Kate­go­rien

Netz­werken für die Karriere – Wie mache ich das denn konkret?

Published On: 9. November 2012Cate­go­ries: Karriere

Das Wich­tigste, nicht alles sagen © kotoya­ma­gami — Fotolia.com

Den Teil­neh­mern eines Vortrags vom Montag­abend habe ich verspro­chen, an diesem Freitag in meinem Blog die wich­tigsten Regeln zum Netz­werken für die Karriere zusam­men­zu­fassen. Hallo Frank­furt, Hamburg, Köln (und wer das sonst noch so mitliest):

Lektion 1: In Kommen­taren von Blogs und in Gruppen aktiv sein

Bisweilen möchten in meinem Blog junge Leute kommen­tieren, die allzu frei­mütig ihren Namen und E‑Mail zu einem allzu direkten Kommentar eingeben. Ich maile dann erst mal, ob sie wirk­lich wollen, dass ich das frei­schalte, denn viele sind sich nicht bewusst, dass man sie dann unter ihrem Namen googeln kann.

Das heißt: Wenige denken darüber nach, WAS sie sagen und WIE sie es sagen. Doch als Ange­stellter sind Sie in einer spezi­ellen Situa­tion. Sie sind Reprä­sen­tant Ihres jetzigen und viel­leicht zukünf­tigen Unter­neh­mens, selbst wenn Sie privat im Netz unter­wegs sind. Doch das Wort von gestern kann Ihr Schaden von heute sein.

Deshalb: Als meinungs- und disku­tier­freu­diger Mensch, legen Sie sich für Kommen­tare in Blogs und an anderen öffent­li­chen Stellen eine eigene E‑Mail-Adresse an, sofern Sie das, was Sie sagen, nicht für Ihre Profi­lie­rung als Experte für ein Thema nutzen wollen, also um auf sich aufmerksam zu machen. Dann nennen Sie auch Ihren Namen nicht. Ich spreche in meinem Blog, wenn ich Kommen­tare kommen­tiere ganz bewusst nur dieje­nigen an, die ich kenne. Ich mache auch einen Unter­schied beim Alter: Von jemanden mit 40 erwarte ich ein anderes Stan­ding als von jemand mit 20. Bei erfah­renen Menschen gehe ich eher davon aus, dass er/sie weiß, was sie sagt.

Kenne ich die Personen nicht, verfasse ich kein „hallo NAME“. Nicht jeder Blogger denkt an diese Dinge  und schwupps stehen dumme Sachen im Netz…

Lektion 2: Auf Fanpages auftreten und liken

Es ist selbst für mich schwer, zwischen meinem öffent­li­chen Profil und meiner Fanpage hin- und herzu­schalten. Deshalb vermute ich, ohne Zahlen zu kennne, dass vielen nicht bewusst ist, dass das, was Sie z.B. auf dem Profil von Lady Gaga äußern, für alle Mitglieder von Face­book, ergo auch für Perso­naler, sichtbar ist.

Einige in Anstel­lung befind­liche Personen hängen sich wie Jünger nicht nur an Stars (was harmlos ist), sondern auch an zwie­lich­tige Bote­schaften oder an esote­risch ange­hauchte Personen, Insti­tu­tionen, Marken hängen. Bestimmte Themen, eben auch die spiri­tu­ellen, sind in ange­se­henen Medien nicht ohne Grund KEIN Thema. Ich wäre hier vorsich­tiger. Dieses beden­ken­lose “Anhängen” wie auch das manchmal sehr emotio­nale öffent­liche Äußern von Befind­lich­keiten betrifft, sorry, leider häufiger Frauen.

Fragen Sie sich mal selbst, ob Sie jemanden als Manager Ihres Unter­neh­mens einstellen würden, der sich auf einer Esote­rik­seite bei Face­book durch begeis­terte Hurra-oder Endzeit­rufe hervor­getan hat. Ein Like dagegen, sagen wir, bei jemanden wie dem Buch­autor und Speaker Rein­hard Sprenger (der aber gar nicht face­bookt), wäre dagegen vertretbar. Es gibt defi­nitiv eine unge­schrie­bene „poli­tical correct­ness“.

Es sagt auch etwas aus, wenn Sie blind alles liken, was mit Gewinn­spiel, Autos oder Klamotten zu tun hat. Eine durch­dachte Like-Stra­­tegie ist sinn­voll, sollten Sie auch nur in Ansätzen an ein persön­li­ches Weiter­kommen im Beruf denken.(Denn dass sie an gewissen Stellen des Auswahl­pro­zesses und erst recht für gewisse Posi­tionen gegoo­gelt werden, auch wenn das aus recht­li­chen Gründen  wenige zugeben, sollten Sie einfach mal unter “das ist gängige Praxis” vermerken).

