Kate­go­rien

Mindset, Skillset, Toolset: Warum die Digi­ta­li­sie­rung das alles verän­dert

Published On: 30. April 2018Cate­go­ries: Karriere

Bei Amazon ist jeder Tag „Tag 1“. Im Tag-1-Modus sind Mitar­beiter ange­halten, perma­nent an den Kunden zu denken, stets inno­vativ zu sein. Schneller, höher, weiter. Es gibt keinen Tag 2, der würde Still­stand bedeuten. Was für ein Stress für die Mitar­beiter — immer müssen sie voll aufge­dreht sein. Tempo, Tempo verlangen nicht nur für die US-Tech-Giganten. Die Kultur der schnellen Verän­de­rung, des stetigen Wandels und stän­digen Lernens hat auch anderswo Einzug gehalten. Wie ein Tsunami zieht das Schnel­­li­g­keits-Credo über uns. Binnen weniger Jahre hat sich dadurch auch die Karriere von Menschen funda­mental verän­dert, ihr Karrie­re­ma­chen, der beruf­liche Weg. Längst steuert man dabei keinen ruhigen Karrie­re­wagen mehr, sondern hält sich fest an einer Rakete. Schnell die Schäf­chen ins Trockene bringen, bis Mitte 30 Vollgas und dann mit genug Geld ab in den Süden.

Mitar­beiter aus der Gene­ra­tion Baby­boomer (bis 1964) und X (ab 1965) versu­chen mit dem Rake­ten­tempo mitzu­halten. Immer mehr geraten in Atemnot. Niemand kann die digi­talen Skill- und Tool-Kenn­t­­nisse der unter Zwan­zig­jäh­rigen noch einholen. Tech­no­lo­gisch ist unsere Gene­ra­tion abge­hangen, so bemüht wir auch zu folgen versu­chen. Der Vorsprung ist riesig.

Wenn ich mir die Präsen­ta­tion meines Sohnes anschaue, die er nach einem Prak­tikum bei IBM Watson erstellt hat, so hat diese inhalt­lich und layoute­risch ein Niveau, das ich mit etwa 30 Jahren, nach Studium und fünf Jahren im Job erreicht, hatte. Ich habe auf einer Schreib­ma­schine begonnen und kam 1989 zum Schneider-PC. Magis­ter­ar­beit an der Univer­sität Köln über sprach­liche Verän­de­rungen durch die Gorba­t­­schev-Ära nach dem kalten Krieg war noch auf einer Fünf-Zoll-Flop­­py­­­disc abge­spei­chert…

Atemlos durch das Karriere-Tempo

Höre ich in die Firmen hinein und spreche mit Nicht-Digital-Natives, so berichten viele von dem Stress, den das Tempo bei ihnen auslöst. Einige wollen mithalten, auch so schnell sein. Sie tun so, als könnten sie dieselben Klamotten anziehen wie die Jungen (aber sieht das nicht komisch aus?) Viele fühlen sich subtil bedroht, manche leugnen die Verän­de­rung beharr­lich. Sie reden sich ein, dass ihre Quali­täten weiterhin gefragt sind. Doch das sind sie nicht.

Unter­nehmen fragen sich, wie sie ihre „Elefanten“ raus­be­kommen. Gemeint sind (meist) Männer zwischen 45 und 60 Jahren, deren Selbst- und Arbeits­ver­ständnis sich seit den 1980ern kaum verän­dert hat. Sie bekommen jetzt ein paar neue „agile“ Tools in die Hand, trai­nieren „Skills“, etwa der Mode­ra­tion und des Coachings. Aber ihr Mindset kann keine neuen Gedanken produ­zieren, das verhin­dert eine Trans­for­ma­tion ins neue Zeit­alter.

Die Antwort ist meist: Skillset

Die Antwort der Perso­nal­ab­tei­lungen lautet oft: Skillset erwei­tern. Das Mittel der Wahl ist auch hier, wie gewohnt, Erzie­hung im beha­viou­ris­ti­schen Sinn: Mit Beloh­nungen wird erwünschtes Verhalten trai­niert wie beim Pawlow­schen Hund. Dabei wird Außen­wir­kung in den Fokus gestellt und kaum nach innen geschaut.

Ums Mindset kümmert sich jedoch kaum jemand. Alles was ich bisher – auch in der agilen Szene — unter dem Stich­wort „Mindset“ gefunden habe, ist in Wahr­heit Skillset. Nicht die Einstel­lung des Denkens steht bei solchen Mindset-Defi­­ni­­tionen im Zentrum, sondern die Fähig­keit und Fertig­keit.

