Kate­go­rien

Ich bin ein offenes Buch — Sie auch?

Published On: 9. Mai 2011Cate­go­ries: Führung

Neulich rief ein Personal Trainer bei meiner Assis­tentin an. „Wie alt ist Svenja Hofert?“ wollte er wissen.  Gerade hatte ich meine Daten bei Face­book & Co. auf Nicht-Sichtbar gestellt. Meine Mitar­bei­terin erwi­derte „das darf ich Ihnen nicht sagen.“ 5 Minuten später rief er trium­phie­rend an: „Ha, ich hab´s bei Wiki­pedia gefunden.“  Erwischt!

Für Personal Trainer sind erfolg­reiche Frauen mitt­leren Alters die Traum­ziel­gruppe schlechthin; er war nicht der erste. Trotzdem kann er das Personal Trai­ning bei mir knicken – die Vorge­hens­weise ist ein Nogo. Die kleine Geschichte zeigt also kein Akquise-Best-Prac­­tise, sondern was Internet für mich und uns alle bedeutet: Wir sind öffent­lich. Selbst­stän­dige und Experten wie ich sowieso, das haben wir uns ja auch irgendwie und irgend­wann ausge­sucht.

Aber nicht nur Unter­nehmer haben einen Frei­fahrt­schein: Jeder ist Such-Wild. Es ist kaum mehr möglich, im Internet nicht aktiv zu sein. Selbst dieje­nigen, die sich bewusst zurück­halten finden sich mindes­tens auf Uniweb­seiten, bei Stay­fri­ends, auf Firmen­prä­senzen und in Sport­clubs. Und heut­zu­tage heißen immer weniger Menschen Thomas und Müller oder Birgit und Fischer. Der unge­wöhn­liche Name, von den Eltern als Geschenk gemeint, wird da bisweilen zum Fluch. So war ein Bekannter namens­gleich mit einem ameri­ka­ni­schen Bank­räuber – akute Verwechs­lungs­ge­fahr.

Deshalb verstehe ich die derzei­tige Aufre­gung der Daten­schützer zur Volks­zäh­lung nicht – es liegt sowieso alles offen. Eine Kundin etwa entdeckte neulich in der Perso­nen­such­ma­schine Yasni unter „Bezie­hungen“ ihre 20 Jahre verbli­chene erste Liebe. Es war für sie nicht nach­voll­ziehbar wie Yasni diese Bezie­hung herstellen konnte. Und auch ich muss an dieser Stelle passen. Irgend­eine Website muss das wohl hergeben, irgend­welche Inter­net­seiten und IP-Adressen  haben sich da wohl gekreuzt.

Das Internet fördert Dinge zutage, die wir nie für möglich hielten. Zu Gutten­berg dachte noch in den Vor-Google-Books-Kate­­go­rieren, wenn er über­haupt dachte. De Begriffs­wolke bei Yasni etwa legt die Eckpunkte eines Menschen dar, und zwar über­wie­gend sehr tref­fend. Ich habe das in mehreren Vorträgen mit Unbe­kannten live auspro­biert. Es fand sich immer etwas, das ins Staunen versetzte.

Doch auch vieles, das gar nicht stimmt. Sind meine Face­­book-Freunde meine Freunde? Über­wie­gend nicht. Darunter sind Fremde, die inter­es­sant genug sind, dass ich Einlass gewähre. Meist Zufalls­be­kannt­schaften, denn ich selbst drücke eher selten auf „Kontakt­an­frage“. Sind meine Face­­book-Vorlieben stimmig? Nein. Ja, Dort­munds Trainer Jürgen Klopp ist mir sympa­thisch, aber anderes – teil­weise stra­te­gisch, teil­weise zufällig oder einer Nettig­keit geschuldet.  Mein Alter bei Wiki­pedia stimmt zwar, aber Kommu­ni­ka­ti­ons­trai­nerin, wie der unbe­kannte Autor dort behauptet, war ich nun wirk­lich noch nie. Das Bild, das so entsteht, ist deshalb nur teil­weise richtig. Das ist bei mir genauso wie bei anderen.

Und das finde ich wiederum gut, denn es macht das, was ich finde, eini­ger­maßen unbe­re­chenbar.  Groß­artig ist doch auch, dass das Internet Lügen und Betrug in Zukunft erheb­lich erschwert, ja unmög­lich machen wird. Das betrifft nicht nur Doktor­titel, sondern auch erschli­chene Staats­examina, Abitur­noten und Berufs­er­fah­rungen. Sogar Heirats­schwindler können mit Hilfe des Inter­nets schneller enttarnt werden. Moge­leien beim Alter sind auch kaum noch möglich. Gleich­zeitig können Back­ground­che­cker nie wirk­lich sicher sein, ob das, was Sie finden wirk­lich wahr ist. Was ist wahr, was falsch? Wenn das Internet uns eines lehrt, dann das: Sicher kannst du nie sein. Entscheiden Sie, ob Sie das gut finden oder nicht.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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8 Kommen­tare

  1. fschuetz 9. Mai 2011 at 12:53 — Reply

    @“Die Begriffs­wolke bei Yasni etwa legt die Eckpunkte eines Menschen dar, und zwar über­wie­gend sehr tref­fend. Ich habe das in mehreren Vorträgen mit Unbe­kannten live auspro­biert. Es fand sich immer etwas, das alle ins Staunen versetzte.”

