Kate­go­rien

Land der ideen­losen Klein­denker: Warum Wumms nicht reicht

Published On: 5. Oktober 2022Cate­go­ries: Führung

Wumms? Denkt Olaf Scholz und seine PR-Berater wir sind im Kinder­garten? Große Worte verde­cken, dass Ideen fehlen. Nicht nur in der Politik. Das ist so wie eine Glüh­birne, die nicht mehr leuchtet. Immer weniger Unter­nehmer, immer weniger Risi­ko­be­reit­schaft, selbst bei jungen Leuten.

In vielen Orga­ni­sa­tionen stockt derzeit selbst das jahre­lang betrie­bene Verän­de­rungs­theater. Die alltäg­liche Krisen­be­wäl­ti­gung rückt ins Zentrum, lang­fris­tiges Denken in den Hinter­grund. Dass Augen­höhe und agile Kosmetik keine Lösung für fehlende Inno­va­ti­ons­kraft sind: Langsam wird es offen­sicht­lich … Unter­neh­mertum? Fehl­an­zeige.

Das öffent­liche (Vor-)Bild macht auch wenig Hoff­nung: Die Mitar­beiter im Wirt­schafts­mi­nis­te­rium am Rande des Burn-outs, die Politik ange­sichts der Ener­gie­krise gefangen in Ratlo­sig­keit.

Nicht nur den Kondi­toren droht der Unter­gang – der gesamte produ­zie­rende Mittel­stand ächzt. Viele wollen Rettung, aber wer soll das bezahlen? Wir bewegen uns immer schneller in eine deindus­tria­li­sierte Dunkel­zeit mit unhalt­baren Sozi­al­ver­spre­chen. Und unser Blick ist dabei weiterhin nicht auf Lösungen gerichtet, sondern auf Besitz­stands­wah­rung, Inter­es­sen­ver­tre­tung und Ideo­logie.

Der Domi­no­ef­fekt ist offen­sicht­lich: Das eine bewegt sich, das andere stürzt. Immer mehr offene Fragen: Woher sollen die über­durch­schnitt­lich hohen Gehälter hier­zu­lande kommen, wenn nicht mehr aus der Indus­trie? Sind Elek­tro­autos die Lösung, wenn Strom immer teurer wird.  Was wird aus der Dienst­leis­tungs­branche ohne ihre finanz­starken Auftrag­geber?

Und auf der anderen Seite: Sind wir gut genug in Robotik? Welche Bran­chen haben Poten­zial, groß zu werden, wenn andere verschwinden? Welche Gründe gibt es für Top-Talente, ausge­rechnet Deutsch­land als Schaf­fensort zu wählen? Digi­ta­li­sie­rung fliegt derweil völlig unter dem Radar: Wenn Digi­ta­li­sie­rungs­mi­nister Volker Wissing unter die Top Ten in Europa will, dann hört sich das eher verzwei­felt als ambi­tio­niert an.

Wer sich nicht mal hohe Ziele setzt, landet schon beim Abflug.
Svenja Hofert

In den vergan­genen Jahren haben Acht­sam­keits­welle, New Work und der Fach­kräf­te­mangel den Blick auf das verstellt, was sich lange abzeich­nete: die notwen­dige Neupo­si­tio­nie­rung des Stand­orts Deutsch­land. Kein Fokus auf Inno­va­tion, statt­dessen falsche poli­ti­sche Weichen­stel­lung und in Wirt­schaft wie Politik oft stüm­per­hafte Vorstel­lungen von Digi­ta­li­sie­rung (das PDF als „digi­tale“ Lösung).

Land der Ideen­lo­sig­keit

Es fehlt aber nicht nur an Produkten und Geschäfts­ideen, sondern auch an Ideen für die Art und Weise, wie wir an Lösungen arbeiten. Zu sehr bindet die Routine und die akute Krisen­be­wäl­ti­gung. Da beschäf­tigt man sich ungern mit Dilem­mata wie der Frage, wie man damit umgeht, dass das aktu­elle Geschäft Umsätze bringt, das neue jedoch (noch) nicht. Oder dass das akute Krisen­ma­nage­ment endgültig dafür sorgen könnte, dass der Anschluss verloren geht … lieber ein Zwei-Tages-Kurs Agilität, der die Probleme gewiss nicht löst.

People & Culture statt Ideen & Bewe­gung

Perso­nal­ab­tei­lungen sind, wie ich höre, fast nur noch mit Recrui­ting beschäf­tigt und richten den Blick darauf, es mit „People & Culture“ allen möglichst schön zu machen – weniger aber darauf, an Bedin­gungen mitzu­wirken, unter denen radikal neue Gedanken und Struk­turen eine Chance haben.

Und diese betreffen, ich muss es immer wieder sagen, die Art und Weise, wie man zusammen streitet und psycho­lo­gi­sche Unter­schied­lich­keit nicht zur Blockade, sondern zur Chance werden lässt. Immer wieder sehe ich, dass Experten mit viel Know-how es einfach nicht schaffen, mitein­ander so zu reden, dass das Gespräch auf Wissens- und Erkennt­nis­meh­rung zielt und nicht auf eine Sortie­rung in Richtig- und Falsch-Käst­chen.

Und das hat oft nur einen einzigen Grund: Man redet anein­ander vorbei, weil wir nicht gelernt haben, zu reden, ohne den anderen zu bewerten. Und all die falschen Eitel­keiten: Man hält es nicht aus, dass der andere die coole Idee hat und man selbst „nur“ einen Rahmen schafft. Jede Neude­fi­ni­tion von Rollen wird zur Iden­ti­täts­krise.

Realismus löst keine Welt­pro­bleme

„Bleib mal auf dem Boden“, ist bei dem, was wir derzeit erleben, kein guter Rat. Viel­mehr brau­chen wir größen­wahn­sin­nige Weichen­steller. Dabei müssen wir verstehen, dass Zukunft nicht ist, sondern durch Entschei­dungen der Gegen­wart entsteht. Und dass Mehr­deu­tig­keit das Normale ist: Wie Weichen richtig gestellt werden, weiß kein Mensch. Aber der „Größen­wahn­sin­nige“ hat immerhin den Mut, über­haupt was zu tun.

Uns fehlt der Mut zum Risiko. Gerade jetzt muss gelten: Traut euch! Wir brau­chen Unter­neh­mertum mehr als je zuvoir.

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Foto von Pixabay: https://www.pexels.com/de-de/foto/klare-gluhbirne-355948/

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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