen einer Selb­stän­dig­keit zunächst als Nebenjob im Sande zu verlaufen droht. Gott sei Dank bin ich so über­zeugt von der Vorstel­lung der Selb­stän­dig­keit, dass ich irgendwo immer noch Kraft­re­serven herzau­bere…

    Mich würde mal inter­es­sieren, wem es auch so ergeht wir mir.

    LG, Helga Numberger

  2. Joachim Hilbert 13. Dezember 2012 at 14:59 — Reply

    Beruf­liche Selbst­stän­dig­keit bedeutet Verant­wor­tung. Das ist wohl einer der Gründe, warum sich die meisten Menschen vor ihr fürchten. Vor allem gehört aus meiner Sicht eine ordent­liche Portion Selbst­be­wusst­sein dazu, den Schritt zu neuen Ufern zu wagen. Persön­lich­keit und ein gutes Konzept sind sicher­lich gute Voraus­set­zungen, um lang­fristig Erfolg zu haben.

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