Kate­go­rien

Ein neuer Job entsteht… viel­leicht ist es Ihrer?

Published On: 20. Juli 2011Cate­go­ries: Führung

Neulich sprach ich mit einem die Fest­an­stel­lung suchenden ehema­ligen Unter­nehmer, der sich beklagte, dass zwei Monate nach seinem Coaching bei Herrn X — welcher nach der Work-Life-Plan­­ning-Methode von Nelson Bolles vorge­gangen war — immer noch kein Job in Sicht war.

Ich erwi­derte, dass eine längere Suche bei einer solchen Umori­en­tie­rung völlig normal sei. Wer sich einen neuen Job durch Gespräche und Recherche erschließt, braucht nun mal Zeit und viel Geduld. Das macht die Methode nicht schlecht, im Gegen­teil – das bedeutet aber, dass Jobsuche-Projekte sich über Monate und sogar Jahre hinziehen können. Wer einfach nur einen Job braucht, zum Beispiel weil er schlicht und ergrei­fend Geld verdienen muss, muss ganz anders vorgehen. Und mitunter größere inhalt­liche Kompro­misse machen.

Das Erlebnis nehme ich zum Anlass, einmal aus meinem vergrif­fenen Buch „Bewerben ohne Bewer­bung“  zu zitieren und darzu­stellen, wie Jobs entstehen – und warum es wichtig ist, da zu sein, bevor sie ausge­schrieben sind. Auf diesem Phasen-Denken beruht jede krea­tive Methode, sich Jobs oder Aufträge zu “angeln”, bevor diese ausge­schrieben sind. Da sein, BEVOR eine Stelle über­haupt ange­dacht ist. Das genau ist das Prinzip des verdeckten Stel­len­markts.

Der Entste­hungs­pro­zess glie­dert sich in mehrere Phasen:

Phase 1: Bedarf entsteht

Nur wenige Ange­stellte werfen von heute auf morgen das Hand­tuch. Kündi­gungs­fristen halten die Fluk­tua­tion im Zaum. In dieser Phase weiß noch niemand im Unter­nehmen von neuen Jobs, ahnt höchs­tens die Fach­ab­tei­lung, dass etwas passieren könnte. Ganz sicher ist die Perso­nal­ab­tei­lung zu diesem Zeit­punkt noch nicht invol­viert. 

Für Sie heißt das: In so einer frühen Phase schon da zu sein, kann oft bedeuten, vorsich­tiges Inter­esse zu wecken. „Ja, es könnte sein, dass wir demnächst jemand brau­chen. Aber im Moment ist keine Posi­tion zu besetzen“ – so oder ähnlich mögen Verant­wort­liche sich äußern, wenn noch wenig klar und alles möglich ist. Fragen Sie in bestimmten Abständen unauf­dring­lich nach, bringen Sie sich immer wieder ins Gedächtnis und selbst viel Geduld mit.

Phase 2: Bedarf wird erkannt

Es geht nicht mehr ohne neue Mitar­beiter. Die Pläne zum Umbau sind z.B. ohne einen Ange­stellten mit Kennt­nissen im Bereich Geschäfts­pro­zess­ma­nage­ment nicht reali­sierbar. Da der Bedarf in der Regel in einer Fach­ab­tei­lung entsteht, enga­giert diese sich auch dafür, sich die Stelle geneh­migen zu lassen. Dafür zuständig sind die nächst­hö­heren Vorge­setzten. Auch jetzt ist oft noch kein Perso­naler an Bord. Man beginnt im eigenen Umfeld zu suchen, fragt Mitar­beiter.…

Für Sie heißt das: Es kann sein, dass Sie bereits zu Gesprä­chen einge­laden werden. Nutzen Sie diese zum gegen­sei­tigen Kennen­lernen. Oft haben diese (noch) nicht den Charakter eines hoch­of­fi­zi­ellen Vorstel­lungs­ge­sprächs.

Phase 3: Stel­len­profil bildet sich aus

Welche Anfor­de­rungen muss der neue Mitar­beiter mitbringen? Mit dieser Frage beschäf­tigt sich die Fach­ab­tei­lung, wenn klar ist, dass es einen neuen Mitar­beiter geben wird. Anfor­de­rungen werden bespro­chen, meist noch sehr offen. Sehr wahr­schein­lich, dass sich in dieser Phase noch viel ändert und die erste Vision vom neuen Mitar­beiter mehr­mals über­ar­beitet wird – nicht selten sogar nach den ersten Gesprä­chen.

Für Sie heißt das: Gehören Sie zu diesem Zeit­punkt zum Inter­es­sen­ten­kreis können Sie das Profil aktiv mitprägen und eigene Vorschläge einbringen. Fragen Sie besser nicht, was man genau erwartet. Gut möglich, dass die Antwort darauf schwer­fällt.

Phase 4: Stel­len­be­darf wird formu­liert

Die Anfor­de­rungen werden nun an die Perso­nal­ab­tei­lung weiter­ge­geben oder von einer anderen Stelle  — z.B. Werbe­agentur (!) – formu­liert. Stan­dard­aus­sagen zum Unter­nehmen und zu den gewünschten „Soft Skills“ kommen hinzu.

Für Sie heißt das: Wenn Sie da sind, bevor die Anzeige geschaltet wird, können Sie die Schal­tung über­flüssig machen (wer gibt schon gern Geld aus, wenn es nicht nötig ist?)

