Kate­go­rien

Kauf­stu­dium: Gut oder schlecht? (Replik auf Kolumne bei Spiegel Online)

Published On: 23. Mai 2014Cate­go­ries: Führung

Jedes Jahr studieren mehr Menschen privat und geben dafür oft sehr viel Geld aus. Fakt ist:

  • Es gibt immer mehr kosten­pflich­tige Studi­en­gänge und immer mehr Leute, die sich ab rund 7.000 EUR bis rund 70.000 EUR ihre akade­mi­sche Ausbil­dung früher (Bachelor) oder später (Master) erkaufen. Dabei bestehen auf der einen Seite etablierte Elite­schulen, auf der anderen Newcomer, teils ohne inter­na­tio­nale Akkre­di­tie­rung und dazwi­schen eine breite, aber expan­sive Mitte.
  • Fakt ist: In manchen Studi­en­gängen substi­tu­iert Geld die Note. Mindes­tens aber gibt es ohne Geld kein Studium, oder nur mit (z.B. Leis­­tungs-) Stipen­dium und nach Ausnah­me­re­ge­lung.
  • Fakt ist drit­tens: Es besteht daneben ein staat­li­ches Bildungs­system, das durch oft enge Zugangs­vor­aus­set­zungen beliebte Fächer nur für Top-Abitu­ri­enten zugäng­lich macht.
  • Fakt ist vier­tens: Manche Studi­en­gänge orien­tieren sich markt­wirt­schaft­lich an der Nach­frage, und zwar nicht des Arbeits­marktes, sondern der Studenten, was sich unter anderem in Google-Ad-Werbung wie “nc-frei studieren“ äußert.

Students in college learningWir leben also in einer Zwei­klas­sen­bil­dungs­ge­sell­schaft, in der Schule, aber auch an den Unis: Auf der einen Seite müssen sich Menschen an staat­li­chen Univer­si­täten und Hoch­schulen Aufnah­me­kri­te­rien beugen, die in beliebten Studi­en­gängen schärfer werden — und die kein Geld oder nur geringe Studi­en­ge­bühren bezahlen. Auf der anderen Seite solche, die an privaten Hoch­schulen studieren, oft weniger scharfe Selek­tion erleben, und dafür Geld bezahlen.

Darüber habe ich diese Woche im Karrie­re­spiegel “Gekauftes Studium, geschenkte Karriere?” geschrieben — der Beitrag wurde bisher über 600 Mal geteilt. Das schafft man mit einem Soft-Thema, zu dem alle ja sagen — oder wenn etwas wirk­lich pola­ri­siert. Meine Kolumne jeden­falls löste einen Sturm der Entrüs­tung aus. Ein Minen­feld. Ob Fern­hoch­schu­len­por­tal­be­treiber oder Student: viele sahen sich, ihr Angebot und ihr Studium diffa­miert.

Ich kann nicht auf alle Mails und Face­book­nach­richten eingehen, nicht jeden Post kommen­tieren und möchte zu den Vorwürfen und besorgten Kommen­taren deshalb hier noch mal ausführ­li­cher Stel­lung nehmen:

1.    „Sie sind doch tenden­ziös und haben etwas gegen Privat­hoch­schulen!“

Natür­lich bin ich tenden­ziös, wobei ich jetzt nicht weiß, ob ich das Wort mit subjektiv oder partei­isch über­setzen soll. Subjektiv ja, partei­isch nein. Es handelt sich um eine Kolumne, also einen Meinungs­bei­trag — was vielen nicht klar war, die schrieben, ich sollte doch die Direk­toren der Hoch­schule inter­viewen.

Ich denke, jedem über 18 sollte klar sein, dass es keine objek­tive Wahr­heit gibt, sondern immer nur Perspek­tiven und Ausschnitte — und die sind mal größer und mal kleiner. Jeder hält etwas anderes für wichtig, meist bestimmt die indi­vi­du­elle Posi­tion und Situa­tion was (nennt sich “Bestä­ti­gungs­ten­denz”). Ich halte im Moment Bildungs­ge­rech­tig­keit für wichtig, da mir die Unge­rech­tig­keit prak­tisch immer stärker auffällt. Und ich beob­achte mit Sorge eine infla­tio­näre Instal­la­tion immer neuer Studi­en­gänge. Das alles führt zu einer Abwer­tung des Studiums im Allge­meinen und voll­kommen verun­si­cherten Studie­renden. Mein Thema ist also nicht “privat ist böse”, sondern “da entwi­ckelt sich ein Markt, auf dem Menschen im Vorteil sind, die von Haus aus besser gestellt sind”.

