Kate­go­rien

Lebens­muster in der Karriere: Wann sie stören — und wie sie nutzen

Published On: 2. Juli 2015Cate­go­ries: Karriere

Warum passiert Ihnen immer wieder dasselbe? Wieso finden Sie sich stets in ähnli­chen Situa­tionen und Konstel­la­tionen wieder? Wahr­schein­lich gibt es ein Muster, das Ihr Arbeits­leben schon länger prägt. Ich nenne es Lebens­muster, weil es meist sehr früh entstanden ist. Ein Beispiel: Die Eltern von Maria haben ihre Tochter nur aner­kannt, wenn sie gute Noten nach Hause gebracht hat. Daraus hat sie gelernt: Ich bin nur etwas wert, wenn ich eine gute Note bekomme. Im Beruf äußerst sich das durch starken Ehrgeiz, aber geringen Selbst­wert. Nie ist etwas gut genug. So wundert es nicht, dass Maria irgend­wann zusam­men­bricht.

Die Wirk­rich­tung elter­li­cher Erzie­hung oder der Prägung durch das Umfeld ist dabei unbe­re­chenbar. Perfek­tio­nis­ti­sche Eltern können entspannte Kinder erziehen. Und chao­ti­sche Perfek­tio­nisten. Man weiß auch nie genau, was von außen prägt und was schon in uns liegt. Was war zuerst da: entwi­ckelt sich das Muster auf Basis des ange­bo­renen Teils der Persön­lich­keit? Oder die Persön­lich­keit aufgrund des Musters? Wer Henne und was Ei ist, ist am Ende gar nicht wichtig. Inter­es­santer die Frage, wann Muster schäd­lich sind für die Karriere und wann hilf­reich….

Beispiele für schäd­liche Muster sind:

  • Die Assis­tentin sucht im Chef den Vater und begibt sich dadurch wieder und wieder auf eine vergeb­liche Suche nach Aner­ken­nung — und damit auch in eine emotio­nale Abhän­gig­keit.
  • Der Vertriebler schei­tert wieder­holt in Verhand­lungen mit „Doktoren“, weil er von zuhause gelernt hat, dass man vor Weiß­kit­teln Respekt haben muss. Dadurch gelingen wich­tige Geschäfte nicht.
  • Die Unter­neh­merin vermischt immer wieder Bezie­hung und Geschäfts­ebene, so dass sie sich selbst ständig enttäuscht sieht. Sie bekommt ihre PS so nicht auf die Straße.

Beispiele für Muster, die hilf­reich sein können:

  • Immer wenn Sie in einem netten Team arbeiten, sind Sie kreativ.
  • Immer wenn Sie einen Partner haben, der die Stra­tegie vorgibt und Sie im Back­ground arbeiten können, sind Sie leis­tungs­fähig und haben Spaß.
  • Immer wenn Sie gestalten und aufbauen können, geben Sie Gas und fühlen sich gut.

Stellen Sie sich eine Batterie vor. Welche Muster füllen diese auf? Diese sind positiv. Wenn Muster jedoch an ihnen nagen, sie belasten,  sind sie negativ. Dann lösen Sie sie auf wie die Maschen eines Strick­pullis — Schritt für Schritt.

Ein paar Tipps rund um Lebens­muster:

1. Erkennen Sie Struk­turen und Ähnlich­keiten in Ihrer Biografie.

Muster zu erkennen gibt es uns Sinn. Wir müssen und können nicht objektiv ermit­teln, ob es die Wahr­heit, die wir meinen zu erkennen, wirk­lich gibt. Aber Muster­suche in der Vergan­gen­heit kann span­nend sein, auch wenn wir im Nach­hinein viel­leicht einiges anders konstru­ieren als es wirk­lich war…. Eine Methode, Mustern auf die Spur zu kommen, ist mein Berg-Tal-Lebens­­lauf, den ich in den 100 Coaching-Tools vorge­stellt habe.

2. Lösen Sie belas­tende Muster auf.

Es gibt hilf­reiche Muster und solche, die belasten oder gar eine Entwick­lungs­bremse sind. Wenn die Sekre­tärin von ihrem Chef Aner­ken­nung erwartet, aber eigent­lich Vater­liebe meint, ist das für Chefs eine gute Sache – solche Frauen lassen sich prima als Viel­ar­beiter ausbeuten. Den Hand­lungs­ra­dius der Sekre­tärin aber schränkt es ein, solche Art von Muster machen unfrei. Oft sind diese Muster so tief, dass nur eine Therapie hilft.

3. Deuten Sie Muster neu.

Manchmal genügen aber auch einfache Maßnahmen. Wenn ein Manager immer aufbraust, wenn ein Mitar­beiter zu langsam ist, kann er das Muster auflösen, indem er es neu defi­niert, z.B. „immer wenn ich mich über einen zu lang­samen Mitar­beiter aufrege, gehe ich einmal um den Block und spreche dann in Ruhe mit ihm.“

4. Bauen Sie an, wenn Sie Mustern entwachsen sind.

Viel­leicht waren Sie Jahre erfolg­reich als Nummer Zwei in einem Unter­nehmen und sind es gewohnt, eben nicht in vorderster Front zu stehen. Für diese Jahre war dieses Muster gut. Aber wird es auch in Zukunft so bleiben? Viel­leicht nicht. Viel­leicht wollen und sollen Sie eine neue Rolle annehmen und damit auch ein neues Muster entwi­ckeln… Beispiels­weise die Nummer eins werden, mit den damit verbun­denen Heraus­for­de­rungen des Rampen­lichts!

5. Lassen Sie sich nicht Gefan­gen­nehmen vom Muster.

Ich bin nun mal…. Es war bisher immer so…. Das kann schön und gut sein, aber viel­leicht ist es für die Zukunft nicht hilf­reich, sich an alten Mustern zu orien­tieren, auch wenn diese wie Rettungs­anker wirken. Ja, viel­leicht waren Sie in der Vergan­gen­heit beson­ders gut, wenn Sie im Team gear­beitet haben. Heißt das, dass der Job im Home Office nichts für Sie ist? Das wäre zu kurz gedacht. Viel­leicht geht es nicht so sehr um das Team als viel­mehr um den Kontakt…. Und den können Sie sich auch anders holen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Valen­tina Levant 3. Juli 2015 at 17:33 — Reply

    Vielen Dank für diese tolle Erin­ne­rung an die eigenen brem­senden Glau­bens­muster!

    Wie bequem und prak­tisch verstecke ich mich manchmal selbst hinter “Ich bin nun mal…”.

    Man erlaubt sich je regel­recht nicht mehr, als das was man hat. So schade für das verlo­rene Poten­tial und Möglich­keiten!

    Also an die Muster, damit das Leben richtig rockt! 😉

    Valen­tina Levant

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