Kate­go­rien

Kreativ bewerben — aber bitte mit Köpf­chen!

Published On: 20. November 2007Cate­go­ries: Führung

Erst einmal: Was ist über­haupt kreativ? Und da schon hier jeder seine eigene Inter­pre­ta­tion einbringt, gibt es Miss­ver­ständ­nisse. So wie jenes weit verbrei­tete, dass ein Buch­halter nicht kreativ sein kann.

Krea­tive Bewer­bungen sind für mich Bewer­bungen, die einen eigenen Ansatz finden, den Entscheider zu errei­chen. Genau, richtig gehört: Es geht darum, jemanden zu ERREICHEN, in dem Fall den Perso­naler oder, besser den Fach­ent­scheider. Meist sogar beide: Die beste krea­tive Bewer­bung kommt am Perso­naler vorbei und schlägt dann beim Fach­ent­scheider ein. Denn beide, das machen sich die wenigsten bewusst, haben oft unter­schied­liche Inter­essen und Entschei­dungs­kri­te­rien. Der eine (Perso­naler) handelt check­lis­ten­ori­en­tiert (ist alles vorhanden, was gefor­dert ist, passts zum Unter­nehmen?), der andere (Fach­ent­scheider) möchte für sein Team den/die Besten. So ist die Situa­tion bei allen größeren Unter­nehmen und das bedeutet: zwei Fliegen, eine Klappe. Krea­ti­vität bei klei­neren, Perso­nal­erfreien Unter­nehmen ist damit einfa­cher: dort geht es nur darum, eine Person zu gewinnen, und die ist auch weniger an Forma­lismen inter­es­siert. Man darf hier noch mehr Anders-Sein.

Das Errei­chen ist das Ziel, und das schränkt die Möglich­keiten ein. Die meisten Bewerber denken darüber nach, wie sie Krea­ti­vität zeigen können, nicht aber wie sie Ihre Adres­saten errei­chen. Dafür muss man sich die Bedürf­nisse des und der Adres­saten vor Augen halten – und dazu gehört nun mal, möglichst auf den ersten Blick zu sehen, ob jemand passt. So ist es kreativ, die Argu­mente für Pass­ge­nau­ig­keit mit Beispielen und Erfolgen heraus­zu­ar­beiten – anstatt einfach Lebens­lauf­daten zu wieder­holen.

Ein Bedürfnis ist es auch, den Lebens­lauf schnell zu verstehen. In meiner Praxis höre ich immer wieder, dass Bewer­bungen auf Super-Feed­­back stoßen, wenn sie einfach nur in einer normalen, leben­digen Sprache verfasst sind, die die Persön­lich­keit unter­strei­chen. Das sieht nicht kreativ aus, ist es aber. Versu­chen Sie einfach einmal, Wort­hülsen wie „kommu­ni­kativ“ zu über­setzen. Fragen Sie sich dazu, was „Ihr“ kommu­ni­kativ bedeutet und woran es sich zeigt. Das schreiben Sie es hin. Und fragen Sie nicht: „Kann man das?“ Man kann.

Auch opti­sche Krea­ti­vität wird gern falsch verstanden. Wie sonst auch steht hier Frage „Wie erreiche ich..?“ am Anfang. Sie errei­chen durch Wieder­erkenn­bar­keit und Unter­scheid­bar­keit (von anderen). Eine kleine farbige Linie, eine andere Schriftart ist schon kreativ – oder die Wahl der Mappe. Drei­ge­teilte „Mappen­monster“ empfehlen nur die Schreib­wa­ren­be­darfs­läden, weil sie damit Geld verdienen. Der Entscheider freut sich über Trans­pa­renz (in dem Fall der Mappe). Da sieht er nämlich sofort, dass die Unter­lagen von Ihnen sind…und das ist ganz schön prak­tisch.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Karrie­re­bibel 27. November 2007 at 17:58 — Reply

    Mini­ma­lismus in der Form und Substanz im Inhalt sind meist das bessere Rezept. Krea­ti­vität lässt sich durch krea­tive Leis­tungen in der Vergan­gen­heit oder durch entspre­chendes Enga­ge­ment oft über­zeu­gender belegen. Aber das ist meine Meinung und das, was ich so von Perso­na­lern höre, die beson­ders ausge­fal­lene Mappen eher ablehnen.

  2. Flug Bangkok 8. Januar 2010 at 15:48 — Reply

    genau so sehe ich das auch. mit der Krea­ti­vität sollte man es nicht über­treiben. Einen gewissen Grad an Seriö­sität sollte man schon waren.
    bewirbt man sich bei einer Anwalts­kanzlei oder einem großen Wirt­schafts­un­ter­nehmen wird es bestimmt nicht entschei­dend sein, ob man nun eine farbige Linie in seine Bewer­bung einbaut oder nicht. In solchen berufen zählen letzt­end­lich nur die Quali­fi­ka­tionen.

  3. Guido 7. November 2011 at 8:00 — Reply

    Ich hatte vor Kurzem auch eine Bewer­bung vor mir liegen, die so “kreativ” geschrieben war, dass ich mir einer­seits dachte, kreativ ja ABER wenn er solche Formu­lie­rung nach außen hin verwendet, um sich selbst zu präsen­tieren, wie wird er dann erst meinen Kunden reprä­sen­tieren. Bunter hätte die Bewer­bung kaum sein können ^^

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