Mindset ist unkon­kret, kaum fassbar, nebulös gera­dezu. Anders als Skillset und Toolset ist es unplanbar und diffus wie die aktu­ellen Verän­de­rungen. Ähnlich wie diese beein­flusst es aber unser aktu­elles Denken. Es formt unsere Sprache, es kommt dazu als die große Unbe­kannte.

Mindset als Einstel­lung des Denkens, die Basis für neue Gedanken und neues Handeln ist, entsteht, weil Menschen in ein Umfeld geraten oder sich begeben, dass diese oder jene Einstel­lung des Denkens geför­dert wird. Mindset ist umfeld- und prägungs­ab­hängig.

Mindset für die Digi­ta­li­sie­rung

Welches Mindset brau­chen wir im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung? Kommen wir zum Anfang zurück: Es muss die tech­no­lo­gi­schen Verän­de­rungen denken können, darf sich ihnen aber nicht unter­werfen — würde es dann doch aufhören, sie mitzu­ge­stalten. Es muss lernen und sich entwi­ckeln wollen, denn nur dann erwei­tert es das Skillset und Toolset – aus Freude daran. Es muss weg vom indi­vi­dua­lis­ti­schen Gedanken des „einer kann alles“, hin zu echter Koope­ra­tion.

Ein solches Mindset fördert ein Umfeld, das den Diskurs in den Mittel­punkt stellt, das Refle­xion, Selbst­er­fah­rung und Ideen­ent­wick­lung fokus­siert. Diskurs, Refle­xion und Selbst­er­fah­rung entwi­ckeln andere Mind­sets als (nur) Üben und Trai­nieren. Ein Grund wahr­schein­lich, aus dem Working out loud (WOL) nach John Stepper derzeit so im Trend liegt. Es kombi­niert Gruppen- und Selbst­er­fah­rung, fördert Refle­xion.

Die Basis für Entwick­lung ist der innere Kern

Copy­right: Team­works GTQ GmbH

Selbst- und Fremd­bild klaffen vor allem bei denen ausein­ander, die wenig Feed­back bekommen haben oder nur einseitig auf Perfor­­mance-Opti­­mie­rung ausge­rich­tetes. Das Feed­back, das diese Menschen entwi­ckelte, zielte auf ein ganz anderes Denken als es heute gefragt ist. Und dann sollen dieje­nigen Trai­nings und Maßnahmen konzi­pieren, die vorher ein anderes Mindset geprägt haben – eben durch diese Skillset-Orien­­tie­rung?

Das kann nicht funk­tio­nieren. Das gleiche Personal an der glei­chen Stelle produ­ziert keine „Double Loops“, sondern wird bei der Adap­tion des „Neuen“ genauso vorgehen wie immer.

Damit Menschen sich selbst entwi­ckeln können, müssen sie erst einmal bei sich ange­kommen sein. Damit einher geht die Fähig­keit, eine eigene Haltung einnehmen zu können. Wir haben bei Team­works dafür unser Pfir­sich­mo­dell entwi­ckelt. In diesem Modell entwi­ckelte Menschen haben einen eigenen inneren Kern, mit dem sie sich abgrenzen können. Sie können Posi­tion beziehen und damit auch sich selbst schützen. Sie sind nicht mani­pu­lierbar. Sie sind im heutigen Sinn keine idealen Arbeit­nehmer, denn sie lassen sich nicht ausschöpfen für immer höhere Produk­ti­vität.

Skillset und Toolset werden auch mensch­li­cher

Aber genau hier liegt der Denk­fehler, wenn Unter­nehmen weiter in diese Rich­tung preschen: Dafür gibt es demnächst künst­liche Intel­li­genz. Wir Menschen werden da gefragt sein, wo diese ihre Grenzen hat. Und das wird auch das Skillset und Toolset immer mehr in andere Bereiche verla­gern, solche die mit Kommu­ni­ka­tion und Zusam­men­ar­beit zu tun haben, der Gestal­tung einer mensch­li­chen Arbeits­um­ge­bung, mit Ethik und philo­so­phi­schen Fragen.

