Kate­go­rien

Fach­kräf­te­mangel — der große Täuschungs­ver­such (Replik brandeins/Linkedin)

Published On: 3. November 2014Cate­go­ries: Führung

Lieber Herr Kästner von Linkedin DACH,

die brand­eins hat mich auf Ihren Diskus­si­ons­bei­trag bei Linkedin hinge­wiesen. Sie sind also einer von denen, die sich über die Thesen meines Inter­views ärgern. Ich wundere mich seit Wochen, dass man über meine Aussagen über­haupt disku­tieren kann. Aus meiner beschei­denen Prak­­tiker-Sicht gibt es gar keine Frage. Die Sache ist für mich eindeutig, 120%, ach 150. Es gibt ihn nicht, den Fach­kräf­te­mangel. Denn für mich wäre Fach­kräf­te­mangel dann gegeben, wenn Fach­kräfte einen adäquaten Job bekämen. Adäquat heißt: Ihren Fähig­keiten ange­messen. Wenn  Quer­ein­stiege leicht wären und die Firmen Bewerber nicht drei Monate und mehr mit ihren Entschei­dungen hinhalten würden.

Ich habe im Inter­view diffe­ren­zie­rend gesagt, dass es keinen flächen­de­ckenden Fach­kräf­te­mangel gäbe. Das Wort „flächen­de­ckend“ zeigt aus meiner Sicht deut­lich an, wie offen­sicht­lich regio­nale Unter­schiede sind. Natür­lich hat das Well­­ness-Hotel in Meck­­len­­burg-Vorpom­­mern so seine Probleme. Aber hier in Hamburg, oder dort bei Ihnen in München, da kommt doch jeder Arbeit­geber zum Zug, gehört er nicht zur schlecht­zah­lenden Bildungs­branche (vor allem Kinder­gärten) oder in andere Segmente, in denen es unmög­lich ist, mit einem Gehalt je außer­halb einer WG oder der Abhän­gig­keit vom Ehemann eine Exis­tenz zu sichern.

“30 Bewer­bungen für eine Stelle sind immer noch gut drin”, sagen mir Kollegen im Recrui­ting. Ich erin­nere mich an eine Zeit, Ende der 1990er, da gab es kaum fünf, sechs, sieben. Damals hat meines Wissens niemand von Fach­kräf­te­mangel gespro­chen, außer im IT-Bereich. Man hat denen, die dann untern den sieben waren, einfach eine Chance gegeben, auch wenn sie nicht alles konnten. Genau das sehe ich gerade nicht. Man will die Leute fertig.

Werter Herr Kästner, zu uns kommen täglich Menschen, die Fach- und Führungs­kräfte sind. Darunter Männer in den 30ern und 40ern, die in vollem “Saft” ihrer Leis­tungs­kraft stehen — so wie Sie selbst. Die viel­leicht Kinder zu ernähren haben, und deren Profil keinen Zweifel an Kompe­tenz und Einsatz­be­reit­schaft zulässt. Diese Männer finden aber anders als Sie keine Jobs, oder ihre Suche dauert ewig. „Rechnen Sie mit einem Jahr, viel­leicht mehr“, muss ich immer wieder sagen, und mir wäre es anders lieber. Aber ich kann keine Illu­sionen verkaufen, das ist einfach nicht meine Art. Es sind Tech­niker darunter, Akade­miker im Bereich Technik, Finance, Marke­ting, Betriebs­wirt­schaft – bestens ausge­bildet. Frauen geht es nicht anders bei der Jobsuche, nur dass diese gewöhn­lich nicht in den Gehalts­re­gionen rangieren, in denen Sie mutmaß­lich selbst zu Hause sind (was ein anderes Thema ist). Dass die Digi­tal­branche ein biss­chen über­be­wertet ist, ist ja kein Geheimnis.

