Kate­go­rien

Liebe Frau Karrie­re­be­ra­terin, was können Sie für mich tun?

Published On: 24. August 2014Cate­go­ries: Aktuell

Oft stelle ich fest, dass Bera­tungs­in­ter­es­senten ihre Symptome benennen und mit Fragen formu­lieren können – aber nicht so genau wissen, welche Bera­tung dazu passt und was diese beinhalten sollte. Für Sie habe ich diesen Beitrag geschrieben – mit den wich­tigsten Fragen und Bezeich­nungen in alpha­be­ti­scher Reihen­folge.

Beruf­liche Neuori­en­tie­rung: „Ich will alles neu“

Was kann ich tun? Wo kann meine Reise hingehen? Sie treibt eine Unzu­frie­den­heit und das Wissen, „dass es das noch nicht ist“, aber was genau? Dies heraus­zu­finden, braucht oft einen längeren Prozess, vor allem, wenn alles auf dem Prüf­stand steht – auch die bishe­rige Berufs­er­fah­rung. Soll diese dagegen sinn­voll eingehen in einen neuen Job, geht es eher um Karrie­re­pla­nung.

Das Thema Beruf­liche Neuori­en­tie­rung ist nicht selten verquickt mit psycho­lo­gi­schen Frage­stel­lungen, denn die Gründe für Unzu­frie­den­heit sind nicht selten tief­lie­gend, komplex und liegen selten ausschließ­lich im Beruf. Manchmal kommen Coachs hier an Grenzen – etwa, wenn sie mit psychisch insta­bilen Menschen zu tun haben, für die erst einmal eine Stabi­li­sie­rung wichtig wäre. Solche Menschen suchen oft verschie­dene Coachs auf, aber „keiner konnte mir helfen“ oder „niemand hatte eine Idee für den idealen Job“. Psycho­lo­gisch nennt man das hier gezeigte Verhalten „lage­ori­en­tiert“. Und hier ist ein Thera­peut zunächst der passen­dere Ansprech­partner.

Berufs­be­ra­tung: „Was soll ich werden?“

Diese Frage wird in der Regel von Jüngeren, speziell Ober­stu­fen­schü­lern und Abitu­ri­enten gestellt, kann aber auch später noch mal neu aufkommen, wenn es darum geht, über einen Studi­en­ab­bruch zu entscheiden oder „doch noch“ eine Ausbil­dung zu machen oder ein Studium zu wählen. Je jünger ein Mensch ist, desto weniger lässt sich auf Erfah­rungen zurück­greifen, desto weniger kann „Können“ benannt und in Worte gefasst werden, was Tests in dieser Alters­stufe – als Teil eines Orien­tie­rungs­pa­ketes wie unseres PersAss­ments – sinn­voll macht. Einige Anbieter setzen ausschließ­lich auf Tests, einige nur auf Work­shop­form. Aus unserer Sicht ist ein gemischtes Angebot in vielen Fällen am besten.

Bewer­bungs­stra­tegie: „Wie gehe ich bloß vor?“

Nicht für jeden eignet sich die gleiche Heran­ge­hens­weise beim Suchen eines neuen Jobs. So sind ab einer bestimmten Ebene Stellen nicht mehr ausge­schrieben. Für einige Jobs wiederum machen Initia­tiv­be­wer­bungen Sinn, für andere nicht. Bei der Bewer­bungs­stra­tegie liegt die Hilfe­stel­lung des Bera­ters darin, die rich­tige Kombi­na­tion aus Maßnahmen und Ansprech­part­nern zu finden. Diese Kombi­na­tion kann sehr unter­schied­lich aussehen: Mal eher inter­na­tio­nale Agen­turen, mal regio­nale, mal kann es sein, dass es mehr Sinn macht, Direkt­be­wer­bungen zu schi­cken. Wie nutze ich Kontakte?, ist eine weitere Frage in diesem Kontext. Eine Prozess­be­glei­tung ist hilf­reich, um Vorge­hens­weise zu über­prüfen, zu opti­mieren und neue Ansätze zu finden. Möglich etwa über ein Outpla­ce­ment.

