Kate­go­rien

Lieber ein Fach­ge­biet als zu viel Bauch: Jobs für Intro­ver­tierte

Published On: 1. März 2014Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

„Intro­ver­tiert und Chef – das geht“, titelte kürz­lich Spiegel Online. Woan­ders las ich einen Bericht, in dem unter anderem eine Perso­nal­ver­ant­wort­liche von Otto zitiert wurde. Dieser wiederum hörte sich an wie „wenn es sein muss, auch Intro­ver­tierte, aber.…“ Also nicht unein­ge­schränkt nach „hurra“. So erlebe ich das auch. Eindeutig haben es Intros bei der klas­si­schen Perso­nal­aus­wahl sehr viel schwerer, erst recht, wenn sie keinen MINT-Hinter­­grund haben, also nicht ausrei­chend begehrt am Arbeits­markt sind.

schuechternGibt es Jobs für Extro­ver­tierte und Intro­ver­tierte? Kann man da wirk­lich unter­scheiden? Das werde ich immer wieder gefragt. Ich denke mehr und mehr: nein. Im Grunde kann jeder jeden Job ausüben. Es ist viel­mehr eine Frage von Moti­va­tionen und der Stärke der Ausprä­gung bestimmter Merk­male. Entschei­dend ist weiterhin, welche Merk­male sich verbinden  — und welche für einen Beruf oder ein Umfeld erfolgs­re­le­vant sind. Das wird bei der Diskus­sion leider immer vergessen und man beschränkt sich medial auf die Grob­ein­tei­lung in die einen (Intros) und die anderen (Extros).

Wenn es so einfach wäre. Ich versuche mal einen Mittelweg zwischen nicht ganz so simpel und nicht zu komplex.

Dabei unter­scheide ich — unwis­sen­schaft­lich — drei Intro-Typen, die sich in Ihrem Selbst- und Fremd­bild erheb­lich unter­scheiden:

  1. Der Energie-Intro­­ver­­­tierte: Diese Leute wirken nach außen extro­ver­tiert und viel­leicht sogar dyna­misch und domi­nant. Das Intro­ver­tierte an ihnen ist ihr Ruhe­be­dürfnis. Sie sind viel lieber allein als in Gruppen und wenn sie Grup­pen­er­leb­nisse haben, dann brau­chen sie danach Erho­lung — allein.
  2. Der leise Intro­ver­tierte: Diese Menschen sind – mögli­cher­weise zusätz­lich — auch still und zurück­hal­tend. Sie wollen nicht domi­nieren, leiten, lenken.
  3. Der schüch­terne Intro­ver­tierte: Er könnte sich in einem Test auch als Extro heraus­stellen, denn er/sie ist ruhig, weil er sich nicht traut. Solche Schüch­tern­heit ist etwas, das sich „auswächst“. Ab 30 wird sie weniger, mit 50 ist sie meist ganz verschwunden.

Natür­lich könnten auch zwei oder alle drei Seiten zusam­men­kommen. Ich bin “nur” eine Energie-Intro­­ver­­­tierte. Im Big Five sieht man das als Zick­zack: Extro-Merk­­male und Intro-Eigen­­schaften ergeben ein Mittel­ding insge­samt. Das Mittel­ding nennt sich ambi­ver­tiert. Diese Intro-Seite ist der Grund, aus dem man mich noch nie auf Veran­stal­tungen wie Peter­burger Trai­ner­tagen und anderen Massen­zu­sam­men­künften gesehen hat. Ich gehe raus, wenn ich was lernen kann, sonst fehlt mir die Moti­va­tion (viel­leicht läuft mein Geschäft auch zu gut und ich “muss” nicht). Wenn man mir eine echte Freude machen will, schenkt man mir viel Ruhe. Wenn man mich ärgern will, veran­staltet man Über­ra­schungs­par­ties.

Welche Jobs passen nun zu welchem Typ?

