Kate­go­rien

Jobfic­tion: Spielen Sie Ihre Zukunft

Published On: 25. Juli 2012Cate­go­ries: Führung

Sie wissen gerade nicht, wohin der Weg Sie führt, was Sie werden oder beruf­lich machen sollen? Eine Methode ist es, sich nach inten­siver Beschäf­ti­gung und noch besser nach einem gut mode­rierten Gespräch auf drei verschie­dene Alter­na­tiven, z.B. Berufs­ziele fest­zu­legen. Das nenne ich die Jobfic­­tion-Übung.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer Gabe­lung, wie damals Alice im Wunder­land. Von dieser Gabe­lung gehen drei Schilder ab, auf denen etwas steht. Malen Sie einen Weg auf einem Blatt Papier oder auf den Flip­chart und drei leere Stra­ßen­schilder: A, B und C.

 

In den Stra­ßen­schil­dern sollte nur ein Begriff stehen, Sie wissen ja: Straßen-Namen haben auch maximal drei Koppe­lungen („Berufs-Findungs-Weg“). Wenn es um eine Studi­en­ent­schei­dung geht, bringt es einen meist weiter, das „danach“ zu fassen (also eher „nieder­ge­las­sener Psycho­the­ra­peut“ als „Psycho­logie“). Nur wenn dies (noch) nicht möglich ist, sollten auf den Schil­dern Studi­en­gänge selbst stehen.  Es können aber auch anste­hende Karrie­re­ent­schei­dungen darauf stehen, wie „MBA“, „Projekt im Ausland“ oder „Team­lei­tung“.

  • Swit­chen Sie nun in die Zukunft, z.B. drei Jahre nachdem Sie eine Entschei­dung getroffen haben. Bei sehr wesent­li­chen Entschei­dungen, etwa Studi­en­wahl, können es auch 5 oder sogar 10 Jahre sein.  Stellen Sie sich ein konkretes Datum vor: Sie SIND  z.B. im Jahr 2020, 26.7.
  • Beschreiben Sie zwei bis drei Minuten möglichst konkret (und das bedeutet hier: mit all Ihrer Vorstel­lungs­kraft), was Sie jetzt tun, wenn Sie in Rich­tung A gehen, z.B. „vor einem Jahr habe ich meinen MBA abge­schlossen und bin nun als Inno­va­ti­ons­ma­nager tätig“. Wenn das spontan funk­tio­niert, wunderbar. Wenn Sie dazu erst mal nach­denken und sich Notizen machen wollen, ist auch das okay. Wech­seln Sie dann die Posi­tion und erzählen Sie so, als wären Sie Weg B gegangen.
  • Wichtig: Spre­chen Sie aktiv und verbal, so als wäre es jetzt („ich bin“).
  • Wie fühlt sich das an? Welche Fragen ergeben sich?

Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass intui­tive „N‑Typen“ im MBTI (hohe Offen­heit im Big5) die größeren Fiktionen leichter fallen, während ausge­prägte S‑Typen wesent­lich mehr und dich­tere Infor­ma­tionen brau­chen, sonst sind Sie von der Übung schnell über­for­dert. Der N‑Typ neigt indes zur Spin­nerei, während der S‑Typ viel­leicht über­re­cher­chiert oder ihn einfach nichts einfällt. Für den einen ist der Gedanke an einen Reali­täts­check, für den anderen eine innere Erlaubnis zum Spinnen und unge­nauer Darstel­lung zentral. Für beide glei­cher­maßen wichtig: Stressen Sie sich nicht. Es geht weder um eine über­bor­dende Krea­tiv­leis­tung, noch um eine Doktor­ar­beit. Es geht darum, einer­seits zu erspüren, welcher Weg richtig ist, aber andrer­seits auch, welche Fragen noch offen sind.

Junge Menschen haben oft keine Vorstel­lung davon, wie die Arbeits­welt aussieht. Sie wissen in der Regel nicht, was in einem Unter­nehmen passiert, welche Bereiche es gibt und welche Schnitt­stellen. Wenn man in der Jobfic­­tion-Übung also mit sehr vagen Vorstel­lungen arbeitet und Bildern, die im Umfeld („der Nachbar ist Inge­nieur und bastelt immer“) und der Familie entstanden sind, kann es sein, dass das „Gefühl“ trügt. Hier hilft es, die Übung zu nutzen, um offene Fragen zu finden, zum Beispiel:

  • Was weiß ich über­haupt über den Beruf?
  • Welche Wege führen dahin?
  • Was für Voraus­set­zungen braucht man?
  • Wie arbeite ich da?
  • Welche Persön­lich­keit ist gefragt?
  • Wie entwi­ckelt sich der Beruf oder die Branche in Zukunft?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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