Kate­go­rien

Es ist auf dem Kindle! Mein E‑Book-Expe­ri­­ment (Teil 1)

Published On: 5. Dezember 2012Cate­go­ries: Karriere

In diesen Tagen wird mein Portal Kexpa E‑Books & Solu­tions frei­ge­schaltet werden. Und seit Montag sind drei meiner ersten E‑Books bei Amazon erhält­lich:

1. „Erfolg­reich in der Jobwelt der Zukunft“ für EUR 6,99 (das aktua­li­sierte Karrie­re­ma­cher­buch von Eich­born)

2. „Wirk­same Selbst­prä­sen­ta­tion in Social Media“ für EUR 4,99 (das rundum erneu­erte „Jobsuche und Bewerben im Web 2.0, erst­mals erschienen in Print bei Eich­born)

„3. Mein Social Media Expe­ri­ment 2010–2012“ für EUR 0,99 (das sind Blog­bei­träge mit neuen Kommen­taren)

Für das Layout innen und außen sowie die recht kompli­zierte Umwand­lung in die Formate epub (Kindle/Amazon), mobi­po­cket (itunes) und PDF (Adobe) konnte ich die ehema­lige Grafi­kerin von Eich­born gewinnen. Der Vertriebs­partner ist Book­wire, die 20 Prozent vom Verkauf dafür erhalten. Das ist prak­tisch, denn es erspart einem die US-Steu­er­­nummer, die man bräuchte, um bei Itunes rein­zu­kommen und eine Menge Detail­ar­beit bei der Über­gabe an die unter­schied­li­chenn Shops. Book­wire nimmt aber nicht jeden. Man braucht einen Verlag. Den hatte ich prak­ti­scher­weise inklu­sive aller ISBN-Nummern seit 2002, denn schon mit Gruen­der­re­ports bewegte ich mich im Feld des Self­pu­bli­shings, indes auf ganz anderer Ebene.

Es war ein längerer Weg: vom ersten Auffla­ckern des Gedan­kens „das geht so nicht mehr mit den Verlagen“ und „Du musst etwas GANZ anders machen“ Anfang 2010 bis heute. Jetzt bin ich gespannt, zum Beispiel, ob ich ohne Verlag wirk­lich weniger verkaufe als mit. Und ob man auf Print teil­weise verzichten kann oder nach “gedruckt” verlangt wird. Wenn ja: auch dies ließe sich handeln.

Heute war „Erfolg­reich in…“ immerhin schon erheb­lich  besser plat­ziert als die Kindle-Bücher meiner Verlags­pro­jekte etwa von Campus oder Humboldt. Noch gibt es kleine Unge­reimt­heiten. So passt die Kate­gorie nicht und sehen einige Amazon-Besu­cher offen­sicht­lich den Kauf­preis nicht, melden Face­­book-Fans. Außerdem muss man, gibt man „Svenja Hofert“ ein, erst einmal auf die Kindle-Regis­­ter­­karte klicken oder aber direkt über den Kindle-Shop gehen. Mir war es wichtig von Amazon und anderen Platt­formen unab­hängig zu sein: Ab nächster Woche werden alle E‑Books und vieles mehr in meinem dann eröff­neten KEXPA-Shop erhält­lich sein. Dieser Vertrieb voll­zieht sich unab­hängig von Book­wire.

Das gerade war die Kurz­form für die Neugie­rigen. Nun zu den Hinter­gründen, warum ich das alles mache. Das ist der Teil, der für Autoren und Experten inter­es­sant ist.

Ich stelle dabei zwei Thesen in den Blog:

  • Erstens: Da das Buch mehr und mehr zum Status­ob­jekt geworden ist, verliert die Publi­ka­tion über etablierte Verlage an Wert. Sie ist kein Kompe­tenz­aus­weis mehr. Mitunter das Gegen­teil.
  • Zwei­tens: Auch wenn von 2011 auf 2012 aus einem nur zwei Prozent deut­sche E‑Book-Leser geworden sind — die Entwick­lung zum digi­talen Lesen ist offen­sicht­lich. Gene­ra­tion Y kauft weniger gedruckte Bücher und liest keine Zeitungen. Ich glaube, nein, ich bin fest über­zeugt: Gerade Ratgeber und Sach­bü­cher werden zum Groß­teil digi­ta­li­siert werden.