Bewer­bungs­op­ti­mie­rung: „Wie bin ich mit meiner Bewer­bung erfolg­reich? (oder warum war ich es bisher nicht?)“

Oft wird unter­schätzt, wie viel Poten­zial in einer Bewer­bung steckt. Die kurzen Checks auf Messen sind schon aufgrund der Dauer nicht geeignet, mehr als grobe Fehler auszu­merzen. Um eine Experten- oder Führungs­kräf­te­be­wer­bung wirk­lich gut und ziel­grup­pen­ge­recht zu machen, brau­chen wir nicht selten einen ganzen Tag. Oft sind Leis­tungen und Erfolge nach Jahren im Job nicht mehr präsent. Sind sie hervor­ge­holt, müssen sie even­tuell auf neue Bran­chen zuge­schnitten werden, was auch „Über­set­zungs­ge­schick“ seitens des Bera­ters sowie Ausdrucks­fä­hig­keit fordert. Je tief­ge­hender die Opti­mie­rung ins Inhalt­liche geht, desto mehr sind Bran­chen­kennt­nisse nötig, etwa wie bei uns in IT, Technik, Projekt­ma­nage­ment, HR und den digi­talen Medien. In diesen Bereich fällt auch die so genannten Profil­op­ti­mie­rung im IT-Bereich, die wir bald wieder in Zusam­men­ar­beit mit dem DBITS e.V. anbieten (an dieser Stelle ein Gruß an Michael Grüne und Co.).

Kompe­tenz­ent­wick­lung: „Wie komme ich weiter?“

Eine Kompe­tenz­ent­wick­lung lässt sich ideal an eine Poten­zi­al­ana­lyse anknüpfen. Zwischen Ist- und Soll­de­fi­ni­tion steht ein Trai­nings­plan als Maßnah­men­ka­talog. Dabei wird defi­niert, woran genau gear­beitet werden soll. Beispiel: Um das Poten­zial als Einkäufer zu entfalten, ist die Kompe­tenz Verhand­lungs­ge­schick auszu­bauen. Dazu gehören im indi­vi­du­ellen Fall Einfüh­rungs­ver­mögen und Argu­men­ta­ti­ons­ge­schick, die idea­ler­weise auch vermessen werden („wo stehe ich auf einer Skala von 1 bis 10?) Nun kann man entscheiden, was das Ziel sein soll, woran man merkt, dass es erreicht ist und welche Semi­nare, Rollen­spiele und Übungen on the job bei der Entwick­lung helfen.

Karrie­re­pla­nung: „Ich will wissen, wo ich hin will und wie ich dahin komme“

Die meisten Menschen haben unge­fähre Vorstel­lungen von Ihrem nächsten Schritt. Viele wissen auch nur, was sie NICHT wollen. Karrie­re­pla­nung beginnt mit dem „Ist“, also dem Standort und führt dann zum Plan, also dem Ziel. Dann werden Maßnahmen defi­niert. Der Berater kann hier durch gezielte Fragen zur Klärung beitragen. Er wird aber kein neues Ziel entwerfen können und wollen, maximal Ideen und die eigene Perspek­tive einbringen. Ist das Ziel noch ganz und gar verschwommen, geht es weniger um Karrie­re­pla­nung denn um beruf­liche Neuori­en­tie­rung.

Bei der Defi­ni­tion der Maßnahmen sollte ein Berater inso­fern auf die Sprünge helfen können, als er/sie weiß, wie lange so ein Verän­de­rungs­pro­zess dauert, wie viele und welche Bewer­bungen in etwa notwendig sind, was adäquate Maßnahmen auf dem Arbeits­markt sind und welche „Skills“ even­tuell noch fehlen.

Ein älterer Begriff für Karrie­re­pla­nung ist Lauf­bahn­be­ra­tung. Diese impli­zierte ursprüng­lich die Bera­tung mit dem Wissen über vorge­fer­tigte Lauf­bahnen, etwa im Öffent­li­chen Dienst. Diese Lauf­bahnen gibt es kaum noch. Dennoch erfor­dert Bera­tung im Kontext der Karrie­re­pla­nung Wissen über Möglich­keiten und Begren­zungen, zum Beispiel muss ein Berater erkennen, bei welchem Berufs­wunsch eine Promo­tion unbe­dingt erfor­der­lich ist. Ein analoger Begriff zu Karrie­re­pla­nung ist Karrie­restra­tegie.

Job- oder Busi­ness Coaching: „Ich will mit Ihnen Job-Situa­­tionen bespre­chen und Lösungen finden“

Hier handelt es sich um Busi­ness Coaching. Diesen Bereich können auch syste­mi­sche Coachs abde­cken, denn es geht weniger um konkretes Karriere-Know-how als viel­mehr um die Frage, sich im Job erfolg­reich zu bewähren, etwa als Führungs­kraft oder auf dem Weg dorthin. Die Bera­tung in diesem Bereich ist prozess­ori­en­tiert, das heißt es finden mehrere Termine statt, wobei wie überall eine Auftrags- und Ziel­klä­rung am Anfang steht.