Oft wird gesagt, dass Intro­ver­tierte keine guten Vertriebler sind. Doch das stimmt nicht. Wich­tiger als Intro-und Extra­ver­sion ist für Vertriebs­er­folg Gewis­sen­haf­tig­keit. Das besagen Studien mit dem Big Five eindeutig. Es kommt natür­lich auch auf die Art der Vertriebs­tä­tig­keit an. Für einen Energie-Intro­­ver­­­tierten wäre ein Job wie oft im Key Account Manage­ment, bei dem man ständig unter­wegs und mittags und abends mit Kunden essen gehen muss, ausge­spro­chen anstren­gend. Je mehr ein Intro­ver­tierter auf der „leisen“ und/oder „schüch­ternen“ Seite ist, desto weniger wird er aber ohnehin in diese Gebiete streben.

Viele Intro­ver­tierte dürsten nach Tiefen­wissen und danach, sich in etwas sehr gut auszu­kennen. Das legt für sie ein Fach­stu­dium nahe und eine Fach­lauf­bahn. Oft lernen Intro­ver­tierte gern, wobei sich das in Abschlüssen zeigen kann, aber nicht muss. Es gibt bei den Intro­ver­tierten wie auch bei den Extros prak­ti­sche und theo­re­ti­sche Lerner und Denker – und natür­lich vieles dazwi­schen.

Poli­ti­sche Spiel­chen liegen gerade den leisen und schüch­ternen Intros wenig, was auch wiederum eher für eine Rolle spricht, bei der das Fach­liche im Vorder­grund steht. Vermut­lich finden sich in einer Forschung & Entwick­lung, in die im akade­mi­schen Bereich norma­ler­weise nur eine Promo­tion führt, deut­lich mehr Intro­ver­tierte als etwa in Marketing/Vertrieb. Hier kann man erfolg­reich sein, oft auch ohne sehr tiefe Fach­kenntnis zu haben.

Andrer­seits holen gerade die leisen und schüch­ternen Intro­ver­tierten in späteren Jahren in der Menschen­kenntnis auf. Viele sind gute Analy­tiker, beschäf­tigen sich mehr mit sich und anderen als viele Extro­ver­tierte, was für eine gewisse Lebens­weis­heit sorgt – die wiederum in Führungs­po­si­tionen sehr gut ankommen kann, vor allem bei Team­lei­tungen oder in der Stra­tegie. Wobei Team­leiter und Stra­tegen zwei voll­kommen unter­schied­liche Persön­lich­keiten verkör­pern: Der eine ist (im perso­na­le­ri­schen Ideal­bild) mehr am Menschen orien­tiert, der andere am Markt und der Sache. Für gute Stra­tegen ist die Krux, dass man in größeren Unter­nehmen außer über eine vorhe­rige Karriere bei Unter­neh­mens­be­ra­tungen selten direkt in verant­wor­tungs­volle stra­te­gi­sche Posten kommt und sich norma­ler­weise über Extro-Posi­­tionen hoch­ar­beiten muss (Abtei­lungs­leiter, Bereichs­leiter etc.). Auch deshalb ist die moderne Netz­werk­or­ga­ni­sa­tion ohne Hier­ar­chien ideal für sie.

Bei intro­ver­tierten Kunden stelle ich immer wieder fest, dass sie nicht die großen Sprünge wünschen, sondern langsam in Verant­wor­tungs­be­reiche hinein­wachsen wollen. Da geben ihnen Firmen nicht immer die Möglich­keit. Sie erwarten zu schnell zu viel. Und die Bench­marks setzen leider doch wieder die Extro­ver­tierten. Das Bemer­kens­werte an intro­ver­tierten Spät­zün­dern ist, dass es ihnen nicht darum geht, sich und anderen was zu beweisen. Ihnen geht es um die Sache.  Eigent­lich ideal für Unter­nehmen. Die Intro­ver­tierten haben entdeckt, dass sie einen besseren Zugang gerade zu anderen intro­ver­tierten Menschen finden, aber sie werden eher selten das Bedürfnis entwi­ckeln, diese zu steuern und lenken. Das aber erwarten die extro­ver­tierten Bench­­mark-Setzer. Leider verbauen Firmen ihren Fach­kräften  einen lang­samen Weg in Führung, in dem sie eher unfle­xible drei­glied­rige Systeme instal­lieren, bei denen man von F8 (achte Posi­tion im Bereich Fach­kar­riere) nicht so einfach in M3 (dritte Posi­tion in Führung) wech­seln kann, schon aufgrund der Gehalts­struktur nicht.

