Kate­go­rien

Hunde-Marke: Coach-Posi­­tio­­nie­rung mal anima­lisch

Published On: 29. Januar 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Coaching ist ein hart­um­ge­kämpftes Busi­ness, die Diskus­sion von letzter Woche zeigt es an. Das früher übliche Marke­ting über Bücher hat sich weit­ge­hend totge­laufen, inzwi­schen gibt es sogar Coachs, die Geld dafür bezahlen, in Publi­ka­tionen und Zeit­schriften gedruckt zu werden. Sichtbar zu werden — alles andere als leicht. Wenn man sich nicht mal etwas ganz Anderes einfallen lässt. So wie Sabine Dinkel. Sie ist mir unter den Karrie­re­ex­perten aufge­fallen, weil sie etwas anders macht als die meisten. Ich traf mich mit ihr beim Birnen­ku­chen, um mit ihr über Coach-Marke­­ting zu spre­chen.

Das Wilma ‑Logo — dazu gibt es auch Pfoten zum Aufkleben

Du schaffst es, Aufmerk­sam­keit zu erzeugen, ohne dich thema­tisch spitz zu posi­tio­nieren. 

Mein Marken­zei­chen ist mein Hund Wilma, der eine hohe Wieder­erkenn­bar­keit erzeugt. Wilma ist im Logo, im Video, auf Post­karten – und auch im Coaching live dabei. Nur bei Firmen­trai­nings lasse ich sie zu Hause. Aber Fotos zeige ich manchmal auch, natür­lich nur, wenn es passt 😉

Wenn ich bedenke, dass der Begriff „Co-Trai­­nerin Wilma“ damals spontan aus einer Laune heraus entstanden ist…ich muss heute immer noch lachen, wenn ich mich daran erin­nere. Es gab damals natür­lich auch Beden­ken­träger, die sagten „Aber den Hund kannst du doch nicht mit ins Video nehmen.“ Oder „Ein eigenes Logo für Wilma? Jetzt über­treibst du aber.“ Das hat sich aller­dings gelegt. Ich glaube, dass die Menschen merken, dass mein Marke­ting mit einer Riesen­por­tion Herz­blut gemacht wird. Denn das kann ich voller Über­zeu­gung sagen: Das lustige Leben fing mit meiner Selbst­stän­dig­keit erst so richtig an.

Das erste, was ich von dir sah, war ein Video. Und ich muss sagen, ich fand es besser als viele andere Coach-Videos, die oft sehr gestylt daher­kommen. Es ist mehr Storytel­ling im Video.

Oh, das freut mich sehr. Genau das wollte ich errei­chen. Einen kurz­wei­ligen Film, der zeigt, wie ich arbeite, auch in meiner rich­tigen Arbeits­at­mo­sphäre. Nicht so geschönt und glatt. Ich lasse auch  Kunden zu Wort kommen. Nicht­zu­letzt zeige ich auch meinen Coachingraum und den Stadt­teil, in dem ich arbeite – es ist den Menschen ja auch wichtig zu sehen, wo Sie hingehen und wie es dort aussieht.

Es gibt sogar Leute, die explizit hervor­heben, dass sie es gut finden, dass ich mein Büro nicht in Ottensen, Eppen­dorf oder Eims­büttel betreibe – sondern im relativ ungla­mou­rösen Rothen­burg­sort, das im übrigen sehr gut erreichbar und wunder­schön an der Elbe gelegen ist. Viele finden es beru­hi­gend, weil dann die Hemm­schwelle nicht so groß ist und sie nicht das Gefühl haben, sich größer machen zu müssen, als ihnen gerade zumute ist. Schließ­lich ist es immer ein großer Schritt, sich Unter­stüt­zung von außen zu holen, da ist man froh, wenn es nicht so viele Anfangs­hürden gibt.

