Kate­go­rien

“Hilfe, mein Chef will Team­ar­beit”

Published On: 7. September 2010Cate­go­ries: Aktuell

“Findet zusammen eine Lösung für das Daten­bank­pro­blem”, sagte der Chef seinen Mitar­bei­tern und knallte die Tür zu. “Wie zusammen? Da muss einer doch die Verant­wor­tung haben!” erwi­derte eine Kollegin irri­tiert.

Chefs, die den Mitar­bei­ter­typus “Selbst­or­ga­ni­sierer” und die Team­ar­beit bevor­zugen, sind detail­lierte Brie­fings ein Graus. Solchen Chefs ist es egal, WIE eine Lösung entsteht und WER daran betei­ligt ist. Sie wollen sich nicht lange damit beschäf­tigen, Aufgaben aufzu­teilen. Im Extrem­fall verfolgen sie eine Haltung des “Laissez faire”.

Sie denken: Das können die Mitar­beiter schließ­lich allein unter sich ausma­chen. Doch Selbst­or­ga­ni­sa­tion ist die Königs­klasse der Team­ar­beit — mit einigen Stol­per­fallen:

  • Nicht alle Mitar­beiter können sich selbst orga­ni­sieren bzw. sind das  gewohnt. Viele erwarten eine Entschei­dung von oben.
  • Einige Mitar­beiter sind unsi­cher und trauen sich nicht, etwas selbst in die Hand zu nehen. Sie machen nichts ohne das Go vom Chef.
  • Ein ganz anderer Typ von Mitar­beiter hat schlicht keine Lust, sich mit Kollegen zusam­men­zu­setzen. Dieser Typus will ein Problem lieber eigen­ver­ant­wort­lich lösen.

Gehören Sie zu einem dieser Typen? Dann sitzen Sie  im Dilemma. Wenn der Chef ein Team- und Selb­st­or­­ga­­ni­­sa­­tion-Fan ist, wird er es gar nicht gut finden, wenn sie auto­ri­täre Anwei­sungen verlangen oder unsi­cher sind, wie sie vorgehen sollen. Ein solcher Chef wird es andrer­seits aber auch nicht mögen, wenn einer alles an sich reißt. Nun können Sie kündigen und sich einen neuen Chef suchen — oder das beste aus der Situa­tion machen:

  • Wenn der Chef allzu grobe Vorgaben in Rich­tung “Macht mal im Team” gibt, dann spre­chen Sie sich mit den Kollegen ab. Wenn alle das so sehen wie Sie, bitten Sie ihn zu einem gemein­samen Gespräch. Sagen Sie offen, dass Sie die Aufgabe ohne “Auftei­lung von oben” nicht lösen können.
  • Wenn nur Sie das “Macht mal im Team” Ihres Chefs nicht mögen, fragen Sie sich, warum das so ist. Fehlt Ihnen Struktur, mögen Sie das Chao­ti­sche daran nicht? Dann ist das mögli­cher­weise die Stärke, die Sie einbringen können. Denken Sie mal drüber nach…
  • Wenn Sie eigent­lich lieber allein ein Projekt über­nehmen würden, machen Sie Vorschläge für eine sinn­volle Auftei­lung der Arbeits­pa­kete unter den Kollegen. Sie können ja ruhig die Rolle des Koor­di­na­tors über­nehmen und z.B. das Zusam­men­führen verant­worten. Aber sich ganz aus der Team­ar­beit zu ziehen, wäre nicht gut.

Mitar­beiter, die gern ganze Projekte an sich reißen — zum Beispiel im nicht selten falschen Glauben, so schneller Karriere zu machen — sind beim beschrie­benen Chef-Typ nicht eben beliebt. Über­prüfen Sie bei sich selbst, ob Sie nicht zum stark vom Glau­bens­satz beherrscht sind “ich kann das sowieso besser”. Der ist nämlich nicht selten falsch…

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Verzwei­felt 15. März 2012 at 12:24 — Reply

    Bei uns ist es so: Die Frima in der ich arbeite hat mein Chef in April 2010 gekauft. Eine MA dieser Firma, die teil­zeit arbeitet (20 Stunden Woche) ist “mitge­kommen. Diese Kollegin arbeitet bei dieser Firma seit ca. 8 Jahre. Unser Chef stellt sich das so vor, dass wir gemeinsam arbeiten, das sie bevor sie nach Hause geht mir ein Brie­fing gibt über offene /laufende Themen und auch für Freitga, da sie Freitag nicht arbeitet. Darüber haben wir 1000 mal gespro­chen, er hat sie 1000 mal versi­chert, dass das nicht bedeutet dass ihr Arbeits­platz bedroht wird. Er will nur nicht das die gesamte Arbeit im Händen der Teil­zeit­kraft ist und die Voll­zeit sitzt rum und hat wenig zu tun! Reden hin und her, das bringt einfach NICHTS!! he mehr er /wir darübr reden um so mehr verstckt sie die Arbeit. Wenn sie mal nicht da ist, ist es ein Zeit- und Nerven­kampf etwas aus ihren Unter­lagen raus­zu­finden! Wenn Sie den Kunden/ Liefe­ranten anschreibt, schreibt sie Sätze wie “ich bin wieder morgen ab 08.30 zu errei­chen” — nach dem Motto “Bloß nicht meine Kollegin fragen oder Bescheid geben”!!!. Ich bin ernst am denken, dass ich kündige! Ich mag die Firma und mein Vorge­setzter ist ein toller Mensch, aber mit so einer beses­senen Kollegin zu arbeiten macht mich einfach krank:(

    • Svenja Hofert 15. März 2012 at 13:42 — Reply

      Spre­chen Sie mit Ihrem Chef über die Situa­tion. Sagen Sie, dass Sie selbst nicht mehr weiter­wissen und die Sita­tion für Sie so nicht tragbar ist. Machen Sie einen Vorschlag für eine Lösung aus Ihrer Sicht. Ich denke, ein Gespräch zu dritt macht danach Sinn — das ist aber Chef­sache. Sollte sich dann nichts ändern, müssen Sie für sich entscheiden, ob Sie die Konse­quenz ziehen und kündigen. LG Svenja Hofert

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