Ich habe absolut nichts gegen Privat­hoch­schulen, die ordent­lich arbeiten. Ich habe viele Ange­bote schon mehr­fach empfohlen, sofern es mir aus meiner Perspek­tive als Bera­terin sinn­voll für das Indi­vi­duum scheint.  Wenn ich das Phänonem „Kauf-Studium“ betrachte, dann geht das nicht gegen einzelne Ange­bote, sondern ich stelle die Tatsache unglei­cher Bildungs­chancen als Diskus­si­ons­grund­lage in den Raum. Dabei, das ist ein zweiter Aspekt, führen private Studien eben nicht immer zu besseren Chancen, sondern manchmal im Gegen­teil, zu schlech­teren. Mir geht es also nicht um die einzelne Hoch­schule, sondern um die Kate­go­rien privat-staa­t­­lich.

Dass man bei WHU etc. auch unter Umständen kosten­frei studieren kann, war für mich ein abso­luter Rand­aspekt, der nichts am Grund­sätz­li­chen ändert: Bildung und auch die Ausbil­dung haben sich in zwei Lager ausdif­fe­ren­ziert, ähnlich wie das Gesund­heits­wesen. Auch hier würde ich nie sagen, die Tech­niker Kasse ist gut, weil gesetz­lich und der Deut­sche Ring schlecht, weil privat. Es sind zwei konkur­rie­rende Systeme, zu denen es unter­schied­liche Zugangs­vor­aus­set­zungen gibt. Die ein unter­schied­li­ches Image haben. Und die in unter­schied­li­chen Systemen zuhause sind (Wirtschaft/Staat).

Ähnlich ist es mit dem Kauf-Studium — es hängt von der Finanz­lage ab, ob man den privaten oder staat­li­chen Weg einschlägt oder einschlagen muss. Es mag sehr gute private Ange­bote geben, die ich bei einer indi­vi­du­ellen Nutzen­ab­wä­gung einer staat­li­chen Hoch­schule gegen­über bevor­zugen würde. Dennoch sind Bildungs­chancen ungleich, wenn jemand mit Geld auf Alter­na­tiven zugreifen kann, die jemanden ohne verschlossen bleiben. Ganz beson­ders gilt das fürs erste Studium, die Grund­lage für den weiteren Berufsweg. Hier möchte ich aus John Rawls Gerech­tig­keits­ethik zitieren: “Jeder­mann hat glei­ches Recht auf das umfang­reichste Gesamt­system glei­cher Grund­frei­heiten, das für alle möglich ist.” Wenn jeder die glei­chen Möglich­keiten hat, dann ist in diesem Sinn auch Ungleich­heit in Ordnung. Nur sehe ich diese glei­chen Möglich­keiten nicht. Nicht bei der Kran­ken­kasse, und auch nicht bei der Bildung.

