Vor zwei Wochen habe ich ein Inter­view zu diesem Thema gegeben, für die Süddeut­sche Zeitung.  Hab´s noch nicht gedruckt gesehen. Aber das Thema ist span­nend genug, um es hier anders aufzu­greifen – nicht zuletzt passt es hervor­ra­gend zu meinem neuen Buch. „Kommt es wirk­lich vor, dass Menschen mit einer Leiden­schaft Geld verdienen?“ fragte mich der Redak­teur. Natür­lich!

Ich mache daraus ein Drama mit Happy End in vier Akten. Es beginnt mit dem Hobby, führt zwei­tens über die  Leiden­schaft, navi­giert drit­tens durch die Lebens­phasen und endet vier­tens im Happy End.

Erster Akt.

Vorhang auf für das Hobby. Exoti­sche Hobbys haben hier gegen­über weniger exoti­schen auf den ersten Blick einen Vorteil. Denn: Wer etwas Einma­liges, neues, unge­wöhn­li­ches macht und schafft, erlangt damit auch mehr Aufmerk­sam­keit. Der Blog LesMads ist aus einem Hobby neben dem Studium entstanden – und war damals etwas Neues. Dass das Erfolgs­kon­zept auch heute noch funk­tio­niert beweist derzeit die Plus-Size-Blog­­gerin Miss Bartoz.

Weniger exotisch? Beispiels­weise Krimis schreiben. Machen viele, Erfolg damit haben nur wenige. Dass sich dieser aber mit ZWEITENS, der Leiden­schaft, verbündet zeigt das Beispiel der Autorin Nele Neuhaus, die ihr Buch anfangs selbst verlegte, per Hand verkaufte und die es inzwi­schen längst in die Spiegel-Best­­sel­­ler­­liste geschafft hat. So wurde es einem Slow- ein Fast-Growing.

Zweiter Akt.

Die Leiden­schaft. Ohne geht es nicht. Man muss etwas wirk­lich wollen. Und wenn jemand kommt, der sagt „das geht nicht“, darf das nicht abhalten, nicht irri­tieren, nicht verun­si­chern. Der Hamburger Bank­kauf­mann Marc Müller (Prädikat: empfeh­lens­wert, sagt auch meine Mutter ;-)) hat sich mit einem Hobby selbst­ständig gemacht: Stadt­füh­rungen. Eine Vollexis­tenz als Guide zu entwi­ckeln, scheint auf den ersten Blick unver­nünftig. Aber es läuft, weil er auch Firmen­kunden gewinnen konnte. Marc Müller ist einer der Prot­ago­nisten im zweiten Teil meines Buch „Das Slow-Grow-Prinzip“, in dem ich Fall­bei­spiele vorstelle.

Mein Steu­er­be­rater, der vermut­lich netteste der Welt, ist auch jemand mit einem Hobby, aus dem er irgend­wann – aber noch nicht jetzt – einen Beruf machen möchte. Seine Leiden­schaft ist die Coun­try­sän­gerin Emmilou Harris. Er besitzt die wohl größte Plat­ten­samm­lung dieser Ikone in Europa und hat gerade neben seinem Job ein Portal aufge­baut, das er irgend­wann auch vermarkten möchte.

Zu viel Busi­ness Planung schadet, das schreibe ich auch in meinem Buch. Manche Bezahl­kon­zepte entwi­ckeln sich uner­wartet, da denkt auch kein Unter­neh­mens­be­rater dran. Viel­leicht findet sich ein Sponsor, viel­leicht geht es auf Wegen, die so unty­pisch sind, dass sie einem erst später einfallen. Auch hier liefern wiederum Blogs ein gutes Beispiel. Mit reiner Vermark­tung kann man davon nicht leben bei einem TKP (Tausender Kontakt Preis) von kaum vier Euro. Aber… Sie können z.B. über den Blog für andere Jobs entdeckt und gewonnen werden. Siehe Miss Bartoz, die inzwi­schen Miss Bartoz TV eröffnet hat und mich mit ihren Fans bei Face­book bald locker über­rundet 😉

Dritter Akt.

