Kate­go­rien

Follo­wer­ship: Warum Mitläufer die Rich­tung bestimmen

Published On: 14. Oktober 2024Cate­go­ries: Aktuell, Führung

Wir reden immer wieder neu über Führung und Leader­ship. Propa­gieren, dass es voran gehen müsse in Deutsch­land. Dass Führung nötig sei, Vision, Voran­gehen. Führung eben — wer sie bestellt, soll sie haben. Aber was ist Führung ohne Folgende?

“Wirtschaftswunder”-Minister Robert Habeck rühmt sich zurzeit in einem aktu­ellen WDR-Podcast, dass Land voran­ge­bracht zu haben wie kein anderer je zuvor. Er greift der Geschichts­schrei­bung voraus. Ob die Schreiber sich an seine Vorgaben halten?

Ja: Viele Leute in hoher Posi­tion neigen zu Selbst­über­schät­zung, over­con­fi­dence bias. Sie sind nach­ge­wiesen schlechter in ihren Leis­tungen, aber das glauben sie nicht. Und deshalb können sie anderen gut einen vorma­chen.  Das ist ihr narziss­tisch geprägtes Wesen. Ein solches kann gut für Orga­ni­sa­tionen sein kann, vor allem am Anfang. Wenn es um das Neue geht, wenn radi­kale Verän­de­rung ansteht. Also Musks Riesen­ra­kete wäre nicht losge­gangen, würde er sich mit Selbst­zwei­feln beschäf­tigen…

Kritik­ab­sor­bierer haben mehr Zeit

Gegen Kritik völlig unemp­find­lich zu sein, kann  ein Vorteil sein. Aber spätes­tens hier kommen die Follower ins Spiel. Denn ohne starke Follower und syste­mi­sche Schranken gibt es eine kaska­den­för­mige Entwick­lung in der Nutzen­be­trach­tung: Der Schaden wird größer, steigt über­pro­por­tional. Klas­si­scher­weise ist niemand mehr da (oder aktiv), um ihn zu begrenzen. Oder viel­mehr: Hat niemand syste­mi­sche Vorsorge getroffen.

Ich meine: Die Follower sind das Problem. Laissez-faire-Führung? Nein, Laissez-Faire-Follower. Fahr­lässig versäumen sie es, “nein” zu sagen. Verblendet glauben sie den süßen Worten. Sie klat­schen, wenn es nichts zu klat­schen gibt. Follower sind dieje­nigen, die die Macht­kon­zen­tra­tion auf eine Person ermög­li­chen. Sie sind Führung, weil Führung ohne sie nichts ist.

Wir müssen nicht Leader­ship lehren, sondern Follo­wer­ship.

Das heißt: Wir müssen nicht Leader­ship lehren, sondern Follo­wer­ship. Wie geht kriti­sches Denken? Woran erkenne ich Selbst­über­schät­zung? Welche Mittel und Methoden gibt es, um Macht zu begrenzen? Wie können wir die posi­tiven Seiten narziss­ti­scher Persön­lich­keiten — etwa Arbeitswut — nutzen, ohne uns ihren nega­tiven auszu­lie­fern. Die Antwort braucht ein Bewusst­sein für Systeme und ihre Logiken. Und für die Macht der Follower.

Welche Art von Follo­wern gibt es? Der folgende Über­blick beruht auf Robert E. Kelley´s 5 Types of Foll­wers. Er spannt sie in einer Matrix auf — zwischen passiv und aktiv und kriti­schem und konfor­mis­ti­schen Denken:

  • Der passive Follower (das Schaf): Macht, was die anderen machen
  • Der entfrem­dete Follower (Quiet Quitter): Macht, was man muss
  • Der vorbild­liche Follower: Macht, weil er profi­tiert
  • Der konfor­mis­ti­sche Follower: Macht, weil man macht
  • Der prag­ma­ti­sche Follower: Macht, weil es es im Moment für ihn Sinn macht

Natür­lich greift das zu kurz, weil syste­mi­sche Aspekte eine große Rolle spielen. Die Kultur sorgt für Entfrem­dung. Konfor­mismus ist auch eine System­ei­gen­schaft — man kann das nicht nur persön­lich sehen.
Aber ich finde der Blick­winkel hilft mal den Blick auf die zu werfen, die unterm Radar laufen… Also lasst uns auf die Follower schauen!

Foto: Pixels, pexels-jens-johnsson-14223–66100

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

Leave A Comment