In Unter­neh­mens­be­ra­tungen sind meist gleich viele Intros und Extros. Mein Eindruck ist, dass typi­sche Berater weder beson­ders intro- noch beson­ders extro­ver­tiert sind. In einem Forum habe ich gelesen, dass der umstrit­tene MBTI bei einer Unter­neh­mens­be­ra­tung etwa pari zwischen E und I ausge­gangen ist. Mir ist auch noch kein extrem extra­ver­tierter Stra­te­gie­be­rater begegnet. Bei den IT- und Fach­be­ra­tern kann es dagegen wieder gemischter aussehen.

Marke­ting und PR wird klar domi­niert von extro­ver­tierten Typen, die sich leichter für Kunden­kon­takt und Nach­te­le­fo­nieren begeis­tern können und Energie gewinnen, indem sie mit möglichst viel Menschen zu tun haben. Eine Ausnahme mag stra­te­gi­sches Marke­ting sein. Perso­naler können beides sein: Würde man den Big Five anwenden, wäre meine Vermu­tung, dass die Perso­nal­mar­keter mehr Extra­ver­sion mitbringen als der durch­schnitt­liche Perso­nal­re­fe­rent, vor allem aber dürften sie sich durch eine höhere Offen­heit für Neues abgrenzen. Vermutet, nicht belegt.

Jour­na­listen  können so und so sein.  Mein Eindruck ist, dass der Lokal­jour­na­lismus eher kontakt­freu­dige Menschen anzieht, während das erns­t­haft-wissen­­schaf­t­­liche Metier klar eher für Intros inter­es­sant ist. Wobei es Gegen­bei­spiele gibt: Ranga Yoges­whar ist maximal ein Energie-Intro­­ver­­­tierte; er wirkt sehr extro­ver­tiert (muss aber wie gesagt nichts heißen).

Gerade habe ich ein paar externe Buch­halter hier, die mir den Laden aufräumen. Und ja, Buch­hal­tung wird von Intros domi­niert, ebenso wie der Bereich Finance gene­rell eher weniger Extra­ver­tierte anzieht. Im Control­ling sieht es wieder gemischter aus, während es unter Steu­er­be­ra­tern solche und solche gibt.

Die Juris­terei hat auch viele intro­ver­tierte Seiten — außer im Straf­recht domi­niert eine mode­rate Ambi­ver­tiert­heit oder leichte Intro­ver­sion. Charak­te­ris­ti­scher als Intro-/Extra­­ver­­­sion scheint mir für Juristen eine hohe Wett­be­werbs­ori­en­tie­rung (nied­rige Verträg­lich­keit).

Auch unter Ärzten gibt es solche und solche: Die Zeit im Kran­ken­haus dürfte aller­dings für stark Intro­ver­tierte schwer auszu­halten sein, weil die Kontakt­dichte hoch ist. Viel­leicht gehen Intro­ver­tierte dann eher in die Forschung.

Trainer sind natür­li­cher­weise extro­ver­tiert, Coachs tenden­ziell eher intro­ver­tiert– so wie auch Thera­peuten und Heil­prak­tiker.

