Kate­go­rien

Gestern Fach­kraft, heute Wissens­ar­beiter: Vom Werte­wandel im Recrui­ting

Published On: 16. Mai 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Sind Sie eine Fach- und Führungs­kraft? Ich verwette 10 Slow-Grow-Prin­­zipe darauf, dass Sie das sind, denn sonst würden Sie meinen Blog nicht lesen. Jeder, der eine Ausbil­dung hat, ist nämlich eine Fach- und Führungs­kraft. Selbst Sarah Wiener, die keine hat, ist eine.

Wenn etwa der „Harvard Busi­ness Manager“ in einem der brand­eins beigelegten Werbe­schreiben die „sehr geehrten Fach- und Führungs­kräfte“ anspricht, könnte er genau­sogut „sehr geehrte ALLE“ schreiben. Seit einiger Zeit gibt es neben diesen „allen“ noch andere, die im Moment noch nicht ALLE sind. Doch sie sind mengen­mäßig auf dem Vormarsch. Ich zitierte das Fraun­hofer Institut: “Wissens­ar­beiter stellen mit über 40 Prozent die größte Beschäf­tig­ten­gruppe in Deutsch­land dar und ihr Anteil steigt.” Wissens­ar­beiter sind auch Fach- und Führungs­kräfte, aber noch viel mehr per defi­ni­tionem Experten und Spezia­listen. Kenn­zei­chen der englisch auch Know­ledge Worker genannten Kräfte: Sie arbeiten mit dem Kopf, nicht mit den Händen, weitest­ge­hend unter Nutzung moderner Tech­no­lo­gien. Ein anderer, wenn auch inkon­se­quenter Begriff dafür wäre Frei­be­rufler. Frei­be­rufler waren früher per defi­ni­tionem auch Kopf­ar­beiter. Und ist im Kopf nicht Wissen?

Der Wissens­ar­beiter darf, deshalb wurde er mögli­cher­weise als Begriff neu erfunden und nicht das alte Wort Frei­be­rufler verwendet, auch ange­stellt sein. IT spielt in seinem Leben meis­tens eine tragende Rolle. Wie geschrieben ist er wahl­weise Experte oder Spezia­list. Der Spezia­list war ehedem der Fach­idiot, der Experte ist etwas breiter ange­legter, und hieß früher Allrounder, denn er kennt sich bereichs­über­grei­fend und damit vernet­zend aus. Der Spezia­list nicht, sein Wissen ist punk­tuell und geht in die Tiefe.

Tschüss Fach- und Führungs­kraft, hallo Experte und Spezia­list. Der Perso­nal­dienst­leister Hays hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit „Recrui­ting experts world­wide“ posi­tio­niert sich Hays clever, nämlich als Experte für Experten — statt für Fach- und Führungs­kräfte wie alle anderen. Es impli­ziert damit: Experten sind die neuen Führungs­kräfte, was den (hohen) Stel­len­wert und Status im Unter­nehmen angeht. Experten arbeiten in Projekten und damit an jenen zukunfts­re­le­vanten Schnitt­stellen, an denen Spezia­­listen-Wissen zusam­men­läuft. In der Studie von Hays lesen wir unter anderem, dass der Anteil der bereichs­über­grei­fenden Projekt­ar­beit in den letzten 2 bis 3 Jahren deut­lich gestiegen ist und weiter steigen wird. Was heißt: Jene Abtei­lungs­in­seln, in denen die Fach- und Führungs­kräfte regiert haben, werden in die Unter­neh­mens­land­schaft inte­griert. Zeit­weise zieht der frei­be­ruf­liche Experte in die Unter­nehmen ein. Dieser Wandel hat Konse­quenzen für Unter­nehmen. Denn mit den Wissens­ar­bei­tern kommen auch neue Persön­lich­keiten in Unter­nehmen zur Geltung — Menschen, die in Zeiten der Schorn­stein­kar­riere vermut­lich gar nicht weiter­ge­kommen wären.

