Kate­go­rien

Jobs mit Zukunft: Wohin geht die Reise bis 2020?

Published On: 27. Juli 2015Cate­go­ries: Führung

Welches Studium? Welche Weiter­bil­dung? Womit stelle ich mich gut auf? Internet-Stel­­len­­märkte sind eine gute Recher­che­quelle. Dort zeigt sich schon früh eine wach­sende Nach­frage – und schlagen Trends sich nieder. Einer der aktu­ellen Trends heißt Big Data. Bei Indeed werden mit diesem Begriff derzeit mehr als 2500 Stellen geschaltet. Allein 250 Data Scien­tisten sind dort gesucht. Schon Einsteiger in diesem Bereich dürfen mit einem roten Teppich rechnen – und mehr als 50.000 EUR Jahres­ge­halt von Anfang an.

aus DEKRA Arbeitsmarktreport

aus DEKRA Arbeits­markt­re­port

Das Rad dreht sich schnell. Kaum fünf Jahre her ist der Hype um Social-Media-Jobs, die längst ins normale Marke­ting und die PR über­ge­gangen sind. Das Rad dreht sich so schnell, dass Ausbil­dungen und Studi­en­gänge längst nicht mehr mitkommen. Dem Data Scien­tisten wird es ähnlich gehen wie dem Social Media Manager: Er wird in die Bereiche wandern, ins Marke­ting, Personal, den Vertrieb…Und in das Gesund­heits­weisen und den Online-Handel, der boomen wird.

Digi­ta­li­sie­rung zemen­tiert Gender Pay Gap

Bis dahin dürfen sich alle freuen, die sich für Mathe, Physik, Infor­matik, Statistik, Human Factors, Robotik oder ein Wirt­schafts­mix­stu­dium entschieden haben, das etwas davon enthält. Da diese Studi­en­gänge aller­dings ungern von Frauen belegt werden, könnte die Digi­ta­li­sie­rung den Gender Pay Gap hier weiter zemen­tieren.

Internet-Stel­­len­­märkte sind Spiegel der sich immer schneller drehenden Zeit: Fast wie aus dem Nichts tauchen neue Jobpro­file auf, zeigt sich eine neue Nach­frage. Auch Verän­de­rungen schlagen sich nieder: Aus einem einfa­chen von einer Person zu bewäl­ti­gende Web oder Screen Design ist die wesent­lich komple­xere, auf Anwen­dungen und Drei­di­men­sio­na­lität bezo­gene User Expe­ri­ence geworden, aus E‑Business wurde die Digital Trans­for­ma­tion, die Zukunft der Unter­nehmen. 1205 Stellen beinhalten die zwei Buch­staben „UX“.

Wie weit­rei­chend der Wandel sein wird, unter­schätzen viele

aus: DEKRA-Arbeitsmarktreport

aus: DEKRA-Arbeits­­mark­t­­re­­port

Doch im Vergleich ist das immer noch wenig. Dass sich die digi­tale Trans­for­ma­tion in den Stel­len­märkten noch kaum abbildet, liegt an den Unter­nehmen, die den Wandel derzeit gar nicht begreifen. Noch schieben immer mehr Unter­nemen Ihre Stellen an Perso­nal­ver­mittler und Zeit­ar­beits­firmen ab — mit denen sich gut ausge­bil­detes, nach­ge­fragtes Personal ungern abgibt. „Ich bin doch Markt­führer für feine Uhren“, sagen sie. Oder. „Ich stelle die besten Grill­bürsten her.“ Dass die Google­Watch auch zum Status­ob­jekt mutieren und Grill­bürsten durch auto­ma­ti­sche Reini­gung ersetzt werden könnte, will niemand wahr­haben, den die alte Welt groß gemacht hat. So jemand stellt derzeit auch keine wirk­lich guten digi­talen Leute ein, weil diese die Grund­feste erschüt­tern könnten… Heißt prak­tisch, dass wirk­lich gute Leute derzeit kaum zum Einsatz kommen. Das wird sich ändern, wenn neue Geschäfte entstanden sind und das Alter ernst­haft bedroht ist. Auf diese Verän­de­rungen können Bewerber schon jetzt setzen. Es ist eine Wette auf die Zukunft, die aus meiner Sicht kaum verloren gehen kann. Die Digi­ta­li­sie­rung ist überall.