Dennoch: In allen Berufen finden sich beide Typen und noch viel mehr Ambi­ver­tierte, also Mitt­lere. Für die beruf­liche Entschei­dung ist deshalb vor allem rele­vant, wie stark die Ausprä­gung ist und wie sie sich auswirkt sowie welches Merkmal wirk­lich erfolgs­ent­schei­dend sein könnte. Und welches eher minder­wichtig ist.

Was ist jungen Intro­ver­tierten zu raten? Was sollten sie lernen?

Hand­werks­be­rufe wie Gold­schmied, Geigen- und Klavier­bauer spre­chen Intros eher an. Auch Optiker oder Akus­tiker brau­chen zwar Kunden­ori­en­tiert­heit, dürfen aber gern dabei ruhig und zurück­hal­tend sein. Im kauf­män­ni­schen Umfeld muss man sich einfach nur die Umge­bung vorstellen und die Arbeits­weise sowie die Prozesse, um Intro- von Extro­be­rei­chen zu unter­scheiden: In einem Nota­riat findet man eher Ruhe als in einem Call Center. Andrer­seits ist das Nota­riat nichts für Leute mit hoher Offen­heit für Neues – man muss also immer mehr als ein Merkmal bedenken.

Tech­niker und Service­tech­niker suchen gewöhn­lich mehr Ruhe als Menschen in der System­gas­tro­nomie. Sie können auch ruhig eine nied­rige Verträg­lich­keit haben, sich also eine gewisse Eigen­wil­lig­keit auszeichnen. So wie Inge­nieure: Diese sind eben­falls öfter intro­ver­tiert, viel­leicht ein Grund aus denen sie Vertriebs­jobs gerne meiden. Auch Desi­gner, aller Diszi­plinen, sind häufiger auf der Intro­seite – was es ihnen so schwer macht, als Selbst­stän­dige erfolg­reich zu sein, denn da ist das E für Extro­ver­tiert defi­nitiv erfolgs­re­le­vant (ebenso z.B. für selbst­stän­dige Foto­grafen,  vor allem in der Werbung). Beziehen Sie auch die räum­liche Situa­tion in Ihre Gedanken ein. Groß­raum und laut ist für alle Intro-Typen unan­ge­nehm. Ich kenne Leute, die nur mit Ohren­schutz arbeiten.

Wenn Sie unter 30 sind: bedenken Sie, dass sich z.B. Schüch­tern­heit legen kann. Am besten gelingt das in einer Umge­bung, in der sie möglichst viele Stärken anwenden und möglichst wenig gegen sich selbst arbeiten müssen. Heraus­for­de­rungen müssen sein, aber dosiert. Eine selbst gewählte Heraus­for­de­rung ist besser als 10, die von außen an sie gestellt werden.

extrovertiertWenn Sie sich für Bereiche inter­es­sieren, fragen Sie sich immer, ob Sie mit Ihrer Persön­lich­keit da herein­passen. Wenn Sie sich z.B. für Design oder Jour­na­lismus begeis­tern, kommen Sie, Stand jetzt, um Zeiten frei­be­ruf­li­cher Arbeit vermut­lich nicht herum. Sich am frei­be­ruf­li­chen Markt durch­zu­setzen, gelingt Extra­ver­tierten besser, wenn sie zusätz­lich selbst­be­wusst und durch­set­zungs­ori­en­tiert sind. Sind Sie das nicht, gäbe es z.B. den Weg über ein am besten natur­wis­sen­schaft­li­ches Fach­stu­dium oder scharfe Nischen­po­si­tio­nie­rung. Mit so einer Basis in der Hinter­hand kann man mehr mit dem Kopf als mit dem Bauch argu­men­tieren, was einigen Extra­ver­tierten, aber fast allen Intros leichter fällt.

Zu diesem Artikel passt unser Selbst­lern­kurs „Stärken-Navi­­gator“.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

11 Kommen­tare

  1. Sabine Dinkel 2. März 2014 at 11:07 — Reply

    Liebe Svenja,

    danke für den span­nenden Artikel.