Diese werden oft von komplett anderen Werten getrieben als bisher üblich. Beispiels­weise ist der frei­heits­ori­en­tierte Corpo­rate Know­ledge Worker, als Wissens­ar­­beiter-Typ vom Zukunfts­in­stitut iden­ti­fi­ziert, ein Typ Intra­pre­neur, der gestalten möchte und Inhalte voran­treiben. Da sein Wert Sicher­heit gering ausge­prägt ist, sein Auto­no­mie­streben dafür umso mehr, ordnet er sich poli­ti­schen Zwängen weniger unter. Der frei­heits- und flexi­bi­täts­ori­en­tierte (meist) Free­lancer wird wiederum andere Prio­ri­täten setzen. Sein Status ist wenig durch Hier­ar­chien bestimmt, sondern mehr durch inhalt­li­ches Tun.

Verschie­dene Werte bestimmen das Bild bevor­zugter Arbeits­kräfte

Ich habe diese Entwick­lung hin zu einer Werte­do­mi­nanz im Bereich Freiheit/Flexibilität in eine Grafik über­setzt. Wer es wissen­schaft­li­cher möchte, den verweise ich hier auf die 11 Know­ledge Worker-Typen des Zukunfts­in­sti­tuts, die unter anderem CIO aufge­griffen hat.

PS: Eigent­lich ist Wissens­ar­beiter ein blöd­sin­niger Begriff. Denn mit Wissen arbeiten diese Leute gar nicht. Wissen ist im Inter­net­zeit­alter überall und für jeden verfügbar, aber erst Können und Praxis machen seinen Erfolg aus. Deshalb sollte er viel­leicht besser Praxis­ar­beiter heißen. Hört sich aber nicht ganz so gut an.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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19 Kommen­tare

  1. Jeff 16. Mai 2012 at 22:04 — Reply

    Experte = Spezia­list, nur Experte verkauft sich besser.

    • Svenja Hofert 17. Mai 2012 at 14:32 — Reply

      ne, eben nicht. Zwei verschie­dene Dinge, wird aber in einen Topf geworfen. LG SH

  2. Ulrich Hinsen 17. Mai 2012 at 21:43 — Reply

    Hallo Frau Hofert, ich finde das bereits vor einigen Jahren veröf­fent­lichte Buch von Peter Drucker (Manage­ment im 21. Jahr­hun­dert) zum Thema “Wissens­ar­beiter” eben­falls recht erhel­lend. Drucker führt (in seinem übri­gens letzten Buch) aus, welche Wirkungen/Anforderungen “Wissens­ar­beiter” auf das Manage­ment haben … Viel­leicht machen wir ja mal zum Thema ein Inter­view. Mit besten Grüßen aus Köln. Ulrich Hinsen für Manage­ment­Radio

  3. Lars Hahn 18. Mai 2012 at 9:01 — Reply

    Ein paar Anmer­kungen für den Begriff Wissens­ar­beiter:

    Ich finde diesen auch völlig miss­lungen.

    1. Gibt es viele, die großes Fach­wissen haben, die man aber nie als Wissens­ar­beiter bezeichnen würde, wie Friseure oder Kran­ken­schwes­tern.

    2. Der deut­sche Begriff “Arbeiter” asso­zi­iert bei mir anderes, als der Begriff “worker”. Nämlich Fabriken und Tarif­part­ner­schaft. Passt hier gar nicht.

    3. Wissens­ar­beiter verdienen nicht durch ihr Wissen Geld, sondern durch die Anwen­dung ihrer Fähig­keiten. Die sind norma­ler­weise im Bereich Kommu­ni­ka­tion, Projekt­ma­nage­ment, Orga­ni­sa­tion, Umset­zung. Das Wissen ist zwar sehr wichtig. Bezahlt werden sie aber nicht in erster Linie fürs Wissen, sondern fürs TUN, dafür das sie ihr Wissen “auf die Straße bringen”.