Haupt­sache, Digital: Das gilt überall

Während Abitu­ri­enten sich mit vergleichs­weise unwich­tigen Themen wie „BWL oder Psycho­logie“ ausein­an­der­setzen, entwi­ckelt sich ein Markt, auf dem diese Frage­stel­lungen von unter­ge­ord­neter Bedeu­tung sind. Es ist nicht mehr so wichtig, für welche Rich­tung man sich entscheidet – Haupt­sache, diese ist breit genug und beinhaltet ein digi­tales Thema und legt die Basis für lebens­langes Lernen. Wenn also Unis wie Lüne­burg als BWL-Neben­­­fach E‑Commerce anbieten, so ist das sicher eine bessere Wahl als BWL mit Schwer­punkt Perso­nal­ma­nage­ment. Denn: Sowohl HR als auch Marke­ting stehen vor einem radi­kalen, funda­men­talen Wandel, der bishe­rige Jobbilder revo­lu­tio­nieren wird. Und das schlimme ist: Den Normal­ab­sol­venten hat das noch nicht erreicht….

Was heute gesucht wird, ist morgen über­flüssig

aus: DEKRA-Arbeitsmarktreport

aus: DEKRA-Arbeits­­mark­t­­re­­port

Auch in den aktu­ellen Arbeits­markt­zahlen ist der Wandel noch nicht ganz ange­kommen. Der DEKRA-Arbeits­­markt-Report 2015 basiert auf Rese­arch in Internet-Stel­­len­­märkten, wobei die genauen Trends dort nicht unter­sucht werden, sondern nur vorher defi­nierte Cluster abge­fragt werden. Die Gegen­über­stel­lung der verschie­denen unter­suchten Bereiche im Jahres­ver­gleich macht aber dennoch deut­lich, wo sich die Probleme verstärken werden. Büro­jobs etwa gibt es immer weniger, Entwick­ler­jobs immer mehr, während die Produk­tion in etwa gleich­bleibt. Und die Vergan­gen­heit bäumt sich auf: Ja, der Einzel­handel sucht wieder mehr Leute. Call Center Mitar­beiter sind begehrte Mitar­beiter. Doch welche Perspek­tive haben diese?

User Expe­ri­ence? Big Data? Digi­taler Wandel? In der Berufs- und Studi­en­be­ra­tung findet all das noch kaum statt. Statis­tiken geben ein falsches Bild wieder, das der Vergan­gen­heit. Ich habe neulich den Boten von UPS in mein Büro bestellt – und dabei nur mit einem Computer gespro­chen. Noch vor zwei Jahren wäre ich vor lauter Ärger über die Unfä­hig­keit des Robo­ters in die Luft gegangen. Doch diesmal lief es wunderbar. Das wird sich weiter verbes­sern. Dann braucht man Menschen wirk­lich nicht mehr. Aber Entwickler.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. […] Welches Studium? Welche Weiter­bil­dung? Womit stelle ich mich gut auf? Internet-Stel­­len­­märkte sind eine gute Recher­che­quelle. Dort zeigt sich schon früh eine wach­sende Nach­frage – und schlagen Trends sich nieder. Einer der aktu­ellen Trends heißt Big Data. Bei Indeed werden mit diesem Begriff der  […]

  2. Marc R. 5. August 2015 at 12:15 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    zum Teil muss ich Ihnen zustimmen. Zum anderen besteht durchaus viel Arbeits­an­gebot in Form von Arbeits­kräften im Bereich E‑Commerce — zumin­dest meinem subjek­tiven Eindruck nach.

    Ich habe selber meine Erfah­rungen im Bereich E‑Commerce gesam­melt. Selbst dort werden heute vermehrt Entwickler gesucht oder Menschen, die zumin­dest grund­sätz­liche Erfah­rungen im Bereich Web-Entwick­­lung haben (was Ihre These stützt). Aller­dings ist mein subjek­tives Gefühl, dass der Bereich Web-Entwick­­lung inner­halb der Medi­en­wis­sen­schaft und Betriebs­wirt­schaft mit Schwer­punkt Medi­en­in­for­matik, als auch (selbst­ver­ständ­lich !) im Bereich Infor­matik mit dem glei­chen Schwer­punkt, gene­rell der belieb­teste IT-Bereich ist.

    In Folge dessen würden mich dort Deckungs­quoten inter­es­sieren, um einzu­schätzen, in wie weit da noch Bedarf an Arbeits­kräften besteht. Als Quer­ein­steiger (besitze selber fundierte univer­si­täre IT-Kenn­t­­nisse, aber studiere haupt­säch­lich nicht Infor­matik) kommt man da nämlich auch nicht mehr so einfach rein — ich bin schon froh über mein Werk­stu­dium.

    Außerdem würde ich die Stel­len­an­zeigen bei Stepstone et cetera nicht als quan­ti­ta­tiven Beweis für stei­gende Nach­frage sehen, da dort ziem­lich viele unrea­lis­ti­sche Job-Anfor­­de­rungen hoch­ge­laden werden (-> Berufs­an­fänger mit über­durch­schnitt­li­chem Master und mindes­tens 2 Jahre Berufs­er­fah­rung in Dingen, die im Studium kaum vorkommen). Da gibt es ja auch diese bekannte ZDF-Doku­­men­­ta­­tion zum Thema oder immer wieder berichte von Infor­ma­ti­kern, die nicht den passenden Schwer­punkt studiert haben und dann als unqua­li­fi­ziert gelten.