Wahr­schein­lich waren Sie nicht in der Situa­tion, je einen Job suchen zu müssen, denn zufällig haben Sie auf die Digi­tal­branche gesetzt. Rich­tige Entschei­dungen sind immer eine Frage, der Zeit, in der man sie trifft oder rein­rutscht in etwas. Man hat Glück oder Pech — und man ist nicht immer der Schmied davon. Gerade wurde ich von einer Zeit­schrift gefragt, was man heute studieren muss, damit sich 2020 die Arbeit­geber um einen reißen. Ich habe keine Ahnung, nicht die geringste, nur das dumpfe Gefühl, dass es nicht die Digi­talen und auch nicht die Inge­nieure sein werden. Wenn ich jetzt sage, die Ethik wird zurück­kommen, ist das auch ein wenig Wunsch­vor­stel­lung.

Ich habe Kunden, die landeten unver­se­hens in taylo­ris­tisch geprägten Indus­trie­un­ter­nehmen, in denen die Prozess­op­ti­mie­rung immer noch in Arbeits­gruppen gegen das Bedürfnis der Menschen nach Weiter­ent­wick­lung und „voll­stän­digen Aufgaben“ kämpft, der ewige Mensch-Maschine-Konflikt. Hier werden Leute mit Geld bei der Stange gehalten, doch zufrieden macht es nicht, wenn nach jeder Runde der Prozess­ver­bes­se­rung eine neue ansteht. Hatten diese Bewerber nicht das Glück oder die Noten, einen festen Vertrag bei BMW, Airbus oder Siemens zu ergat­tern und sich einzu­nisten in ein warmes Konzern­nest, dann werden sie über den Fach­kräf­te­mangel ordent­lich lachen – wenn ihnen danach zumute ist. Resi­gna­tive Arbeits­zu­frie­den­heit ist ein bekanntes Problem. Heißt: Eigent­lich ist der Job sch… aber darüber klagen, hieße das einge­stehen und handeln müssen. Und Handeln ist ja eh aussichtslos. So ähnlich.

Ich gebe mir redlich Mühe, Chancen und posi­tive Beispiele aufzu­zeigen und habe auch schon den ein oder anderen in den Süden „beraten“ – aber Fach­kräf­te­mangel kann wohl nicht heißen, dass jemand mit Familie überall hin gehen muss. Neben Arbeit gibt es dann doch noch was wie das kultu­relle Leben, und das kann man in einigen Land­stri­chen vergessen. In einer Lebens­phase, in der die Bezie­hung und Familie eben auch wichtig sind, gibt es außerdem eine natür­liche Orts­ge­bun­den­heit, übri­gens gerade bei Fach­kräften, die sich oft spezia­li­sieren, eben weil sie sicher­heits­ori­en­tiert sind. Und erzählen Sie mir nichts von Home Office.

Meine Sicht ist die: Der Fach­kräf­te­mangel ist eine reine Erfin­dung von Menschen, die ein Inter­esse daran haben, die „Basis­rate“ ihrer Bewerber hoch­zu­halten: Man möchte perfekte Leute, die zu 100% einsetzbar sind und alles beherr­schen  — was aber aufgrund der zuneh­menden Nischen­bil­dung immer schwie­riger wird. Kaum können sie Sales­force ist wieder etwas anderes gefragt. Um nur ein Beispiel zu nennen. Auch soll man sich über das nette Angebot seitens der Zeit­ar­beit freuen, die Ange­bote zählen ja zum Fach­kräf­te­mangel dazu. Die Jobs der Vermittler werden fröh­lich als zu Direkt­an­stel­lungen gleich­wer­tige Jobof­ferten ange­priesen – und auch so gezählt. Oft doppelt und drei­fach, denn was der eine Vermittler im Port­folio hat, vertreibt auch der andere. Die Branche kämpft halt auch ums Über­leben. Trick­reich.