    Wissens­an­wender träfe es noch besser, ist aber auch nicht ideal. Du soll­test einen Contest starten: “Wer hat den besten Begriff für die Wissens­an­wender der Neuen Arbeit?”.

  4. Karin Baldauf 18. Mai 2012 at 10:02 — Reply

    Hallo Frau Hofert, sehr inter­es­sant die Entwick­lung im Kontext der Werte­do­mi­nanz zu sehen,- tolle grafi­sche Darstel­lung,- alles auf einen Blick!
    Ich spüre als „IT- und Projekt­ma­nage­ment Wissens­ar­beiter“ zurzeit selbst sehr aktiv, welche Diskre­panz und Unsi­cher­heit in Unter­nehmen in Bezug auf „Wissens­ar­beit“ herrscht. Beson­ders in Unter­nehmen mit alter, langer Tradi­tion weiß man noch nicht so recht was anfangen damit, so nach dem Motto „Was bringt uns das? Was sollen wir damit?“ Hierfür muss erst noch das Bewusst­sein Step by Step geschaffen werden. Oftmals wird man vorerst unter­neh­mens­in­tern als „Besser­wisser“ betrachtet, da erst mit dem „Tun“ mit der Umset­zung sozu­sagen, der effek­tive Nutzen der Wissens­ar­beit und somit der Benefit fürs Unter­nehmen erkennbar sind.
    Aber die Unter­nehmen merken sehr deut­lich wie in immer kürzeren Abständen sich das Wissen der Mensch­heit verdop­pelt. Brauchte es zwischen 1800 und 1900 noch hundert Jahre, damit sich das Wissen verdop­pelte, geschieht dies heute inner­halb von 4 Jahren. Alle vier Minuten gibt es eine neue medi­zi­ni­sche Erkenntnis, alle drei Minuten wird ein neuer physi­ka­li­scher Zusam­men­hang gefunden und jede Minute wir eine neue chemi­sche Formel entwi­ckelt. Und ab 2050, so man den Zukunfts­for­schern glauben darf, soll sich das Wissen sogar täglich verdop­peln.
    Es bleibt span­nend für die Wissens­ar­beiter, Experten, Spezialisten,………(ich habe so spontan leider keinen neuen Namen gefunden).
    Schöne Grüße, Karin Baldauf

    • Svenja Hofert 18. Mai 2012 at 13:42 — Reply

      Hallo Frau Baldauf, lieben Dank für Ihre praxis­nahe Ergän­zung. herz­liche Grüße Svenja Hofert

  5. […] Die normale Arbeits­be­völ­ke­rung wird immer mehr nach Scheinen und Zerti­fi­katen bewertet. Die Exper­ten­marke im Netz nach Follo­wern, Feed­backs, […]

  6. Chris­tina Wolf 6. Juni 2012 at 9:25 — Reply

    Líebe Frau Hofert,

    mit Freude habe ich eben erst Ihren Blog­bei­trag entdeckt, vielen Dank für die Erwäh­nung unserer Studie! Da es eher ein Studi­en­pro­jekt (drei­teilig aufge­baut) ist, möchte ich Ihre Leser und Sie gerne auf unsere Website aufmerksam machen, in der wir ausführ­liche Auszüge aus den Exper­ten­ge­sprä­chen, weitere passende Studien, Fach­bei­träge und Diskus­si­ons­pa­piere sowie Verweise und Links zu anderen Infor­ma­ti­ons­quellen bereit­stellen. http://bit.ly/NHA19x

