Duzt du mich, dann duz ich dich? Diese Woche fragte mich jemand bei Facebook, ob er auf eine Duz-Anzeige per Du antworten solle. Auf einen Artikel in der Gründerszene beschwerte sich am selben Tag ein Dreikäsehoch, dass ein „Sie“ in meinem Artikel ja schon ziemlich daneben sei. Und dann quatschte mich im Fitness-Studio auch noch ein 18jähriger mit „hey, Du“ an. Ich habe ihn retour-gesiezt, er blieb konsequent dabei. Nur wenige bleiben so cool, wenn der andere nicht auf seine Du- oder Sie-Tour anspringt.

Und genau da liegt der springende Punkt. Denn bei der Frage, soll ich Du oder Sie sagen, entscheidet meine innere Haltung, ob ich also dazu stehen kann und will oder nicht. Wer sich auf eine Du-Anzeige mit „hallo Thomas, moin Günter!“  bewirbt, sollte sich beim ersten Sie von der anderen Seite nicht gleich rot schämen.

Wer den Thomas dagegen nur so anspricht, weil er es muss, wird im Vorstellungsgespräch aus Angst vor Klarheit entweder die Sprache verlieren oder jede weitere Aussage um ein sperriges „man“ wickeln.  Dann doch besser „Sie“, auch wenn ich noch so locker geduzt werde – vielleicht ist es ja ein Kampagnen-Du, also geschaffen rein zu Marketingzwecken oder neudeutsch zum Employer Branding (Kampagnen-Du: mein Dank für diese geniale Wortschöpfung geht an Lars Hahn).

Mit dem „Sie“ ist das etwas einfacher. Wer sich mit Sie auf eine Duz-Anzeige bewirbt und dann trotzdem eingeladen wird, kann dann auch im Vorstellungsgespräch lustig  siezen oder das Thema gleich auf den Tisch und zu einer kooperativen Entscheidung bringen.

Wie viel einfacher haben es da die Engländer und Amerikaner. „You can say you to me“: Als Heinrich Lübcke sprachlich so daneben trat, dachte er wahrscheinlich nicht daran, dass You im Englischen irgendwo auch ein „Sie“ sein kann. Aber ist es nicht so? Die Distanz und der Respekt, die das „Sie“ ausdrücken soll, entsteht schließlich durch die Person und ihr Auftreten und nicht durch ein Wort.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert ist vielfache Bestsellerautorin, die sich im deutschsprachigen Raum über mehr als ein Vierteljahrhundert ein hohes Renommee als Vordenkerin für das Thema Zukunft von Arbeit und Führung erworben hat. Ihr Motto "Zukunft der Arbeit mit Sinn und Verstand". Dieses Blog besteht seit 2006 und wird nur noch gelegentlich gepflegt. Folgen Sie der Autorin, indem Sie Ihren kostenlosen Newsletter Weiterdenken  abonnieren. Auf  Linkedin können Sie der Autorin ebenso folgen und erhalten 14tätig die Weiterdenken Essentials.

One Comment

  1. Lars Hahn 31. Januar 2011 at 10:38 - Antworten

    Ein schönes Beispiel für den Eiertanz im Online-Bereich ist die FB-Fanpage von Daimler-Career. Da wird bunt gemischt. Ich finde, man spürt, dass auch die Daimlers ihre liebe Mühe haben. 😉

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