Kate­go­rien

Twitter, ich komme (Social Media Expe­ri­ment Teil 1)

Published On: 11. Dezember 2010Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Es könnte sein, dass ich dieses Wochen­ende oder Anfang nächster Woche den Sprung auf 500 Follower schaffe. Vorge­nommen habe ich mir, bis Früh­jahr auf 5.000 zu kommen. Als ich das meinem Twitter-Coach davon  erzählte, schaute die mich mit großen Augen an. „Es müssen immer die ganz großen Ziele sein, oder?“ Ich gebe zu:  Ziele sind für mich wie Leit­planken.  Wie soll man “groß” errei­chen, wenn man klein denkt? Ich habe gern meine Leit­planken, aber weiche auch davon ab, wenn sich die Dinge anders entwi­ckeln.

Bis Ende Oktober hätte ich im Traum nicht daran gedacht, einmal so viel Energie in ein komi­sches Portal zu stecken, über das man sich Kurz­nach­richten schickt. Bis dahin hatte ich einen Pflicht­accout so wie viele. Den hatte ich mir zuge­legt, nachdem mir Annette Gerlach (danke!) geschrieben hatte, sie würde gern etwas zu meinem Buch twit­tern, aber das ginge ja nicht, so ganz ohne Account. Okay, dachte ich, mach ich. Kurz darauf hatte ich ein Inter­view mit dpa/gms, in dem ich mich noch eher verhalten über den Twitter-Nutzen äußerte. So wie jemand eben, der auf einem lauen Level twit­tert.

Komi­sche #FFs und selt­same Retweets
„Wussten Sie eigent­lich, dass Sie schon #FFs haben?“ fragte mich mein Twit­ter­coach. Nein, sagte ich.  So erfuhr ich von #FF, dem Follow Friday also – einer Art „Folge­emp­feh­lung“ — und dass man sich bedanken muss für Retweets und antworten sollte auf Direkt­nach­richten. Das hatte ich bis dahin nicht gewusst. Jetzt mache ich es brav und hoffe, dass ich niemanden vergesse.

Vor zwei Wochen hatte ich dann wieder eine Sitzung mit meinem Twit­ter­coach, da gab es 400 Follower. Ich war von der nied­rigsten Klout-Stufe zum “Explorer” aufge­stiegen. “We predict, you´ll be moving up” stand da. Wie moti­vie­rend!

Wow: We predict you´ll be moving up

„Wie werden es noch viel mehr?“ fragte ich. Sie sagte, ich müsste noch viel mehr twit­tern. „Oh nee”, dachte ich, “ich hab ja sonst nichts zu tun!“ Sie empfahl mir, Nach­richten bei Hoot­suite einstellen und diese zu unter­schied­li­chen Zeiten raus­schi­cken, z.B. Mittags. Bis dahin habe ich meine Tweets immer vorm ersten Kunden, der meist um 9 Uhr kommt, raus­ge­jagt. Klar, dass da die Aufmerk­sam­keit begrenzt ist. Außerdem sollte ich ab und zu etwas Privates twit­tern. „Was denn?“ fragte ich. „Zum Beispiel über ihre Familie.“ Never, erwi­derte ich, privat ist privat. Ich hab dann doch etwas über Blitzeis-Verdacht geschrieben, durch das die Schule in Schleswig-Holstein ausfiel. Die Reak­tion kam prompt von einer Kundin: „Frau Hofert, was machen Sie denn da?“ Mein Post hatte sie über­rascht. Nicht unan­ge­nehm aller­dings.  Das Prinzip, sich ein wenig persön­li­cher zu sein, könnte also gar nicht so falsch sein.

Aber: 10 Tweets am Tag! Dele­gieren kann ich das Twit­tern, das für mich auch mit Authen­ti­zität zu tun hat, nicht an Mitar­beiter oder an meine PR-Frau, die ganz anders denken, Tweets ganz anders auswählen würden und formu­lieren als ich. Das bilde ich mir jeden­falls im Moment noch ein. Kann sich ändern.

Fazit

Mir beginnt Twitter zu gefallen, man erfährt einiges, was sonst an einem vorbei­laufen würde. Irgendwie nähert man sich Twit­te­rern, die vorher z.B. nur abstrakte Kommen­ta­toren in meinem Blog waren oder „Hallo, hier bin ich“-Kontakte auf Xing. Gesichter, die man wahr­nimmt, aber sehr ober­fläch­lich. Twitter verän­dert das auf eine ganz andere Art und Weise als z. B. Xing. Es könnte sein, dass es meinen Follo­wern genauso geht. Und dass genau das im Kern den Erfolg von Twitter ausmacht. Häufi­gere Retweets und mehr #FFs sind der Dank.

Das System Twitter

Was steckt hinter dem selt­samen System, mit der man seine Klout-Score (also seinen Einfluss-Rang) und damit den Status erhöht?