    Herz­liche Grüße aus Mann­heim

    Chris­tina Wolf

  7. Frank Schabel 14. Juni 2012 at 10:30 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    da Hays ange­spro­chen ist in Bezug auf die Begriffs­welten. Vor der Frage, welcher Begriff am besten passt, stehen wir ständig. Experten und Spezia­listen verwenden wir meist synonym, trotzdem impli­zieren sie etwas anderes. Experte ist etwas weiter gefasst und sugge­riert viel­leicht mehr Erfah­rung.
    Die Unter­schei­dung in Ihrem Quadranten, hilft sicher­lich, aber als Dicho­tomie macht es eher keinen Sinn und meist sind es Misch­formen.
    Für eine neue Studie (www.wissensarbeiter-studie.de) nutzen wir den Begriff Wissens­ar­beiter — diese sehen wir als Akteure, die aufgrund ihres Wissens an der Wert­schöp­fung von Unter­nehmen aktiv teil­nehmen. Also recht breit gefasst. In Kürze befragen wir Wissens­ar­beiter selbst und danach Unter­nehmen. Auch in Rich­tung Ihres Quadranten.
    By the way teile ich nicht Ihre Meinung, dass Wissen überall verfügbar ist. Es ist aus meiner Sicht untrennbar mit dem jewei­ligen Menschen verknüpft und nicht in Daten­banken oder im Intranet per click verfügbar.
    Frank Schabel, Hays

    • Svenja Hofert 14. Juni 2012 at 11:06 — Reply

      Hallo Herr Schabel, vielen Dank für Ihren erhel­lenden Kommentar. Viel­leicht könnten wir das mit der Verfüg­bar­keit von Wissen so formu­lieren: Es ist da, aber nur Menschen mit Wissen können es sinn­voll ver- und bear­beiten. Bin gespannt auf Ihre Studie. LG Svenja Hofert

    • Svenja Hofert 17. Juni 2012 at 16:07 — Reply

      Hallo Herr Schabel, danke für Ihr State­ment. Siehe hierzu meine Antwort zu Dirbach. Ich finde, im Internet ist Infor­ma­tion und auch Wissen verfügbar. Nicht jeder kann sich es aneignen, dazu braucht es Vorwissen und Lern­fä­hig­keit. Aber er/sie könnte in ganz vielen Berei­chen. LG Svenja Hofert

      • Thorben Schulz 18. Juni 2012 at 20:16 — Reply

        Touché (wenn ich mich hier mal einklinken darf) — dazu braucht es aber eine echt große Portion “Lern­fä­hig­keit” — das kann tatsäch­lich wohl doch nicht jeder (“ich dachte bis dato das kann jeder”) .… und ohne ein Studium (unab­hängig der Fach­rich­tung) ist dies (so zumin­dest meine Meinung) … beinahe unmög­lich.

        • Svenja Hofert 19. Juni 2012 at 8:49 — Reply

          Weiß grad nicht so genau auf welchen Beitrag Sie sich beziehen, lieber Herr Schulz. Wenn Sie meinen, dass es nicht selbst­ver­ständ­lich ist, dass jeder eine große Lern­fä­hig­keit hat, so gebe ich 100% recht. Ein Studium kann in Sachen Lern­fä­hig­keit einiges tun, muss es aber nicht. Ich fänd ein Schul­fach Lernen+Meinungsbildung nicht schlecht. LG Svenja Hofert