Als Coach und Trai­nerin bist du fach­lich gesehen wenig spezia­li­siert:  keine beson­deren Methoden, Test­ver­fahren oder was sonst so gerne empfohlen wird…

PR-Wirkung — mit Hunden in Bild der Frau

Ich komme aus der Perso­nal­ent­wick­lung, bin zerti­fi­zierter Busi­ness Coach und ebenso zerti­fi­zierte Exis­tenz­grün­der­be­ra­terin, war viele Jahre in einem Konzern und verstehe mein Hand­werk. Für mich steht immer der Mensch im Mittel­punkt, ich bin aus voller Über­zeu­gung Coach und sehe mich nicht so sehr als Bera­terin. Für mich gibt es nicht die eine Lösung, sondern nur Lösungen, die zum jewei­ligen Menschen passen, egal ob Exis­tenz­gründer oder Manager.

Ein span­nendes Stecken­pferd habe ich: Bekömm­liche Selbst­or­ga­ni­sa­tion. Für struk­tu­rierte Ordner und für krea­tive Chaoten. Das ist ein Thema, dem ich ganz viel Leben und Frische einhauche – damit das Zeit­ma­nage­ment und der Papier­kram endlich Spaß machen. In meinen Work­shops geht es daher auch sehr bunt und kreativ zu – und gar nicht trocken. Das Thema ist für viele blanker Horror — mir macht es einfach richtig Spaß, aus einem Grusel­thema etwas sehr Reiz­volles zu machen.

Dafür findest du im Marke­ting einen beson­deren Zugang. Die Basset-Dame Wilma, die übri­gens noch eine Schwester besitzt, hat eine eigene Face­book­seite. Bringt das wirk­lich Kunden?

Auf jeden Fall. Und ich gestehe: sie hat sogar zwei Face­­book-Auftritte. Einen privaten, wo sie nach Feier­abend Lustiges aus ihrem Privat­leben auszu­plau­dern weiß und eine Busi­ness Seite, wo sie als Co-Trai­­nerin Wilma aus unserem Coaching-Alltag berichtet oder über ‚Azubine Frieda’ lästert. Die Fans lieben das und machen fleißig mit. Wir haben soviel Spaß zusammen, dass kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht wenigs­tens einmal laut lachend vor dem Laptop sitze.

Wilma gehört einfach zu mir und der posi­tive Neben­ef­fekt: sie erhöht einfach meine Merk­fä­hig­keit. Viele, die mich zum Beispiel im NDR zum „Tag der Nord­deut­schen“ gesehen haben, sagen: „Das ist doch die mit dem lustigen Hund“. Der Hund fördert die Kommu­ni­ka­tion, erleich­tert den Small Talk und sogar die Kontakt­auf­nahme, etwa beim Gassi­gehen. Auch du sagst ja „das ist die mit dem Hund“.

Und einmal war ich mit Wilma auf einer großen Netz­werk­ver­an­stal­tung, da schallte es durch die Menschen­menge: „Guck mal, das ist doch der Hund von Face­book!“

Hunde sind für viele Menschen sehr wichtig. Ich habe Kunden, die bringen ihren Hund mit – gut, dass ich keinen eigenen habe, denke ich da. Was passiert, wenn da zwei Hunde rumtoben? Bleibt da Zeit für das Coaching?

Auf jeden Fall. Wilma, das sieht man auch auf dem Video, liegt die meiste Zeit ganz ruhig daneben. Und mit anderen Hunden hat sie gar kein Problem. Egal ob groß oder klein. Klar, zur Begrü­ßung ist erstmal kurz wildes Beschnup­pern und Umein­an­der­springen ange­sagt, aber das gibt sich schnell. Ich habe auch immer etwas zu Knab­bern und Spiel­zeug zur Bestechung im Büro.

Du warst schon mehr­fach im NDR Fern­sehen und Radio und auch Zeit­schriften haben dich schon ange­spro­chen. Norma­ler­weise ist es extrem schwer als  Coach in die Medien zu kommen. Ein Buch reicht da lange nicht mehr.