2.  „Wieso werfen Sie die WHU und andere in einen Topf?“

Weil es mir eben um Kate­go­rien geht, bezahlt/nicht bezahlt. Bezahlte Studi­en­gänge werden ange­boten von Hoch­schulen, die im System „Wirt­schaft“ gemäß dem Code „Zahlung/keine Zahlung“ (Niklas Luhmann) funk­tio­nieren und agieren. Ein Studi­en­an­gebot muss sich also wirt­schaft­lich tragen. Dass der eine dabei durchaus soziale Gedanken einfließen lässt und Studenten auch nach Leis­tung aussucht und der andere (fast)  jeden zulässt, der zahlt, hat mit der jewei­ligen Posi­tio­nie­rung und dem Stadium im “Produkt­le­bens­zy­klus” zu tun (gilt auch für Weiter­bil­dungs­lehr­gänge; das Ende eines Produkt­le­bens­zy­kluses und die Folgen kann man gut im Coaching­markt beob­achten). Zur Posi­tio­nie­rung gehört es, dass einige Elite­schmieden  ihr ökono­mi­sches Über­leben auch durch ethi­sches und verant­wort­li­ches Denken und in Teilen auch Handeln sichern, andere durch markt­ori­en­tierte Produkt­ent­wick­lung. Die richtet sich an Trends aus: A, dem Ruf nach Akade­mi­sie­rung, der bildungs­po­li­tisch zwar sukzes­sive verhallt, in den Köpfen der Eltern und jungen Leute aber nach­haltig wirkt. Und B dem Verlangen nach bestimmten Fächern, in denen eine große Nach­frage seitens der Studie­renden besteht.

Für mich gibt es die über­ge­ord­nete Unter­schei­dung „hier zahlt man und dort nicht“. Und überall dort, wo letzt­end­lich Geld gegen (Aus-)Bildung getauscht wird, agieren und regieren wirt­schaft­liche Inter­essen. Mal relativ subtil mit einer ethi­schen Ausrich­tung, mal recht offen­sicht­lich kommer­ziell wie in den beschrie­benen Google-Ads. In beiden Fällen aber durchaus fein auf Ziel­gruppen abge­stimmt.

Das macht die staat­li­chen Ange­bote per se weder besser noch schlechter als die staat­li­chen, sondern die Auswahl schwerer — für die die, die Wahl haben. Bei den Jüngeren sehe ich, dass sich in letzter Zeit vor Studi­en­auf­nahme immer öfter eine Grund­satz­frage stellt „bezahlt oder nicht“ (nicht nur im meinen Kopf gibt es eine Kate­go­rien­bil­dung).  Das ist sehr oft die über­ge­ord­nete Frage. Und erst dann kommt: „Wenn bezahlt, was ist gut?“ Oder: “Bezahlt, wenn es gut ist.”

3.  „Warum behaupten Sie, dass die Auswahl­ver­fahren schlecht/die Qualität nicht gut ist und/oder Leis­tung nicht zählt?“

Ein Student schrieb mir, dass in seinem Studi­en­gang in manchen Prüfungen 70% durch­fallen — quasi der Beweis für Qualität. Ich stelle über­haupt nicht in Frage, dass ein Kauf­stu­dium andere Krite­rien als Geld als Aufnah­me­vor­aus­set­zung formu­liert, dass es anspruchs­voll sein kann und mitunter auch sehr viel fordernder als ein staat­li­ches Bildungs­an­gebot. Es gibt in diesem Markt ein riesen­großes von… bis… — und das ist eins der Probleme.

Einige erklärten mir, wie die Auswahl­ver­fahren konstru­iert sind und dass der Zugang alles andere als leicht sei. Das ist richtig; es betrifft vor allem jene etablierten Ange­bote, die schon länger bestehen und eine entspre­chende Nach­frage gene­riert haben. Es geht also darum, die limi­tierten Plätze zu verteilen. Das Gesetz der Knapp­heit ist auch ein Marke­ting­ge­setz.

Auch wurde geklagt, dass ich erwähne, dass Absol­venten von manchen Privat­schulen offen­sicht­lich leichter bei großen Unter­nehmen und Comsul­tancies unter­kommen. Das kann man bei Xing tatsäch­lich nach­weisen; über die Detail­suche und die Kombi­na­tion von Hoch­schule und Unter­neh­mens­name. Das könnte am Namen, dem mit einem Studium an solchen Hoch­schulen asso­zi­ierten fami­liären Hinter­grund, aber natür­lich auch an der Qualität der Abschlüsse liegen. Die Henne-Ei-Frage ist hier kaum zu beant­worten.

4.  „Studieren ist doch auch in anderen Ländern nicht kostenlos!”