Diese sind ohnehin nur gene­ra­tio­nen­über­grei­fend zu beant­worten, so dass ich opti­mis­tisch bin, dass die derzei­tige Atem­lo­sig­keit nur vorüber­ge­hend herr­schen wird. Es wird so lange dauern wie die Menschen glauben, Mindset sei gleich Skillset. So lange wie sie im Tempo mithalten wollen. So lange bis sie andere Lösungen für Karriere gefunden haben. Und so lange bis einer kriti­schen Masse bewusst geworden ist, dass wir die Verän­de­rungen der Arbeits­welt keine Tools brau­chen, sondern Bewusst­sein. Und das ist Teil des Mind­sets.

Copy­right: Team­works GTQ GmbH

Mindset, Skillset, Toolset hängen zusammen, aber Mindset ist der große Kreis um alles. Skills sind trai­nierte Fähig- und Fertig­keiten, Tools Werk­zeuge, die man immer wieder austau­schen und weglegen kann. Um Tools auf der Werk­bank anzu­wenden, braucht man nicht beson­ders viel Mindset. Es reicht der „Skill“, die Fähig­keit — oder oft auch Fertig­keit -, es zu tun. Um Tools anzu­wenden, die mit Kommu­ni­ka­tion zu tun haben, reichen Fähig­keiten – etwa intel­lek­tu­elles Verste­hen­können von Zusam­men­hängen – und Fertig­keiten (wie Fragen­stellen) nicht mehr aus.  Dazu braucht es viel mehr und ein anderes Mindset.

Ich habe in letzter Zeit mehrere Beiträge über „Fragen im Coaching“ verfasst, zuletzt bei ChangeX “Wer fragt, führt nicht”, die den Zusam­men­hang deut­lich machen. Das „Tool“ des „syste­mi­sches Fragen“ wird ohne den Menschen, der dieses aus seinem Mindset heraus so oder so stellt, ad absurdum geführt.

Weg mit dem defi­zit­ori­en­tierten Abwei­chungs­denken in HR

Was heißt das für HR und Personal? Wir müssen andere Schwer­punkte setzen und Entschei­dungen treffen, etwa die Entschei­dung für die Entwick­lung von Mitar­bei­tern  — und gegen Erzie­hungs­maß­nahmen. Oft werde ich miss­ver­standen in dieser Forde­rung. Einige denken, ich meine „Erzie­hung“. Ich meine aber keine Perso­nal­ent­wick­lung im bishe­rigen, defi­zit­ori­en­tierten, auf die Korrektur von Abwei­chungen bezo­genen Sinn. Ich meine eher eine Entwick­lung im Sinne posi­tiver Psycho­logie. Die kann nur frei­willig sein.

Natur und schöne Umfelder, wie sie Amazon und seine Tech-Konzern-Kollegen schaffen, sind wichtig, aber nicht ausrei­chend. Man gewöhnt sich zu schnell daran. Für die innere Befreiung tut all das nichts. Man kann argu­men­tieren, dass Unter­nehmen dafür nicht zuständig seien.

Aber wer dann? Die derzeit im Arbeits­leben und vor allem in Führungs­po­si­tionen befind­liche Gene­ra­tion ist über­wie­gend zu Anpas­sung erzogen worden, zu Besit­z­­tums-Denken.

Sie klam­mert sich an Mate­ri­elles, weil sie mit Glau­bens­sätzen groß­ge­worden sind, die “Haben” als Wert hoch­heben. Wenn alte 110-Quadra­t­­meter-Reihen­­häuser in und um München 1,5 Millionen Euro kosten, kann kein Normal­ver­diener so etwas bezahlen. Diese Entwick­lung fördert eine irra­tio­nale Angst vor sozialem Abstieg – und damit Abhän­gig­keit und Unfrei­heit in der Arbeits­welt.

Wirt­schaft­liche Absi­che­rung als Basis

Das ist kontra­pro­duktiv für die Heraus­for­de­rungen, die kommen werden. Eine Befreiung des Mind­sets, braucht deshalb viel mehr als eine schöne Arbeits­at­mo­sphäre – wirt­schaft­liche Sicher­heit über ein Grund­ein­kommen. Es braucht auch Dezen­tra­li­sie­rung, ein Trend der sich im Kleinen bei den Click­wor­kern und Free­lan­cern abzeichnet, von denen immer mehr in den Süden ziehen. Und einige auch nach Ostdeutsch­land oder aufs Land. Wenn es gleich wäre, wo Menschen leben, könnte diese dieser unge­sunden Entwick­lung, die immer höhere Gehälter fordert und Erben bevor­zugt, entge­gen­wirken.

