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„Ich darf keine Fehler machen“: Dämonen im Kopf und wie Sie sie loswerden.

„Ich darf diesen Job auf keinen Fall aufgeben!“ Normalerweise helfen wir Karrierecoachs solche Glaubenssätze, ich nennen sie Imperative der Seele, umzudeuten. Wir “ankern” eine neue Überzeugung, sofern wir „NLP“ kennen, mit Bildern oder Gefühlen. Aus dem oben genannten Satz ließe sich dann beispielsweise ein “Fehler sind gut, um daraus zu lernen” machen. Das kann sehr hilfreich sein. Aber auch wirkungslos verpuffen. Je nach Tiefe des dahinter liegenden inneren Konflikt, den ich jetzt einmal den inneren Dämon nenne.
In diesen Situationen hilft etwas anderes besser, vor allem bei sehr tief verankerten Imperativen der Seele, die vom wütenden Dämon gespeist werden: Die Konfrontation mit dem Zentrum des Unangenehmen. Die Methode, die ich für das Karrierecoaching etwas abwandle, nennt sich KAW für konstatierend-aufmerksam wahrnehmen, wurde von der Hamburger Professorin Angelika Wagner entwickelt, auch als „Introvision“ bezeichnet. Nun ja, Tools von Professoren haben öfter sperrige Namen und beinhalten gewöhnlich Fremdwörter. Möglicherweise ist das der Grund, dass diese Intervention zumindest unter dem Namen noch nicht so bekannt ist.
Es geht es darum, das Zentrum des Unangenehmen, indem der Imperativ der Seele entstanden ist, zu umkreisen und den darunter und dahinter liegenden Kern zu identifizieren. Auf seinem diagnostischen Weg sucht der Coach nach dem Befehl hinter dem Befehl. Was steckt hinter „ich darf diesen Job auf keinen Fall aufgeben?“ Was ist also die Subkognition, die Kognition hinter der Kognition?
Fragen Sie sich (oder Ihren Klienten):
- Was geht Ihnen bei diesem Satz/inneren Befehl X durch den Kopf?
- Womit ist dieser Gedanke verzahnt?
- Worum geht es eigentlich/im Grd?
- Welche Emotionen kommen auf, wenn Sie den Satz denken?
- Was darf gefühlsmäßig NICHT sein?
Nun geht es darum, die dahinter liegende Vorstellung zu erkennen. Nehmen wir ein anderes Beispiel: Jemand sagt “auf keinen Fall darf ich diesen Job aufgeben.” Im Beispiel könnte herauskommen, dass es eigentlich darum geht, die eigene Identität zu verlieren und nichts mehr wert zu sein. Beispielsweise als Konzernmitarbeiter, der einen Firmenwagen hat und der überall gern gesehen wird. Daraus speist sich der Selbstwert. Gibt er den Job auf, verliert er diesen. Das kann tatsächlich passieren. Wer aus einer höheren Position ausscheidet, wird plötzlich anders behandelt – man fällt im Rang.
Die individuelle Antwort auf „was darf gefühlsmäßig nicht sein?“ könnte sein: „dass mein Umfeld mich nicht mehr wertschätzt.“
Nun könnten Sie zum Beispiel sagen: Es kann sein, dass ein Teil des Umfeld Sie nicht mehr in der Form wertschätzt.
Nun gilt es die Aufmerksamkeit auf diese Aussage und die damit verbundenen Gefühle zu richten, und das jeden Tag, bis der Dämon zahm geworden ist. Damit verschwindet auch der Imperativ der Seele.
Die Vorgehensweise passt zum Beispiel auch, wenn es um den Umgang mit Kritik geht, der für sehr viele Menschen im Beruf schwierig, wenn nicht gar karrierehindernd ist.
Hier könnte ein Imperativ der Seele lauten: „ich muss alles richtig machen (um bloß keine Schimpfe zu kriegen, denn die halte ich nicht aus“) und die dahinter liegende Emotion, also der Dämon: „Wenn ich Fehler mache, schreit man mich an oder straft mich mit Missachtung.“
Ja, es kann sein, dass es zu Ablehnung und Missachtung kommt. Wer sich auf die damit verbundenen Gefühle einlässt, verliert die Angst davor und wird ziemlich sicher eine souveränere Haltung entwickeln.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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” Ich darf keine Fehler machen.” klingt nach angsbesetztem Vermeidungstyp. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Fehler zu machen gehört zum Leben und ist völlig in Ordnung. Sie nicht zuzugeben und sie nicht zu korrigieren führt zu nachlassender Wertschätzung. Die Kunst besteht darin, aus den Fehlern zu lernen, es zukünftig besser zu machen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, auf die man selbst Einfluß nehmen kann.