Kate­go­rien

Fuss­ball & Karriere: Geht es um Tore oder Zahl der Ball­kon­takte?

Published On: 14. Juni 2012Cate­go­ries: Karriere

Mario Gomez hat gestern ein bißchen Show gemacht. So sah das jeden­falls aus, hin und her über die Mittel­linie, um Akti­vität zu demons­trieren. An der Zahl seiner Ball­kon­takte hat es offen­sicht­lich wenig geän­dert. Für seinen Erfolg ist das aber anschei­nend auch gar nicht so rele­vant. Man kann die ganze Zeit raum­stehen und trotzdem zwei Tore machen. Auf die Karriere über­tragen: Man kann in 10 Stunden so viel schaffen wie andere in 60 - Kritik ist einem auch da sicher.

Ich habe keine Ahnung vom Fußball. Oh wie pein­lich, Mama, würde mein Sohn sagen, wenn er einmal in meinen Blog anstatt in das LTB-Forum und den Online-Fußball klicken würde. Tut er nicht, deshalb kann ich das hier unbe­hel­ligt schreiben. Mir geht es ja auch nicht um Fußball. Mir geht es darum, wie allge­mein­gül­tige Annahmen à la “die Zahl der Ball­kon­takte ist wichtig” Feed­back produ­zieren. Obwohl diese Annahmen mögli­cher­weise falsch sind.

Nur mit Feed­back kann man sich entwi­ckeln, keine Frage. Feed­back erfährt man als Trainer durch Evalu­ie­rungen, als Fußballer durch die Medien. Die Kritik vom schlauen Mehmet hätte Gomez einen Schub gegeben, vermuten einige. Man kann auch sagen: Sie hat ihn “bewegt”.

Das ist das Muster: Wenn ich kriti­siert werde, versuche ich besser zu machen, was kriti­siert wurde, schon weil meine Eltern mit zuschauen und ich ihnen die blöden Sprüche der Nach­barn nicht antun will. Ich sage immer: Erfolg ist nichts für Weich­eier.  Je erfolg­rei­cher man ist, desto mehr gibt´s auf die Mütze.

Man muss als Gomez, aber auch in der Karriere jenseits des Fuss­balls wert­volle Meinungen von dummen State­ments unter­scheiden können. Die Krite­rien, eine Meinung anzu­nehmen oder unter „danke für dein Feed­back“ (aber bringt mir jetzt nicht viel) abzu­legen, dürften viel­fältig sein.

Ich bin immer der Meinung gewesen, dass letzt­end­lich nur der Erfolg entscheidet, zum Beispiel bei Bewer­bungen. Wenn jemand beim Vorstand durch­klin­gelt und damit mit seinem Guerilla-Anliegen “vorbei an der Perso­nal­ab­tei­lung” durch­kommt: Ja, mei – gut so! Geht nicht, entspricht nicht den Regeln, kann man nicht machen – solche Dinge habe ich oft gehört. Ich sage: Aber wenn es doch zum Ziel führt? Oder zum Tor?

Ergo sage ich: Ob mit Ball­kon­takten oder ohne ist doch letzt­end­lich egal, wenn ohne auch ins Ziel führt. Gut, die anderen sollten nicht darunter leiden, dass Gomez sich gern auf dem Feld die Füsse platt­steht. Da dringt mein Idea­lismus durch, der besagt: Der Gewinn des einen darf nicht der Schaden des anderen sein. In meiner fuss­ball­tech­ni­schen Ahnungs­lo­sig­keit prüfe ich also gedank­lich den schein­baren oder echten Zusam­men­hang zwischen Rumstehen und Einzel­kämp­fertum. Wohl auch deshalb, weil sich in der Kritik der Medien die Kritik am Einzel­kämpfer spie­gelte, ist Gomez Irrlich­ter­artig 8,4 Kilo­meter Zick­zack gelaufen. Aber reicht es am Ende für den Team­ef­fekt nicht aus, dass Schweini offen­sicht­lich nicht so der Typ Einzel­kämpfer ist und Gomez die Bälle zuspielt?