Auch das Bildungs­system muss wegkommen von seiner Einsei­tig­keit. In den Fami­lien, aber auch in Kinder­gärten, Schulen und Univer­si­täten entstehen die Persön­lich­keiten, die wir brau­chen, um an den rele­vanten Stell­schrauben etwas zu tun. Jeff Bezos von Amazon ist ein Beispiel für einen perfor­­mance- und leis­tungs­ori­en­tertes Immer-Größer-Denker. Er ist 1964 geboren – ein Baby­boomer. Er passt seine Firma auf sein Denken an und erwei­tert es mit Natur­gärten für die Gene­ra­tion Y und Z. Er vergisst, dass diese von anderen Werten getrieben sein werden.

Die Kultur der aktu­ellen Raketen-Verän­­de­rung ist von Baby­boo­mern und Gene­ra­tion X getrieben. Wie ein Tsunami zieht sie über uns. Und ich habe Hoff­nung, dass sie wie dieser ziem­lich bald vorüber­geht, aber nicht allzu große Schäden hinter­lässt.

 

Beitrags­foto: Allvision@Fotolia.com

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Sebas­tian Günther 4. Mai 2018 at 21:50 — Reply

    Ich finde ihre Artikel, wie zumeist, auch jetzt wieder inter­es­sant. Beim Lesen frage ich mich schon, welches Mindset mich prägt (83er Jahr­gang, Führungs­ver­ant­wor­tung, IT) und komme nicht umhin fest­zu­stellen: Es ist durchaus mate­riell geprägt (aufge­wachsen im Osten — wir hatten ja nüscht).

    Wenn ich über Ihre Worte so nach­denke, stelle sogar ich mir die Frage, welcher Platz mir in Zukunft bleibt. Noch stärker stelle ich mir die Frage jedoch tatsäch­lich für einen nennens­werten Teil meiner Kollegen. Viele sind weit über Tag 2 hinaus…es gibt bestimmt den ein oder anderen, der seit 20 Jahren die Tage bis zur Rente zählt. Was mache ich mit diesen Menschen? Sie sind da. Sie gehen auf abseh­bare Zeit nicht weg. Reicht hier posi­tive Psycho­logie?

    Ich muss zugeben, dass ich dem ohnehin skep­tisch gegen­über­stehe. Was ist gegen das “klas­si­sche” Zuckerbrot+Peitsche-Modell einzu­wenden? Ich sehe es an agilen Trends: Manch ein Kollege beob­achtet nicht immer zu Unrecht einen gewissen, schwer defi­nier­baren Verfall. Termine werden nicht mehr einge­halten, was bisher funk­tuo­nierte inter­es­siert keinen mehr, jeder macht das, worauf er Lust hat…aber es gibt Dinge die übrig bleiben und auch gemacht werden müssen. Müssen nicht auch Grenzen gesetzt werden?

    Viel­leicht lautet die Antwort: Nicht, wenn jeder eine innere Haltung entwi­ckelt hat. Aber ist das der Fall? Wenn ja, ist es zumin­dest nicht.immer die Haltung, die beruf­lich von Nutzen ist.

    Der Schwenk zum Grund­ein­kommen geht mir übri­gens fast zu weit. Mag sein, dass es gerade im IT-Bereich viele Idea­listen gibt, die zumin­dest nicht mit der Ziel­set­zung Millionär zu werden ins Berufs­leben starten. Ande­rer­seits gibt es glaube ich noch viel mehr, die genau das vor haben 😉 Wem hilft das Grund­ein­kommen? Wer kommt dafür auf? Geld zu verdienen bedeutet ja nicht nur Lebens­un­ter­halt oder Luxus, sondern auch ein gewisses Maß an Orien­tie­rung.

    Sind sie selbst über­zeugt, dass es in der Arbeits­welt von Morgen nicht mehr darum gehen wird, mehr Geld zu verdienen?

    Ich lebe zwar nicht in einem Vorort von München, aber auch da wo ich lebe kosten Immo­bi­lien verdammt viel Geld. Ich möchte, dass mein Sohn im Garten spielen kann (was ihm im Urlaub viel Spass gemacht hat). Kose­quenz: Mein Ziel ist es mehr Geld zu verdienen um es reali­sieren zu können.
    Und das soll sich ändern?

