Kate­go­rien

Frohe Weih­nachten mit dem besten Karriere-Lese­­stoff 2011

Published On: 24. Dezember 2011Cate­go­ries: Führung

Lange­weile über Weih­nachten? Muss nicht sein: Nutzen Sie die ruhigen Tage doch zum Lesen. Ich stelle Ihnen hier meine Top-Bücher des Jahres 2011 vor. Alle haben mit “meinen” Themen  (Neuro-)Psychologie und Arbeit bzw. Karriere der Zukunft zu tun. Leider gibt es nur vier davon bereits als Kindle, also noch zum Heute-Lesen 🙂

1. Das mit großen Abstand zu allen anderen geni­alste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, kommt von Susan Cain “Still”. Es ist ein gut recher­chiertes, lebendig geschrie­benes und facet­ten­rei­ches Werk über die Macht der Intro­ver­sion. Nicht nur Intro­ver­tierte, sondern auch Ambi­ver­tierte (also Misch­typen) und Extra­ver­tierte können eine Menge daraus ziehen.  Da ich viele Sach­bü­cher lese, habe ich oft das Gefühl “oh nee, nicht schon wieder diese Studie von 1968” — es wird leider viel wieder­holt und abge­schrieben in diesem Segment. Bei Cain ist das über­haupt nicht so. Im Blog von Susan bekommen Sie einen ersten Vorge­schmack auf ihr Denken.

2. Obwohl Jonah Lehrer in Deutsch­land noch nicht so bekannt ist, spielt er für mich fast in einer Liga mit Malcolm Glad­well, was die schrei­be­ri­schen Quali­täten betrifft. “Wie wir entscheiden” ist zwar kaum populär geworden, aber nichts­des­to­trotz sehr lesens­wert.  Es ist anders als die sonst hier vorge­stellten Bücher schon 2009 erschienen, ich habe es aber dieses Jahr entdeckt — deshalb erlaube ich mir eine Plat­zie­rung an dieser Stelle. Für alle, die sich ohne Vorwissen einen span­nenden Über­blick über aktu­elle neuro­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nisse verschaffen wollen. Mein inhalt­li­ches High­light: Die bezogen auf ihre Vorher­sagen treff­si­chersten Experten sind die, die selbst­kri­tisch sind — sagt Lehrer. Die selbst­über­zeugten, an ihrer Meinung unum­stöß­lich fest­hal­tenden performen etwa bei Finanzv­markt­vor­her­sagen teils schlechter als Laien. Dazu gibt es dann auch die passende Erklä­rung bezogen auf unsere Gehirn­struktur.

3. Er hat nicht unein­ge­schränkt gute Kritiken bekommen, aber das Buch von Kevin Dutton “Gehirn­flüs­terer” ist dennoch gelungen. Weniger wie die beiden oberen Werke aufgrund von Kompe­tenz und Anspruch — mehr aufgrund des Unter­hal­tungs­wertes und der persön­li­chen Geschichten von Dutton. Für alle, die sich für Psycho­logie inter­es­sieren, ist das Buch ein Stan­dard. Und: Den Dutton gibt es  auch als Kindle Edition zum Sofort­lesen.

4. Der neue Dueck “Profes­sio­nelle Intel­li­genz” ist eine harte Nuss wie manche von Duecks Früh­werken. Mir fällt es manchmal schwer dem zu folgen, was ich als Gedan­ken­sprünge wahr­nehme, auch wenn das Buch inter­es­sant geschrieben ist — man liest einen INTJ (nach MBTI) — und damit eine ganze Menge struk­tu­rierter Komple­xität und Genia­lität.

Manchmal trifft Dueck meine Logik nicht (aber er hat defi­nitiv eine eigene). Inhalt­lich ist das Buch jedoch ein Muss für alle, die sich mit der Zukunft der Arbeit beschäf­tigen, ohne wie Horx ständig Mega­trends zu zitieren. Mir gefällt, dass Dueck ein (sehr) eigenes Gedan­kengut hat, dieses aufbe­reitet und eine Art prak­ti­sche Theorie entwi­ckelt. Der inhalt­liche Kern: Dueck zeigt auf, dass es mehrere Intel­li­genzen gibt — unter anderem auch eine krea­tive — , und in unserer Welt von morgen das zählt, was er profes­sio­nelle Intel­li­genz nennt.