Aufgrund der zuneh­menden Spezia­li­sie­rung kann es keine fertigen, multi­kom­pa­ti­blen Fach­kräfte mehr geben. Glauben Sie der Mittel­stand freut sich über ausge­spuckte Konzern­mit­ar­beiter? Nein, die will er auch nicht. Die haben ja viel zu spezia­li­siert gear­beitet. Weiter­bil­dung wird derweil dele­giert. Soll doch der Staat die Leute fertig bilden, die man braucht! Sollen die doch noch ein Studium absol­vieren. Uns doch egal.

Ja, wenn Sie alle Jobs hinzu­zählen, die keiner will, dann gibt es wahr­schein­lich genug. Der Auto­­mo­­tive-Zulie­­ferer, der auf der einen Seite gerade raus­schmeißt, weil er zur Weiter­ent­wick­lung keine Lust hat, stellt auf der anderen Seite wieder an.  Auch er gehört zum geprie­senen Mittel­stand, aber am Tropf des Konzern hängend ist er alles andere als hand­lungs­au­tonom.

Raus-rein ist ein beliebtes Spiel: Gerade habe ich die glei­chen Personen zum dritten Mal in 10 Jahren im Outpla­ce­ment: Tech­ni­scher Back­ground, angeb­lich Mangel­ware, super­be­gehrte Fach­kräfte, vom Konzern in den Mittel­stand und dann wieder raus (man dachte, das passiert nur im Konzern). Ich bin ein Quoten­fe­ti­schist, ich will Zahlen, Daten, Fakten: 10 Bewer­bungen, 0,5–1 Einla­dungen. Nein, keine Vermitt­lungs­hemm­nisse. Ich würde mir so wünschen, dass endlich Ruhe einkehrt und Verläss­lich­keit in die Leben von denen, die nicht zufällig auf „digital“ gesetzt haben. Mit Sicher­heit im Rücken lässt sich planen. Das ist das, was Menschen wollen – nicht New Work, nicht Home Office und den ganzen Schnick­schnack.

Ich finde: Fach­kräf­te­mangel ist ein einziger Täuschungs­ver­such. Und das ärgert mich.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

29 Kommen­tare

  1. Manuel 4. November 2014 at 8:22 — Reply

    Danke für diesen zurecht mit wütendem Unterton geschrie­benen Text. Er trifft genau!

  2. Susanne Gamm 4. November 2014 at 16:53 — Reply

    Ich schließe mich dem Vorkom­men­tator an.

  3. Guido Bosbach 4. November 2014 at 17:12 — Reply

    Liebe Frau Hofert, wir sidn nicht immer einer Meinung (gewesen). Hier sind wir es ganz absolut. danke für Ihre Perspek­tive zu diesem Thema.
    Viele Grüße
    Guido Bosbach

    • Svenja Hofert 4. November 2014 at 19:00 — Reply

      Hallo zusammen, hall Herr Bosbach, ich glaube ja nach wie vor, dass wie nie weit ausein­an­der­lagen und dass wir uns nicht ganz richtig verstanden haben. Freut mich auf jeden Fall, dass wir hier eine Linie haben. LG Svenja Hofert

  4. Chris­tian Spließ 4. November 2014 at 23:22 — Reply

    Wobei ich einwerfen möchte, auch “digital” heißt nicht unbe­dingt eine sichere Stelle, “digital” ist ja dann auch wieder unter­glie­dert — Program­mierer, Medi­en­ge­stalter, Social Media, Websei­ten­lay­outer, eBook-Verlage etc. pp. Dass man das viel­leicht bei der Diskus­sion nicht so im Auge hat liegt daran, dass viele ihre Not zur Tugend machen und selbst­ständig sind — was im Krea­tiv­wirt­schafts­be­reich, der ja auch weit ist fast schon die Regel ist — und daher also fast unsichtbar sind.
    Digital heißt leider nicht, dass man sofort immer und überall eine Zusage für eine Stelle bekommt. Und vor allem dann nicht wenn man dann auch noch das Unglück hat zu den ersten zu gehören, die komplett einen neuen Berufs­zweig erschlossen haben ohne ein Studium, Zerti­fi­kate oder einen sons­tigen “nach­hal­tigen Nach­weis über die Dauer einer Tätig­keit bei/für…” zu besitzen. Das zum Thema Quer­ein­steiger.
    Ad Astra

