Kate­go­rien

Ich bin ein Clown, lass mich mal spielen

Published On: 24. Januar 2012Cate­go­ries: Karriere

Als meine Mutter mich mit sieben in ein Clowns­kostüm steckte, schrie ich Zeter und Mordio. Ich wollte Prin­zessin sein. Seitdem habe ich Clowns­ver­klei­dungen entschieden abge­lehnt, und das heißt etwas: Ich komme nämlich aus der Karne­vals­hoch­burg Köln.

Am Sonntag zog ich mir frei­willig die Clowns­nase über. Um das Clown-Sein auszu­pro­bieren besuchte ich in einem indi­vi­duell für eine Hand­voll Coachs veran­stal­teten Work­shop der Clown­schule von Uli Tamm. Hatte ich einen Spaß!

Clown­sein ist eine Haltung. Die rote Nase gibt die Erlaubnis — und dem Gegen­über ein Zeichen. Wer sie aufsetzt, darf alles tun: ätsch sagen, bätsch machen, die Zunge hängen lassen und ganz viel lachen. Clown­sein heißt frei sein – und noch viel mehr:

  • Clowns sind offen für alles: Sie schauen sich die Welt an, ohne sie zu bewerten. Sie nehmen mit allen Sinnen auf, ohne in Schub­laden zu stecken.
  • Clowns entde­cken im Spiel, sie finden zum Beispiel heraus, dass man mit Tüten Musik machen kann. Von hier zur Spiel­theorie ist es nicht weit.
  • Clowns machen gerne Fehler: Wenn Sie über einen  Eimer stol­pern, höhnt das Publikum – und sie lachen mit. Wenn Sie sich verspre­chen, lachen Sie über sich selbst.
  • Clowns trauen sich Dinge, auch wenn sie nicht klappen: Sie springen durch den Reifen und machen sich nichts draus, wenn sie immer knapp vorbei hechten. Dann versu­chen sie es halt noch mal.
  • Clowns thema­ti­sieren Gefühle: „Das verstehe ich nicht“, sagen sie, wenn sie etwas wirk­lich nicht verstehen. Für ein „Das macht mich traurig“ schämen sie sich eben­so­wenig wie für das Lachen.

Ich werde mir einen Bund roter Nasen beschaffen, für meine Kunden. Die schenke ich denen, die sich nicht trauen, Dinge zu tun, die sie einschränken, weil das allge­gen­wär­tige Eltern-Ich ihnen sagt “das tut man nicht”: Kündigen, ohne etwas Neues zu haben. Sich in unge­wohnten Bran­chen umzu­schauen und wild­fremde Leute befragen. Kreativ sein, obwohl man sich für völlig unkreativ hält. Im Mittel­punkt stellen trotz Schüch­tern­heit. Andere sinnlos rumkom­man­dieren, obwohl man sonst nie Befehle geben mag. Oder: sich einfach mal ohne Wider­spruch rumkom­man­dieren lassen, obwohl man sonst immer das Kommando über­nimmt… Unser Verhal­tens­re­per­toire ist immer beschränkt.

Mit der roten Nase im Gesicht, können wir es erwei­tern.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. kerstin hof 25. Januar 2012 at 7:25 — Reply

    will­kommen im club, liebe svenja! ich nenne es ein deut­li­ches “erwei­tern der komfort­zone”. als ich vor 15 jahren eine fort­bil­dung über 1,5 jahre bei uli tamm machte, über­legte ich ernst­haft eine zeit­lang, profes­sio­neller clown zu werden. ich wurde coach, und profi­tiere nach wie vor persön­lich und in meiner praxis sehr von den selbst­ge­machten erfah­rungen, zb von dem sich erlaubnis geben. ich setze clown­­theater-methoden in meinen poten­­zial- und orien­tie­rungs­work­shops ein. viel­leicht treffen wir uns ‘mal auf eine session “dolce far niente”? :0) morgen­grüße von kerstin

    • Svenja Hofert 25. Januar 2012 at 9:37 — Reply

      gern, liebe Kerstin, nachdem ich den letzten Termin ver-ipaded habe und auch so. Bis bald Svenja

  2. Lars Hahn 25. Januar 2012 at 12:37 — Reply

    Wobei die besten Clowns selten rote Nasen tragen… 🙂

  3. […] und das bringt dich auf die Idee, einen eigenen Beitrag zum Thema zu verfassen, an dem du einen clow­nesken Spaß hast. […]

  4. Olcay Hasanoglu 26. Januar 2012 at 11:26 — Reply

    Ein Beitrag, das in mir ein bren­nendes “JA” erweckt. Meine Freundin besucht die Schau­spiel­schule und sie berichtet mir ähnliche Erfah­rung.

  5. […] „Sie sind sicher eine Extro­ver­tierte“,  sagte mir der poten­zi­elle Auftrag­geber vor 14 Jahren. Ich fühlte mich wie auf einer Ankla­ge­bank. Und stellte mir das erste Mal die Frage: bin ich das? Ich ziehe meine Energie mehr aus dem Allein­sein. Ich denke viel. Zum Alster­ver­gnügen würde ich am Wochen­ende niemals gehen. Club­reisen sind eine Horror­vor­stel­lung für mich, Speed­da­ting wäre die Hölle auf Erden. Andrer­seits mag ich es auch, vor Leuten zu stehen, Small Talk fällt leicht. Ich bin locker, meist entspannt und mag es, Quatsch zu machen und Clown zu spielen. […]

  6. […] Sie ist der Anfang. Auf ihr ist alles erlaubt. Sie dürfen und müssen expe­ri­men­tieren. Sie dürfen scheinbar falsche Entschei­dungen bei Ausbil­dungen treffen. Erfah­rungen machen, die nicht nur positiv sind. Sie sehen, dass Kombi­na­tionen – zum Beispiel – aus Alten­pflege, Biolo­gie­stu­dium und BWL  oft erst später Sinn machen. In dieser Zeit dürfen Sie nicht auf die Karrie­re­pro­pheten der alten Welt hören, die sie nervös machen und vom für Sie rich­tigen Weg abbringen. Bei Selbst­stän­digen und Ange­stellten docken sich Chancen an zufällig gewon­nenen Erfah­rungen an. […]

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