Kate­go­rien

Geschichte und Zukunft der Frei­be­rufler (Teil 2): Free­lance Fiction 2030

Published On: 9. April 2013Cate­go­ries: Führung

Wie wird die Arbeits­welt 2030 aussehen?  Vor zwei Wochen habe ich über die Geschichte der Frei­be­ruf­lich­keit und des Free­lan­cer­tums geschrieben. Jetzt wage ich einen ersten Ausblick.

Um diesen Ausblick einordnen zu können, einige Experten-Prognosen:

  • Aus Atypisch wird Typisch: Je nach Opti­mismus der zitierten Fach­leute werden 2030 30–50% der Arbeits­ver­hält­nisse das sein, was man heute atypisch nennt, also in seinen unter­schied­li­chen Vari­anten selbst­ständig oder mit Zeit-Projek­t­­ver­­­trägen ausge­stattet.
  • Die Stärken von morgen sind nicht von gestern: In den Konzernen werden vor allem Mana­ge­­ment- und Führungs­tä­tig­keiten verbleiben, wobei sich die Führung stark verän­dern muss, im Sinne des Orga­ni­sie­rens von Zusam­men­ar­beit, und mehr und mehr auch auf Externe beziehen.
  • Die Halt­bar­keit von Jobs wird immer kürzer: Die 10 gefrag­testen Jobs 2010 haben 2004 noch gar nicht exis­tiert, verkündet in diesem sehens­werten Video die Bitkom. Das Tempo, mit dem sich Jobs verän­dern, dürfte kaum nach­lassen.
  • Job-Sicher­heit ist passé. Das US-Depar­t­­ment of Labor rechnet damit, dass die Ameri­kaner bis zum Alter von 38 Jahren 10–14 Jobs gehabt haben werden. Bei den unter 30jährigen beträgt die durch­schnitt­liche Jobdauer schon heute unter 2 Jahren.

Wohin könnte diese Reise vor diesem Hinter­grund für Free­lancer führen?

#These 1: Ange­stellt und frei­be­ruf­lich wächst zur Auftrags­be­schäf­ti­gung zusammen

Über kurz oder lang wird es vermut­lich egal sein, in welchem Sozi­al­ver­si­che­rungs­status man sich nun gerade befindet, denn Projekte domi­nieren alles, was sich verän­dert.  Projekte lassen sich in Arbeits­auf­träge zerlegen und müssen  nicht in einem Büro­ge­bäude statt­finden.  Der kleine äußere Unter­schied derzeit: Die einen schreiben Rech­nungen, die anderen nicht. Der kleine innere Unter­schied aktuell: Die einen sind im, die anderen außer­halb des Systems „Unter­nehmen“. Wenn indes Systeme weder Schutz noch Heimat bieten, gibt es keinen Grund mehr IN  ihnen zu leben. Deshalb, so denke ich, werden sich der kleine innere und der kleine äußere Unter­schied in Luft auflösen. Äußer­lich geför­dert etwa durch eine Bürger­ver­si­che­rung, die Sozi­al­ver­si­che­rungs­un­ge­rech­tig­keiten zwischen Ange­stellten und Frei­be­ruf­lern einebnet.

Ach ja, müßig zu sagen, dass Projekt­ar­beit den IT-Bereich gar nicht verlassen muss, da  sowieso alles mit IT gemischt ist. Es ist keine Zusatz- sondern eine Basis­qua­li­fi­ka­tion.

#These 2: Keine Akquise mehr

Die einen schi­cken ihre Akqui­se­brief­chen und die anderen jagen Free­lance-Fleisch. Beide schießen auf diesen Wegen mit ihren Flinten nicht nur auf (die raren) Hasen, sondern auch auf Gänse­blüm­chen. Es muss auch anders gehen.

Crea­tive Crow­d­­sour­cing-Plat­t­­formen wie Jovoto zeigen eine Vari­ante: Firmen geben Arbeits­auf­träge  via Netz heraus und wer Lust auf den Auftrag hat, z.B. ein Innen­ar­chi­tek­tur­kon­zept, bewirbt sich. Da ist derzeit noch viel Marke­­ting-Drum­herum, die Firmen suchen mit solchen Aufträgen Publi­city in den sozialen Netz­werken. Sollte sich ändern.