    => Das freut uns sehr, dass Sie hier mit unserem Angebot zufrieden sind und Ihren Zuhö­rern auf diesem Wege etwas über­ra­schndes bieten können!

    Mit Ihrem eigenen Yasni Exposé haben Sie ja auch schon erfolg­reich dafür gesorgt, dass Sie bei einer Perso­nen­suche nach dem Begriff “Karrie­re­be­ra­terin Hamburg” gefunden werden:

    http://www.yasni.de/karriereberaterin+hamburg/person+suche

  2. Renate Brokel­mann 10. Mai 2011 at 9:00 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    ja, ich bin auch ein zumin­dest teil­weise offenes Buch. Ich achte aller­dings auch sehr darauf, welche Infor­ma­tionen für mich im Web zu finden sind und habe bspw. meine Sicher­heits­ein­stel­lung bei Face­book und anderen Netz­werken so ange­passt, dass ich Miss­brauch — soweit ich das beein­flussen kann — nicht möglich mache.

    Ich glaube, Daten­schutz war gestern, Eigen­ver­ant­wor­tung ist heute: durch die rasante Entwick­lung der Webtech­no­lo­gien und der sozialen Medien ist es nahezu unmög­lich, durch (regional beschränkte) Daten­schutz­re­ge­lungen Miss­brauch zu verhin­dern. Nicht miss­ver­stehen, ich bin durchaus für Daten­schutz, aber er muss zeit­gemäß sein und schützt nicht davor, dass Menschen eigen­ver­ant­wort­lich mit persön­li­chen Daten umgehen.

    Jeder, der im Web aktiv ist, sollte sich regel­mäßig darüber infor­mieren, welche Daten & Bilder über ihn im Netz “rumschwirren”, um auf etwaige Nach­fragen vorbe­reitet zu sein — oder auf Falsch­dar­stel­lung ggf. zu reagieren. Das gilt für Unter­nehmen wie für Privat­per­sonen und das kann man recht gut mit Google & Co. auto­ma­ti­sieren (das habe ich auch mal in meinem Blog erklärt: http://rebr.de/search_monitor 🙂 )

    Herz­liche Grüße
    Renate Brokel­mann

  3. Svenja Hofert 10. Mai 2011 at 9:14 — Reply

    Sehe ich auch so, Daten­schutz muss sich an die Gege­ben­heiten anpassen und da muss man sich vor allem gegen eins schützen: Miss­brauch. Danke, Frau Brokel­mann, prima Tipp mit Google! Wissen Sie eigent­lich wie solche Dinge wie in meinem Artikel beschrieben zustande kommen — also dass man Personen zuein­ander in Bezie­hung setzt, die nirgendwo verbunden sind?
    LG SH

  4. Renate Brokel­mann 10. Mai 2011 at 11:20 — Reply

    Ich habe zumin­dest eine Vermu­tung, wie das zustande kommt: viele gehen mit Adress­daten recht fahr­lässig um: wenn diese in Adress­bü­chern bei Google Mail und anderen Webmail-Plat­t­­formen hinter­legt werden und dann auch noch bspw. für den Face­­book-Freun­­de­­finder (ähnli­ches gibt es ja auch bei anderen Netz­werken) frei­ge­geben werden, nutzen diese Netz­werke das, um Bezie­hungen zwischen Menschen (bzw. deren E‑Mail-Adressen) herzu­stellen. Ich habe das mal mit einem kleinen Test auspro­biert: ich habe einen Testac­count mit einer Mail­adresse erstellt, die ich auch für meinen privaten Mail­ver­kehr nutze — meinen rich­tigen Namen habe ich aber gar nicht ange­geben. Und prompt wurden mir Leute, die diese Mail­adresse von mir haben, als Freunde vorge­schlagen. Daher mein Tipp: unter­schied­liche E‑Mailadressen für den normalen Mail­ver­kehr und für Netz­werke nutzen. Dann können die Netz­werke diese Bezie­hungen nicht so schnell “raus­finden”.

  5. Svenja Hofert 10. Mai 2011 at 11:49 — Reply

    Super Hinweis, lieben Dank. SH

  6. […] von Yasnia­nerin Svenja Hofert. Frau Hofert ist Karrie­re­be­ra­terin und beschreibt in dem Artikel “Ich bin ein offenes Buch – Sie auch?” unter anderem die Vorzüge der Tagcloud in den Yasni-Exposés und den Such­ergeb­nis­seiten zu […]

  7. fschuetz 13. Mai 2011 at 12:02 — Reply

    Habe ihren Beitrag eben in unserem Blog aufge­griffen:

    http://blog.yasni.de/business/personen-relevante-begriffe-und-offene-buecher/

    😉

  8. […] berichtet Wiki­pedia. In ihrem Karrie­re­blog beschreibt Svenja Hofert letzte Woche in dem Post „Ich bin ein offenes Buch – Sie auch?“ die Vorzüge dieser – sagen wir einmal – Seman­ti­sie­rung des Menschen: „Das […]

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