  8. Jörg Dirbach 14. Juni 2012 at 18:49 — Reply

    Hallo Frau Hofert
    Für den Begriff der Wissens­ar­beit gibt es mitt­ler­weile sehr gute und auch aner­kannte Defi­ni­tionen. Auf meinem Blog unter http://bit.ly/KEFPi6
    finden Sie eine Samm­lung der wich­tigsten Defi­ni­tionen. Grund­sätz­lich können wir auch davon ausgehen, dass jemand der nach den genannten Defi­ni­tionen Wissens­ar­beit macht, ein Wissens­ar­beiter ist. Allen Defi­ni­tionen gemeinsam ist, dass Wissens­ar­beit den Prozess des Lernens — also des Erwerbs neuen Wissens im Arbeits­pro­zess beinhaltet. Dabei spielt es keine Rolle ob jemand ausschliess­lich mit dem Kopf oder auch mit den Händen arbeitet. Jeder Inge­nieur oder Desiner arbeitet auch mit den Händen mit einem Stift oder einem iPad. Auch ein Chirurg, der einen schwie­rigen Eingriff macht, ist ein Wissens­ar­beiter, da er die selbe Opera­tion nicht schon hundert Mal gemacht hat.
    Ich denke, man sollte den Begriff der Wissens­ar­beit bzw. Wissens­ar­bei­ters auch nicht perma­nent umde­fi­nieren. Das Fraun­hofer Institut hat diesen in vier Kate­go­rien einge­teilt, die z.B. den Grad an Neuig­keit der Aufgabe einteilen. Das sollte genügen um die vorhan­denen Defi­ni­tionen noch ein wenig zu ergänzen.
    Mit Ihrer Aussage, Wissen ist im Internet und überall verfügbar kann ich mich nicht anfreunden. Was verfügbar ist, ist ledig­lich Infor­ma­tion. Damit daraus Wissen wird, braucht es ein aufnah­me­be­reites Gehirn und einen Lern­pro­zess, der diese Infor­ma­tion in Wissen trans­for­miert. Diese Trans­for­ma­tion ist u.a. ein Vernetzen der aufge­nom­menen Infor­ma­tion in schon bestehende Wissens­be­stände. Die Wissens­treppe von Klaus North macht dies sehr klar verständ­lich: http://bit.ly/KEFN9V
    .
    Beste Grüsse
    Jörg Dirbach

    • Svenja Hofert 17. Juni 2012 at 16:04 — Reply

      Hallo Herr Dirbach, ich finde, dass Defi­ni­tionen nie geschlossen sein sollten. Jeder Defi­ni­tion kann eine neue Perspek­tive hinzu­ge­fügt werden, sonst wäre es eine in sich geschlos­sene Einheit. Wer bitte sollte das die Deutungs­ho­heit haben. Wenn Wissen, wie in der schönen Treppe gezeigt, die Erwei­te­rung von Infor­ma­tion um den Faktor Vernet­zung ist, so bin ich dennoch der Meinung, dass das Internet sehr wohl Wissen bereit­hält. Zum Beispiel gibt es bei Youtube inzwi­schen phan­tas­tishe Lern­vi­deos, die diese Vernet­zung erzeugen. Das ist eindeutig mehr als Infor­ma­tion LG Svenja Hofert

  9. Stefan Rehm 15. Juni 2012 at 10:14 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    danke für Ihren Blog­bei­trag und die daraus resul­tie­rende, ange­regte Diskus­sion! – Ich denke mir, dass hier viel­leicht die aner­kannte Abgren­zung von Wissen gegen­über Daten und Infor­ma­tionen einmal hilf­reich sein könnte (vgl. Wissens­treppe Klaus North, 2003).
    Zeichen (1 4 2 : 9) bilden die Grund­lage und ergeben in Verbin­dung mit einem Syntax Daten (12:49). Stehen Daten ihrer­seits im Kontext­bezug und erhalten damit eine Bedeu­tung (ange­schlagen an der Bushal­te­stelle), werden diese zu einer Infor­ma­tion (Abfahrts­zeit des Busses 12:49). Aller­dings erst die Verknüp­fung – aktiver Prozess! – der gegeben Infor­ma­tion mit eigenen Kennt­nissen oder Erfah­rungen führt zum Wissen (Bus kommt immer 5 Min. zu spät; ich habe noch Zeit).
    Wissen ist somit personen- oder orga­ni­sa­ti­ons­ge­bunden, anders gesagt: “Wissen sitzt zwischen zwei Ohren – bzw. im Gebäude einer Orga­ni­sa­tion.”
    Vor diesem Hinter­grund gibt es nicht „das Wissen, das da ist“; es wird immer wieder geschaffen und dabei (leicht) modi­fi­ziert!