Viel­leicht gibt es über kurz oder lang eine Art Push-System über das Projekt­an­fragen an Inter­es­senten gesendet werden… viel­leicht entwi­ckelt sich auch Twitter in so eine Rich­tung weiter. Viel­leicht werden auch einfache private Empfeh­lungs­netz­werke verfei­nert. Oder alles irgendwie verknüpft.

In den Co-Working-Spaces könnten Scouts Ihre Büros haben, die für Unter­nehmen nach Wissens­ar­bei­tern suchen. Da es immer schwie­riger wird Kompe­tenz via Internet zu beur­teilen, mischen diese sich unter das projekt­ar­bei­tende Volk und vermit­teln zwischen ihm und der Firma.

#These 3: Aufträge für Krea­­tions- oder Know-how-Über­­las­­sung und nicht für Zeit-Inves­t­­ment

Was es bisher nur auf Vorstands­ebene und VIP-Bera­­ter­­ver­­­trags­­e­bene gibt, könnte sich auf alle Ebenen ausweiten: Wissens­ar­beiter bekommen Verträge über 1, 2, 3 Jahre, die aller­dings nicht gebunden sind an ihren Einsatz in Arbeits­zeit und auch nicht an Erfolg (der hier sowieso nicht messbar wäre), sondern in „Zeit für Wissens­über­las­sung“.

Mit einem Insider-Hinweis nach kurzer Analyse kann man Unter­nehmen vor Fehl­ent­schei­dun­gen­be­wahren, die es Jahre kosten – und das auf Basis einen Stun­den­satzes von 150 EUR zzgl. Mwst. berechnen? Kein zeit­ge­mäßes Modell mehr. Und inno­va­tives Design ist nun auch kaum als Stun­den­auf­wand abbildbar, sondern kann auch in 5 Minuten produ­ziert sein. Um so kreativ sein zu können, muss man aber vorher erheb­lich in sich selbst und seine Kennt­nisse inves­tiert haben. Das muss sich dann irgendwo nieder­schlagen.

#These 4: Wissen kumu­liert

In vielen Berei­chen domi­nieren derzeit Free­lancer mit stark vergleich­barem Leis­tungs­an­gebot: Redak­tion, Text, Design, Coaching…. Wer etwa zwei bis drei Jahre Erfah­rung hat, kann auf glei­chem oder ähnli­chen Niveau seine Leis­tungen anbieten wie viele andere auch – und mehr fragt der Markt viel­fach im Moment auch gar nicht nach. Die eher fallenden Hono­rare für die breite Masse in diesen Berei­chen zeigen das Problem: zu nied­rige Spezia­li­sie­rungs­grade, zu wenig inno­va­tive Know-how-Kombis.

Denn nur wenn Wissen kumu­liert, steigt sein Wert: Mit den Jahren reihen sich Erfah­rungen anein­ander wie Perlen an eine Kette, die insge­samt „verkauft“ wird (und auch mehr nach­ge­fragt sein werden).  Manchmal machen die einzelnen Perlen erst im Nach­hinein Sinn, doch es wird zuneh­mend wichtig, syste­ma­tisch Binde­glieder zu finden. Es ist weniger der Inhalt wichtig (wir haben gesehen: derzeit über­holt sich Wissen in drei Jahren) als Fähig­keiten, etwa Infor­ma­tionen zu beschaffen und zu bewerten, zu konzep­tio­nieren usw.

#These 5: Der „Zehnte“ für die Weiter­bil­dung

Früher gab mal den Zehnten für die Kirche, in Zukunft für die Weiter­bil­dung. Einmal im Jahr was Neues lernen ist 2030 ganz normal. Ich könnte mir vorstellen, dass Projekt­ar­beiter Kenntnis-Upgrades in Zukunft mitver­han­deln. Mögli­cher­weise indi­vi­dua­li­siert sich damit auch Bildung, denn es gibt immer weniger Stan­dard­themen.

Tatsache: Wenn wir sechs Jahre studieren, ist das Wissen aus den ersten drei Jahren schon veraltet, wenn es sich nicht um  verglei­chende Lite­ra­tur­wis­sen­schaft handelt, was für mich nebenbei die Frage aufwirft, ob Erst­stu­dien wirk­lich inhalt­lich ange­legt sein sollten oder sich nicht besser auf eine breite Grund­la­gen­bil­dung beziehen sollten.

