Kate­go­rien

Hilfe, mein Netz­werk färbt ab!

Published On: 20. Oktober 2010Cate­go­ries: Aktuell

„Darf ich einen arbeits­losen Bekannten bei Xing frei­schalten?“ fragte mich neulich ein Vortrags­teil­nehmer (schon getwit­tert). Gestern las ich dann in der FTD einen Leser­brief, in dem jemand fragte, wie er mit der Kontakt­an­frage eines unge­liebten Kollegen umgehen soll. „Ich hasse Teams“ lässt grüßen – bitte unser Buch mal lesen 😉 Das Thema begegnet einem überall: Gestern bloggte ich darüber, dass Freunde über den Erfolg im Beruf entscheiden.

Tatsäch­lich färben Netz­werke auf einen ab. Jemand der lauter jobsu­chende Absol­venten um sich versam­melt hat und das bei Xing, Face­book oder sonstwo zeigt, wirkt auf andere weniger inter­es­sant, attraktiv oder auch „wert­voll“ als ein gut quer-vernetzter Mensch (jemand, der Profes­soren, Exoerten und Perso­nal­ent­scheider kennt bzw. zu kennen scheint).  Dabei kann man von der Wirkung kaum auf das wirk­liche Kontakt­ver­halten schließen. Ich habe Leute mit drei Xing-Kontakten getroffen, die bestens verdrahtet waren – aber keinen Wert darauf legten, dies zu zeigen.

Das Internet verzerrt das Bild. Es entsteht der Eindruck, dass…. Jemand gut vernetzt ist, bekannte oder hoch­ste­hende Persön­lich­keiten kennt. Aber ein Beweis ist das noch lange nicht. Der Ex-Bayer Lever­kusen Manager Rainer Calmund – oder viel­mehr: wahr­schein­lich seine Marketer – tauchten vor einiger Zeit  bei Xing auf und vernetzten sich “stra­te­gisch”. Das machen auch andere so: Inter­es­sant ist, wer wichtig scheint. Es ist deshalb nicht so entschei­dend, wen man DE FACTO kennt, sondern entschei­dender, wer einen wichtig findet und dann anspricht, um die eigene Wich­tig­keit zu unter­strei­chen, zu erhöhen, Produkte besser zu verkaufen etc. Oder umge­kehrt: Wen finde ich wichtig? Wen spreche ich an? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, bestimme ich damit mein virtu­elles Netz­werk inklu­sive der Außen­wir­kung.

So schließt sich ein Kreis ohne klare Abgren­zung… Wer kennt wen wirk­lich? Wer ist wirk­lich wichtig (was ist wichtig über­haupt?)? Das ist längst nicht mehr eindeutig zu beant­worten, eigent­lich gar nicht mehr. Ist der verhasste Kollege nun wichtig für mich? Ist der Arbeits­lose schäd­lich für meine Online-Repu­­ta­­tion?

Die verzerrte Welt des Inter­nets verun­si­chert. Auf scheinbar leichte Fragen gibt es keine eindeu­tigen Antworten mehr. Die Kollegin, die auf den FTD-Leser­­brief antwor­tete, empfahl, die Kontakt­ein­stel­lung so zu bedienen, dass nicht jeder sieht, wer im Netz­werk ist. Eine Möglich­keit, bei Face­book lassen sich Kontakte, anders als derzeit bei Xing, kate­go­ri­sieren.

Die andere Möglich­keit wäre, sich zu fragen, warum wir uns so mani­pu­lieren lassen anstatt einfach eigene Krite­rien fest­zu­legen und nach diesen zu entscheiden. Ich schalte Arbeits­lose frei – es ist doch kein Verbre­chen keinen Job zu haben, sondern wie Ute Blin­dert von Zukx zurückt­wit­terte: eine Chance. Und manche Wirkungs-Wich­­tigen mit Riesen-Netz­­werk schalte ich nicht frei, weil es durch­sichtig ist, dass sie über mein Profil Zugriff auf andere Kontakte haben wollen.

Zurück zur Face­­book-Frage: Sicher ist es legitim, jemanden, den man nicht mag, den Zugriff zum eigenen Netz­werk zu verwehren. Aller­dings: Fragen Sie sich vorher bitte noch mal kurz, warum Sie jemand unsym­pa­thisch oder doof finden….

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 20. Oktober 2010 at 20:57 — Reply

    Genau! Span­nender als die vermeint­liche “Wich­tig­keit” einer Person ist mir sowieso das, was sie im Netz tut und von sich gibt.
    Schlimm finde ich z.B. die Kontakte, deren Profil sich auf Dauer auf den Erst­ein­trag beschränkt. Ebenso schlimm, wenn ein Kontakt in XING fast täglich Grup­pen­news­letter oder Events promotet, die augen­schein­lich um sein Produkt gehen.
    Dann ist mir der arbeits­lose Schul­kol­lege wesent­lich lieber, der aufrichtig enga­giert durchs Netz reist.

  2. Svenja Hofert 27. Oktober 2010 at 13:41 — Reply

    Oh ja, diese Grup­pen­news­letter… die führen auch bei mir dazu, dass ich Xing manchmal lästig finde. Gott­sei­dank werden die inzwi­schen aus den Nach­richten aussor­tiert. herz­liche Grüße Svenja Hofert

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