5. Leichter geschrieben, auch durch eine für Etap­pen­leser ideale Glie­de­rung nach “Effekten”, ist das Werk von Rolf Dobelli, das es — jippih — auf dem Kindle gibt. Der Mann kann schreiben, und zwar richtig gut. Dobelli erfindet das Rad nicht neu, aber er erzählt wissen­schaft­lich Erkanntes und Bewie­senes  flockig  und rund. Wer sich mit der Thematik beschäf­tigt hat, findet vieles wieder, was er/sie weiß, aber unter einem neuen Focus zusam­men­ge­stellt. Eine Alter­na­tive dazu ist das Werk “Ich denke also spinn ich” von Jochen Mai und Daniel Rettig. Inhalt­lich gibt es Über­schnei­dungen. Mir gefällt Dobelli aber besser, bei Mai/Rettig bleibt manches an der Ober­fläche, einigen Ausfüh­rungen hätte mehr Tiefe gut getan. Für einen Über­blick über wissen­schaft­liche Erkennt­nisse aber auch absolut empfeh­lens­wert.

6. Das nächste Buch fordert wieder mehr Aufmerk­sam­keit und Konzen­tra­tion: Antonio Dama­sios “Selbst ist der Mensch”. Es ist das Ergebnis der Jahre­langen Forschungen Dama­sios in den Neuro­wis­sen­schaften — und anders als Jonah Lehrers eben­falls neuro­wis­sen­schaft­lich ausge­rich­tetem Buch vom Wissen­schaftler selbst geschrieben. Das liest man. Aber wer tiefer einsteigen, mehr wissen und sich selbst und die Menschen verstehen möchte, kann sich hier sehr gut bedienen. Gibt´s auch als Kindle.

Arne Gillert

7. Ich habe Arne Gillert auf einem Vortrag gehört und fand, dass er dort sehr locker und überaus inter­es­sant aus der Praxis erzählt hat. Etwas mehr davon hätte seinem Buch “Warum wir spielen wenn wir arbeiten” gut getan. Aber: In diesem Buch stecken neue Erkennt­nisse und hervor­ra­gende Anre­gungen für unseren inno­va­tiven Weg in die schöne neue Arbeits­welt. Schade eigent­lich, dass sich das Werk nicht so gut zu verkaufen scheint, wenn man die Amazon­zahlen und wenigen Bewer­tungen sieht.

8. Leichte Lektüre bietet das Autorenduo Tusch/Kitz mit Psycho-logisch. Es ist nicht tief­schür­fend wie einige andere auf der Liste: Muss es ja aber auch nicht. Wer sich noch nicht so umfas­send  mit dem Thema Psyche beschäf­tigen möchte, wird hier gut unter­halten. Und das ist schon mal viel wert.

9. Ähnli­ches gilt für den Best­seller von Martin Wehrle “Ich arbeite in einem Irren­haus”. Ich habe das Buch in diesem Jahr einige Male verschenkt, weil es schlicht und ergrei­fend gut unter­hält, ohne plump zu sein. Hier darf jeder mal ganz einfach ein wenig voyue­ris­tisch hinter die Kulissen schielen und sich sagen: “Bei den anderen ist es ja noch viel schlimmer als bei uns!”

10. Den “Hermann” empfehle ich allen, die sich entspannen und dabei schmun­zeln möchten. Vom Effekt “stimmt ja, so bin ich” zu “warum eigent­lich kriti­siere ich mich ständig selbst” ist nicht weit. Ideal für manchmal (zu) selbst­kri­ti­sche Leute — und ohne psycho­lo­gi­sche Theorie. Mal was anderes 😉

Viel Spaß beim Lesen! Weitere Tipps gerne als Kommentar posten, vor allem die Kindle-Editions 🙂

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. D. Lux 10. Januar 2012 at 22:05 — Reply

    Danke, ich arbeite in einem Irren­haus werde ich gleich bestellen.

    Auch Ihnen ein gutes neues Jahr,

    lg D. Lux

  2. […] und einem Extro­ver­tierten. Inzwi­schen sind durch Forschungen und popu­läre Sach­bü­cher wie  Susan Cains „Still“ und jetzt aktuell (Inter­view folgt!) Sylvia Löhkens „Leise Menschen – starke Wirkung“ […]

  3. […] die kam erst im letzten Jahr­zehnt so richtig in Fahrt, Antonio Damasio (unter anderem) sei Dank. Doch rational begründ­bare Tatsa­chen halten auch einen Tony Robbins […]

  4. […] kein Fest, sondern eine Anstren­gung. Danke Sylvia Löhken für die Anre­gung. Mir hat schon Susan Cain ausneh­mend gut gefallen. Dieses Buch erwei­tert Cains wunderbar analy­ti­sche und tiefe Sicht um die […]

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