    • Svenja Hofert 5. November 2014 at 9:59 — Reply

      absolut richtig. Ich spiele eher auf die Mana­ger­ge­hälter dort an. Aber natür­lich sieht es beim Fuss­volk aus wie in der Krea­tiv­branche. Paar Ausnahmen. Aber fragen Sie mal Leute die Link­aufbau betreiben müssen. Not funny. LG Svenja

  5. Helge Wein­berg 5. November 2014 at 12:07 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    vielen Dank für den tref­fenden Kommentar. Flächen­de­ckender Fach­kräf­te­mangel = ein Gerücht. Ja, es gibt den Mangel in bestimmten Regionen, wo es fast Voll­be­schäf­ti­gung gibt. Die müssen sich anstrengen, gute Leute zu finden. Ansonsten sehe ich keinerlei Anzei­chen.

    “Digital” ist defi­nitiv over­rated. Wenn ich sehe, wie lange quali­fi­zierte IT-Experten nach einem neuen Job suchen und welche Gehälter geboten werden, dann kann von Fach­kräf­te­mangel hier nicht die Rede sein. Inge­nieure: Schwei­ne­zy­klus — nichts anderes. Die jetzigen Studenten werden lange nach einem Job suchen müssen.

    Weiter so! Beste Grüße, Helge Wein­berg

  6. Till Kaestner 5. November 2014 at 15:49 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    meine Antwort würde wohl den Rahmen sprengen — deswegen finden Sie (und ihre Leser) sie hier: http://linkd.in/1plkFP0

    • Svenja Hofert 5. November 2014 at 22:46 — Reply

      Danke, ich lese morgen oder Freitag. LG SH

    • Kai G. Werzner 6. November 2014 at 10:13 — Reply

      Sehr geehrter Herr Kästner,
      ohne Belei­di­gend zu wirken, haben Sie ja in Ihrem Artikel ganz schön viel Schwach­sinn verzapft, bekommen Sie dafür Ihr Geld, dass nur noch Plug and Play Leute am besten vom Staat ausge­bildet die rich­tigen “flie­gende Woll­milch­säue die Gold scheißen können” Mitar­beiter seien.
      Bleiben Sie bei Ihrer Irrealen Wirk­lich­keit ich achte die Meinungs­frei­heit aber werde diese nicht annehmen.
      Mit freund­li­chen Grüßen
      Kai G. Werzner

  7. Klaas Kramer 5. November 2014 at 21:32 — Reply

    Vielen Dank für den klaren Artikel.
    Ohne dass ich mir jetzt die Mühe gemacht habe, den Diskus­si­ons­bei­trag von Herrn Kästner zu lesen, vermute ich dass er wohl die öffent­liche Wahr­neh­mung zu Gunsten von LinkedIn drehen wollte (“Sie suchen Fach­kräfte? Bei LinkedIn finden Sie sie!”)

    • Svenja Hofert 5. November 2014 at 22:45 — Reply

      Hallo Herr Kramer, kann man vermuten, wobei ich glaube, dass Menschen, die sich öffent­lich mit Meinungen zeigen, diese im Kern auch vertreten. Hoffe ich mal. LG SH