Perso­nal­ver­mitt­lung: „Ich will jemand, der mir einen Job vermit­telt“

Meis­tens wird Ihr Anliegen enttäuscht werden. Dazu habe ich mich hier schon mal ausführ­li­cher ausge­lassen. Perso­nal­ver­mittler verdienen ihr Geld mit wenigen Ausnahmen durch Provi­sion, die ein Unter­nehmen zahlt. Es kann sich um „Tipp­geld“ handeln (im IT-Bereich und bei Inge­nieuren) oder aber um einen exklu­siven Vermitt­lungs­auf­trag, bei dem sich das Honorar am Gehalt bemisst. Einige Perso­nal­ver­mittler bieten auch Karrie­re­be­ra­tung, jedoch in den meisten Fällen beziehen sie dies auf eine  Einschät­zung des Lebens­laufs und Tipps zur Bewer­bung.

Poten­zi­al­ana­lyse: „Was kann ich wirk­lich?“

Poten­ziale sind Möglich­keiten, also Stärken, die noch stärker werden oder Kompe­tenzen, die noch entwi­ckelt werden können. Wird aus mir ein genialer Wissen­schaftler? Mit dem kombi­nierten Blick auf kogni­tive Fähig­keiten (IQ) und Persön­lich­keit lassen sich Prognosen erstellen. Poten­ziale lassen sich in einer kombi­nierten Form mit Hilfe von Tests und Frage­tech­niken am besten ermit­teln, denn letzt­end­lich geht es um Können UND Wollen. Die Frage „was kann ich wirk­lich?“ stellen sich viele, die daran mögli­cher­weise auch Entschei­dungen für den nächsten Schritt und die Karrie­re­pla­nung knüpfen.  Zusätz­lich zu den Tests gibt es geeig­nete Heran­ge­hens­weisen und Methoden: So lassen sich mit der Frage­technik „critical inci­dents“ und „STAR“ auch Poten­ziale aufspüren bzw. die Ergeb­nisse eines Tests absi­chern.

Weiter­bil­dungs­be­ra­tung: „Was macht Sinn – Zerti­fi­zie­rung oder Studium?“

Die Weiter­bil­dungs­be­ra­tung kann in Zusam­men­hang mit einer Kompe­tenz­ent­wick­lung stehen. Grund­frage ist: Welche fach­li­chen, metho­di­schen und persön­li­chen Skills braucht jemand, um seine Ziele zu errei­chen? Dabei können Sie z.B. verschie­dene Alter­na­tiven vor dem Hinter­grund der indi­vi­du­ellen Ziele abwägen. Königs­wege gibt es außer bei einigen unstrit­tigen Zerti­fi­zie­rungen, vor allem im IT-Bereich, jedoch meist  nicht.

Vorstel­­lungs­­­ge­spräch- und AC-Vorbe­­rei­­tung: “Ich will für üben!”

Die meisten Karrie­re­be­rater haben das im Angebot — zum Beispiel als Video­trai­ning im Rahmen unseres Bewer­­bungs-Fit. Die Vorbe­rei­tung kann sich auf unter­schied­liche Aspekte beziehen, je nach Anliegen und Situa­tion. Gespräche sollten mit Critical Inci­dents und STAR (siehe oben) sowie syste­mi­schen Fragen geübt werden, da sich hier­durch die größte Tiefe errei­chen lässt. Auch Outfit und Haltung sowie Körper­sprache sollten Thema sein. Beim AC-Trai­­ning ist eine Mischung aus Inter­view­trai­ning, Rollen­spielen, Präsen­ta­tion und Case Studies sinn­voll. Hier lässt sich oft schon in einem Termin viel errei­chen.

Profes­sio­nelle Karrie­re­be­rater und Karriere Coachs mit unter­schied­li­chen Schwer­punkten und Ange­boten finden Sie auch in unserem einzig­ar­tigen Netz­werk Karriereexperten.com. Berater mit dem Zusatz “Karrie­re­ex­perte Profes­sional” haben bei uns in der Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie eine Quali­fi­zie­rung durch­laufen und mussten zusätz­lich ein Bera­tungs­kon­zept erstellen. Gern spre­chen wir  persön­liche Empfeh­lungen aus.  

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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