Erstens: Da das Buch mehr und mehr zum Status­ob­jekt wird, verliert die Publi­ka­tion über etablierte Verlage an Wert. Sie ist kein Kompe­tenz­aus­weis mehr.

Teils erzeuge ich einen Weiß­kittel-Effekt (danke Claudia für dieses nette Wort).

Dadurch, dass ich seit Ewig­keiten Bücher in renom­mierten Verlagen veröf­fent­liche und meine Bücher SELBST schreibe, löse ich Bewun­de­rung aus, vor allem unter Kollegen, die ahnen, wie schwer es ist, auf dem Buch­markt zu etablieren und sich über einen längeren Zeit­raum zu halten.

Wenn man tiefer drin­steckt in dieser Branche wie ich geht die Glei­chung Buch = Kompe­tenz aller­dings ganz und gar nicht auf. Für mich ist das Buch ledig­lich ein Beleg dafür, dass jemand bereit war, ab 25.000 EUR in die Hände zu nehmen fürs profes­sio­nelle Schrei­ben­lassen und noch viel mehr für PR  — ein  größer­wer­dendes, tabui­siertes Phänomen (Ghost­writer stehen hier nicht auf dem Cover) im Sach­­buch- und Ratge­ber­seg­ment, das Intri­gen­coachs, Glücks­experten und sons­tige Narzisse mit Gold­mün­dern hervor­bringt, von denen nur der klei­nere Teil WIRKLICH etwas NEUES zu sagen hat.

Verlage denken längst wie PR-Agen­­turen: Da gibt es eine Marke, diese Marke wollen wir formen – aber bitte so, dass es unser rest­li­ches Programm nicht stört. Die Folge davon: Ich konnte die Dinge nie so machen, wie ich es für richtig hielt und habe mich von Sachen über­zeugen lassen, bei denen meine innere Stimme eigent­lich „nein“ sagte. Eine Weile unterlag ich dem Trug­schluss, die anderen müssten doch kompe­tenter sein als ich in der Beur­tei­lung von Konzepten, Covern etc. Diesen Glauben habe ich verloren.

Ich möchte nicht komplett aus der Print­welt raus und freue mich für Gabal ein schönes Coaching-Buch für Herbst 2013 machen zu dürfen – dies aber eher Fach­buch und opulent gestal­tetes Werk mit Schmuck­ef­fekt und hoher Regal­taug­lich­keit. Solche „Model“-Bücher werden, hübsch anzu­sehen, weiter verkauft werden. Die passen  nicht auf den Kindle, die behalten ihre gedruckte Berech­ti­gung.

Zwei­tens: Auch wenn von 2011 auf 2012 aus einem nur zwei Prozent deut­sche E‑Book-Leser geworden sind. Die Entwick­lung zum digi­talen Lesen ist offen­sicht­lich. Gene­ra­tion Y kauft weniger gedruckte Bücher und liest keine Zeitungen. Ich glaube, nein, ich bin fest über­zeugt: Gerade Ratgeber und Sach­bü­cher werden zum Groß­teil digi­ta­li­siert werden.

Ich sehe, dass sich das Thema „Ratgeber“ mit dem Internet verän­dert. Heute ist es so, dass die Verlage eine bestimmte Anzahl von Titeln auf den Markt werfen und sich um die meisten nicht mehr kümmern.

Verlage setzen auf VIPs,  etablierte Namen oder auf neue Experten mit großen Netz­werken, meist „Speaker“, die Bücher mit viel Geld und Gefolg­schaft vertreiben. Inso­fern erkennt man in dieser Szene an einem Experten “nur” mit E‑Book durchaus mitunter die weniger Erfolg­rei­chen – nutzen diese “ihr Buch” rein als Status­ob­jekt. Oft sind diese E‑Booker Neu-Autoren, die Verlage weder von Gefolg­schaft noch von VIP oder Etabliert­heit über­zeugen konnten. Manchmal sind es aber auch die klugen, weit­sich­tigen.