  8. Sandra Gertzen 6. November 2014 at 12:46 — Reply

    Wow! Herz­li­chen Glück­wunsch Frau Hofer zu Ihrer authen­ti­schen und mutigen Stel­lung­nahme. Sie spre­chen mir aus der Seele. Als ehema­lige Perso­nal­ma­na­gerin habe ich in Unter­nehmen leider häufig genug erlebt, dass “karierte Gänse­blüm­chen” gesucht und nicht gefunden wurden. Das Invest in die gezielte Perso­nal­ent­wick­lung der zu 50% passenden Bewerber/innen wurde gescheut. Zum Glück gibt es inzwi­schen aber auch viele andere Unter­nehmen, insbe­son­dere bei den KMUs, die einen anderen Weg gehen und damit erfolg­reich sind. Unser Job als Karrie­re­be­ra­te­rinnen ist es aus meiner Sicht dafür zu sorgen, dass diese Unter­nehmen und die entspre­chenden Bewerber/innen zusam­men­finden. Leider muss ich Ihnen recht geben: das benö­tigt zum Teil einen sehr langen Atem, da viele dieser KMU noch nicht ausrei­chend wahr­ge­nommen werden (können) (hidden cham­pions). Hier bietet social media zukünftig sicher­lich gute Möglich­keiten und läßt mich hoffen, dass werte­ori­en­tierte Führung mittel­fristig auch in die Unter­nehmen einziehen wird, in denen derzeit noch nach von Ihnen beschrie­benen Methoden agiert wird.

    • Sandra Gertzen 6. November 2014 at 12:53 — Reply

      Liebe Frau Hofert,

      Entschul­di­gung, mit ist Ihr “T” in der Ansprache abhanden gekommen — Asche auf mein Haupt.
      Herz­liche Grüße Sandra Gertzen

      • Svenja Hofert 6. November 2014 at 13:13 — Reply

        das T verlieren einige. Macht nichts 😉 LG SH

  9. Ansgar Tegeler 7. November 2014 at 20:58 — Reply

    Der Spezia­li­sie­rungs­grad steigt immer weiter an. Ergo gibt es die Fach­kraft für gewisse Stellen nun mal leider nicht. Also muss ich mir diese selber ausbilden. Das wird von den Firmen aber nicht gewollt. Lieber wird behauptet, das ein Fach­kräf­te­mangel herscht weil Bewerber nicht zu 100% passen. Und diese Bewerber erdreisten sich dann auch noch ein vernünf­tiges Gehalt zu verlangen obwohl sie nur zu 90% passen.

    Als Team­leiter der Schweiß­technik bei uns im Unter­nehmen muß ich meinem Chef das manchmal auch beibringen das fertig ausge­bil­dete Schweißer so wie wir die brau­chen am Markt nicht verfügbar sind und wir diese selber ausbilden müssen.

    Ich verstehe auch nicht das sich manche Firmen so schwer damit tun selber auszu­bilden und die Leute dann anständig zu bezahlen, damit diese dann mit den neu gewon­nenen Quali­fi­ka­tionen nicht zur Konkur­renz gehen. Gute Leute kosten nunmal gutes Geld !

    • Svenja Hofert 8. November 2014 at 9:16 — Reply

      Hallo Herr Tegeler, das ist genau das was ich meine: Die Spezia­li­sie­rung steigt. Es ist fast unmög­lich nach einigen Jahren in EINEM Feld Anschluss­jobs zu bekommen, die noch dazu in der glei­chen Region sind. Das ist das Thema, ich werde da noch mal nach­legen 😉 Vielen Dank für den Kommentar jeden­falls. SH

  10. Frank Feld­haus 9. November 2014 at 16:59 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    danke für Ihre klare Meinungs­äu­ße­rung! Und dafür klare Zustim­mung von meiner Seite.
    Ergän­zend viel­leicht noch dieser Gedanke:

    Wer über Fach­kräf­te­mangel klagt, beherrscht seinen Werk­zeug­kasten nicht.

    Das zeigt doch ein Blick auf die „andere Seite“ des Unter­neh­mens: Wer im Vertrieb über fehlende Kunden klagt, dem ist schnell klar, dass etwas an seinem Angebot oder seinem Preis nicht stimmen kann.
    Klagt ein Perso­naler dagegen über fehlende „Kunden“, macht sich offen­sicht­lich niemand Gedanken über sein „Angebot“ oder seinen Preis.
    Das ist armselig! Aber einfach.