    Ich habe vor 1,5 Jahren eine tolle Frau begleitet, die sehr leise und doch sehr willens war, in ihrem Konzern Führungs­kraft zu werden. Der Chef sah die Mitar­bei­terin erst dann geeignet für eine Führungs­auf­gabe, wenn sie lernt, lauter (sprich: mehr extro) zu sein. Dafür sollte sie ins Coaching gehen. Doch im Coaching merkte sie, dass sie gar nicht laut sein will. Und dass sie davon über­zeugt war, auch als leiserer Mensch eine gute Chefin sein zu können. Also suchten wir gemeinsam nach einem Weg, wie sie in dem Unter­nehmen auch als leiser Mensch Karriere machen kann.

    Sie bewarb sich intern auf eine andere Führungs­po­si­tion — und bekam tatsäch­lich den Job. In dem ist sie schon seit einem Jahr sehr erfolg­reich — und sehr zufrieden. Und immer noch leise — und ganz und gar nicht schüch­tern, sondern durch­set­zungs­stark und gewis­sen­haft.

    Vermut­lich bin auch ich eine “Energie-Intro­­ver­­­tierte”. Neulich sagte mir ein Kollege “Wie, du magst nicht gerne Small­talk?! Ich dachte, du seist die Königin des Small­talks?”
    “Ich? Auf keinen Fall! Small­talk strengt mich unheim­lich an.”

    Gunter Dueck beschrieb in einem Podcast die Konfi­gu­ra­tion der Intros (nach zu viel Menschen­kon­takt) mal so herr­lich mit “C:TEMP — der Spei­cher ist voll und muss zuhause erstmal in Ruhe geleert werden”. Während die Extros über eine “Chat-Spei­­cher-Konfi­­gua­ra­­tion” verfügen 😉

    Herz­liche Grüße
    Sabine

    • Rike Sonntag 4. März 2014 at 22:36 — Reply

      Recht hast du! Man muß nicht laut
      ein, oder leut­seelig, um sich durch­zu­setzen. Manchmal/oft reicht konse­quenz und ein Blick. Ich mag eigent­lich auch nicht gerne unter Menschen sein(zuviel zulaut zuschnell) aber mein Beruf als Barfrau(den ich sehr liebe und sehr gerne mache) erfor­dert das nun mal. Im Privaten schätze ich Ruhe und Zurück­ge­zo­gen­heit umso mehr. Da kann ich wie die Autorin wochen­lang ohne soziale Kontakte auskommen ohne es zu merken oder zu vermissen, habe auch kein schlechtes Gewissen dabei.Es ist meine Waag­schale für die beruf­liche Erfül­lung. Diese beiden Bedürf­misse in Einklang zu bekommen erfir­dert noch einiges an Übung, aber dank Sabine Dinkels Hilfe komme ich meinem ziel merk­lich und spürbar näher.

  2. Toll geschrieben und hervor­ra­gend diffe­ren­ziert, Frau Hofert! Auch ihre Drei­tei­lung passt auf meine Beob­ach­tungen. Wie sie zurecht schreiben, ist auch bei I/E die Kombi­na­tion mit anderen Persön­lich­keits­merk­malen entschei­dend. Es regt mich immer wieder auf, wenn Intro­ver­tierte als gene­rell risi­ko­scheu beschrieben werden. Dann könnten sie tatsäch­lich keine Chefs sein. Zum Chef­sein mag es auch helfen, weniger rigide (gewis­sen­haft) und weniger verträg­lich zu sein. Alles Eigen­schaften, die sich mit Intro­ver­sion genauso kombi­niert finden, wie mit Extra­ver­sion. Extra­ver­sion hat vor diesem Hinter­grund wirk­lich eher wenig mit Chef­qua­li­täten zu tun.

    “Wenn man mich ärgern will, veran­staltet man Über­ra­schungs­par­ties.” 🙂 Oder zwingt mich zum Karneval.

