Kate­go­rien

Frauen im Job: “Emotional, zickig, zu brav?”

Published On: 20. September 2013Cate­go­ries: Karriere, Mensch & Orga­ni­sa­tion

So titelte der Harvard Busi­ness Manager in der aktu­ellen Ausgabe. Sind Frauen so? Nah am Wasser gebaut? Zickig? Brav? Also: von Haus aus unfähig zu führen?

Frauen sind anders.

In der Kinder­laden-Zeit der 1970er Jahre tat man alles, um Jungs und Mädchen gleich zu erziehen.  Die Folge war, dass Jungen Mädchen drang­sa­lierten. Schon im Mutter­bauch sind männ­liche Babys moto­risch aktiver. Auch später steuert sie mehr Testo­steron, was Akti­vität und Aggres­si­vität erhöht. In höherer Mathe­matik liegen junge Männer vorn, im Rechnen Frauen. Intel­li­genz ist nahezu gleich verteilt, aller­dings gibt es mehr Extreme bei den Männern mit stär­keren Ausschlägen bei den Niedrig- und Hoch­be­gabten. In den Big Five ist es ähnlich: Frauen sind nicht so extrem in ihren Persön­lich­keits­ei­gen­schaften, sie sind in vielem mittiger und haben öfter einen höheren Neuro­ti­zismus. Apropos: nah am Wasser…

Das legt indes nicht nahe, dass Führungs­kom­pe­tenzen nicht vorhanden sind, sondern im Gegen­teil, dass sie beson­ders ausge­prägt sein müssen — erreicht man aus der Mitte vor allem im Unter­neh­mens­kon­text doch mehr als vom und mit dem Extrem. Testo­steron und die Big Five mögen deshalb durchaus (mit-) erklären, warum es kaum Richard Bran­sons und Steve Jobs unter den Super-Grün­­dern gibt. Indes: Das sind keine guten Leader, die ihre Mitar­beiter wert­schät­zend fördern bzw. förderten, sondern getrie­bene Genies.

Zwar ist es immer noch so, dass die Unter­schiede inner­halb der Geschlechter größer sind als zwischen ihnen, jedoch bleibt die Tatsache: Frauen sind über­wie­gend “weicher” (was als brav ausge­legt werden kann). Sie haben auch ein anderes Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­ständnis: Sie reden nicht nur, um Infor­ma­tionen zu über­mit­teln, sondern um Bezie­hungen aufzu­bauen.

Ich habe viele Frauen im Job weinen sehen und zwei, drei Männer. Weil sie sich über­for­dert fühlen, nicht wahr­ge­nommen, nicht verstanden. Weil irgendein Chef, manchmal auch eine Chefin von ihnen erwartet, was sie nicht liefern können. Jeden­falls nicht mit der Pistole auf der Brust. Unter erschwerten, „roten“ Bedin­gungen, wie sie viel­fach dort üblich sind, wo das Gesetz der Leis­tung noch nicht messbar gemacht und in klare Krite­rien über­führt wurde, setzen sich vor allem die weib­li­chen Exem­plare mit den Haaren auf den Zähnen durch. Das sind meist auch jene, die Frau­en­quoten ablehnen.

Für Männer ist der Job in einem unre­gu­lierten Umfeld oft wie ein Spiel. Sie können sich beweisen, zeigen, wo der Hammer hängt. Frauen sind selten Spieler. Man kann sich auf den Kopf stellen, es wird nicht anders von Gene­ra­tion zu Gene­ra­tion. Mein Sohn spielt, das kann ich zehn Mal bescheuert finden – und die Mädels in der Klasse wollen über­wie­gend hübsch sein. Es ist im Jahre 2013 immer noch das gleiche wie 1973, 1983 und 1993.

Es gibt einen weiteren Unter­schied zwischen Männern und Frauen, in der Karrie­re­mo­ti­va­tion. Frauen wollen seltener Karriere um jeden Preis. Wer also ernst­haft möchte, dass Frauen sich über­haupt für die Führungs­etagen inter­es­sieren, der kann von ihnen nicht dasselbe erwarten wie von Männern. Der kann nicht erwarten, dass sie Spaß an dem Spiel entwi­ckeln, das lautet „zeig jeden Tag, was in der steckt“. Der muss sich damit abfinden und damit anfreunden, dass Kommu­ni­ka­tion auf einer anderen Ebene statt­findet. Der darf nicht nur die mit Haaren auf den Zähnen beför­dern. Dessen Maßstab muss insge­samt ein anderer sein.

