Kate­go­rien

Ich kann eigentlich…nichts (Mia 3)

Published On: 29. November 2011Cate­go­ries: Führung

Sonja, ich danke dir! Du baust mich auf. Viel­leicht kann ich doch etwas! Wären wir jetzt auf einem Seminar, wir würden uns in den Armen liegen und alles wäre gut. Der einzige männ­liche Teil­nehmer würde irri­tiert zu uns schauen, aber mitge­rissen sein von der weib­li­chen Soli­da­rität. Uns ginge es allen gut. Für diesen Abend.

Das ist der Punkt, denn am Morgen darauf falle ich wieder in dieses tiefe Loch und suche nach etwas, von dem ich nicht weiß, was es ist.  Mit Svenja habe ich einen idealen Tag konstru­iert. Sie sagt, ich solle mir vorstellen, dass ich 2.000 Euro netto einfach dafür bekommen, dass ich etwas mache. Was ist egal. Schöne Vorstel­lung? Ehrlich gesagt: Nicht so, denn ich weiß gar nicht so genau. was ich machen will. Am Ende habe ich mir das so ausge­malt: Der Tag beginnt mit Zeitung­lesen irgend­wann nach 10 Uhr. Dann treffe ich mich mit Leuten, lerne etwas, jogge, lese eine Stunde ehren­amt­lich etwas vor. Danach halte ich einen Vortrag daüber, wie man Chinesen Krea­ti­vität beibringt und gehe dann  tanzen. … Ich wage den idealen Tag kaum zu denken, denn Felix, mein Partner, würde mich für verrückt halten. Wir sind immer allein. Er ist bis 22 Uhr bei der Arbeit, ich war es ja auch bis vor kurzem. Unser Leben dreht sich nur um diesen Angel­punkt, die Arbeit; wir haben das nie in Frage gestellt.

Als ich begonnen habe, darüber nach­zu­denken, was ich machen würde, wenn ich nichts machen müsste, ging es mir erst mal schlecht. Ich sei es nicht gewohnt, eigene Bedürf­nisse zu haben, sagt meine Thera­peutin. Ich sei immer den anderen gefolgt: meinen Eltern (Kind studier!), meinen Freunden (Haupt­sache Job!) und meinem Chef (dem Narzissten).  Wer bin ich? Die Frage kann ich deshalb nicht richtig beant­worten. Wer sie beant­worten kann, ist erfolg­reich, argu­men­tierte neulich auf einem Podium eine Perso­nal­ent­wick­lerin.  Sie brachte Beispiee. So jemand sitzt nicht in einem Vorstel­lungs­ge­spräch und fragt sich “was erwarten die von mir”; so jemand formu­liert seine Erwar­tungen und checkt, ob diesen mit denen des Unter­neh­mens harmo­nieren. So jemand hat keine Mühe, sich selbst Aufga­ben­be­reiche zu suchen und wüßte, wie er oder sie einen Tag gestaltet.

Also frage ich mich jetzt, wer ich bin, damit ich auch anfangen kann, meine Erwar­tungen zu formu­lieren. Habt ihr ene Idee, was ich dazu tun kann? Mit welchen Tools würdet ihr arbeiten?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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5 Kommen­tare

  1. Sonja 29. November 2011 at 23:59 — Reply

    Liebe Mia,

    schön, dass ich Dir ein biss­chen Mut machen konnte. Manchmal braucht es Zeit, bis man einen Plan B für sein Leben hat, der dann Plan A werden kann. Mir hat vor 9 Jahren (damals wusste ich schon, dass mein dama­liger Job falsch für mich war), mal das Buch von Richard N. Bolles, Durch­starten zum Traumjob, mit seinen vielen Frage­bögen und Anlei­tungen zur Selbst­re­fle­xion inter­es­sante Einsichten gebracht. Da kamen Dinge raus, die ich anschei­nend gerne mache und eine ziem­liche genaue Vorstel­lung meiner idealen Arbeits­um­ge­bung. Nur hat mir das viele Jahre nicht geholfen weil ich dachte “Na super — und welchen JOB von dem man auch leben kann soll ich damit machen??” Soll heißen: Viel­leicht hilft es Dir auch für eine erste Grob­ori­en­tie­rung. Oder ein Coach hilft Dir, das heraus­zu­finden. Svenja ist da wie ich finde eine super Wahl ;-). Und viel­leicht kannst Du diese Dinge dann mal in kleinem Maße anfangen umzu­setzen in Deinem Leben — als Hobby oder als ehren­amt­liche Tätig­keit einmal die Woche abends oder neben­be­ruf­lich ganz klein nebenbei. Wenn das Spaß macht und Dir das “Erfül­lung” bringt werden die Endor­phine folgen — und damit mehr Mut und Zuver­sicht, dass Du etwas ändern kannst, Schritt für Schritt. Ohne die vielen kleinen Zwischen­schritte, die alle nicht so geplant waren sondern sich “irgendwie ergeben haben” wäre ich heute nicht da wo ich bin — und das ist bei einer zwar noch neuen aber doch äußerst authen­ti­schen und happy machenden neuen Aufgabe. Aber auf die Zwischen­schritte kommt man nicht, wenn man nichts probiert — und sei es in noch so kleinem Umfang. Wie sagte Steve Jobs noch in seiner legen­dären Stan­ford Rede: You can’t connect the dots (of your life decis­ions) looking forward. You can only connect them looking back.… And then they make all the diffe­rence. ” Also, probier mal hier und mal da — was hast Du denn zu verlieren? Viel Spaß dabei!

  2. Svenja Hofert 30. November 2011 at 0:47 — Reply

    Klasse, danke! So habe ich mir das vorge­stellt, Bera­tung online, mal anders. Ja, das ist ein wunder­barer Satz, der übri­gens auch prima zum nächsten Thema passt: Entschei­dungen. LG Svenja Hofert

  3. […] in sich selbst zusammen. Nicht so lustig. Übri­gens ist dies ein typi­scher Burnout-Ehrgeiz – Mia lässt grüßen. […]

  4. […] Ich kann nichts. Ich weiß nichts. Mich inter­es­siert nichts. Kommt Ihnen bekannt vor. Mir auch. Ich höre es sehr oft, auch von 30–45jährigen. Und tatsäch­lich gibt es weit­ge­hend Inter­es­sen­freie Menschen, gerade junge (die Gala-Lesen zähle ich jetzt mal nicht zu Inter­essen). Keine Leiden­schaften. Und woher kommt das? Ganz einfach: Von Laissez-faire-Eltern und der in Folge dieser Erzie­hung manchmal auftre­tenden Unfä­hig­keit, sich für etwas zu entscheiden. Wurzel des Übels sind, aus meiner Sicht, mitunter auch Ratgeber der Gene­ra­tion „Traumjob“, die darauf ange­legt sind, einem einzu­reden, irgend­etwas stecke ”natür­lich” in jedem Menschen. Nein. Tut es nicht. […]

  5. […] Was sind denn Ihre Stärken? Wer sich nicht regel­mäßig mit sich selbst beschäf­tigt, ständig Vorstel­lungs­ge­spräche absol­viert oder Tests, kommt bei der Antwort leicht ins Stocken. […]

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