Stimmt nicht, etwa in Öster­reich und Nieder­lande ist es bei Wohn­sitz vor Ort kostenlos. Außerdem finde ich nicht, dass die USA (öfter genannt) in Sachen priva­ti­sierte Hoch­schul­bil­dung ein Vorbild sind. Die Situa­tion und Maßnahmen zur Gleich­stel­lung sind auch ganz andere, siehe z.B. Affir­­ma­­tive-Action-Programme.

5.    „Was würden Sie denn tun, wenn ein privates Studium nun mal besser ist?“

Ich würde mich auch einschreiben, wenn das Angebot besser auf mich passt als ein staat­li­ches. Noch mal: Das private Studium ist nicht das Thema, sondern die unglei­chen Zugänge, die Ausrich­tung des staat­li­chen Systems an Noten und die Tatsache einge­schränkter Bildungs­kre­dite. Weiterhin bleibt für mich die Frage: Wozu studieren wir? Um für einen Job gewappnet zu sein? Oder für uns selbst und unser persön­li­ches oder beruf­li­ches Ziel? Geht es darum, Menschen auf den Arbeits­markt oder einen bestimmten Bedarf vorzu­be­reiten? Oder ihre Persön­lich­keit zu entwi­ckeln, damit sie ein Arbeits­leben selbst gestalten können? Kurzum: Geht es um Ökonomie oder Bildung?

Je nachdem, wie man das beant­wortet, kommt man zu unter­schied­li­chen Studi­en­an­ge­boten, Systemen und Auswahl­ver­fahren. Und zu einer unter­schied­li­chen Inter­pre­ta­tion der Kate­go­rien­bil­dung privat/staatlich.

 

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

4 Kommen­tare

  1. Kai G. Werzner 23. Mai 2014 at 20:59 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hoffert,

    herz­lichsten Dank für diese klaren Worte.

    Mit freund­li­chen Grüßen
    Kai G. Werzner

    • Raphael Diener 24. Mai 2014 at 14:38 — Reply

      Sehr geehrte Frau Sonja Hofert

      In ihrem Artikel „Gekauftes Studium, geschenkte Karriere“ nehmen Sie Bezug auf verschie­dene private Studi­en­gänge, unter anderem die Möglich­keit in Ungarn Medizin zu studieren.
      Als ein ehema­liger Student der Semmel­weis Univer­sität Buda­pest fühle ich mich von ihrem Artikel persön­lich belei­digt und diffa­miert. So einfach und primitiv wie Sie auf die Welt der privaten Studi­en­gänge sehen ist sie nicht.
      Es ist mir äußerst schlei­er­haft, wie eine Person, welche tätig ist im Bereich der Karrie­re­be­ra­tung nicht den Ansatz einer Ahnung vom Medi­zin­stu­dium im Ausland, speziell Ungarn hat.
      Ihr Artikel ist nicht, wie sie es sagen eine subjek­tive Meinung, sondern ein Verdrehen der Fakten!

      Die Zeiten sind leider vorbei, in denen „mittel­mä­ßige Abitu­ri­enten in Ungarn studieren“.
      Mitt­ler­weile bewerben sich Tausende in Buda­pest, sodass dort auch kein mittel­mä­ßiges Abitur mehr ausreicht. Noten sind also an meiner Univer­sität eine Hürde für das Studium der Medizin, trotz eines dicken Geld­beu­tels.

      „Papa zahlt“ nebenbei auch, wenn man nicht auf einer privaten Univer­sität studiert, sondern in Deutsch­land einen staat­li­chen Studi­en­gang einschlägt. Oder stehen alle anderen Studie­renden der Medizin auf eigenen Füßen, sobald sie sich an einer staat­li­chen Univer­sität einschreiben?

      Sie sagen, dass das Studium so weit opti­miert wäre, dass möglichst wenige Kandi­daten in Prüfungen durch­fallen würden und das man dieses System „kleine Klassen“ und „ange­nehme Studier­bar­keit“ mit „hohen Abschluss­quoten“ nennen würde.
      In Ungarn waren in meinem Semester von anfäng­lich 250 Studenten nur noch ca. 50%, die ihr Physikum in Regel­stu­di­en­zeit nach 4 Semes­tern absol­viert haben.
      Dies ist natür­lich kein Zeichen für Qualität, jedoch wider­spricht dies deut­lich ihrer Aussage vom „opti­mierten Studium“ mit „hohen Abschluss­quoten“
      Für eine Qualität des Studiums spre­chen jedoch „kleine Klassen“. Dies ist nämlich der Vorteil einer privaten Univer­sität, welches Sie hier völlig ausser acht lassen.