Wenn Sie unsi­cher sind mit Ihren Likes, schauen Sie sich mal an, wen Social Media-affine Personen liken, man kann daraus die „poli­tical correct­ness“ ableiten. Man sollte sich aber mit dem Gelikten iden­ti­fi­zieren können.

Lektion 3: Wo WIE aktiv sein

Ich habe auf meinem Vortrag gesagt, dass ich es bedenk­lich finde, dass laut BITKOM 10% aller Deut­schen zwischen 30 und 49jährigen bei Xing ange­meldet, aber nur 5% davon aktiv sind. Bei Linkedin, das sich eher für die Profi­lie­rung für eine inter­na­tio­nale Karriere eignet, sieht es meiner Einschät­zung nach leicht besser aus. Wer das Netz­werk kennt, ist meist schon etwas inter­net­af­finer und geht entspre­chend einen Tick bewusster mit seiner Darstel­lung im Netz um

Von diesen 5% aktiven hat nur ein klei­nerer Teil ein wirk­lich gutes Profil. Deshalb: Wer sich nicht dazu „committet“ mindes­tens einmal die Woche rein­zu­schauen und Netz­­werk- und Profil­pflege zu betreiben, sollte lieber draußen bleiben oder löschen. Ein unge­pflegtes Profil schadet mehr als das es nutzt.

Lektion 4: WAS sagen?

Der Wunsch eine Art Muster für seinen Profil­text zu erhalten ist verbreitet. Nun ist es so, dass Erfolg des aktiven Internet-Netz­­wer­kens ebenso wie bei Bewer­bungen immer an indi­vi­du­elle Vorge­hens­weisen gekop­pelt ist — und Muster sind nicht indi­vi­duell. Ich empfehle denen, die sich unsi­cher sind, sich eher auf Keywords als auf ausfor­mu­lierte Sätze zu verla­gern. In diesen Keywords sollten die wich­tigsten 8–15 Begriffe vorkommen, die die eigene Person und Ihre Kompe­tenz unter­strei­chen. Ein fiktives Beispiel:

  • Betei­li­gungs­con­troller, 8 Jahre Berufs­praxis, Schwer­punkt Osteu­ropa, Team­lei­tung bis 5 Personen, Kennt­nisse USA, IFRS, HGB, US-GAAP, drei Jahre vor Ort in Warschau, mehrere Projekt­lei­tungen, erfolg­reiche SAP-Einfüh­rung

Strei­chen Sie Ausdrücke wie „Team­fä­hig­keit“, das sind Wort­hülsden. Ausfor­mu­lierte Sätze sind so heikel wie die dritte Seite in Bewer­bungen. Nur wenige können das wirk­lich miss­ver­ständ­nis­frei und positiv formu­lieren. Im Zweifel lassen Sie sich ein Feed­back geben. Einen kleinen Ausschnitt auf das Private sollten Sie zulassen. Da gelten ähnli­chen Regeln wie für den CV.

Lektion 5: Mit WEM netz­werken?

Wenn Sie wissen wollen, welches Netz­werk Sinn macht, lesen Sie hier. Als Busi­ness Netz­werke eignen sich vor allem Xing und Linkedin, auch Twitter geht eher in die Busi­­ness-Rich­­tung, nutzt man es bewusst. Alles unter 50 Kontakte wirkt inzwi­schen ein wenig „vereinsamt“, wobei “mehr” nicht unbe­dingt gut ist. Zu viele Kontakte wirken beliebig und sehen nach Kontak­te­sammler aus, und deren Image sinkt stünd­lich. Stecken Sie also etwas Zeit in den Ausbau Ihrer Kontakte, wenn es nur wenige sind — misten Sie raus, wenn es zu viele sind. Wollen Sie sich für ein neues Thema posi­tio­nieren, suchen Sie ganz bewusst die Personen, die darin einen Namen haben. Über die Art der Ansprache und NoGos habe ich hier bei Spiegel Online und hier schon öfter gespro­chen.  Machen Sie sich bewusst, dass „du bist, wen du kennst“. Es kommt also nicht nur darauf an, was Sie schreiben, sondern auch, wen ich sehe, wenn ich Ihre Kontakt­liste anschaue – oder Ihre Follower.

Deshalb sollten Sie auch nicht jeden „rein­lassen“. Über­legen Sie sich Krite­rien, die in Ihrem Fall Sinn machen. Seien Sie klar und eindeutig, in dem was Sie tun. Ein Lehrer könnte z.B. entweder alle Schüler oder gar keinen Schüler bestä­tigen, ein Manager alle ihm zuge­ord­neten Mitar­beiter oder keine. Ich selbst kontakte nie private Kunden – ich schalte sie aber frei, wenn Sie eigen­in­itiativ auf mich zugehen. Das ist Teil meiner Stra­tegie. Und die habe ich mir gut über­legt 😉

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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