„Aber die kriegen nichts auf die Reihe“, höre ich meinen Partner sagen, der gerade viel mit Frauen zu tun hat. „Die eiern rum. Das muss ja mal jemand in die Hand nehmen“, erklärt er mir.

Ja, sicher, manche sind ganz froh, sich zurück­ziehen zu können und freuen sich, wenn´s ein Mann macht. Entschei­dungen treffen, sagen wo es lang geht, ist nicht jederfrau´s Sache. Auch weil sie sehen, mit welche Bandagen dort gekämpft wird, siehe Karriere um jeden Preis.  Aber muss das so sein? Kann es nicht einen anderen Stil geben? Muss man immer die Stimme erheben und den „Dominal-Stil“ heraus­kehren, um sich durch­zu­setzen?

Bei 15 von 16 Führungs­kom­pe­tenzen sind Frauen Männern voraus. “Andere weiter entwi­ckeln” etwa gehört dazu, oder “Zusammen- und Team­ar­beit” (Zenger Folkman, A study in Leader­ship: Why women do better than men, 2012). Nur die Kompe­tenz “stra­te­gi­sche Perspek­tiven entwi­ckeln” bedienen Männer leicht besser. Es liegt also nicht an den Kompe­tenzen, sondern am Vorherr­schen von männ­li­chen Spiel­re­geln, die in den Köpfen von Männern wie Frauen sind und die Sicht auf die Kompe­tenzen und damit ihre Bewer­tung trüben. Viele Kolle­ginnen und Kollegen sind damit beschäf­tigt, Frauen die männ­li­chen Regen beizu­bringen. Ich frage mich: Wieso schickt man nicht Männer  in solche Kurse? Wieso werden nicht Männer verpflichtet, die Sprache der Frauen zu erlernen?

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Woody 21. September 2013 at 13:31 — Reply

    Wir haben das einmal vor Jahren statis­tisch unter­sucht. Unser Ergebnis war:
    Je höher das Einkommen und/oder der IQ einer Frau ist, desto geringer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass sie sich repro­du­ziert.

    Frauen mit mitt­lerem bis nied­rigem IQ haben die besten Repro­duk­ti­ons­chancen.

    Daher ist der IQ bei Frauen weit­ge­hend normal­ver­teilt. Bei Männern ist der IQ dagegen einseitig auf der intel­li­gen­teren Seite verteilt, es gibt deut­lich mehr Männer im geho­benen Mittel­feld und mit sehr hohem IQ als Frauen.

    Also: Männer mit sehr hohem IQ und geho­benem IQ haben die besten Repro­duk­ti­ons­chancen und zwar mit Frauen aus dem mitt­lerem IQ-Bereich.

    Frauen mit hohem Einkommen und/oder IQ lehnen bereits Männer als Partner ab, die nicht mindes­tens gleich­kommen. Sie suchen immer nach Männern, die noch mehr verdienen als sie selbst. Gleich­zeitig sind sie im Gegen­satz zu Männern nicht bereit, Abstriche zu machen. Männer mit sehr hohem IQ haben dagegen kein Problem damit, sich eine weniger intel­li­gente Frau zu suchen.

    Das Ergebnis mani­fes­tiert sich eben in den gene­ti­schen Anlagen von Männern und Frauen.

    Eine Ände­rung könnte nur dadurch erreicht werden, dass auch sehr intel­li­gente Frauen mehr auf ihr Herz hören sollten und nicht nur auf den Gehalts­zettel oder Karrie­re­ver­lauf von Männern schauen. Erst wenn sich sehr intel­li­gente Frauen repro­du­zieren, wird auch die IQ-Vertei­­lung bei den Frauen weiter nach rechts in den geho­benen Bereich rutschen.

    Im Übrigen ist es das Part­ner­wahl­ver­halten der Frauen, dass Männer dazu treibt, Karriere um jeden Preis machen zu wollen. Frauen wollen immer einen Mann, der mehr verdient als sie selbst, so wollen einen Mann, der ihnen “etwas bieten” kann. Wenn Frauen vermehrt Partner akzep­tieren, die weniger als sie selbst verdienen, oder im Betrieb auch mal in der Hier­ar­chie etwas geringer ange­sie­delt sind, dann wird es für Männer nicht mehr den Bedarf geben, Karriere um jeden Preis machen zu müssen, da dies dann kein Krite­rium für die Part­ner­wahl der Frauen ist.

    Solange für Frauen aber der Titel auf der Visi­ten­karte des Mannes und die Zahl auf dem Gehalts­zettel das KO-Krite­rium sind, solange werden Männer alles tun, um dies zu erfüllen.