Die Lebens­phasen. Es ist manchmal zu früh, mit dem Hobby in eine Selbst­stän­dig­keit zu gehen. Zwar träumen viele 25jährige von der Selbst­stän­dig­keit, doch muss diese in dieser Lebens­phase oft exis­tenz­si­chernd sein. Es ist einfach  noch nicht genug Geld da, oder man muss noch mal selbst erfahren, wie unbe­frie­di­gend manch gut bezahlte Posi­tion in Unter­nehmen ist. Vor einigen Wochen war ich bei einem ganz tollen Heil­prak­tiker, der vorher Werbe­fo­to­graf war. Er hätte sein Hobby nie zum Beruf gemacht, hätte er vorher nicht andere Lebens­phasen durch­laufen.

Denn, was ich auch immer wieder fest­stelle: Man muss etwas gesehen und erlebt haben, um es abhaken zu können! Wer schon immer selbst­ständig war, träumt irgend­wann, nach 10, manchmal 20 Jahren von einer Posi­tion in einem Unter­nehmen. Solche Kunden habe ich oft – sie haben das Gefühl als Selbst­stän­dige etwas verpasst zu haben.

Der umge­kehrte Weg ist besser: Man hat seinen Ange­stell­ten­traum schon ausge­träumt und ist frei für die wich­ti­geren Dinge im Leben. Sinn spielt dann eine größere Rolle als Status.

Vierter Akt

Wie viel bin ich bereit zu geben, wie lange kann ich warten? Wer sich mit einem Hobby selbst­ständig macht, wird damit selten reich – aber glück­lich. Diese Erkenntnis muss sich erst mal veran­kern, der Sinn des Lebens muss wich­tiger werden, und das ist klar eine Alters­frage. Dazu müssen andere Lebens­phasen oft erst mal abge­schlossen sein, etwa die Fami­li­en­zeit. Auch das Gefühl einmal die Karrie­re­leiter hoch­ge­gangen zu sein (und zu merken, wie unwichtig diese Art des Erfolgs viel­leicht ist) gehört dazu. Und das passiert nun mal nicht mit 20, sondern meist erst mit 40, 50….

Eine Bekannte hat ihr Leben lang geniale Marme­laden produ­ziert, die einfach so viel besser waren als alle anderen. Das sprach sich rum, über die Bundes­land­grenzen hinweg. Erst jetzt, mit 65 hat sie eine eigene Marme­la­den­pro­duk­tion aufge­macht. Das läuft so gut, dass sie inzwi­schen davon leben kann.

Vorhang zu. Schön, oder?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. Paul 4. Oktober 2011 at 15:20 — Reply

    Find ich gut, Frau Hofert! Schön geschrieben — insbe­son­dere der Akt der Lebens­phasen spricht mir aus dem Herzen. Erin­nere mich an meine Ausbil­dung zum Coach und erste Kunden, die frisch mit Mitte zwanzig auf der drin­genden Suche der Selbst­ver­wirk­li­chung sind. An sich gut und nicht schlecht — aber wie sie selbst sagen: ein Unterbau an gewon­nener Erfah­rung und besten­falls etwas finan­zi­elles kann für die spätere Selbst­ver­wirk­li­chung Gold wert sein

  2. b.reddel 4. Oktober 2011 at 18:53 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    Da fällt mir ein kleines Wort­spiel ein. Mach Dein Hobby zum Beruf. Glück­lich können die sein , die ihr en Beruf zum Hobby machen können, nur , wer kann das schon 😉
    Übri­gends ihr neues Buch liest sich gut. Kann ich nur empfehlen. Slow Grow Prinzip-Svenja Hofert 🙂 echt gelungen!
    B.RE

  3. Tim 28. Oktober 2011 at 19:04 — Reply

    Ok, aber ich habe dazu noch eine Frage: Was ist, wenn man schon mit 25 weiß, dass man keine Karriere braucht, um sich selbst zu verwirk­li­chen? Wenn ich Status nur als Hülle sehe und gerne einen sinn­vollen Job machen möchte, aber es trotzdem an Geld und Erfah­rung fehlt, um in die Selbst­stän­dig­keit zu gehen? Soll ich trotzdem solange einen leeren Job machen, bis ich genü­gend Geld und Lebens­er­fah­rung zusammen habe, damit es endlich mit der Selbst­stän­dig­keit klappen könnte?

  4. […] Eine Stunde ist eine Stunde, und eine Stunde kostet ab 60 EUR. Ist nicht viel, aber bere­chenbar. Heil­prak­tiker ist wirk­lich kein sehr gut bezahlter Job, und man sollte es nicht werden mitten in Hamburg oder […]

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