    Im Hinblick auf Wissens­ar­beit ist das Heraus­heben des Anwen­dungs­be­zuges wichtig und richtig. Wissen ist nämlich neben den tradi­tio­nellen Ressourcen Arbeits­kraft, Rohstoffe und Finanzen der Vierte und zuneh­mend entschei­dende Produk­ti­ons­faktor, um Wert­schöp­fung von Unter­nehmen, Insti­tu­tionen oder Orga­ni­sa­tionen zu gene­rieren (und Wett­be­werbs­fä­hig­keit….). Wissens­ar­beit beschreibt damit nicht eine Anfor­de­rung an die Arbeit (das ist wissens­ba­sierte Arbeit), sondern viel­mehr die Qualität von Tätig­keiten. Reines Fach- und Metho­den­wissen (expli­zites Wissen) ist dabei nicht ausrei­chend (ACHTUNG, dieses zeichnet Fach- und Führungs­kräfte maßgeb­lich aus!), sondern es müssen dauer­haft z.B. Kennt­nisse, Erfah­rungen und Fähig­keiten (impli­zites und verbor­genes Wissen) inte­griert werden, um einen produk­tiven Ausfluss zu haben. – Somit ist es also nicht die Fabriken und Tarif­part­ner­schaft die der Begriff­lich­keit zu wider laufen, auch müssen es nicht zwangs­läufig Experten oder Spezia­listen sein. Viel­mehr ist es eine Frage des eigenen Selbst­ver­ständ­nisses und der eigenen Befä­hi­gung die Viel­schich­tig­keit von Wissen in häufig komplexen Zusam­men­hängen wert­schöp­fend zu nutzen, die die Wissens­ar­beit auszeichnen.

    Eine Frage zum Schluss: “Wissens­ar­beiter stellen mit über 40 Prozent die größte Beschäf­tig­ten­gruppe in Deutsch­land dar und ihr Anteil steigt.” Aber warum weiß ein gutes Manage­ment, wie wichtig es ist, dass die Prozesse im Unter­nehmen bzw. in der Orga­ni­sa­tion geplant, kontrol­liert und gesteuert werden und Perso­nal­ent­wick­lungs­kon­zepte, Busi­ness­pläne, Finanz­con­trol­ling vertraute Instru­mente der Unter­neh­mens­füh­rung sind, wenn Wissens­ma­nage­ment für viele immer noch ein Buch mit 7 Siegeln zu sein scheint? – Viel­leicht hilft hier ein Link: http://bit.ly/MuStCB

    Herz­liche Grüße aus Kiel,
    Stefan Rehm

    • Svenja Hofert 17. Juni 2012 at 15:57 — Reply

      Lieber Stefan Rehm,
      danke für Ihre erhel­lenden und ergän­zenden Zeilen, ich hab mir ihr PDF grad ausge­druckt 🙂 Ich habe bisher aller­dings auch die Erfah­rung gemacht, dass Wissens­ma­nage­ment eine selt­same Rolle zuge­schrieben bekommt, teil­weise schreibt man es Redak­teuern zu, die irgend­welche Wikis betexten… Was macht Ihrer Meinung nach ein Wissens­ma­nager, bzw. was sollte er tun? LG und schönen Sonntag Svenja Hofert

      • Stefan Rehm 26. Juni 2012 at 11:47 — Reply

        Liebe Frau Hofert,
        viel­leicht gehen wir ein wenig weg von Ihrem Leit­ar­tikel, aber ich antworte (endlich) gerne auf Ihre Frage, was macht ein Wissens­ma­nager:
        „Ein Wissens­ma­nager soll die Wirk­sam­keit von Wissen erhöhen!“ – Genau so breit wie diese Aussage ange­legt ist, muss auch die Tätig­keit von Wissens­ma­na­gern ange­legt sein. Dabei führt nie nur ein Weg zum Erfolg und sicher auch nie immer derselbe. Auch darf man die Tätig­keit nicht auf die Einfüh­rung unter­schied­li­cher Instru­men­ta­rien oder einzelner Akti­vi­täten redu­zieren (Wiki, Kompe­tenz­pro­file, Wissens­land­karte etc.). Die ganz­heit­liche Perspek­tive ist zwin­gend!

