Kate­go­rien

Karrie­re­pla­nung von Frauen: Besser ohne Kinder!

Published On: 20. Juli 2014Cate­go­ries: Führung

Welchen Beruf wähle ich? Lasse ich mich auf eine Karriere in einem inter­na­tio­nalen Unter­nehmen ein, die mit Reisen und längeren Abwe­sen­heiten verbunden ist? Bei der Karrie­re­pla­nung von Frauen steht dieses Thema oft in stär­kerem Maße als bei der von Männern auf der Tages­ord­nung. „Auf jeden Fall will ich Kinder“, sagen mir viele junge Frauen dann. „Auf keinen Fall möchte ich einen Beruf, der mir zu wenig Zeit für die Familie lässt“, fügen die meisten hinzu.
Mein Ansatz war immer ein ganz­heit­li­cher, das heißt ich sehe, wie die meisten Karrie­re­coachs, Karriere nicht als Konstrukt, dass sich losge­löst von weiteren Lebens­um­ständen betrachten lässt. Inso­fern gehören Arbeit und Leben auch dann zusammen, wenn man vorhat, sie später vonein­ander zu trennen. Doch liege ich, liegen wir, damit richtig? Vor allem, wenn es um sehr junge Frauen geht, die mit der ersten Entschei­dung auch eine Rich­tung vorgeben?
Ein Teil­nehmer eines Work­shops im Rahmen meiner Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie gab mir diese Woche zu bedenken, dass sich junge Frauen durch Einbe­zie­hung der Kinder­frage auch selbst beschränken könnten. Er verwies dabei auf Sheryl Sand­berg, die Frauen empfiehlt, erst dann über die Verein­bar­keit nach­zu­denken, wenn es soweit ist. Man würde sich sonst selbst begrenzen. Wie immer gibt es auch hier keine abso­lute Wahr­heit, aber einige Aspekte, die im Moment bei der Berufs­ori­en­tie­rung dafür spre­chen, das Thema Kinder auszu­blenden oder jungen Frauen genau das zu empfehlen. Ich selbst habe meine Haltung dazu über­dacht und folgende Punkte gefunden, die für ein Ausblenden spre­chen:

Es kommt immer anders als frau denkt.

Die einen finden nicht den passenden Mann, die nächsten wollen später gar keine Kinder mehr. Ich war jemand, der sich Kinder nicht vorstellen konnte. Bei einer Freundin war es andersrum. Jetzt habe ich Familie, sie nicht. Planen macht wenig Sinn; man kann es nur bedingt.
Die Zeiten ändern sich und werden sich noch viel mehr ändern. Ja, im Moment ist es noch so: Wird eine Frau schwanger und hatte sie zuvor einen reise­inten­siven Job, Kunden­kon­takt oder/und viel mit dem fernen Ausland zu tun, mit dem man oft erst nach 14 Uhr kommu­ni­zieren kann, so landet sie spätes­tens nach dem zweiten Kind sehr oft in einem weniger heraus­for­dernden Bereich. Viele haben nach wie vor einen deut­li­chen Karrie­re­knick; es gibt ein Berufs­leben „davor“ und „danach“. Im Danach verdienen Frauen oft deut­lich weniger. Doch das ist erkannt — es gibt immer mehr Firmen und auch enga­gierte Führungs­kräfte, die solche Knicks verhin­dern. Es ist davon auszu­gehen, dass sie seltener werden.

Was einem liegt und was nicht, merkt man erst so richtig, wenn man im Job ist.

Da entdeckt eine Frau viel­leicht, dass es ihr enormen Spaß macht, Menschen zu führen. Das kann auch Frauen passieren, die das immer für sich ausge­schlossen haben. Denn: Karriere hat viel mehr mit Glau­bens­sätzen und fami­liärer Prägung zu tun, als wir alle denken. Wurde uns oft genug einge­redet, dass wir so sozial sind und was mit Kindern machen müssen, machen wir es – hätten die soziale Ader aber womög­lich auch in einem ganz anderen Kontext einsetzen und fruchtbar machen können.
Berufs­ent­schei­dungen sehr junger Leute (Frauen und Männer), beruhen auf Vorer­fah­rungen. Erfah­rungen, die nicht gemacht worden sind, fließen nicht ein. Und zu diesen Vorer­fah­rungen gehören auch die Erfah­rungen, die weib­liche Fami­li­en­mit­glieder gemacht haben. Da ist dann die Mutter, die als Lehrerin viel bei den Kindern sein konnte. Und die Tante, die als Diplom-Kauf­­frau beruf­lich aufs Abstell­gleis kam. Eine der Aufgaben bei der Berufs­ori­en­tie­rung liegt darin, Gegen­mo­delle zu zeigen und bewusst zu machen, dass die Welt von morgen nicht mehr die von heute ist.

Es gibt nicht mehr ein Berufs­leben, sondern mehrere, viel­leicht fünf oder sechs.

Doch selbst die derzei­tigen Abitu­ri­enten sind noch sehr geprägt davon, dass es weiter­geht, wie es mal war und immer noch ist. Das heißt: Der „Beruf“ ist für immer. Das ist er natür­lich nicht. Selbst die wenigen Für-immer-Berufe wie Lehrer und Arzt sind es nicht mehr. Gestern habe ich von einer Ärztin gehört, die am Tag ihrer Beför­de­rung zur Ober­ärztin gekün­digt hat und nun Buddhismus lehrt. Wandel wird normal.

MS Office

MS Office

All das müsste den jungen Menschen viel früher beigebracht werden. Es ist falsch, nur auf momen­tane Inter­essen zu setzen, wie ich hier bereits beschrieben habe. Ich finde, Univer­si­täten und Hoch­schulen sollten aufhören, immer mehr pseudo-berufs­­­qua­­li­­fi­­zie­­rende Abschlüsse zu krei­ieren und ein neues Feld für sich entde­cken: Die Berufs­ori­en­tie­rung. Ein, zwei Jahre, in denen junge Frauen mit Berei­chen und Themen in Berüh­rung kommen, die sie sonst nie kennen­lernen würden, wären viel hilf­rei­cher als jeder Test und alles andere, auch Coaching. Nur ist so ein Programm teuer und zunächst sinnlos für die Wirt­schaft (zunächst, denn ein Argu­ment könnte sein, dass so Menschen in Bereiche gebracht würden, die niemals auf deren Plan gestanden hätte).
Doch soweit sind wir noch nicht.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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