Kate­go­rien

Falsch! 3 funda­men­tale Karriere-Denk­­fehler

Published On: 11. Januar 2012Cate­go­ries: Führung

Nummer 1

  • Sie denken: Ich muss mich möglichst früh spezia­li­sieren, um schnell in den Beruf einzu­steigen.
  • Indes: Wer erst mal Brei­ten­wissen erwirbt, ist später flexi­bler.

Jetzt lesen Sie mal:

Duale Ausbil­dung, duales Studium, Spezia­li­sie­rung schon im Bachelor: Den Unter­nehmen gefällt dieser Trend. Aus rein egois­ti­schen Gründen und kurz­fris­tigen Erwä­gungen: Ein spezia­li­sierter Mitar­beiter ist ein Instant-Mitar­­beiter, schneller und für die beson­deren eigenen Bedarfe  einsetzbar.

Die Kehr­seite der Medaille: Ein spezia­li­sierter Mitar­beiter steigt auch schneller aus dem Berufs­leben aus oder kriegt bei Neuori­en­tie­rungen (notwendig z.B. weil eine Branche schrumpft) schwie­riger die Kurve.

Weiterhin hat er/sie größere Schwie­rig­keiten, sich verän­derten Bedin­gungen anzu­passen.

Ein Beispiel: Egon (heißt nicht so, wissen Sie ja…) hatte sich schon im Bachelor stark auf E‑Commerce spezia­li­siert. Er hätte seine Vita weiter in diese Rich­tung schreiben können und genug Joban­ge­bote gehabt. Statt­dessen entschied er sich für einen Schwenk in eine ganz andere Branche mit anderem Fokus. Sein Ziel:  Experte in Sales und Marke­ting anstatt E‑Com­­merce-Spezia­­list. Lang­fristig eine sinn­volle Entschei­dung, kurz­fristig eine Gehalts­ein­buße.

Eine Studie von Ludger Wößmann, Inhaber des Lehr­stuhls für Volks­wirt­schafts­lehre mit Schwer­punkt Bildungs­öko­nomik an der Ludwig-Maxi­­mi­­lian-Univer­­­sität in Zusam­men­ar­beit mit der Stan­ford Univer­sity und der Tsingua Univer­sität, scheint meine These zu bestä­tigen. Ich habe die Studie im Internet nicht finden können, nur diesen Kommentar in der Wiwo.

Nummer 2

  • Sie denken: Man braucht heute für den beruf­li­chen Erfolg SOFORT Abitur + Studium
  • Aber: Spät­zünder haben weniger Lebens­krisen.

Manche beißen die Zähne zusammen und dann ab durchs Abitur, mit viel Ach und Krach. Danach eine Studi­en­ent­schei­dung im Vorbei­gehen (ach, nehmen wir mal…) und schon steht man mitten in einem Beruf, den man sich SO nicht vorge­stellt hat (weil man sich gar nichts Konkretes vorge­stellt hat…) Und dann läuft die, zum Beispiel,  Karriere als Key Account Manager auf Hoch­touren und man kommt nicht mehr raus. Lebens­krisen sind da program­miert. Solche “frühen Durch­rut­scher” wachen irgend­wann auf und wundern sich, wo sie gelandet sind.

Wer erst mal ein wenig arbeitet und die Zeit nutzt, sich zu orien­tieren, steht  oft besser da.  Spät­zünder wissen, was sie können – und  wo Sie hinwollen.  Sie haben Ziele. Und Sie glauben gar nicht, wie sehr einen allein DAS – die Ziele — schon über die Jahre trägt und jegli­chen Boreout verhin­dert.

Nummer 3

  • Sie denken: Beim nächsten Schritt muss ich mehr verdienen.
  • Aber:  Wieso eigent­lich?

„Schon 1999 habe ich 120.000 DM verdient“, sagte der Mann zu mir. „Und?“ frage ich. Er rechnet in Prozent vor, dass er eigent­lich jetzt schon bei 120.000 EUR stehen  müsse, mindes­tens – so wie Heinz, sein Kumpel. Ich wende ein, dass er froh sein solle, immer noch klei­nere Bröt­chen zu backen: Über­schau­barer Job, wenig Stress, Hobby Sport kommt nicht zu kurz. Ich habe wenig Menschen gesehen, die mit 120.000 Euro noch viel Zeit für Hobbies haben, neben­be­ruf­liche Selbst­stän­dig­keit und andere schöne Dinge. Es sei denn, Sie haben einen Arbeit­geber, der sie durch­schleppt und das geht viel­leicht ein paar Jahre, heute selten noch Jahr­zehnte gut.

Höher, schneller, weiter: Weder für Ange­stellte noch für Unter­nehmer ist das erstre­bens­wert. Wellen­be­we­gungen sind in Ordnung. Das ist wie mit den Akti­en­kursen: irgend­wann ist halt mal eine Korrektur fällig, vor allem wenn man vorher über­be­wertet war. Das Blöde sind nur die dicken Reihen­häuser, die man kalku­liert hat wie ein Bank­an­ge­stellter (der sich die Welt draußen manchmal schwer vorstellen kann): jedes Jahr gibt´s ein biss­chen mehr. Aber weniger? Ach, was, Reihen­häuser kann man verkaufen, Lebens­zeit sollte man besser nicht…

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. […] ein Phar­ma­seg­ment. Im ersten Kreis sind Sie immer noch gern gesehen, mit ein paar Einschrän­kungen. Gehalts­ver­luste fallen hier auf glei­cher Posi­tion, wenn über­haupt, noch moderat aus. Im zweiten Kreis kann das […]

  2. […] EUR Umsatz und 100.000 EUR Gewinn. Als Ange­stellter müsste er vermut­lich mit kaum 50.000 EUR Gehalt vorlieb nehmen.  Viele wissen nicht, wie wenig in manchen Jobs bezahlt wird. Und wenn sie es […]

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