        Wissens­ma­nager richten den Fokus auf den (neben Arbeits­kraft, Finanzen und Rohstoffe) Vierten und heute zuneh­mend bedeu­tendsten Produk­ti­ons­faktor: Wissen. Dabei gilt es eine Ressource zu managen, die sich bei Ihrem Gebrauch als einzige mehrt! Und auch kann über die Ressource nicht direkt verfügt werden, sondern den Menschen muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem Wissen erworben, entwi­ckelt, verteilt, genutzt und bewahrt werden kann. Wissen muss sich bewegen können!

        Konkret: Wissens­ma­nager müssen immer nach Antworten und Akti­vi­täten suchen, die entweder eine bestimmte Heraus­for­de­rung im Hinblick auf die Dimen­sion Wissen entschärft oder direkt nach­haltig zum Geschäfts­er­folg beiträgt. Zu bedenken ist dabei aller­dings, dass dieses zu einer Unter­neh­mung oder Orga­ni­sa­tion passen muss; die Mitar­beiter, die Kultur, aber auch spezi­fi­sche Rahmen­be­din­gungen oder Anfor­de­rungen entscheiden über die Stra­tegie und beein­flussen die Wahl der Instru­mente. – Besteht in einer Unter­neh­mung beispiels­weise bereits ein Problem­be­wusst­sein darüber, dass heute zentrale Mitar­beiter zwischen 55 und 63 Jahren alt sind, dann werden Antworten aus der Wissens­per­spek­tive gewiss auf die Bewah­rung von Wissen abzielen. Ist aber nun ein Wiki einzu­führen, sollen alters­ge­mischte Teams gebildet, ein monat­li­ches Jour Fixe inner­halb einer bestimmten Einheit einge­führt oder doch erst analy­siert werden? – Ein Wissens­ma­nager kann hier quali­fi­ziert beraten und begleiten.

        Abschlie­ßend eine zusam­men­fas­sende Beschrei­bung zum Wissens­ma­nage­ment:
        „Wissens­ma­nage­ment umfasst alle Maßnahmen des Erwerbs, Trans­fers sowie der Nutzung und Spei­che­rung von Wissen, um Wissens­po­ten­ziale zu erschließen und Geschäfts­pro­zesse zu unter­stützen. Im Vorder­grund steht Wissen ziel­ge­richtet und syste­ma­tisch weiter zu entwi­ckeln und so anzu­wenden, dass es in Form neuer Produkte, Prozesse oder Geschäfts­felder umge­setzt werden kann“ (Bodrow/ Berg­mann 2003).

        Soviel zu Ihrer Frage, was macht ein Wissens­ma­nager,
        mit herz­liche Grüße aus Kiel,
        Stefan Rehm

    • Svenja Hofert 17. Juni 2012 at 15:57 — Reply

      Lieber Stefan Rehm,
      danke für Ihre erhel­lenden und ergän­zenden Zeilen, ich hab mir ihr PDF grad ausge­druckt 🙂 Ich habe bisher aller­dings auch die Erfah­rung gemacht, dass Wissens­ma­nage­ment eine selt­same Rolle zuge­schrieben bekommt, teil­weise schreibt man es Redak­teuern zu, die irgend­welche Wikis betexten… Was macht Ihrer Meinung nach ein Wissens­ma­nager, bzw. was sollte er tun? LG und schönen Sonntag Svenja Hofert

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