Kultur ist hungrig. Sie frühstückt mit der Strategie eben auch alles Neue. Oft werde ich gefragt, ob und wie Kulturwandel möglich ist. Viele haben das Bedürfnis, Kultur steuern oder sogar planen zu wollen. Doch das geht nicht. Kultur lässt sich nicht geplant verändern. Dennoch geht was. Was, erfährst du im folgenden Beitrag.

Meine 7 Punkte für alle, die Kulturwandel in Organisationen (verstehen) wollen:

1. Kulturveränderung ist KEIN Selbstzweck

Frage dich immer, auf was die Veränderung überhaupt referenzieren soll. Was ist das Wozu? Fehlen notwendige Kompetenzen – braucht ihr also talentierte Leute, die sich nicht von konservativen Führungskräften ausbremsen lassen? Oder müsst ihr innovativer sein, kommt aber aus einer Effizienz-Kultur, in der kreative Ideen bestenfalls “nice to have” waren?

2. Der Zweck bestimmt die Kultur – und den Kulturwandel

Wenn ein Unternehmen wie Tesla nicht innovativ wäre… Ja, aber hier sieht man schon “times are changing”. Und so kann es sein, dass neue Themen zu einer Verschiebung führen. Nebenbei ist es ein typischer Effekt: Wenn Leute lange bleiben, werden sie älter und oft auch… gemächlicher. Nicht immer, aber du weißt, was ich meine. Deshalb kann sich Kultur vom Zweck entfremden.

3. Über Kultur entscheidet niemand

Sie ist einfach da, hat sich entwickelt. Das kann regional beeinflusst sein, durch einen bestimmten Typ Mensch bedingt sein (Sicherheitssuchende sind keine Freiheitsfreaks) oder in der Gründungsfamilie angelegt. Und dass, was mal war, setzt sich hartnäckig immer wieder durch. Auch gegen agile Methoden und Modelle. Denn: Die unbewusst geteilten mentalen Modelle zur Kultur verfrühstücken diese.

4. Kulturwandel braucht Strategie und Struktur

Das nennt sich das “magische Dreieck”. Heißt: Diese drei Elemente müssen wir immer zusammendenken. Deshalb ist eine Strategie auf dem Papier wenig wert: Kommt sie nicht ins Leben, versandet sie. Und da reicht es nicht #gerneperdu unter eine E-Mail zu schreiben. Die viel wichtigere Frage liegt darin, was dahinter steht: Oft nur der fromme Wunsch, eine Startupkultur zu leben.

5. Subkulturen zulassen

Viele möchten. Kultur vereinheitlichen. Aber es ist absolut legitim und notwendig, dass in einem Unternehmen verschiedene Kulturen nebeneinander bestehen können. Da mögenn ein paar schräge Vögel mal ein paar Sachen anders machen, während andere noch verhalten auf Anweisgungen von oben warten…

6. Kultur kreativ denken

Was die Kultur verändert? Darüber kannst du nur Hypothesen haben. Führungskräfte haben Stellschrauben. Sie können durch ihre Strategie zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auch die Bereichs- oder Abteilungskultur beeinflussen. Wenn statt “Präsentation und Rhetorik” die Themen “Gut zuhören und Reflexion” angesagt und angesetzt sind, entfaltet das vermutlich Wirkung. Finden die Trainings dann auch noch außerhalb der kulturerhaltenden internen Akademie in “freier Wildbahn” kann das eine Bewusstseinsveränderung einleiten. Denn während die früheren Themen auf Selbstdarstellung und “Ich” einzahlten, sind die neuen klar am “Wir” ausgerichtet. Ob diese Hypothese aber stimmt? Das wissen wir nur, wenn wir immer wieder darüber reflektieren, was die “Effkte der Effekte” sind (so heißt auch ein mentales Modell in meinem Buch “Mach dich frei”)

7. Neues muss wachsen können

Womit wir beim vorerst letzten Punkt wären. Wir be-werten durch die Brille der Kultur. Was jemand macht oder nicht macht, wird gleich eingeordnet. Dabei können sich erhebliche Gaps zeigen. Das neue “freie Element” – ein talentierter Mitarbeiter .- wurde eingestellt, weil er so schön subversiv, eigenwillig und gnadenlos analytisch ist? Tja, wenn diese Art aber laufend stört? Dann kann auch das Talent leider nich anwachsen.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert ist vielfache Bestsellerautorin, die sich im deutschsprachigen Raum über mehr als ein Vierteljahrhundert ein hohes Renommee als Vordenkerin für das Thema Zukunft von Arbeit und Führung erworben hat. Ihr Motto "Zukunft der Arbeit mit Sinn und Verstand". Dieses Blog besteht seit 2006 und wird nur noch gelegentlich gepflegt. Folgen Sie der Autorin, indem Sie Ihren kostenlosen Newsletter Weiterdenken  abonnieren. Auf  Linkedin können Sie der Autorin ebenso folgen und erhalten 14tätig die Weiterdenken Essentials.

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