Ich selbst brauche keine gedruckten Bücher mehr, lese fast alles online, aber ich bin in meiner Gene­ra­tion unge­wöhn­lich. Es gibt nicht viele, die sich so leicht­herzig vom Gedruckten verab­schieden können (und um die FTD tut es mir leid).

Um mich herum sind einige junge Leute, die Free­lancer-Täti­g­keiten für mich ausüben oder Mitar­beiter sind, darunter meine Karrie­­re­ex­­perten-Twit­­terin Sarah. An deren Lese­ver­halten sehe ich die Zukunft, dafür brauche ich dann offi­zi­elle Zahlen nur noch als Backup. Diese GenY-Vertreter haben ein Problem, wollen z.B. wissen wie man small talkt — und dann laden sie sich mobil die Lösung runter. So genannte „Serials“ ersetzen den 250-Seiten-Ratgeber. Das ist die Reise, auf die ich jetzt gehe. Bis zum nächsten Teil.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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12 Kommen­tare

  1. Roland Kopp-Wich­mann 5. Dezember 2012 at 17:39 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    span­nend zu lesen, dass Sie sich auch dem selbst publi­zierten Buch annä­hern. Ich habe bisher zwei Bücher geschrieben, fand aber die Preis­po­litik der Verlage (8%) skan­dalös.
    Für mein Renommé bringen mir mehr gedruckte Bücher auch nichts mehr, denke ich, habe deshalb zwei eBooks bei Amazon als Test­lauf veröf­fent­licht. Bin ganz erstaunt, wie gut die laufen.
    Mitt­ler­weile schreibe ich v.a. eMail-Kurse im Rahmen meines Blogs, die auch sehr gut laufen.
    Ich denke, eBooks werden ähnlich wie in USA immer mehr kommen, das iPad und seine Konkur­renten helfen da enorm.
    Book­wire und Kexpa kannte ich noch nicht, werde ich mir anschauen.
    Viel Erfolg!

  2. Svenja Hofert 6. Dezember 2012 at 9:24 — Reply

    Hallo Herr Kopp-Wich­­mann, es freut mich ganz beson­ders, dass gerade Sie sich hier als erstes melden, denn ich beob­achte, was Sie tun, schon länger — und bin sehr angetan von der Art Ihrer Ansprache und der Art Ihres Marke­tings. Das hebt sich von aus meiner Sicht platten Verkaufs­drauf­ge­haue wohl­tuend ab.… Naja Preis­po­litik: Man kann weniger (6%)und mehr (je nachdem ob Netto­erlös oder Netto­la­den­preis)
    bekommen, wenn man verhan­delt, aber dann über Agent und der kostet auch.… ich kann indes die Verlage gut verstehen, die Marge ist klein. Es geht schwer mit höheren Tantiemen, jeden­falls bei den klei­neren. LG Svenja Hofert

  3. Michael Sinn­huber 6. Dezember 2012 at 10:12 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    und herz­li­chen Dank für die ausführ­liche Darstel­lung Ihrer Gründe. Ich verfolge Ihre Blogs immer wieder mit großem Inter­esse. Da ich aktuell auch gerade über “mein erstes Buch” nach­denke, hat mich dieses Thema beson­ders inter­es­siert.

    Ich kann Ihnen aus meiner persön­li­chen Erfah­rung sagen, dass auch ich fast alles online (bzw. e‑book) lese, obwohl ich nicht der GenY ange­höre. Und ich stimme Ihnen zu, dass der Weg ganz klar zum e‑book geht.

    Ich bin schon sehr gespannt, wie es im 2. Teil weiter­geht und ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg für Ihr Expe­ri­ment! 😉

    • Svenja Hofert 6. Dezember 2012 at 13:13 — Reply

      Ich auch, Herr Sinn­huber. Lieben Dank für den Kommentar und auch Ihnen viel Erfolg. Svenja Hofert

  4. Roland Kopp-Wich­mann 6. Dezember 2012 at 11:09 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    freut mich, dass Ihnen mein Auftritt und das Pull-Marke­­ting gefallen.
    Und mit dem Honorar: das ist wie mit dem Preis für Milch oder Gemüse für die Bauern. Dass derje­nige, der das Produkt herstellt, ohne den es die Sache gar nicht gäbe, mit so wenig abge­speist wird, finde ich einfach demo­ti­vie­rend.
    Deswegen machen wir es jetzt auch wie die cleveren Bauern: Hofver­kauf!