      Und die Kombi­na­tion aus kleinen Klassen und hohen Durch­fall­quoten spricht doch gerade dafür, dass es nicht ausreicht die Univer­sität zu besu­chen. Das ist nämlich ein sehr sehr wich­tiger Fakt. Ohne Geld gibt es kein Studium, aber Sie stellen es so da, als sei ein bezahltes Studium auch ein bestan­denes Studium, als sei ein gekauftes Studium auch ein bestan­dener Abschluss. Und das ist ganz einfach grund­le­gend falsch und ein himmel­hoher Unter­schied.
      Ich will mich nicht auf ihr jour­na­lis­ti­sches Niveau herab­lassen, aber trotzdem stelle ich mir natür­lich die Frage, ob es Ihnen auf Grund des Ablaufes IHRES Studiums an Vorstel­lungs­kraft mangelt, wie so ein Medi­zin­stu­dium abläuft.
      Der Satz „hier schaffen es auch Leute, die sich schlecht selbst moti­vieren können“ lässt mich dies nämlich vermuten. Das ist keine „Meinung“ sondern eine persön­liche Belei­di­gung an all die, die Tag ein Tag aus die ersten zwei Jahre ihres Studiums in der Biblio­thek verbringen. Es reicht nicht aus in „kleinen Gruppen“ „moti­viert“ zu werden, sondern erfor­dert ein sehr hohes Maß an Eigen­stu­dium und Eigen­mo­ti­va­tion! Der Zusam­men­hang zwischen bezahltem Studium und Eigen­mo­ti­va­tion ist mir noch nicht so klar geworden, aber viel­leicht können sie mir ja mit ihrer schein­baren Allwis­sen­heit über private Studi­en­gänge weiter helfen.

      Nur weil sie es sich nicht vorstellen können, dass eine Univer­sität in einem Land östlich von Deutsch­land eine quali­tativ sehr hoch­wer­tige Lehre mit schwie­rigen münd­li­chen Prüfungen trotz Kosten von 7000 Euro pro Semester anbietet, recht­fer­tigt dies nicht, dass Sie sich an Vorur­teilen bedienen und diese mal eben mit in ihren Text hinein­werfen, um Zeilen zu füllen. Jour­na­lis­tisch wert­voll, oder infor­mativ ist ihr Text nicht, sondern einfach nur unver­schämt und bele­di­gend.

      Mit freund­li­chen Grüßen Raphael Diener

      • Svenja Hofert 24. Mai 2014 at 16:02 — Reply

        Hallo Herr Diener, vielen Dank für Ihren offenen und persön­li­chen Kommentar. Es ist absolut nicht meine Absicht, jemanden persön­lich zu belei­digen oder gar das Studium der Medizin oder ein anderes abzu­werten. Es geht um gleich­ver­teilte Chancen, die ich nicht sehe. Ich kenne aus meiner Praxis Fälle, in denen speziell ein Medi­zin­stu­dium NICHT möglich war, weil der NC nicht stimmte und das Geld fehlte. Diese Menschen haben dann aus der Not etwas anderes studiert und sehen mitunter einen Lebens­traum geplatzt. Manche hatten also nicht die Chance, die Sie hatten. Dadurch, dass es für einige Ausweich­mög­lich­keiten gibt und für andere nicht, entsteht eine Schief­lage. Das war der erste Punkt. Ein weiterer entsteht dadurch, dass die Unter­schiede zwischen den Ange­boten immer größer werden. Ihr Studium ist extrem anspruchs­voll, das steht außer jeder Frage. Aber das war nicht Thema des Arti­kels. Es ging mir um die Ökono­mi­sie­rung der akade­mi­schen Bildung. Würde es nur die WHU, Buce­rius und das Ungarn-Studium geben, hätte ich diese Kolumne nicht in dieser Form geschrieben. Es docken sich aber immer neue Ange­bote in diese Kate­gorie Kauf­stu­dium. Da entsteht ein neuer Markt, der nach ökono­mi­schen Regeln funk­tio­niert und eine Nach­frage bedient, die eben nicht mehr vom Arbeits­markt und auch nicht vom Bildungs­in­ter­esse im Humboldt-Sinn bestimmt wird. Das ist der wirk­lich wich­tige Aspekt, die Frage, ob wir die Ökono­mi­sie­rung so weiter voran­schreiten lassen und wozu das am Ende führt. Da kann man eine markt­li­be­rale Sicht haben, oder eben nicht. Darüber lässt sich disku­tieren — und ich fände es gut, wenn sich mal ein Kommentar auf dieser Ebene bewegen würde. Ihr Vorwurf, ich könnte mir die Schwie­rig­keit des Studiums nicht vorstellen, ist aller­dings falsch. Ich kann mir absolut vorstellen, wie schwierig das Studium ist, da ich in der Verwandt- und Bekannt­schaft mehrere Ungarn-Studie­­rende und auch ziem­lich viele Medi­ziner habe. Das war aber nicht der Blick­winkel unter dem ich diese Kolumne geschrieben habe. herz­liche Grüße Svenja Hofert