Phase 5: Betriebsrat etc. geneh­migten Stelle

Dass die Chefs „ja“ gesagt haben, heißt noch nicht, dass die offi­zi­ellen Wege nunmehr beendet sind. So muss auch der Betriebsrat zustimmen, wenn es um die Schaf­fung neuer Jobs geht. In der Regel wird dieser nicht inter­ve­nieren – es sei denn das Unter­nehmen hat einen Abbau hinter sich und es gibt genü­gend interne Mitar­beiter, die in neue Posi­tionen versetzt werden sollen.

Für Sie bedeutet das: Wiegen Sie sich nicht zu früh in Sicher­heit. Verlassen Sie sich nicht auf eine „verspro­chene“ Stelle.

Warum Sie spätes­tens in Phase 3 da sein sollten

Es liegt auf der Hand: Je früher Sie als poten­ti­eller Mitar­beiter sichtbar sind, desto besser stehen die Jobchancen für Sie. Wenn Sie einige Gespräche geführt und zum „Vertrauten“ geworden sind, haben es andere Kandi­daten schwer gegen Sie. Aller­dings bedeutet das für Sie viel Arbeit, gute Nerven und erfor­dert Selbst­be­wusst­sein. Einma­lige Anrufe bei einem Unter­nehmen nutzen nichts, Sie müssen dauer­haft Präsenz zeigen, ohne aufdring­lich zu sein.

Mir sind mehrere Fälle bekannt, wo Bewerber vier bis sechs Mal zu Gesprä­chen – teil­weise mit unter­schied­li­chen Personen und über einen Zeit­raum von mehreren Monaten, sogar über einem Jahr – einge­laden worden sind, bevor ein Arbeits­ver­trag auf den Tisch kam. Das schaffen Sie mit der inneren Einstel­lung: „Es wäre schön und mir wichtig, wenn es klappt. Ich konzen­triere mich aber nicht nur auf diese Chance, sondern suche weiter nach attrak­tiven Jobs.“

Womit Sie in Phase 3 punkten können…

Das lesen Sie meine Face­­books-Fan diese Woche, denn Fange­schenk am Mitt­woch ist das Kapitel „Ange­bots­stra­tegie“ aus meinem vergrif­fenen Buch „Bewerben ohne Bewer­bung“, kurz BOB.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 20. Juli 2011 at 19:52 — Reply

    “Wenn Sie da sind, bevor die Anzeige geschaltet sind…”.

    Ja genau! Darum geht es bei der Jobsuche nach einer Stelle im verdeckten Arbeits­markt.

    In Phase 2 am rich­tigen Ort zu sein, oder besser bereits dort gewesen zu sein, darum geht es u.a. in Life/Work Plan­ning. Das ist wesent­lich mehr als das bekannte “syste­ma­ti­sche Kaffee­trinken” oder das land­läu­fige Netz­werken.

    L/WP ist ein sehr syste­ma­ti­scher Weg der Selbst­ana­lyse gepaart mit gezielten Gesprächs­stra­te­gien. Im L/WP-Kurs wird das regel­recht trai­niert. Aber: Danach den rich­tigen Job zu finden, dauert in der Tat bisweilen länger.

    Ohne L/WP oder andere Stra­te­gien dauert es bei manchen das ganze Arbeits­leben 😉

    Übri­gens: Erwähnte ich viel­leicht beiläufig, dass man den L/WP-Kurs bei der LVQ sogar über den Bildungs­gut­schein machen kann?
    Siehe http://ow.ly/5JggU

  2. Anne Güntert 21. Juli 2011 at 9:32 — Reply

    Wenn wir schon bei den “Updates” sind: Richard Bolles bringt im August eine komplett über­ar­bei­tete Auflage von “What color is your Parachute?” raus und widmet da Social Media et al. einen großes Anteil und es gibt vom der Ev Erwach­se­nen­bil­dung in Schwelm als Träger “Update” LWP Kurse u.a. in Essen im September über Bildungs­prämie:-) die LWPler u.a. in der Frage bei der profes­sio­nellen Netz­werk­technik unter­stützen.….

  3. Wilhelm Zorem 22. Juli 2011 at 19:23 — Reply

    Dies mal keine Kritik gegen den Beitrag, sondern einfach eine Frage: Wann haben die hier Schrei­benden zuletzt einen Ange­stell­tenjob in einen Unter­nehmen gesucht oder über einen Arbeits­ver­trag entschieden?

  4. Svenja Hofert 24. Juli 2011 at 14:01 — Reply

    Hallo Herr Zorem, letzte Woche habe ich den Arbeits­ver­trag einer Mitar­bei­terin ange­passt und die Stun­den­zahl aufge­stockt. Das ist aber sicher nicht, was Sie wissen wollen? Was aber wirk­lich inter­es­sant ist: Sie hat sich den Job bei mir auf dem verdeckten Stel­len­markt erar­beitet und einfach selbst geschaffen. Gruß, SH

  5. Leon Lang 4. August 2011 at 18:22 — Reply

    Zum Glück soll sich auch Herr Münch­hausen an seinen eigenen Haaren mitsamt seinem Pferd aus dem Sumpf gezogen haben 😉

    Auf jeden Fall gute Tipps, die für einen Bruch­teil der Jobsu­chenden sicher­lich gut funk­tioneren werden, solange diese nicht von der breiten Masse prak­tisch umge­setzt werden.

  6. Svenja Hofert 4. August 2011 at 18:52 — Reply

    Och, da muss man sich keine Sorgen machen. Die breite Masse liebt es einfach, und das ist es nicht 😉 LG Svenja Hofert

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