Kate­go­rien

Fröh­liche Job-Moge­­leien von Abschreiben bis Zeugnis

Published On: 21. Februar 2011Cate­go­ries: Führung

Wer von uns nicht mal gemo­gelt hat, werfe den ersten Stein. Trotzdem möchte ich hier nicht über den Theodor reden, denn das tun andere schon ausführ­lich genug. Mir geht es in diesem Beitrag um andere Facetten des Mogelns im Job oder auch: „zum Job“.

Über das Abschreiben wird dieser Tage viel geredet. Plagiate finden sich indes nicht nur in Disser­ta­tionen, sondern auch in Konzepten und Präsen­ta­tionen, die Chef und Kollegen beein­dru­cken sollen. Auch hier bestünde selbst­re­dend Kenn­zeich­nungs­pflicht. Aber firmen­in­tern ist die Enttar­nungs­ge­fahr gering. Ach, wie viel Arbeit lässt sich doch durch eine halb oder komplett durch fremde Gedanken ange­regte Power­­point-Foli­en­­schlacht einsparen? Und so viele schöne Portale und Blogs im Internet laden doch nicht nur zum Down­load, sondern auch zum Copy & Pasten ein! (Kein Spaß: Wer von mir erwischt wird, bekommt eine saftige Rech­nung, es lebe das deut­sche Urhe­ber­recht ;-))

Die gängigste Mogelei folgt dem Plagiat auf den Fuß: Es ist das Zeugnis, das nach meinem subjek­tiven Eindruck inzwi­schen öfter selbst­ge­schrieben ist als anders­herum. Die Mogelei erkennt man einem meist eher über­schwäng­li­chen Stil und auffal­lender Fehler­lo­sig­keit. Echte Zeug­nisse haben immer mindes­tens kleine Fehler, schließ­lich sind Fach­ver­ant­wort­liche und Perso­naler genauso wenig rechts­­schreib- und stil­si­cher wie andere Berufs­gruppen auch. Hinzu kommt das Geschliffen-Schöne, was seitens der Perso­nal­ab­tei­lungen eine echte Zeugnis-Ausnah­­me­er­schei­­nung darstellt. Die Wahr­heit ist: Der durch­schnitt­liche, mittel­stän­di­sche HRler kauft bei Haufe Text­bau­steine ein. Das weiß der mogelnde Bewerber nicht und formu­liert lieber selbst. Schön­schreib? Besser nicht: Echte Zeug­nisse sind oft hölzern.

Andere Moge­leien beziehen sich oft auf Noten, etwa in Online-Formu­laren, von denen manche auch von 40jährigen noch die Angabe des Abi-Schnitts fordern. Die meisten denken, da ja kein Zeugnis mehr ange­for­dert würde, der Schwindel also nicht auffliegen und man sich so mal schneller zum Einser­kan­didat machen könne. Aller­dings, so mein Argu­ment, dann auch die Wahr­schein­lich­keit, dass die 3,1 zum Aussor­tieren der Bewer­bung führt.  Wer Sie nicht so will, wie Sie sind, hat Sie nicht verdient — meine Meinung. Und hier die offi­zi­elle Ausle­gung: Moge­leien bei Abschlüssen sind keine Kava­liers­de­likte, sondern Betrug, sofern Ihnen Absicht nach­ge­wiesen werden kann.

Dann gibt es die schwie­rigen Fälle, in denen jemand in einer wirk­lich verzwickten Lage steckt. Ich wurde in den vergan­genen Jahren öfter mal gefragt, ob ich raten würde, den Grün­dungs­zu­schuss zu bean­tragen, obwohl man „eigent­lich“ weiter einen Job sucht und dies letzt­end­lich in primärer Absicht täte, das Arbeits­lo­sen­geld zu verlän­gern.

Diese Frage spiele ich zurück: Könnte die Selbst­stän­dig­keit nicht doch eine Option sein, viel­leicht auch nur für eine Über­gangs­zeit? In manchen Berei­chen ist der Wechsel zwischen Free­lance und Ange­stell­ten­ver­hältnis normal, die Selbst­stän­dig­keit als Lebens-Endsta­­tion halte ich für ein Auslauf­mo­dell in unseren vom heuris­ti­schen Denken und Arbeiten bestimmten Zeiten. Die Chance besteht doch darin, sich als Free­lancer neue Kontakte aufzu­bauen, die dann zum Job führen.  Wer diese Perspek­tive sieht und dann auch ernst­haft verfolgt, der mogelt nicht. Selbst wenn er dies auch so gegen­über seinem Fall­ma­nager formu­liert.

Mogeln ist nämlich auch ein wenig relativ – relativ zum eigenen Unrechts­be­wusst­sein. Das scheint bei den Herren von und zu weniger ausge­prägt zu sein als bei vielen meiner Kunden, die sich schon fragen, ob es „Mogeln“ sei, wenn sie „gute Englisch­kennt­nisse“ angeben (die sie zwar haben, aber nicht sehen). Es gibt sie halt doch noch, die ehrli­chen Häute. Sie werden aber leider nie Minister und Top-Manager.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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