    Des Weiteren ließt man immer wieder von Stellen im Bereich Big-Data-Analysis oder Daten­ma­nage­ment, wo Personen mit über­ra­gendem Abschluss in Statistik oder Mathe­matik gesucht werden. Für manche Jobs in diesem Bereich mag das auch zwin­gend sein. Viele Anfor­de­rungen könnte aber auch jemand mit einem Studium der empi­ri­schen Sozi­al­for­schung o. ä. bewäl­tigen — wahr­schein­lich auch ein Grund, wieso das bald ins Marke­ting abwan­dern wird. Wo ich Ihnen zustimmen mag.

    Wenn die Nach­frage aller­dings wirk­lich so hoch wäre, so meine persön­liche Vermu­tung, würden die HR-Büros auch mal damit beauf­tragt werden, in unüb­li­chen Fach­kreisen nach geeig­neten Kräften zu suchen. Ergo eben in genanntem sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Bereich, der sich auch stetig weiter­ent­wi­ckelt und mitt­ler­weile Gebrauch von einer Viel­zahl von Statistik-Tools macht. Viele Markt­for­schungs­in­sti­tute haben das bereits lange begriffen!

    Viele Grüße

    Marc R.

  3. Ingo 7. August 2015 at 15:04 — Reply

    Entwickler sind auch Menschen. Noch.

  4. Anonym 12. August 2015 at 1:50 — Reply

    “Ich habe neulich den Boten von UPS in mein Büro bestellt – und dabei nur mit einem Computer gespro­chen. Noch vor zwei Jahren wäre ich vor lauter Ärger über die Unfä­hig­keit des Robo­ters in die Luft gegangen. Doch diesmal lief es wunderbar. Das wird sich weiter verbes­sern. Dann braucht man Menschen wirk­lich nicht mehr. Aber Entwickler.”

    Das mag sein, aber man braucht nicht so viele Entwickler, wie man Call­­center-Agents braucht, um im Bilde zu bleiben.
    Eine oder einige Instanzen von z. B. IBM Watson werden dann die Büros voller Menschen ersetzen, deren Aufgabe vor allem das Gespräch mit dem Kunden ist.
    Wahr­schein­lich werden zuerst die Bereiche techn. Support und Service­hot­lines sterben, dann, langsam, auch die Bestell­hot­lines (dort erwartet man einfach eher noch Menschen).

    Und die Entwickler werden dann nicht mehr gut verdienen, denn selbst­ver­ständ­lich wird man die Jobs ins Ausland verla­gern. Ein Entwi­ckeltes Produkt wird dann viel­leicht von 1 oder 2 Admins betreut. Zudem es schon Ansätze für compu­ter­ge­stütztes Program­mieren gibt.

    Genau dasselbe kann man auch von Büro­jobs oder Ferti­gung sagen. Es werden einfach unglaub­lich viele Jobs wegbre­chen.

  5. […] zeigt ein Ausblick in die Zukunft, welcher Svenja Hofert in Ihrem Blog thema­tisch mit „Jobs mit Zukunft: Wohin geht die Reise bis 2020?“ beschreibt. Das Rad dreht sich extrem schnell und eine sichere Selbst­po­si­tio­nie­rung ist […]

  6. Herr Brook 9. Januar 2016 at 21:15 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    vielen Dank für diesen span­nenden und zusam­men­fas­senden Artikel — das Lesen hat mich zum Nach­denken animiert. Aktuell habe ich nur ein kleines Frage­zei­chen vor den Augen: Der Begriff “Entwickler” ist meines Erach­tens nach sehr gene­risch. Wenn man diesen bei den gängigen Stel­len­por­talen eingibt, wird man von der Auswahl der Ergeb­nisse förm­lich über­mannt.

    Meinen Sie damit “Software”-Entwickler?
    Viele Grüße aus Hamburg!

    D. Brook

  7. […] Die zuneh­mende Digi­ta­li­sie­rung wird viel­leicht Jobs kosten, viel­leicht (in meinen Augen sogar sehr wahr…Sicher ist jedoch: Sie wird verän­dern. Es werden Anfor­de­rungen an Stellen geän­dert werden müssen, es werden Menschen ihre Arbeits­plätze verlieren, dafür werden andere Menschen neue Arbeits­plätze, Geschäfts­mo­delle, Möglich­keiten, Ideen, Lösungen, Inno­va­tionen entwi­ckeln. […]

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