#These 6: Karenz­zeiten mit Geld für den Anschluss

Wer sich mehrere Monate oder gar Jahre an ein Unter­nehmen bindet, braucht Geld für die Zeit „danach“. Dann muss er Wissen auffri­schen und warten, bis sich etwas Neues ergibt. Über kurz oder lang werden schlaue Leute beginnen für so etwas Karenz­geld auszu­han­deln. Das ist bei ange­stellten Jobs ganz genauso: Die Zeiten bis nach einer spezia­li­sierten Tätig­keit etwas neues gefunden wird, werden immer länger. Siehe These 1.

#These 7: Das Ende der Solo-Unter­­nehmer

Bisher ist der Frei­be­ruf­ler­markt von Einzel-Selb­st­­stän­­di­g­keiten domi­niert. Sie waren das Thema des letzten Jahr­zehnts. Doch aus verschie­denen Gründen halte ich Einzel­kämp­fer­exis­tenten für Auslauf­mo­delle:

  1. Zusam­men­ar­beit wird inzwi­schen aller­orts schon sehr früh geför­dert. Koope­ra­tion wird Norm und nicht Ausnahme.
  2. Hinzu kommt ein viel früheres Bewusst­sein für eigene Stärken und gene­rell mehr Selbst­be­wusst­sein durch andere Erzie­hung.  Wer sich eigener Stärken früh bewusst ist, braucht keinen Egotrip. Er entdeckt auch nicht erst mit 40, dass andere Menschen anders ticken als er selbst…
  3. So wunderbar die Arbeit im Home Office ist, so toll ist es, wenn man sich austau­schen kann. Das erklärt die Wahn­sinns­kar­riere der Co-Working-Spaces.
  4. Um attrak­tiver Auftrag­nehmer von Konzernen zu sein, muss man größer auftreten. Fluide Netz­werke schei­terten bislang immer daran, dass große Unter­nehmen forma­lis­tisch auswählen (dabei vom derzeit teils und in Zukunft oft falschen Gedanken ausge­hend, dass gleiche Exper­tise am Markt mehr­fach vertreten ist): über preferred supplier-Listen, auf denen eben nur namhaf­tere GmbHs auftau­chen. Free­lancer gehen bei diesen GmbHs unter Vertrag. Dies ist sehr stark verbreitet in der IT, aber auch in anderen Berei­chen im Kommen, etwa bei Lekto­rats­dienst­leis­tungen. Die Reutax-Insol­­venz zeigt indes, dass das Modell der Vermittler-GmbH für Free­lancer ein erheb­li­ches Risiko bürgt. Ich glaube deshalb nicht, dass diese Form lang­fristig eine befrie­di­gende Lösung bieten kann.  Mit stei­gendem Spezia­li­sie­rungs­grad wird vermut­lich auch die Not der Unter­nehmen steigen, Experten auch als Free­lancer oder Free­lan­cer­teams zu buchen – siehe These 2. So ist das ja bereits jetzt, etwa bei Spea­kern und bekann­teren Trai­nern. Möglich auch, dass es Unter­nehmen gibt, die Experten gezielt vermarkten, so eine Art „Exper­ten­agentur für….“

Das fällt mir bis hierhin ein. Viel­leicht kommt später noch was dazu. Haben Sie Ideen?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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5 Kommen­tare

  1. Gisbert Chluba 9. April 2013 at 15:05 — Reply

    Ein sehr inter­es­santer Blick in die Zukunft. Ich bin über­zeugt, die Mehr­heit der arbei­tenden Bevöl­ke­rung kann sich die hier beschie­bene Fiktion gar nicht vorstellen. Dabei ist doch eines klar:
    so wie sich die Lebens­be­din­gungen und Lebens­um­stände durch z.B. neue Erfin­dungen oder verbes­serte Technik in der Vergan­gen­heit und Gegen­wart verän­dert haben, so wird es auch in Zukunft sein. Da bleibt die Arbeits­welt als Grund­lage unserer wirt­schaft­li­chen Exis­tenz nicht unbe­rührt.
    Eines wird es auch in Zukunft nicht geben:
    “die Eier legende Woll­milchsau, die auch noch fliegen kann!”
    Spezia­listen werden sich in Netz­werken verbinden und im lockeren Verbund von einander profi­tieren. Das Thema Arbeits­zeit wird sich meiner Meinung nach in vielen Bran­chen gravie­rend ändern. Gleit­zeit­re­ge­lung und Kern­ar­beits­zeiten sind dann Vergan­­gen­heits-Relikte. Projekt bezo­gene Leis­tung wird Arbeits­zeit ablösen. Technik wird Arbeits­leis­tung rund um die Uhr ermög­li­chen, stän­dige Erreich­bar­keit des Einzelnen ist heute schon in vielen Jobs “gewöhn­lich”. Der virtu­elle Einkauf wird von zu Hause aus erle­digt. Macht ein Groß­teil der Mensch­heit heute schon!
    2030 ist ein gut gewählter Zeit­punkt für deine Zukunfts­ein­schät­zung liebe Svenja. Deutsch­land wird dann nach einer jüngsten Studie zur Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung (erschienen in “Die Welt”) wie folgt beschrieben:

    Deutsch­land wird zu Europas Rent­ner­re­pu­blik
    Deutsch­land wird im Jahr 2030 den höchsten Rent­ner­an­teil in der Euro­päi­schen Union haben. Das ist das Ergebnis einer Euro­stat-Studie zur Demo­grafie. Der Erhe­bung zufolge ist Chem­nitz in 20 Jahren die älteste Stadt des Konti­nents. Mehr als jeder dritte Einwohner der säch­si­schen Stadt wird dann älter als 65 sein. Von Stefanie Bolzen

  2. Ulrike Bartos 9. April 2013 at 21:06 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    schöner Artikel und ich kann das selber nur bestä­tigen. Es gibt keine Sicher­heit, daher ist es wichtig, wenn es denn geht, flexibel zu bleiben. Damit meine ich, eine Mischung aus kleinen Jobs, einem eigenen Projekt und immer wieder ein paar dickere Aufträge zwischen­durch. So versuche ich es aktuell.

    Eine Bekannte hatte den Verhei­ßungen einer Fest­an­stel­lung nach­ge­geben und ihrer PR Agentur aufge­geben. Umstruk­tu­rie­rung — raus nach drei Jahren — von vorn anfangen. Schöner Mist.
    Ich denke, nicht zu lange zu bleiben und/oder keine Zeit mehr für weitere Projekte zu haben, ist eine der sehr großen Schwie­rig­keiten. Denn — und auch da stimme ich Ihrem Ausblick ganz zu — Weiter­bil­dung und ein stetiges “am Ball bleiben” ist elementar. Aber manchmal ist man eben auch einfach bequem. Dieses Kusche­lige muss man sich in seinem Alltag selber einrichten.
    Die Sache des Recruit­ments wird und ist viel­leicht schon eine Baustelle. Wenn ich mich an die Gespräche mit Head­hun­tern erin­nere, die ich vor zwei Jahren geführt habe, kann ich sagen, dass keine meiner Akten in den Agen­turen noch aktuell ist. Es geht einfach alles zu schnell und wer am Ball bleibt, hat jähr­lich einen neuen Jobtitel, im Zweifel selber getextet. Das Funda­ment bleibt natür­lich, aber vermit­telt werde ich mit dem was jetzt ist. Im besten Fall ist dies etwas, was gerade brennt und gesucht wird.

    Bei allem was man so über dieses Thema liest, denke ich oft: ja in Skan­di­na­vien, da geht das, aber in Deutsch­land kann ich mir das immer noch nicht vorstellen. Wer als Free­lancer in ein Unter­nehmen kommt, hat oft gar nicht die Möglich­keit zu sagen, dass er Flexi­bi­lität für andere Projekte braucht oder gar nur drei Tage zur Verfü­gung steht. Das wird noch ein holp­riger aber auch inter­es­santer Weg.

    Zu meinem Vorredner Gisbert möchte ich anmerken: dieses Szena­rion des demo­gra­fi­schen Wandels macht mir echt Angst. Viele Rentner würden sicher gerne noch hier und da was machen. Von den Agen­turen, die diese Ziel­gruppe in Top-Posi­­tionen z.B. für die Koor­di­na­tion eines Offshores nach Deli schickt, weiß ich, dass das funk­tio­niert. Die Pensio­näre sind froh mal drei Monate raus­zu­kommen und ihr Wissen und Erfah­rung werden gebraucht. Aller­dings sehe ich das nicht für alle Schichten und Sinn der Rente ist es ja auch nicht, zu arbeiten, sondern die Füße hoch zu legen.
    Ich will jetzt nicht das Buzzword Werte­wandel bemühen, aber so lange alle Konzepte darauf einzahlen, wie die Renten­kasse wieder voll wird, sehe ich da schwarz und eine nicht geringe Alters­armut auf uns zu kommen.
    Hach, tolles Thema. Könnte noch lange weiter schreiben… Aber wenn das eigene Projekt ruft… ich will ja nicht bis Mitter­nacht arbeiten.

