Kate­go­rien

So bleiben Sie in guter Erin­ne­rung: 3 Anfor­de­rungen an eine gute Bera­tung

Published On: 9. Februar 2015Cate­go­ries: Aktuell

Frau stellt die weiche ihres Lebens„Dieser Frau habe ich es zu verdanken, dass ich heute bin, wo ich bin.“ Das sagt ein erfah­rener Geschäfts­mann, der einmal sehr an sich selbst zwei­felte und an einem Wende­punkt seines Lebens zu einer Bera­terin gegangen ist. Von da an wurde alles anders. In seinen Augen. Natür­lich hat er sich diese Geschichte auch zurecht­ge­legt, selbst­ver­ständ­lich steigt in der Rück­wärts­be­trach­tung oft die Bedeu­tung von etwas, der Hind­sight bias. Und ohne Frage ist der Mensch es, der „es geschafft“ hat, seine Persön­lich­keit, seine Poten­ziale — und niemals der Berater. Und doch sind diese erst frei­ge­setzt worden, als er dort saß, in dem Büro dieser Frau. Es sind Coachs, die für manche Aha-Effekte sorgen. Aber es sind Berater, an die man sich noch lange erin­nert. Weil sie Weichen polieren, die eigent­lich schon gestellt sind. Weil sie Dinge sagen, die in diesem Moment genau richtig sind und das Signal zum Rüber­fahren des Zuges geben. Weil sie klar sind, mit dem was sie fühlen, sehen und sagen. „Auf diesem Weg bist du falsch, geh diesen.“ So etwas auszu­spre­chen, verlangt Einschät­zungs­ver­mögen und Reife. Und Mut. Dann aber liegt eine große Chance in einer Form der Bera­tung, die sich an keine streng syste­­misch-konstruk­­ti­­vis­­ti­­schen Coaching-Regeln hält. Suchte man Grund­lagen für diese Form der Bera­tung, würde man sie finden bei Carl Rogers aktivem Zuhören, Ruth Cohns „Störungen haben Vorrang“, in der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse und ein wenig noch an Schultz von Thun.…

3 Anfor­de­rungen an eine gute Bera­tung:

1. Der Berater darf Mut machen. Aber: Er muss seine Moti­va­tion am rich­tigen Punkt ansetzen. Nicht jeder kann zu jedem Zeit­punkt alles errei­chen. Menschen haben ihre eigenen Ressourcen (und Bremsen). So kann kein Berater der Welt Leute auf Wege schi­cken, die sie nicht begehen können. Deshalb kann eine wirk­same Bera­tung nur bei den Möglich­keiten der Person ansetzen. Wenn ich jemanden sage „ich bin sicher, das Unter­neh­mertum ist genau das rich­tige für Sie“, wird das nur derje­nige annehmen, der auf diese Bestä­ti­gung wartet und aus seinem eigenen Kontext heraus annehmen will. Denn in diesem Kontext verwan­delt sich Feed­back in Ressourcen. Es ist am Ende nicht möglich zu sehen, ob solche neuen Ressourcen nur entstehen, weil schon die Grund­lage da war. Oder ob sie diese erst geschaffen haben. Und eigent­lich ist das auch gar nicht wichtig. Die Kunst des Bera­ters ist zu erkennen, an welchem Punkt sein Gegen­über steht und was seine Ressourcen sind – um die Moti­va­tion dort zu plat­zieren, wo sie den maxi­malen Nutzen bringt.

2. Der Berater darf Empfeh­lungen geben. Aber nie von der Stange.

Manche Berater geben Empfeh­lungen, ohne die Voraus­set­zungen zu haben, Empfeh­lungen geben zu können. Geht Susi zu einem Berufs­be­rater, der ihr sagt, mit ihrer 3,0 im Abi kann sie nur eine Lehre machen und sich das erträumte Jura­stu­dium abschminken, hier bitte seien die Adressen mit offenen Lehr­stellen, so ist das zwar eine Bera­tung, aber eine schlechte. Denn diese Empfeh­lung ist Bull­shit. Ein guter Berater schaut sich ganz genau an, was jemand will und was seinem Klienten möglich ist. Er kennt das Zusam­men­spiel von Moti­va­tionen, Inter­essen und Fähig­keiten; er weiß, welche Rolle Prägungen der Familie spielen — und er sucht nach Lösungen für den entspre­chenden Menschen.

3. Der Berater muss diffe­ren­zieren. Bera­tung ist nicht Beleh­rung.

Man macht das so oder so und nicht so. Man trägt hell­blau, verzichtet auf den Bart und auf Lücken und Lebens­lauf. Eine Viel­zahl von Bera­tern neigt zur Gene­ra­li­sie­rung. Deshalb sind auch viele Bewer­bungs­be­rater, die wie Super­stars auf Messen gehan­delt werden, in meinen Augen keine guten Berater. Sie sagen so oder so müsse man etwas machen und man dürfe zum Beispiel keine Lücken haben, dann sei man raus. Sie spielen mit der Angst und brechen ihre eigene Welt­sicht über die Massen und Mengen. Und das ist für mich eine Verlet­zung einer weiteren Grund­regel guter Bera­tung: Die eigene Welt­sicht muss voll­kommen irrele­vant sein für die Empfeh­lungen. Bera­tung ist keine Beleh­rung.

Die wich­tigsten Coaching-Basics für Berater erscheinen diese Woche als Selbst­lern­kurs bei Kexpa®. Sie möchten vorbe­stellen? Schreiben Sie uns eine Mail an info@kexpa.de.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Lukas 10. Februar 2015 at 18:42 — Reply

    Danke für diesen inter­es­santen Artikel. Solche Berater wünscht man sich!

    Viele Grüße, Lukas

  2. Markus Ober­ender 13. Februar 2015 at 7:11 — Reply

    Das mit dem indi­vi­du­ellen Eingehen auf den Kunden ist schon richtig. So würde ich mir meinen Berater auch wünschen. Wenn ich mich schon von einem Menschen beraten lasse, dann erwarte ich keine “Lösungen von der Stange” wie aus einer Soft­ware oder einem Buch. Ich sehe da nur ein Problem: Wie stellen sie sicher, dass Ihre Bera­tung quali­tativ gut ist? Bei einer sehr indi­vi­du­ellen Bera­tung lässt sich deren Qualität doch objektiv kaum über­prüfen und inhalt­lich begründen. Deswegen arbeiten z. B. Psycho­the­ra­peuten mit Thera­pien, die inhalt­lich vorge­geben und offi­ziell aner­kannt sind und wissen­schaft­lich über­prüft wurden. Wegen der Quali­täts­si­che­rung ist dann natür­lich nicht so viel Raum, für sehr indi­vi­du­elle Lösungen.

    • Svenja Hofert 13. Februar 2015 at 10:46 — Reply

      Quali­täts­si­che­rung halte ich für schwierig bis unmög­lich, denn was will man sichern? Evalu­ie­rungen zielen auf “Gefallen”, wenn Wirkung erfragt wird, muss diese sehr klar defi­niert sein. Und niemand wird wissen, wie ein Fall ohne diese Bera­tung verlaufen wäre (dazu müsste man Vergleichs­gruppen bilden und bräuchte ein expe­ri­men­telles Längs­schnitt­de­sign). Alle Versuche, z.B. Coaching in Quali­täts­normen zu pressen, sind bisher geschei­tert. LG Svenja Hofert

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