    • Svenja Hofert 21. September 2013 at 14:46 — Reply

      Hallo, ich weiß nicht genau, wer “wir” ist. Es stimmt, es gibt mehr hoch­be­gabte Männer, aber auch mehr nied­rig­be­gabte.
      Es ist meines Wissens aner nicht belegt und auch schwer direkt belegbar, dass Frauen mit höherem IQ Männer mit höherem Einkommen suchen — die Frage wäre, ob es sich, wenn dem so ist, nicht auch um einen zufäl­ligen Zusam­men­hang handelt. Denn: Das Berufs­prest­rige im Alter von 40 Jahren sagt etwas über den IQ aus (Korre­la­tion .70, Jens Asen­dorpf). Und man bindet sich häufiger inner­halb eines ähnli­chen Berufs­ni­veaus, was dann eben auch (öfter) ein entspre­chendes Gehalt nach sich zieht. IQ, Bildungs­status und Gehalt hängen zusammen, wenn wir den Bereich Fußball, Models und Showbiz ausklam­mern.
      Wohl wahr ist, dass intel­li­gente Frauen ähnli­ches oder glei­ches Niveau bevor­zugen. Wohl wahr ist abe auch, das sich in einem bestimmten Intel­li­genz­be­reich Unter­schiede verwi­schen. Es gibt Nobel­preis­träger mit einem IQ von “nur” 115, die mehr leisten als solche mit 140. Jemand mit einem IQ von 115 kann problemlos mit einem IQ-130 zusam­men­leben — und der mit 115 kann beruf­lich sogar erfolg­rei­cher sein 😉
      Zumin­dest in meinem Umfeld sehe ich schon einige Männer, die gern Frauen hätten, die auf dem eigenen Niveau mitdenken können. Ich vermute, das ist auch eine Gene­ra­tio­nen­frage. Jeden­falls habe ich intel­li­gente, junge Kundinnen, mit adäquaten Part­nern, die sich durchaus auch repro­du­zieren 😉 Aber es stimmt schon: es bleibt dann oft bei einem, zwei Kindern. Aber das ist keine Intel­­li­­genz- sondern eine gesell­schaft­liche Frage.
      Mir persön­lich ist es nicht wichtig, was jemand verdient, sondern dass er/sie etwas Sinn­volles tut.
      LG Svenja Hofert

    • Hannah 19. November 2015 at 20:22 — Reply

      Das ist ein sehr inter­es­santer Kommentar. Würde mich inter­es­sieren (da vieles offenbar auf Statis­tiken beruht) wie es 2 Jahre nach Veröf­fent­li­chung des Arti­kels aussieht!. LG Hannah 🙂

  2. Menta 16. Oktober 2013 at 7:41 — Reply

    Ich habe völlig andere Erfah­rungen mit weib­li­chen Führungs­kräften: Die, die ich erlebt habe, waren intri­gant, zickig und machtbesessen.Ihnen fehlte völlig die Souve­rä­nität, die Männer in Chef­etagen haben.Meines Erach­tens liegt es daran, dass sie sich sehr schwer nach oben kämpfen mussten, Macht nicht gewöhnt sind und dann ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigen.Das ist an sich nichts Beson­deres, das tun Männer auch, aber hinzu kommt das vermeint­lich weibliche:“Wir sind ja sooo gute Freun­dinnen”, das in Krisen­si­tua­tionen gegen die “Unter­ge­bene” verwendet wird.Ich habe in einem vorwie­genden Männer­beruf in 20 Jahren meis­tens mit Männern zusam­men­ge­ar­beitet, was sehr gut klappte, denn Männer sind zwar hart, aber direkt.Man weiß immer, woran man ist.Solange Frauen nicht souverän agieren und ihre Spiel­chen beibe­halten, die sie über Jahr­tau­sende gelernt haben, um sich neben dem Mann zu behaupten, möchte ich keine Frau als Chefin haben.Männer haben sehr dazu­ge­lernt, ich bin nur einmal als zweit­klassig behan­delt worden.

    • Svenja Hofert 16. Oktober 2013 at 16:36 — Reply

      Hallo Menta, ich kann das durchaus nach­voll­ziehen, es gibt furchtbar unge­eig­nete Frauen — die sich in nichts von unge­eig­neten Männern unter­scheiden und teil­weise zu perfi­deren Mitteln greifen, vor allem im Umgang mit dem eigenen Geschlecht.Das ist ja oft der Punkt: dass sich Frauen durch­setzen, die nicht unbe­dingt durch Führungs­kom­pe­tenz glänzen. LG SH

  3. precilla 2. März 2016 at 19:24 — Reply

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