Kate­go­rien

Future­pre­neur: Unter­neh­me­risch Denken schon in der Schule lernen

Published On: 14. Mai 2013Cate­go­ries: Führung

Keine Berufs­gruppe wächst so schnell wie die der Selbst­stän­digen. Doch unter­neh­me­ri­sches Denken liegt von Natur aus nur Unter­neh­mer­kin­dern; alle anderen tun sich schwer damit.

Was liegt also näher, als Kinder und Jugend­liche auf etwas vorzu­be­reiten, das ihnen von Haus aus fern­liegt?  Der Verein Future­pre­neur e.V. will bei  Kindern und Jugend­li­chen Unter­neh­mer­geist zünden und  Spaß am Unter­neh­mertum vermit­teln. Ich sprach mit Kerstin Heuer, die die Idee der „Mini-Unter­­nehmer-Camps“ für  Jugend­liche aus Schweden nach Hamburg gebracht hat.

Was tun Sie genau?

Heuer: Wir ermög­li­chen Jugend­li­chen ab 13 Jahren Erfah­rungen als Mini-Unter­­nehmer in Koope­ra­tion mit Schulen und Jugend­zen­tren in vier verschie­denen Programmen. Im Camp entde­cken die jungen Menschen, dass auch sie unter­neh­me­risch Denken und Handeln können, gemeinsam mit anderen. Sie reali­sieren immer eine kleine indi­vi­du­elle Geschäfts­idee gemeinsam. Viele sind über­rascht, wie viel Spaß sie dabei haben. In jedem Projekt n laden wir z.B. Unter­nehmer ein, die die Jugend­li­chen befragen können

Sie sind selbst Coach und kommen aus der PR. Außerdem haben Sie viele Jahre in der Bera­tung von kleinen und mitt­leren Unter­nehmen gear­beitet. Was hat sie auf die Idee zu Future­pre­neur gebracht?

Heuer: Ich habe lange in Schweden gelebt, wo z.B. das Programm „Sommer­un­ter­nehmer“ seit 10 Jahren erfolg­reich  ist; 16.000 Jugend­liche haben schon daran teil­ge­nommen. Dort fördern die Verant­wort­li­chen ressour­cen­ori­en­tiertes Denken und trauen sich „out of the box“ nach Lösungen zu suchen.

Es geht vor allem darum, zu lernen – über sich selbst und von anderen. Selbst­er­fah­rung  und Selbst­wirk­sam­keit beim Entwi­ckeln und Reali­sieren von Geschäfts­ideen  stehen im Vorder­grund bei unseren Mini-Unter­­nehmer-Camps.

Was soll geför­dert werden?

Heuer: Stärken und Fähig­keiten – oftmals unent­deckte Ressourcen, die die jungen Leute haben, aber für sich nicht wahr­nehmen. Die wissen gar nicht, was sie können. Erst recht nicht, wenn das Können sich nicht in den typi­schen Fächern wie Mathe und Deutsch nieder­schlägt, sondern zum Beispiel im Talent, Ideen zu entwi­ckeln oder ein Team anzu­leiten, etwas zu aufzu­bauen. Da lässt sich dann anknüpfen. Jeder kann etwas, was sich in Schul­fä­chern so nicht abbildet. Und das ist wert­voll fürs Leben und den Beruf!

Ressour­cen­ori­en­tie­rung statt Mängel­be­sei­ti­gung.…

Genau! In  Deutsch­land geht es in den Schulen tatsäch­lich oft um Mängel­be­sei­ti­gung. Da kann jemand nicht so gut Mathe, also muss er sich verbes­sern. Viel­leicht wäre es sinn­voller, seine Begeis­te­rung zu wecken?  Oder sein Talent bei m Verkaufen oder Orga­ni­sieren zu fördern? Dafür gibt es keine Schul­fä­cher, für den Lebens­er­folg sind diese Dinge aber sehr wichtig!

Meine Erfah­rung ist, dass es Jugend­li­chen oft schwer­fällt, ihre Stärken zu benennen…

Heuer: Das sehe ich auch so. Junge Menschen haben oft ein ganz schlechtes Gefühl für eigene Stärken. Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass man da gesprächs­ba­siert — also mit Fragen — nicht weiter­kommt.

Unter unseren Teil­neh­mern war zum Beispiel ein junger Mann, der eine wahn­sin­nige Bega­bung im Program­mieren hat, das aber für sich über­haupt nicht als wert­voll erkannt hat. Durch das Projekt bekam er Feed­back und jetzt ist er begeis­tert dabei, mehr aus seinem Können zu machen. Es ist wichtig, dass bei uns keine Pädagogen aktiv sind, sondern Prak­tiker. Deren Wert­schät­zung hat eine andere Wirkung.

Es gibt einen wissen­schaft­lich nach­ge­wie­senen Zusam­men­hang zwischen Eltern­haus und Grün­dungs­am­bi­tion. Kinder, die aus Nicht-Unter­­neh­­mer­­fa­­mi­­lien stammen, haben Grün­dungen schlichtweg nicht auf dem Plan. Was ist Ihre Vision?

Heuer: Wir wollen ein Bewusst­sein für den Beruf des Unter­neh­mers schaffen und damit eine weitere Perspek­tive auf die Arbeits­welt öffnen. Wenn Jugend­liche früh mit Unter­neh­mern in Berüh­rung kommen, erkennen Sie Unter­neh­mertum eher beruf­liche Option. Bis dahin haben sie das für sich selbst oft gar nicht als Möglich­keit im Kopf.

Und wenn die Jugend­li­chen sich am Ende nicht selbst­ständig machen? Profi­tieren Sie dennoch von Future­pre­neur?

Heuer: Aber klar. Wir hatten beispiels­weise den Gründer einer Segel­ma­cherei  und  des Outdoor­aus­rüs­ters Globe­trotter bei uns. Bei den Gesprä­chen mit solchen Leuten erlebten die Jugend­li­chen, dass einen Unter­nehmer auch andere Werte antreiben als  Geld und dicke Autos. Das hat erst mal über­rascht und zum Nach­denken ange­regt.  In den Gesprä­chen mit Unter­neh­mern hören viele Jugend­liche zum ersten Mal, dass es Erwach­sene gibt, die ihrer Arbeit mit Spaß und Leiden­schaft nach­gehen. Von dem  in den Projekten geweckten Unter­neh­mer­geist profi­tieren alle Teil­nehmer; Unter­neh­mer­geist  ist ja eine Denk – und Hand­lungs­weise von der man später auch in Ange­stell­ten­ver­hält­nissen profi­tiert . Das ist  auch für dieje­nigen inter­es­sant, die später  andere Wege gehen. Nicht zuletzt  geht es in den Projekten auch um Bezie­hungs­aufbau zur regio­nalen Wirt­schaft. Viel­leicht findet der ein oder andere Schüler so als Lehr­ling zu einem Unter­nehmen, das sonst nicht auf seinem Plan gestanden hätte.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Bettina Sturm 14. Mai 2013 at 11:25 — Reply

    Liebe Svenja,
    herz­li­chen Dank, dass ich durch Dein Inter­view auf die Initia­tive von Kerstin Heuer aufmerksam wurde.
    Durch die Projekt­er­fah­rungen nehmen die Kids/ jungen Leute einen ganz wert­vollen Schatz mit nach Hause: Sie haben ihre Stärken gespürt, Talente entdeckt, viel gelernt und alles aus eigenem Antrieb.
    Ich wünsche Frau Heuer ganz viel Erfolg mit future­pre­neur e.V. Mich hat Sie für Ihre Idee und Enga­ge­ment entzündet!

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