Kate­go­rien

Last Exit Schwei­ne­stall oder: ein Blick auf den spani­schen Arbeits­markt

Published On: 7. Januar 2011Cate­go­ries: Führung

„Das Gute ist, dass die auch Frei­land­ge­hege ausrüsten“, sagte der Kunde, der seit 20 Jahren in Spanien lebt. „Das kann ich dann noch halb­wegs mit meinem Gewissen verein­baren.“ Seit Wochen sucht er nach einem neuen Job. Die magere Ausbeute: Eine Leitungs­po­si­tion bei einem Schwei­ne­stall­aus­rüster. Er fragte nach dem Gehalts­ge­füge. Mir ist im Laufe von 10 Jahren Karrie­re­be­ra­tung so ziem­lich jedes Bran­chen­seg­ment von Kork­bo­den­be­lägen bis hin zu Ölsaaten begegnet, aber das noch nicht. Die gesamte fleisch­ver­ar­bei­tende Indus­trie braucht offen­sicht­lich keine Bera­tung und von einer Art Möbel­in­dus­trie für diese hörte ich das erste Mal. Ich hatte also keine Ahnung, was man hier verdienen kann (und im Internet finden Sie dazu auch nichts).

Ich unter­drückte ein Grinsen und den für meinen Gesprächs­partner vermut­lich demo­ti­vie­renden Gedanken an das Primat exis­ten­zi­eller Grund­be­dürf­nisse in der Maslow­schen Pyra­mide, als auch er anfing zu lachen. Das war reiner Galgen­humor. Es sieht nicht gut aus auf dem spani­schen Arbeits­markt, hoch­qua­li­fi­ziert hin oder her. Deshalb Schwei­ne­stall­aus­rüster. Anders als in einem Spie­gel­be­richt aus dem Mai, betrifft es wohl längst nicht nur die Jungen und die Unge­bil­deten. MBAs über­schwemmen den Markt und das Gehalts­ge­fälle soll das in Deutsch­land drama­tisch toppen. Oben und unten, ohne ein dazwi­schen. Die Diffe­renz Oben-unten wird leider auch in Deutsch­land immer schlimmer, aber in der Extrem­form kennen wir das nicht. Wenn ich die Direkt­be­richt­erstat­tung so höre, geht es uns hier so richtig gut. Oder kennen Sie viele Einser­kan­di­daten mit umfas­sender Berufs­er­fah­rung, die von Mama und Papa durch­ge­füt­tert werden müssen?

Gerade habe, so mein Kunde, die Regie­rung Zapa­tero eine Art Hartz IV abge­schafft, dass spani­sche Arbeits­lose nach Ablauf des Arbeits­lo­sen­geldes für ein Jahr erhielten. Jetzt gibt es gar nichts mehr. In Worten: Niente.  Es gibt nichts vom Staat, auch keine Sozi­al­hilfe. Wer fällt, muss sich auf das Netz der Familie verlassen. Ich habe dazu zwar keine deutsch­spra­chigen Berichte gefunden, gehe aber davon aus, dass ein direkt Betrof­fener weiß, was in Spanien gerade passiert.

Achso, die Lösung? Last Exit Schwei­ne­stall. Bis dahin kann man noch einiges versu­chen. Ein von mir bera­tener Immo­bi­li­en­profi, eben­falls seit 20 Jahren in Spanien, fand eine Top-Stelle auf dem verdeckten Arbeits­markt. Noch bin ich zwar nicht offi­ziell wieder am „Arbeits­platz“, aber diesen Rat konnte ich mir doch nicht verkneifen: Nicht auf ausge­schrie­bene Stellen warten, aktiv bei deut­schen Firmen bewerben, die eine spani­sche Depen­dance haben. Sich breit anbieten und flexibel sein. Zur Not als kommu­ni­ka­tiver Mensch also auch Vertrieb. Und frei­be­ruf­liche Projekte machen, das geht in Spanien noch leichter als bei uns.

Wer so eine Firma vertritt und einen Betriebs­wirt mit 10 Jahren kauf­män­ni­scher und Control­lin­g­er­fah­rung, perfektem Spanisch und Kennt­nissen auch der arabi­schen Märkte sucht: gern private Mail an mich.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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