Ja, es funk­tio­niert, ich werde häufiger ange­fragt und immer ist als erstes der Hund aufge­fallen. Der NDR hat zum Beispiel ein „Schnapp die Wurst“-Foto-Shooting mit den beiden Hunden gefilmt und die Akti­vi­täten der Face­­book-Fans, die putzige Gedichte für die beiden gedichtet haben.

Ganz tolle und witzige Kontakte habe ich wirk­lich über Face­book geknüpft. Mitt­ler­weile kennen wir in ganz Deutsch­land und sogar in anderen Ländern Menschen, die nur darauf warten, dass wir mal zu Besuch kommen, damit wir uns mal live beschnup­pern. Wir bekommen liebe­voll gestal­tete Karten, E‑Mails und Briefe, sogar kleine Geschenke für die Hunde ins Büro geschickt. Und das, obwohl wir viele bisher nur virtuell kennen.

Konse­quent: Wilma zieht sich durch dein komplettes Marke­ting. Du hast Pfoten zum Aufkleben, das Video „Hommage an Co-Trai­­nerin Wilma“ und sogar Post­karten mit Wilma-Motiven…

Mir war es wichtig, nahbar zu sein und einen Weg zu finden, authen­tisch zu leben und arbeiten.  Coaching und Trai­ning sind meine Leiden­schaft, Wilma und Frieda ebenso. Es ist also für mich sehr konse­quent, das zu verbinden. Noch dazu war ein eigener Hund schon immer mein Lebens­traum – mit meiner Selbst­stän­dig­keit ist in meinem Alltag vieles leichter und span­nender geworden. Ohne die lustigen Hunde wäre es sicher­lich ganz anders verlaufen.

Zum Glück habe ich tolle Free­lancer in meinem Netz­werk, die ganz begeis­tert nahezu jeden Scha­ber­nack mitma­chen. Und wer weiß, viel­leicht schreibt Co-Trai­­nerin Wilma ja irgend­wann ein Fach­buch ;o)

Ehe Sie sich jetzt auch einen Hund anschaffen: Die Kunst des Marke­tings ist es, von Erfolgs­re­zepten zu lernen. Aber bloß nie, diese nach­zu­ma­chen.

 

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. Bernd Slag­huis 29. Januar 2013 at 16:23 — Reply

    Sehr sympa­thisch und ein tolles Geschäfts­mo­dell mit beein­dru­ckender Wirkung! Die beiden Damen würde ich auch sofort besu­chen fahren 🙂
    Apropos Hund. Auf den Hund gekommen bin ich auch vor einiger Zeit mal mit meiner Struppi-Stra­­tegie:
    http://bit.ly/YBPykb

    LG, Bernd Slag­huis.

  2. Sabine Dinkel 29. Januar 2013 at 18:07 — Reply

    Liebe Svenja,

    nochmal herz­li­chen Dank für die Zeit und die Aufmerk­sam­keit, die du mir geschenkt hast. Ich freue mich sehr über das Ergebnis.

    Durch unser Gespräch ist mir übri­gens erst so richtig bewusst geworden, was da eigent­lich inner­halb von drei Jahren entstanden ist. Das alles ist ja — ganz nach der slow grow-Devise — langsam aber stetig gewachsen. Und da es sich peu á peu entwi­ckelt hat, war es mir auch sehr nah und demzu­folge tatsäch­lich stimmig.

    Danke auch an Bernd Slag­huis für die tolle Rückmeldung…die Struppi-Stra­­tegie werde ich mir gleich mal zu Gemüte führen. Und für einen Kaffee oder eine Gassi­runde am Deich sind wir immer zu haben 😉

    Herz­liche Grüße, Sabine Dinkel

  3. Manfred 7. März 2013 at 22:44 — Reply

    Dies ist auf jeden Fall ein sehr inter­es­santer Ansatz auf sich aufmerksam zu machen. So ein Hund als Marke aufzu­bauen hat einen ganz anderen Erken­nungs­wert und ist ein idealer Gate­keeper.

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