  3. Silke Bicker 13. April 2013 at 14:08 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich sehe vieles in Ihren Punkten beschrie­bene auf uns zukommen. Den Zehnten für die Weiter­bil­dung entrichte ich schon auf frei­wil­liger Basis, aller­dings ca. alle zwei Jahre. Die Sicher­heit von Stellen nimmt in meinem Bereich schon lange ab, viele Projekt­ver­träge, befris­tete Stellen und oft werden Ange­stelle “outges­ourct”, um direkt als freie Mitar­beiter wieder ange­worben zu werden. Ich denke, das wird auch in anderen Arbeits­fel­dern zunehmen und irgend­wann normal sein.
    Weg vom Einzel­kämp­fertum und hin zu einem koope­ra­tiven Mitein­ander — herr­liche Aussicht :-). Bieter­ge­mein­schaften für Ausschrei­bungen und ähnliche Projekt­mög­lich­keiten gibt es schon, Co-Workings-Spaces sind eine tolle Sache (der Flur­funk kann ausarten…). Ich denke, das eine größere Vernet­zung auch dabei sein wird, virtu­eller Art, Frei­­be­­rufler-Büros mit (inter-) national agie­renden Akteueren, verknüpft über Online-Konfe­­renzen und teil­weise direkt vor Ort.

    Manchmal habe ich das Gefühl, Gene Rodden­berrys “Star Trek” wird stufen­weise wahr (Raum­fahrt wegdenken u. auf Erde beziehen): besseres Mitein­ander multi­kulti, mehr­spra­chige Menschen, hohe soft skills und mehrere Spezi­al­kennt­nisse pro Arbeits­tä­tigem — egal ob selb­ständig oder ange­stellt, tech­nik­af­fines Zeit­alter bei ökolo­gisch nach­hal­ti­geren Lebens­stilen…

  4. Kamilla Nitz 1. September 2013 at 23:00 — Reply

    Liebe Frau Hofert!
    Ich finde viele inter­es­sante Gedanken in ihrem Artikel und kann ihnen in fast allem zustimmen.

    Zu These #6 habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht. Im Moment scheint es so als wäre die Zufrie­den­heit unter Free­lan­cern auch mit einem gewissen Lebens­stil verbunden. Jung, unge­bunden und dadurch auch irgendwie flexi­bler. Ich glaube gerade muss sich noch einiges tun, damit auch in den weniger quali­fi­zierten und damit nicht so gut verdie­nenden Fällen eine größere Sicher­heit da ist. Aber darauf wird die Gesell­schaft oder Staat wohl früher oder später mehr oder weniger ange­messen reagieren.

    Viel span­nender finde ich das Thema Weiter­bil­dung und im weiteren Quali­fi­ka­tion. Bildung ist schnell veraltet, Refe­renzen von vor fünf Jahren sind aber nicht mehr sehr aussa­ge­kräftig… Daher finde ich die Idee der Kollek­tive, wie auch schon bei Silke, sehr inter­es­sant. Wo der einzelne Mensche nur schwer für Qualität bürgen kann, kann sich ja viel­leicht eine Gruppe mit Ihren Fähig­keiten eher einen Ruf erar­beiten.

  5. Andreas Grob 10. März 2021 at 23:27 — Reply

    Hallo Frau Hofert — Ich unter­stütze Ihre Thesen voll und ganz. Bieter­ge­mein­schaften für Ausschrei­bungen und ähnliche Projekt­mög­lich­keiten gibt es ja schon und Co-Workings-Spaces sind eine tolle Sache. Ich denke, das eine größere Vernet­zung auch dabei sein wird, virtu­eller Art, Frei­­be­­rufler-Büros mit (inter-) national agie­renden Akteueren, verknüpft über Online-Konfe­­renzen und teil­weise direkt vor Ort.

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