  5. Thomas Matla 6. Dezember 2012 at 12:05 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    ein span­nendes Expe­ri­ment, das Sie da im Selbst­ver­such starten. Schön, dass Sie die Zukunft der Fach­pu­bli­ka­tionen inno­vativ mit voran­treiben. Bin gespannt, wie es bei Ihnen läuft und wünsche Ihnen viel Glück dafür! Mein ganz persön­li­cher Wunsch bleibt dennoch einen neuen Weg zu finden, auf dem digi­tale und gedruckte Bücher und Welten mitein­ander anspruchs­voll und nutzer­freund­lich verwoben werden können, unter Einbezug des statio­nären Buch­han­dels. Schnee­grüße aus Berlin Thomas Matla, Green­fran­chise Lab

    • Svenja Hofert 6. Dezember 2012 at 13:13 — Reply

      Hallo Herr Matla, ich möchte auch weiter beides, ich sehe nur für unter­schied­liche Genre verschie­dene Wege. LG und danke Ihnen Svenja Hofert

  6. Svenja Hofert 6. Dezember 2012 at 13:04 — Reply

    Hofver­kauf klingt gut 🙂

  7. Lars Lorber 10. Dezember 2012 at 12:40 — Reply

    Sehr inter­es­sant. Da ich mich auch gerade mit Veröf­fent­li­chungs­mög­lich­keiten meiner Inhalte beschäf­tige, bin ich schon gespannt auf Ihre Erfah­rungen und den nächsten Teil 🙂

  8. Claudia Matt­heis 10. Dezember 2012 at 22:14 — Reply

    Hallo Frau Hofert, span­nend, von Ihrem E‑Book-Expe­ri­­ment zu lesen. Wir sind auch grade dabei, einige Publi­ka­tionen so zu veröf­fent­li­chen bzw. planen welche. U.a. auch mit multi­me­dialen Inhalten wie z.B. Bilder­ga­le­rien, Filmen, Töne. Wir expe­ri­men­tieren mit verschie­denen Formaten + Kanälen, u.a. auch mit iTunes. Und tatsäch­lich macht uns die aktu­elle Entwick­lung Mut, uns unab­hängig von Verlagen zu machen. Aller­dings glaube ich schon noch, dass die Veröf­fent­li­chung als gedrucktes Buch in einem bekannten Verlag gut fürs Image ist. Aber: Wenn man keinen Verlag findet, ist die Idee jetzt nicht mehr auto­ma­tisch gestorben. Herz­liche Grüße aus Berlin

    • Svenja Hofert 10. Dezember 2012 at 22:47 — Reply

      Danke für Ihre Ergän­zung! Ich denke, man muss es einfach auspro­bieren, Theorie und Szena­rio­pla­nung hilft hier nicht 😉 Ich werde auch weiter gedruckte Bücher über Verlage machen, aber das Expe­ri­men­telle ist im Internet besser abge­bildet. Wir werden sehen, bin gespannt auf Ihre Produkte. LG SH

  9. Burk­hard Reddel 17. Dezember 2012 at 9:13 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    zuerst einmal eine schöne Vorweih­nachts­zeit. Ich muß mich mal wieder zu Wort melden, weil es passt. Habe vor kurzem und obwohl ich schon 53 Jahre alt bin, meinen Spaß am E‑Book Readen gefunden.Ich habe mir die Apps für den Kindle auf den Laptop geladen und lese im Moment fleißig und begeis­tert E‑Book von Ihnen. Habe mir schon Ihr E‑Book Social Media Expe­ri­ment und 3 weitere Runter­ge­laden und lese , was das Zeug hält. Ja ich habe aquch in meinem Alter 😉 noch Spaß an tech­ni­schem Spiel­zeug ;-). Deshalb fand ich Ihren Artikel über das E‑Book und dessen Zukunft auch so inter­es­sant. Vielen Dank für Ihre span­nenden Artikel,die ich so spora­disch bei Ihrem Blog entde­cken darf. Ein frohes Weih­nachts­fest und viele Grüsse aus dem Rhein­land.

    Ihr treuer Blog­leser B.R.

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