Kate­go­rien

Grün­dungs­schmerzen: Was tun, wenn der Partner nicht will?

Published On: 22. November 2010Cate­go­ries: Führung

Am Freitag habe ich auf Dastutmannicht.de der Autorin Margaret Heckel einen Rat gegeben. Eine Dame aus dem IT-Busi­­ness fragte, was sie tun solle: Sie hätte eine Grün­dungs­idee und sei über­zeugt, ein erfolg­rei­ches Unter­nehmen gründen zu können — der Mann war dagegen. Also: Gegen Wider­stände durch­ziehen? Tut man das?

Das ist eine Frage, die mir ziem­lich oft begegnet, deshalb greife ich die Antwort hier noch mal ausführ­li­cher auf. Ich empfehle bei Unei­nig­keit über den weiteren beruf­li­chen Weg ein gemein­sames Coaching zur Klärung, denn ohne Konsens  funk­tio­niert am Ende beides nicht: Geschäft und Ehe. Ich habe oft mit Grün­dern zu tun, die ihren ängst­li­cheren Partner ins Boot holen müssen — oft ist das die Ehefrau.

Die vertauschten Rollen  wie im Fall­bei­spiel sind aber auch nicht unge­wöhn­lich. Das Prinzip bleibt ohnehin gleich:  Wenn der eine will und der andere nicht, gilt es, den Partner zu über­zeugen, das ist ein längerer Prozess. Erst einmal ist es ganz wichtig, dass im Coaching die Sorgen des Part­ners frei­ge­legt und genau bespro­chen  werden. Es kann z.B. sehr gut sein, dass der Grün­dungs­wil­lige eine höhere Risi­ko­be­reit­schaft besitzt als der oder die andere. Je höher der Wert bei “emotio­nale Ruhe/ Stabi­lität”, z.B. im Reiss-Profil, desto eher über­wiegen Sorgen den Blick auf Chancen.

Risi­ko­be­reit­schaft aber ist eine der grund­le­gende Eigen­schaften für Selbst­stän­dige! Es gibt Studien, die belegen, dass risi­ko­be­rei­tere Gründer (keine Waghal­sigen!)  erfolg­rei­cher sind. Wenn der Partner solche Dinge weiß und die Rele­vanz persön­li­cher Eigen­schaften für den unter­neh­me­ri­schen Erfolg besser einschätzen kann, lässt er sich viel­leicht davon über­zeugen.

Und selbst wenn nicht: Zumin­dest wird er/sie tole­rieren können, dass sich sein Partner für einen Weg entscheidet, der ihm selbst fremd, beängs­ti­gend oder unpas­send erscheint.

Kompro­misse helfen. Mit Kunden habe ich in part­ner­schaft­li­chen “Patt-Situa­­tionen” unter­schied­liche Modelle ausge­ar­beitet, die ein “Matt” verhin­dern: beispiels­weise die Grün­dungs­idee anfangs neben­be­ruf­lich zu reali­sieren  und den Voll­zeitjob auf 20 oder 30 Stunden herun­ter­zu­schrauben, was Firmen bei Fach­per­sonal meist zähne­knir­schend, aber dann  doch mitma­chen. Es war auch öfter eine Lösung, dass der eine Partner dem anderen eine gewisse Frist für den Unter­neh­mens­aufbau zubil­ligte, die nicht zu kurz sein darf — andert­halb Jahre finde ich ein Minimum.

Doch gleich welcher Weg begangen wird — immer bleibt ein  Geheim­re­zept, einen sorgen­vollen Partner  nicht allzu­viele Details über even­tu­elle eigene Bedenken mitzu­teilen. Denn wenn der grün­dende Partner seine Sorgen offen seinem ohnehin sorgen­vollen Partner mitteilt, verstärkt das dessen Bedenken noch. In dieser Situa­tion steht das dem Grün­dungs­er­folg im Weg, denn der ist selten ein Durch­starten ohne Rück­schläge.

Das ist dann auch die Anfor­de­rung an den grün­denden Partner: Einiges aushalten können und Ängste besser mit denen bespre­chen, die weniger nahe stehen und typi­sche Unter­neh­mer­sorgen verstehen können, z.B. weil sie selbst selbst­ständig sind. So bleibt der Blick auf die riesigen Chancen einer Grün­dung —  mehr Geld,  mehr Frei­heit, Selbst­be­stim­mung — frei und eini­ger­maßen unge­trübt.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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