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Futureme von Xing: Das neue Berufsberatungs-Tool unter der Karrierelupe

Wo hat der etablierte Forensiker studiert? Welche Kenntnisse haben Java-Entwickler? Wie viele kaufmännische Leiter arbeiten als Interimsmanager? Welches Zertifikat erwerben Controller öfter und kommen damit in der Karriere weiter – eher Controllerakademie oder eher Controller IHK? Wenn wir mit unseren Klienten die Karriere planen, nutzen wir gern Xing. Über die Detailsuche „Position jetzt“ und „Position zuvor“ kommt man auf tolle Infos. Jetzt hat Xing das eigene Potenzial entdeckt und daraus ein Tool entwickelt. Und der unerwünschte Nebeneffekt, dass unsere Besuche bemerkt werden, ist durch die Anonymisierung endlich weg. Wenn ein Finanzbuchhalter seine Mitbewerber scannen möchte, möchte er dabei nicht gerne gesehen werden.
Was taugt dieses Tool, das den schönen Namen Futureme trägt? Wird es uns die oft aufwändige Recherchearbeit in Zukunft abnehmen? Können wir damit sogar etwas dazulernen für die Karriereberatung? Ich mache einen Selbsttest.

Integrationsbeauftragter? Nein, danke
Erst einmal lerne ich meine beruflichen Möglichkeiten kennen, die sich automatisch aus meinem Profil ergeben. Das Angebot ist passend, aber nicht spektakulär. Integrationsbeauftragter? Fachmann für berufliche Eingliederung? Das ist nun wirklich nicht annähernd ein Job, der für mich passt. Ich vermute, dass der Algorithmus hier die Positionen nicht einbezieht, außerdem Kenntnisse und Berufserfahrung offenbar nicht stuft.

Coach für 73.000 EUR — Unsinn
Ich gebe also„Coach“ ein. Oben blendet das Tool ein durchschnittliches Alter (42–47) und ein durchschnittliches Gehalt (73.00 EUR) ein. Angezeigt wird mir eine Mixtur von leider vollkommen überdehnten und überstrapazierten Begriffen, die ich keinem Kollegen empfehlen würde, ins Profil zu schreiben. Die Kompetenzstreuung ist viel zu breit, Bewerbungstraining und Hypnose irgendwie eine schräge Kombi. Ein Jahresgehalt von 73.000 EUR ist generell, aber gerade bei dieser Streuung unrealistisch – das erreichen die wenigen angestellten Coachs höchstens bei Konzernen und dann sind es Personalentwickler. Sind sie selbstständig, herrscht bei dieser Kompetenzvielfalt Bauchladenverdacht, da kriegt man beim Markteintritt kein Bein auf den Boden.

SAP-Berater – nur 66.000?
Wir arbeiten viel für die IT-Branche. Also als nächstes „SAP-Berater“. Besser, die Skills geben einen Anhaltspunkt, auf die man sein Profil optimieren könnte. Wiederum: Mit dieser Breite wird es auch wieder schwierig – da hat das Profil zu wenig Profil. 66.000 EUR Jahresgehalt? Wie hat Xing das herausgefunden? Dass ein SAP-Berater weniger verdient als ein Coach ist ein Gerücht – was auf einen offenbar nicht wirklich ausgeklügelten Algorithmus oder schlicht mangelnde Datenbasis zurückzuführen ist. Wenn Xing sich schon für die New Work positioniert, sollte es bitte auch Angestellte und Freiberufler unterscheiden. Und bei Freiberuflern wie Gulp den Stundensatz nennen.

Geschäftsführer mit 29?
Einige unsere Kunden sind Geschäftsführer. Welche Skills baut Xing für diese zusammen? Das ist nun wirklich übelster Unsinn – das macht kein bisschen schlauer. Dass Geschäftsführer viel jünger sind als Coachs und SAP-Berater, zwischen 29 und 37 Jahren, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass sich bei Xing auch jeder Einzelunternehmer „CEO“ nennt und dieser Begriff vor allem bei Selbstständigen im Technikbereich grassiert.
Zusammengefasst: Ein nettes Spielzeug, aber noch lange nicht ausgereift. Wir müssen weiter händisch recherchieren. Schade. Aber so ist das menschliche Researching eben immer noch nicht automatisierbar. Die Beurteilungskompetenz eines Beraters brauchen Karriereberatungs-Klienten somit nach wie vor. Auch damit ihnen jemand den Quatsch ausreden kann, das man als Coach mehr verdient als ein SAP-Berater…
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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
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