  2. Carola M. 25. Mai 2014 at 11:32 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    ich habe Ihren Artikel aufmerksam gelesen und kann Ihnen da nur zustimmen: Über­spitzt gesagt, sehe ich das ähnlich. Das Angebot an Studi­en­gängen ist in den letzten Jahren unüber­sicht­lich geworden. Es sind Studi­en­gänge aus dem Boden gestampft worden, die eigent­lich nur Teil­aspekte von klas­si­schen Studi­en­gängen (z.b: Wirt­schaft) in der glei­chen Studi­en­zeit abhan­deln und die nur zahlungs­kräf­tigen Studi­en­wil­ligen zugäng­lich sind, die ggf. über den normalen Weg nicht zum einem Studi­en­ab­schluß gekommen wären und sich über diesen Weg einen akade­mi­schen Weg bahnen können. Ich selbst habe mir in den vergan­genen Jahren öfters solche Studi­en­an­ge­bote ange­sehen, da ich selbst noch­mals studieren wollte. Doch beim Durch­lesen der Studi­en­an­ge­bote im Vergleich zu den hohen Kosten in den Tausen­dern habe ich fest­ge­stellt, dass ich mit einem auto­di­dak­ti­schen Studium mehr und gezielter errei­chen kann. Mir ging es da also weniger um einen zusätz­li­chen akade­mi­schen Abschluss, sondern um den Wissen­zu­ge­winn gegen­über den hohen Studi­en­kosten. Im meinem Arbeits­leben fragt eigent­lich keiner so genau nach, nur Perso­nal­chefs ggf., ob man 2- oder 1‑fach studiert hat. Es zählt eher die Arbeits­weise, das Fach­wissen und ob ein Projekt relativ reibungslos abge­wi­ckelt wird. Ich selbst habe nach reif­li­cher Über­le­gung entschieden, bestimmte Wissen­lü­cken im Eigen­stu­dium oder durch Semi­nare, Berufs­praxis zu schließen. Sicher­lich gibt es Bran­chen, wo die akade­mi­sche Karriere bzw. mehrere Titel über das Fort­kommen entscheiden, jedoch nicht bei mir unbe­dingt. Deshalb stehen teure Weiter­bil­dungs­an­ge­bote in keinem Verhältnis zum Nutzen bei mir. Ihren Beitrag muß man deshalb differn­ziert sehen, so habe ich Sie wohl verstanden. Jedn­falls würde ich auch schon von einem wirt­schaft­lich orien­tierten Bildungs­markt spre­chen. Bestimmte Bildungs­ein­rich­tungen haben das wirt­schaft­liche Poten­tial der bildung erkannt. Es bleibt also jedem heute über­lassen, die rich­tige Wahl für seine Bildung und die Qualität der Bildung zu treffen. Mit freund­li­chen Grüßen Carola M.

Leave A Comment