  • Es zählt Masse: Wer viel twit­tert, vertreibt zwar auch Netz­werk­an­hänger, die nicht richtig ins eigene Netz­werk passen, aber er gewinnt umso mehr treue (und damit auch passende) Follower dazu.
  • Es zählt aber auch Klasse: Nicht voran kommen Link­schleu­dern, die immer nur auf eigene Sachen hinweisen und denen außer Eigen­wer­bung nichts Intel­li­gentes einfällt. Gut, dass es „Unfollow“ gibt.
  • Der Rang bei Twitter ist unab­hängig vom Real-Life-Status:  Es gibt Twit­terer, die im echten Leben z.B. aufgrund ihrer Bücher bekannt sind wie Förster/Kreuz und im Internet recht­zeitig eine Paral­lel­welt aufbauen konnten, in der sie genauso bekannt sind. Es gibt aber auch Nonames mit 20.000 Follo­wern. Fast alles scheint möglich. Und es gibt bekannte Insti­tu­tionen und Verlage, die gar nicht präsent sind…

Die starke Beein­fluss­bar­keit des Twit­ter­status, die sich etwa im Tool Tweetranking.com zeigt, behagt mir nicht so. Die Posi­tion in diesem Ranking  ist wichtig, aber sie wird vor allem dadurch aufge­baut, dass man sich gegen­seitig empfiehlt. Das ist okay, wenn ein gegen­sei­tiges Wert­schätzen dazu kommt. Das finde ich kritisch, wenn es primär eigen­nützig daher­kommt. „Wenn Sie mich empfehlen, empfehle ich Sie“ – das würde ich nur tun, wenn ich denje­nigen wirk­lich kenne und  schätze.

Aber das ist eigent­lich nur ein kleines Ding. Bisher gefällt mir Twitter richtig gut – und bei allem Expe­ri­men­tieren bin ich eben nicht nur eine Bera­terin, die nebenbei schreibt, sondern eine Bera­terin UND Autorin.  Das Formu­lieren auf kleinstem Raum ist da eine neue und span­nende Heraus­for­de­rung. Folgen Sie mir auf Twitter?

Übri­gens: Vor einer Woche habe ich ein 2. Expe­ri­ment gestartet, das Face­­book-Expe­ri­­ment. Ich bin schon sehr neugierig, was es hier zu entde­cken gibt außer rosa­far­benen Herz­chen…

Kommentar, 2 Jahre später:

Ich hatte damals keine Ahnung. Ich hatte meinen Twitter-Account so laufen lassen. Trotzdem wurde ich immer wieder um Inter­views zu dem Thema gebeten. Im Nach­hinein ist mir das unan­ge­nehm, weil ich den Anspruch an mich selbst habe, als Expertin nur über Dinge zu spre­chen, die ich auch wirk­lich beur­teilen kann.

So etwas wie Twee­t­ran­king scheint mir vom Zeit­punkt jetzt als unwich­tige Spie­lerei; es ist die KLOUT, die entscheidet. Naja, und der Plan mit den 5.000 Follo­wern war natür­lich komplett naiv, wie auch schon Kollege Marco Ripanti in den Kommen­taren anmel­dete.

Die Bera­tung, die ich mir damals holte, war super aus didak­ti­scher Sicht. Sie hat mir Hinter­gründe aufge­zeigt und auch tech­ni­sche Zusam­men­hänge. Inzwi­schen bin ich ungleich weiter, auch als einige, die Social Media Bera­tung anbieten. Heute bräuchte ich jemanden, der entweder solide Vertriebs- oder PR-Erfah­rung hat, ja nach Ausrich­tung. Dazu rate ich auch Neuein­stei­gern. Und achtet unbe­dingt darauf, die Spreu vom Weizen zu trennen: Berater, die selbst einen KLOUT-SCORE haben, der unter 60 liegt, haben für sich selbst nicht bewiesen, dass sie es können.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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18 Kommen­tare

  1. Marco 11. Dezember 2010 at 21:16 — Reply

    “Social Media Bera­terin” und “Twit­ter­coach” … ist das Ihr Ernst?

    Grüße
    Marco Ripanti

  2. Svenja Hofert 11. Dezember 2010 at 23:57 — Reply

    aber klar — ist übri­gens dieselbe Person 😉 Ich find Bera­tung gut — alles andere wäre ja auch irgendwie komisch für Berater… gibt es bera­tungs­re­sis­tente Berater…? Liebe Grüße Svenja Hofert

  3. Marco 12. Dezember 2010 at 15:26 — Reply

    Klar gibt es die.
    Okay, dass Social Media Feld ist sicher sehr groß und wenn man selbst nicht auf den Gebiet aktiv ist, macht es sicher Sinn jemanden zu haben der einen da von Zeit zu Zeit auf den aktu­ellen Stand bringt. Wenn es die rich­tigen Sachen sind die erzählt werden, ist das sicher sinn­voll.

    In Sachen Twitter ist es mir schon immer ein Rätsel was Leute da anderen erklären und warum sich Menschen von anderen Twitter erklären lassen.