    Grüße,
    Sebas­tian

    • Svenja Hofert 13. Mai 2018 at 10:19 — Reply

      Lieber Sebas­tian, vielen Dank für Ihre sehr offenen und reflek­tierten Worte. Ich denke, in dem Moment wo jemand wie Sie anfängt sich Fragen zu stellen, kann Diskurs entstehen und das brau­chen wir. Ich bin selbst nicht gegen Zucker­brot und Peit­sche oder auch gele­gent­li­ches Command and Order oder Command and Control. Sehen wir in die Welt, so gibt es dort viele Tendenzen zu eher mehr “Auto­rität”. Nicht reflek­tieren zu müssen, keine Fragen stellen zu müssen — das ist für viele Menschen die wich­tigste Orien­tie­rung. Vieles kann Orien­tie­rung geben: Eine starke Persön­lich­keit, klare Regeln, Geld. Bei all dem bleiben wir aber immer im Außen, die Mess­größe geben andere.
      Wenn Sie einmal erlebt haben, wie anders eine Orien­tie­rung am Innern, an sich, dem eigenen Mehr­wert am “große” oder “kleinen” Ganzen sich anfühlt, wird das Außen seine Bedeu­tung verlieren. Geld ist ist eine Markie­rung, zeigt einen Weg. Ich verstehe jeden, der wie Sie seinen Kindern ein gutes Leben finan­zieren möchte oder sich freut, wenig darüber nach­denken zu müssen, was etwas kostet. Aber die Innen­ori­en­tie­rung gibt einem die Kraft und Stärke, die wir für ein ganz­heit­lich gutes Leben brau­chen.
      LG Svenja Hofert

  2. Tina Marie Frey 15. Mai 2018 at 19:41 — Reply

    Vielen Dank für den inter­es­santen Artikel.

    Ich bin erstaunt zu lesen, dass Amazon hier erwähnt wird. Amazon mit seiner schlechten Arbeits­at­mo­sphäre ist eine Firma, die man nicht emulieren sollte. (https://www.nytimes.com/2015/08/16/technology/inside-amazon-wrestling-big-ideas-in-a-bruising-workplace.html) Wer möchte sich bei der Arbeit ein Magen­ge­schwür holen? Nur weil ein Unter­nehmen nach außen hin erfolg­reich ist, heißt es nicht auto­ma­tisch, dass es intern stimmig ist. (Die Rekord­ge­winne sind auch damit zu erklären, dass die Gehälter niedrig sind und dass das Unter­nehmen wenig Steuern zahlt. Aber dies nur am Rande.)

    Ich glaube nicht, dass junge Menschen unter 25 (oder welches Alter auch immer) mit ihren Skills besser sind als ältere, auch 45 und älter. Es sind andere Skills, aber sind es jene, die wir benö­tigen? Diese jungen Menschen mögen sich mit den Gadgets auskennen, aber ihnen fehlt es an Lebens­er­fah­rung, der Erfah­rung im Arbeits­leben (office poli­tics) und zuweilen an Demut. Was so manch junger Mensch im Arbeits­leben von sich gibt, geht gar nicht. Es gibt bestimmte Verhal­tens­re­geln.

    Frau Hofert, ich möchte Ihrem Sohn nicht zu nahe treten, er mag, optisch gesehen, eine tolle Präsen­ta­tion erstellt haben, aber wie war es inhalt­lich? Wie viel Zeit hat er mit dem Inhalt verbracht, wie viel mit dem Layout? Ich habe auch mit der Schreib­ma­schine ange­fangen, mein erstes Referat darauf geschrieben, ich habe über jeden Satz lange gegrü­belt, denn ein Löschen ging nicht mehr.

    Viele Firmen scheinen dieses “Aufrüsten” an Tools nur zu machen, weil es hip ist, weil andere Firmen es auch machen, weil dies Digi­ta­li­sie­rung sei. Nein, nur weil ich ein paar Geräte anschaffe, bin ich nicht auto­ma­tisch im digi­talen Zeit­alter ange­kommen. Man hat zwar die Realität verän­dert, aber nicht sein Mindset/seine Einstel­lung. Auch der Begriff “agil” ist mitt­ler­weile derart abge­griffen, infla­tionär, dass fast alles mit agil bezeichnet wird.

    Manches braucht man einfach auch nicht. Viele Tools sind Spie­le­reien. (Und um auf Amazon zurück­zu­kommen, Amazon ist intern gar nicht so digi­ta­li­siert.)