  3. Anja Heide­cker 3. März 2014 at 9:28 — Reply

    Liebe Svenja Hofert,

    vielen Dank für diesen anschau­li­chen Einblick. Ich glaube, mich bei den Energie-Intro­­ver­­­tierten wieder zu finden. Und es scheint demnach auch eine schöne und plau­sible Begrün­dung dafür zu geben, warum ich, so kontakt­freudig wie ich bin, trotzdem niemals ein Vertriebs­genie gerade in eigener Sache werden kann!
    Als Zwil­ling schlum­mern eh zwei Pole in mir.

    Vielen Dank und herz­liche Grüße, Anja

  4. Natalie Schnack 3. März 2014 at 15:47 — Reply

    Liebe Svenja,

    wie herr­lich ist deine Unter­tei­lung der Intro­ver­tierten! Ich bin dann selbst auch eine Energie-Intro.
    Ich habe ja eine etwas andere Eintei­lung nach Fried­mann: in Beziehungs‑, Erkenntnis- und Hand­lungs­typen. Habe darüber auch in meinem neuen Buch “Leise über­zeugen” geschrieben.
    Denn Intro ist nicht gleich Intro, vor allem das mit der Zurück­hal­tung und Ener­gie­ma­nage­ment ist es aber wohl allen gemein — da passt es auch mit der Abnei­gung gegen Small Talk 😉

    Herz­liche Grüße
    Natalie

  5. Nicolas 16. März 2014 at 15:09 — Reply

    Intros wären ideal für viele Unter­nehmen, wenn diese ihre Fähig­keiten zu nutzen wüßten.
    Leider herrscht meis­tens das gera­dezu reli­giöse Dogma, daß alles im Team gemacht werden muß.
    Einen Job bekommt nicht, wer die Arbeit am besten kann, sondern wer am besten den Eindruck erzeugen kann, geeignet zu sein.
    Intros sind Schätze von astro­no­mi­schem Wert, die meis­tens nie gehoben werden und in Jobcen­tern versauern. Weil ein altes Sprich­wort vergesen ist: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Was beson­ders kräftig golden glänzt, ist meis­tens wert­loser Pyrit.

  6. Finetta 22. März 2014 at 17:45 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    wie sehr ich mich darin wieder­ge­funden habe. Seit Monaten beschäf­tigt mich das Thema,viele Bücher gelesen, auch das von Frau Schnack. Ich würde mich eher als die Leise Intro­ver­tierte sehen, und ja, mitt­ler­weile habe ich mein Gebiet gefunden: Über­setzen und Schreiben. Meine Stärken liegen eben woan­ders, beson­ders gefiel mir von Frau Schnack “der Erkennt­nistyp”. Das Zuhören, die Geduld aufbringen für lang­fris­tige Projekte, das sind zwei von meinen Stärken. In einem Buch habe ich auch von sprach­li­cher Intel­li­genz gelesen, und die Beschrei­bung passt so gut.
    Schön, das das Thema im Moment im Trend ist. Finetta

  7. Frank H. 30. Oktober 2014 at 11:18 — Reply

    Hallo,
    bin selber intro­ver­tiert, mir fiel schon sehr früh auf, dass ich anders bin als die anderen. Ich versuchte mich in der Gesell­schaft immer zurecht zu finden, aller­dings ohne viel Erfolg, mir war klar dass ich anders bin und mich so akzep­tieren musste. Angeb­lich verhielt ich mich als Kind auch distan­zierter zu den anderen Spiel­ka­me­raden und fand sehr schwer Freunde. Also wir ihr heraus­lesen könnt war ich schon immer etwas anders, das ist auch OK so. Ich finde mich so wie ich bin am #1.