    Einen schönen dritten Advent

  4. Svenja Hofert 12. Dezember 2010 at 15:46 — Reply

    Sie sind aber auch totaler Insider, mit einer anderen Brille bei dem Thema. Ich find immer: Man kann nicht alles wissen und eh ich mir die 1.000 Seiten des Buchs “Social Media Marke­ting” rein­ziehe, das in meinem Büro Staub absetzte und von denen ich eh nur 1% verwerten kann, frage ich doch lieber jemand, der sich prak­tisch auskennt. So richtig richtig und falsch gibt es doch gar nicht. Richtig ist, was erfolg­reich ist und zu einem passt. Schaun wir also mal. Ihnen auch drei Kerzen und viele leckere Plätz­chen 🙂 Svenja Hofert

  5. Svenja Hofert 13. Dezember 2010 at 16:57 — Reply

    Hallo Herr Thomas, danke für den tollen Kommentar. Na klar ist Qualität wichtig(er), mir auch — aber 5.000 WERT­volle Follower wären auch nicht schlecht 😉 herz­liche Grüße Svenja Hofert

  6. Helge Thomas, Heidel­berg 13. Dezember 2010 at 16:37 — Reply

    liebe svenja hofert,

    ich glaube, ihr herr­lich offenes “outing” hier ist für sehr viele menschen, die “dieses social­media” (noch) nicht verstehen, hoch moti­vie­rend und inspi­rie­rend. danke dafür!

    auf der anderen seite staune ich auch immer wieder, wie schwer sich viele damit tun. dabei ist das doch alles nicht neu. menschen vernetzen sich seit urzeiten. sie treffen sich mit freunden oder kollegen und tauschen sich aus. je nach typ/gusto über beruf­li­ches, privates, fami­liäres, skur­riles oder normales. nicht selten das wetter.

    twitter, face­book & co. sind nichts anderes als die weiter­ent­wick­lung dieses uralten mensch­li­chen bedürf­nisses mit digi­talen mitteln…

    die MERK­wür­digste geschichte in diesem zusam­men­hang war folgende: ein ehema­liger manager hat mich kürz­lich gefragt, was er denn tun solle, wenn jemand mit ihm auf face­book befreundet sein will und er wolle das nicht. und ich habe ihn gefragt, wie er denn im “analogen” leben mit einer solchen situa­tion umgeht…

    herz­liche grüße,
    helge thomas

    …oh und ein kurzes p.s.: die anzahl ihrer verfolger ist aus meiner erfah­rung nicht so entschei­dend wie die qualität. 5000 verfolger ist keine kunst aber — als selbst­zweck — relativ nutzlos. die rich­tige “werte­ge­mein­schaft” zu versam­meln dauert länger — ist aber auch deut­lich WERT­voller und nach­HAL­Tiger 😉

    achso… 😉 http://www.twitter.com/helgethomas

  7. […] Twitter habe ich auch erst Ende des Jahres so richtig entdeckt – ich konnte mir nicht vorstellen, […]

  8. Enrico Brie­gert 3. Januar 2011 at 7:36 — Reply

    Danke für den HotSuite-Tipp. Liebe Grüße, Enrico Brie­gert

  9. […] wollen wissen, wie es weiter­ging mit Twitter? Ich bin derzeit bei etwa 580 Follo­wern und einer Klout von 36 — täglich kommen einige neue […]

  10. Zorem 3. Februar 2011 at 20:56 — Reply

    Mir gefallen solche schönen Ziele, wie 5.000 Nach­folger.

  11. […] Beispiel habe ich für gesunde Ziel­set­zung habe ich auch noch: Karrie­re­fach­frau Svenja Hofert schreibt auf ihrem Blog über ihr Twitter-Expe­ri­­ment. Anfang Dezember hatte sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Früh­jahr 5000 Follower zu […]

  12. […] nicht, die darum gemacht wird – oder wie brachte es Filme­ma­cher Helge Thomas aus Heidel­berg so schön auf den Punkt (im Kommentar): auf der anderen seite staune ich auch immer wieder, wie schwer sich viele damit […]

  13. […] nicht, die darum gemacht wird – oder wie brachte es Filme­ma­cher Helge Thomas aus Heidel­berg so schön auf den Punkt (im Kommentar): auf der anderen seite staune ich auch immer wieder, wie schwer sich viele damit […]

  14. […] Beispiel habe ich für gesunde Ziel­set­zung habe ich auch noch: Karrie­re­fach­frau Svenja Hofert schreibt auf ihrem Blog über ihr Twitter-Expe­ri­­ment. Anfang Dezember hatte sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Früh­jahr 5000 Follower zu […]

  15. […] nicht, die darum gemacht wird – oder wie brachte es Filme­ma­cher Helge Thomas aus Heidel­berg so schön auf den Punkt (im Kommentar): auf der anderen seite staune ich auch immer wieder, wie schwer sich viele damit […]

  16. […] Beispiel habe ich für gesunde Ziel­set­zung habe ich auch noch: Karrie­re­fach­frau Svenja Hofert schreibt auf ihrem Blog über ihr Twitter-Expe­ri­­ment. Anfang Dezember hatte sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Früh­jahr 5000 Follower zu […]

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