Was sagt uns das für das tägliche Karrie­re­spiel? Über­denken Sie mal, ob Erfolg an die Zahl der Ball­kon­takte geknüpft ist – an Anwe­sen­heit, Rede­bei­träge oder Sicht­bar­keit. Ist es nicht wich­tiger, dass jemand am Ende den Ball im Tor versenkt, auch wenn er bis dahin unsichtbar war?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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5 Kommen­tare

  1. Simone Happel 14. Juni 2012 at 9:43 — Reply

    Liebe Svenja,

    manchmal hilft es, keine Ahnung vom Fußball zu haben 😉

    Jeder sechste Ball­kon­takt von Gomez war ein Tor. Ich nenne das effektiv. Ich fand die Kritik von Scholl einer­seits lustig, ande­rer­seits über­trieben. Das er sich damit ein kleines Eigentor geschossen hat, beweist die heutige Schlag­zeile des Blatts mit den vier Buch­staben…

    Gomez pola­ri­siert, Gomez ist erfolg­reich. Und erfolg­reiche Menschen werden kriti­siert. Im Fußball wie auch im Busi­ness. Gomez hat ehrlich zuge­geben, dass er unter Druck stand. Dieser Druck hat ihn aber nicht gelähmt — im Gegen­teil. Zwei sehr schöne Tore waren das Ergebnis. Und das Ergebnis zählt — im Fußball und auch im Busi­ness.

    LG Simone

    P.S.: Meine Männer sind Bayern­fans und Gomez-Gegner. Ich werde sie dazu verdon­nern, diesen Blog­bei­trag zu lesen 😉

    • Svenja Hofert 14. Juni 2012 at 9:54 — Reply

      Liebe Simone, ich find auch, eine gewisse mentale Stärke ist da klar vorhanden. Ist auch so ein Erfolgs­re­zept für Fuss­ball & Karriere. LG an dich und die Gomez-Gegner Svenja

  2. Ralf Habe­rich 14. Juni 2012 at 9:56 — Reply

    Guter Beitrag, schöne Herlei­tung.

  3. Renate Brokel­mann 14. Juni 2012 at 13:30 — Reply

    Ich fand die Kritik von Mehmet Scholl an Gomez absolut korrekt: auch wenn er letzt­lich ein Tor geschossen hat, so konnte man im ersten Spiel doch den Eindruck bekommen, dass er wartet, bis seine Mitspieler ihm den Ball vor die Füsse legen. Fuss­ball ist — anders als das von Ihnen ange­führte Bewer­ber­bei­spiel — Team­sport und wenn die 11 Jungs so wie im 1. Spiel nicht im Team & koor­di­niert spielen, dann sieht’s unter Umständen aus wie Stand­fuss­ball. Da wird dann zu Recht ein Özil zum “Mann des Spiels” gewählt, weil er einer der wenigen war, die wirk­lich Einsatz gezeigt haben. Wie Spiel­freude und koor­di­niertes Spiel aussieht, dass hat man ja nun gestern gesehen, da traue ich ihnen dann auch wieder einen Titel zu. Und es wäre ja mal schön, wenn unsere Jungs auch mal einen Titel nach Hause bringen — so wie die Frau­en­na­tio­nal­mann­schaft es ihnen regel­mäßig vormacht 😉

    • Svenja Hofert 17. Juni 2012 at 16:05 — Reply

      Hallo Frau Brokel­mann, kann man so sehen… oder so, dass das Vorlegen des Balls ja auch Teil einer Team­ar­beit ist, in der jeder dem ihn durch seine Talente und Persön­lich­keit zuge­wie­senen Platz hat. Titel wäre nicht schlecht, soweit d´accord. LG SH

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