    Wer aber dennoch Tipps sucht, den kann ich diese Artikel nur wärmsten empfehlen:
    http://bit.ly/1q2l8jQ

    http://bit.ly/1q2l8Aw

    Gilt auch für Frauen genauso!
    Gruß

  8. Andre Adler 3. April 2018 at 21:26 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Ich bin auch intro­ver­tiert und wollte immer einen Job mit starkem Fokus auf Analyse oder Forschung/Wissenschaft (wo man eher seine Ruhe hat und eher alleine arbeitet).
    Leider bin ich durch verschie­dene Umstände im PR- und Marke­­ting-Bereich gelandet und arbeite dort seit mehreren Jahren.
    Ich habe inzwi­schen sogar mit Mitte 30 ein berufs­be­glei­tendes Fern­stu­dium aufge­nommen, um endlich von dieser Branche weg zu kommen.
    Mich stört an diesem Job:
    — Alles ist so ober­fläch­lich und wischi-waschi (ich möchte viel lieber “exakt” und “ins Detail” arbeiten)
    — Ständig muss man lügen und Dinge besser hin stellen, als sie sind. Ich bin privat aller­dimgs ein grund-ehrli­cher Mensch.
    — Ständig werde ich gestört und muss reden: Mit dem Kunden, mit dem Chef. Und das obwohl die Gespräche de-facto nur 10 Prozent Hard-Facts enthalten. Das meiste ist “bla bla” oder man wieder­holt bereits gesagtes zum zehnten Mal. Ich will viel lieber meine Arbeit machen, anstatt darüber zu reden, was, wie, wann, wo gemacht werden soll und ob die Präso einen dunkel oder hell­roten Hinter­grund hat, ist mir ehrlich gesagt so was von egal. Ich bin privat eher ein Macher. Ich über­lege kurz und dann packe ich an.

    Leider möchte mir kein Unter­nehmen so recht eine Chance geben.

    Ich hatte letztes Jahr für ein Jahr einen Job, in dem ich viel mit Excel arbei­tete und eher tech­nisch arbei­tete. Leider “musste” ich wegen meinem Marke­­ting-Hinter­­grund auch Marke­­ting-Aufgaben nebenher erle­digen, was leider dazu führte, dass der Marke­­ting-Leiter jeden Tag 5 Mal in meinem Büro stand und irgend­welche Texte von mir wollte. Und das alles, während ich am Computer hoch kompli­zierte Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nungen und Kosten-Tabellen bear­bei­tete.
    Nach dem das mehrere Monate so ging und ich fast jeden Tag von dem Marke­­ting-Leiter ange­schrien wurde, habe ich gekün­digt.
    Leider will mir kein Unter­nehmen, in dem Bereich, in dem ich eigent­lich arbeiten möchte (siehe oben), eine Chance geben.
    Jetzt arbeite ich (notge­drungen) wieder im Marke­ting, wo 60 Prozent der Zeit geredet wird. Die Arbeit muss man trotzdem machen, d.h. Über­stunden.
    Viel­leicht können Sie mir ja einen Tipp geben, wie ich weiter komme. Denn ich kann mir nicht vorstellen, bis zur Rente meine Arbeits­zeit mit Calls, Reden, Ober­fläch­lich­keit und falscher Neti­quette zu verbringen.

    Viele Grüße
    Andre
    (Text wurde am Smart­phone verfasst)

  9. Dominic Schreiter 3. Juli 2020 at 11:20 — Reply

    Es ist ein Auspro­bieren. Solange, bis man sich ausgiebig beschäf­tigt mit seiner Persön­lich­keit.
    Ich selbst habe früher gedacht, ich müsste: “Aus mir raus­kommen”, meine Team­fä­hig­keit verbes­sern, meine Schlag­fer­tig­keit usw.

    Stück für Stück fand ich heraus: Nein. Denn ich bin am besten, wenn ich zuhören kann. Meine Wert­schät­zung und meinen Respekt ausspielen darf. Nicht die ganze Zeit quas­seln muss^^

    Schöne Grüße aus Karls­ruhe

Leave A Comment

Diesen Blog durch­su­chen