    Ich bin 45+ und Lernen gehört täglich zu meinem Leben, aber Firmen haben mich abge­schrieben. Wie soll ich die nächsten 22 Jahre verbringen? In Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit? Dabei bringe ich — wie so viele andere auch — so viel mit, was man in keinem Buch nach­lesen kann. Die Firmen beklagen sich über Fach­kräf­te­mangel, aber Menschen ab 40 werden ausge­siebt. Und wenn sich “nur” 30 Menschen auf eine Stelle bewerben, dann ist das schon Fach­kräf­te­mangel. Stel­len­be­schrei­bung sind derart detail­liert, dass es nie einen pass­ge­nauen Kandi­daten geben wird. Viele bewerben sich schon gar nicht mehr darauf. Wozu? Der Robot nimmt die Bewer­bung raus. Und so kommt dann der — nicht­vor­han­dene — Fach­kräf­te­mangel zustande. Quer­ein­stieg ist ein Fremd­wort in deut­schen HR-Abtei­­lungen, wo es Ange­stellte gibt, die seit 20, 30 Jahren nur dieselben Aufgaben ausführen. 20, 30 Jahre in derselben Firma. Wie kann so jemand eine gute Kandi­da­ten­aus­wahl treffen?

    Und wenn jemand seit Jahren die Tage bis zur Rente zählt, dann sollte man sich als Vorge­setzter fragen, ob diese Person nicht viel­leicht unter­for­dert ist oder nicht ihren Fähig­keiten entspre­chend einge­setzt wird. Viele Firmen möchten Bewerber mit aalglatten Lebens­läufen. Der Bewerber sollte 15, 20 Jahre lang ein und dieselbe Stelle besetzt haben. Ist das wirk­lich ein Zeichen von Bestän­dig­keit? Oder viel­leicht eher Verzweif­lung, weil man keine andere Stelle gefunden hat? Dieser Mensch ist ausge­brannt.

    Wenn Menschen aufgrund von Lebens­um­ständen und auch mal einer Fehl­ent­schei­dung ein paar Umlei­tungen im Lebens­lauf aufweisen, dann werden diese gleich bei der Bewer­bung ausge­siebt. Aber gerade diese Menschen haben Ausdauer gelernt und bewiesen.

    A propos Mindset, in deut­schen Chef­etagen und HR-Abtei­­lungen herrscht immer noch “fixed mindset” (Carol Dweck). Wir brau­chen aber “flexible mindset”. Es ist frus­trie­rend und traurig zu sehen, wie ein Land seine Fach­kräfte verschwendet.

    Alles Gute

    • Svenja Hofert 17. Mai 2018 at 11:03 — Reply

      Amazon ist zwar erwähnt, aber nicht unbe­dingt als Vorbild — oder lesen Sie das darin? Ich denke wir sollten aufhören, das was früher war über das zu stellen, was heute ist. Wir alle stehen in einer Linie zu unserer Familie, zur Mensch­heits­ge­schichte. Jede Gene­ra­tion entwi­ckelt etwas weiter, einige, siehe Mittel­alter drehen etwas zurück. Wir neigen dazu, uns selbst zu erhöhen, indem wir das “Neue” abwerten — aus meiner Sicht ist das falsch. Sehen wir unsere Kinder doch als Chance, die Dinge früher, anders, weiter zu denken als wir. Sie können viel­leicht einige Dinge weniger gut, aber auf die kommt es auch nicht mehr an.LG Svenja Hofert

      • Tina Marie Frey 22. Mai 2018 at 12:25 — Reply

        Hallo Frau Hofert,

        vielen Dank für ihre Antwort.

        Ich stelle nicht das, was früher war, vor das, was heute ist. Ich werte auch nicht das Neue ab oder denke, ich sei besser als jüngere Menschen. Da haben Sie mich miss­ver­standen. Und bin ich erstaunt, dass man mich derart miss­ver­standen hat.

        Was mir sauer aufstößt ist, dass man Menschen, die 40+ sind, anschei­nend abge­schrieben hat und ihnen die Fähig­keit, sich zu ändern und weiter­zu­ent­wi­ckeln, aberkennt.

        Ich verstehe halt nicht, warum die ganze Diskus­sion — gene­rell, ich lese auch andere Blogs — auf die jungen Menschen abzielt, als ob der Rest nicht exis­tieren würde.

        Ich sehe in unseren Kindern eine Chance, aber diese dürfen auch nicht auf uns herab sehen oder ablehnen, weil wir “älter” sind.

        Gruß

  3. […] in einer digi­talen und möglichst schlanken / auto­ma­ti­sierten Orga­ni­sa­tion erfor­der­lich sind. Es gibt drei dies­be­züg­liche Haupt­kom­po­nenten des “Digital DNA”: Mindset, Skillset und Tool­setEine solche «Digital-DNA» ist speziell immer rele­vanter geworden bezüg­lich den mitunter laufenden […]

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