    Grüße
    Frank Feld­haus

  11. A‑M. 17. November 2014 at 13:16 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    vielen Dank für diese wunder­bare und absolut realis­ti­sche Darstel­lung des Themas ‘Fach­kräf­te­mangel’, bei dem ich, sorry, abkotzen könnte, wenn ich das irgendwo lese oder höre. Als lang­jäh­rige Perso­na­lerin weiss ich aus der Praxis, dass das einfach nicht stimmt, gelogen ist. Und wie schwierig es ist, als kriti­scher, nicht unbe­dingt genormter und ‘anders denkender’ Profi die rich­tige Passung mit einem werte­ori­en­tierten Hidden Cham­pion in einem der KMUs zu finden …
    Liebe Grüsse
    A.M

    • Svenja Hofert 17. November 2014 at 14:34 — Reply

      oh ja, ich weiß, das ist eine lange Suche. Es ist vieles im Umbruch, aber dann versucht man am Ende doch nur ein paar Schrauben auszu­tau­schen anstatt gleich das ganze Gerüst. LG SH

  12. Eckhard Lanfer­siek 3. Dezember 2014 at 14:43 — Reply

    Sehr gut,
    habe mich schon immer gewun­dert warum es Dipl. Ing. gibt die als Kraft­fahrer arbeiten. Bestimmt nicht weil Fach­kräfte Mangel­ware sind.

    Eckhard Lanfer­siek

  13. Thomas Deiler­hang 22. Dezember 2014 at 12:05 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    ich lese seit längerem gespannt Ihren Blog und stimme Ihnen im Bereich Fach­kräf­te­mangel voll zu.
    Ich stelle mir aber die Frage, welchen Weg z. B. jemand in meiner Posi­tion gehen soll.
    Als fast ausge­lernter Bank­kauf­mann dessen Beruf auch langsam durch die Digi­ta­li­sie­rung gefährdet ist und das Bera­tungs­wesen an Stel­len­wert verliert.
    Welche Alter­na­tive gibt es für diese kauf­män­ni­schen Berufe, anstatt eines Studium zur Weiter­bil­dung im Bereich der Wirt­schaft oder eine studi­en­tech­ni­sche Neuori­en­tie­rung, wenn die Bera­tung nicht das lang­fris­tige Ziel ist ?

  14. Eugen Kloster 7. Januar 2015 at 21:40 — Reply

    Stimme 100 % zu !! Es gibt keine Fach­kräf­te­mängel. Die ganze Geschichte habe selber erleben müssen. Ich habe 5 Jahre studiert (Inge­nieuer­wesen), habe eine kauf­män­ni­sche Ausbil­dung, eine Zusatz­qua­li­fi­ka­tion als Buch­halter mit dem Schwer­punkt Steuern, beher­sche 2 Spra­chen fließen, Auslan­d­er­fah­rung, Führung­kraft­er­fah­rung, Erfah­rung im Export.…Nicht gebraucht.…zu klug und selbst­be­wusst !!!!

  15. M. Paulus 14. Januar 2015 at 13:31 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,
    echte Fach­kräfte mit ‘hands on Menta­lität’, Eigen­in­itia­tive und wirk­li­chem know-how werden gar nicht gewollt, wenn sie um die 50 und allein­er­zie­hend von drei Kindern sind. Hier würde nur eine ordent­liche Portion Vitamin B helfen. Darüber­hinaus ist es aber auch ein Problem, dass die Gehälter, die im Falle eines Joban­ge­bots gezahlt werden, nicht ausrei­chen, damit eine Frau mit drei Kindern ein vernünf­tiges Leben führen kann, um den Kindern den best­mög­li­chen Start zu ermög­li­chen. Man möchte die gut ausge­bil­dete Ange­stellte, die alles kann, flexibel für Über­stunden ist und über ein Netto­ge­halt von 1700 EUR für 40 Stunden Arbeit dankbar ist.
    Viel­leicht gibt es einen Wohnungs­mangel in Ballungs­räumen, aber bestimmt keinen Fach­kräf­te­mangel.

  16. Jenny 22. April 2015 at 8:07 — Reply

    der Fach­kräf­te­mangel* ist vor allem in Berei­chen, wo entweder zu wenig ausge­bildet wurde, aber auch in schu­li­schen Ausbil­dungs­be­rufen, wo es tw. zu wenig Fach­schul­plätze gibt

    http://bit.ly/1HTiadn

    hier ist die Liste — es kommen noch die Lebens­mit­tel­kon­trol­leure dazu — dort fehlen angeb­lich Tausende — aber zeit­gleich haben 2012 nur 8 Bundes­weit ihre Prüfung abge­schlossen — solche Weiter­bil­dung geht aber nur betriebsnah, da man dafür einge­stellt wird im ÖD.

    hätten wir ein offenes, libe­rales und flexi­bles Umschu­­lungs- und Weiter­bil­dungs­wesen, dann gäbe es den Fach­kräf­te­mangel nicht. Ich finde daher die Commu­nity Colleges anderswo besser, weil man ohne insti­tu­tio­nelle Hürden in einem Jahr, in zwei Jahren neue Berufe lernen kann — ohne Vorbe­din­gungen zu stellen. Berufe, die bei uns nur Fort­bil­dung nach Ausbil­dung sind, kann man anderswo direkt lernen

    auch gibt es mehr Teil­zeit­an­ge­bote anderswo

  17. Jenny 22. April 2015 at 8:11 — Reply

    ich selbst wurde mal in einem Fern­stu­dium abge­lehnt, obwohl ich im Selben Fach­be­reich Berufs­er­fah­rung habe und eine passende Berufs­aus­bil­dung. Der Grund der Ableh­nung bei dem Berufs­be­glei­tenden Studium war, dass ich zwar mal in dem Bereich gear­beitet habe, aber aktuell da nicht arbeite!

    Wieso legt man mir Steine in den Weg? Ist das nicht meine Privat­sache, wenn ich entscheide ein solches Studium zu machen????

    Es war das Studium Inklu­sion und Verwal­tung — ich habe mal im Sozi­alamt gear­beitet — aber in dem Berufs­be­reich studieren verbietet man mir.

    ich hab nun neben­be­ruf­lich was anderes studiert und bin jeden Tag zur Präsenz­uni­ver­sität gefahren — aber warum man mir bestimmte Berufe verbietet zu studieren, die auf meiner Erst­aus­bil­dung aufbauen, werde ich wohl nie verstehen.

    ich weiß nicht, was das soll? Der Beruf steht mit in der Fach­kräf­te­man­gel­liste — zumin­dest in ähnli­cher Weise.

  18. Jenny 22. April 2015 at 8:17 — Reply

    in den 2000 ern, also während der Massen­ar­beits­lo­sig­keits­hoch­phase kurz vor den Agenda 2010 Reformen kamen bei meinem Arbeit­geber auf eine Stelle bis zu 600 Bewer­bungen !!!! Nun sind es meist so zwischen 20 und 90 Bewer­bungen.

    20 bis 50 Bewer­bungen bei dualen Studi­en­­gang-Absol­­venten und 90 Bewer­bungen für die Master­stellen —

    bei Ausbil­dungs­plätzen dasselbe: 2014 standen 30 Ausbil­dungs­plätzen 660 Bewer­bern gegen­über — aller­dings in einer struk­tur­schwa­chen Region mit Ausbil­dungs­stel­len­mangel

    • Svenja Hofert 22. April 2015 at 13:26 — Reply

      Hallo, sehr inter­es­sante Zahlen und Infos, danke! LG Svenja Hofert

Leave A Comment