Kate­go­rien

Weiter­­bil­­dungs-Master: Neuer Schwenk und neue Karriere-Chancen

Published On: 30. Januar 2016Cate­go­ries: Führung

Gelang es früher noch leicht, als Quer­ein­steiger in neuen und zukunfts­träch­tigen Berei­chen Fuß zu fassen, so ist dies heute fast unmög­lich geworden. So genannte nicht-konse­­ku­­tive Master können dabei ein Binde­glied sein. Sie sind der Baustein, der dem Lebens­lauf einen entschei­denden neuen Schwenk in eine zukunfts­träch­tige Rich­tung gibt. Weiter­­bil­­dungs-Master sind Master, die keinen einschlä­gigen ersten Abschluss voraus­setzen, sondern ledig­lich irgend­einen Hoch­schul­ab­schluss, einen Bachelor oder einen anderen Master. Für berufs­er­fah­rene Menschen, die einen Schritt Rich­tung Spezia­li­sie­rung machen wollen, sind diese Master­pro­gramme oft ideal, zumal sie oft in Teil­zeit absol­viert werden können. Der berühm­teste Master-Abschluss in Weiter­bil­dung ist der Master of Busi­ness Admi­nis­tra­tion, also MBA.

Weil diese Studi­en­gänge nicht oder nur bedingt auf vorhe­rigen Studi­en­gängen aufsetzt, hat man sie bis 2010 nicht-konse­­kutiv genannt. Da sie für spätere Phasen im Berufs­leben bestimmt sind, und eben oft konkrete — und teils auch einschlä­gige auf das Wunsch-Fach­­be­­zo­­gene — Berufs­er­fah­rung fordern, nennt man sie heute lieber Weiter­bil­dungs­master. In der Mosaik-Karriere der neuen Arbeits­welt spielen sie eine beson­dere Rolle. Der Haken ist nur: Dieser Master, der oft das 2. oder 3. Studi­en­ab­schluss ist, muss Teil einer sinn­vollen Karrie­re­pla­nung sein. Sonst nutzt er wenig.

Ein Leit­faden:

1. Inte­grieren Sie den Master in ihre Karrie­re­pla­nung

Suchen Sie sich nicht irgend­einen Master, sondern durch­denken Sie gut, für welchen Sie sich entscheiden und warum. Dem Inter­es­sen­stu­dium können Sie auch noch mit 60 noch nach­gehen. Wollen Sie am Arbeits­markt in neuen Bran­chen und Berei­chen Fuß fassen und mit dem Master auch Geld verdienen oder eine bessere Stel­lung einnehmen, muss er Teil einer gezielten Karrie­re­pla­nung sein. Das ist er meist auch: Berufs­tä­tige, die das Erst­stu­dium Jahre hinter sich haben und die eigenen Stärken kennen, gehen weitaus ratio­naler an so eine Entschei­dung.

2. Setzen Sie auf den rich­tigen Baustein

Businessman putting last block to the towerDoch was studieren? Es sind die digi­talen und IT-tech­­ni­­schen Themen, die den Markt beherr­schen. Das bekommen auch viele BWLer zu spüren, die auf klas­si­sche Themen wie Marke­ting gesetzt haben und es nun schwer haben, hier weiter­zu­kommen, da alles digital geworden ist und Daten­ana­lysen Einzug halten. Überall lauern aber digi­tale Natives, die „digital“ mit der Mutter­milch aufge­sogen haben. Nun macht es wenig Sinn, mit Nerds zu konkur­rieren, und man wird als 40jähriger kaum mehr den Wissens­stand eines 22jährigen errei­chen. Aller­dings können Sie Ihr metho­di­sches und konzep­tio­nelles Niveau anheben und damit zu einem besseren Entscheider werden. Das sollte auch die Stoß­rich­tung eines solchen Master sein.

Mit einem Weiter­­bil­­dungs-Master können sie inzwi­schen sogar fehlende Infor­ma­tik­kennt­nisse aufholen, denn mehr und mehr zeigen sich Weiter­­bil­­dungs­­­master-Ange­­bote, die digi­tale oder IT-Themen beinhalten. Die Hoch­schule Konstanz hat den Busi­ness Infor­ma­tion Tech­no­logy Master etabliert (BIT), in den Nicht-Wirt­­schafts­­in­­for­­ma­­tiker „konver­tieren“ können. Der Master „Multich­annel Trade Marke­ting in textile Busi­ness“ der Hamburger HAW bezieht E‑Com­­merce-Know-how mit ein. Die pädago­gi­sche Hoch­schule in Heidel­berg schult in E‑Learning. Und auch die private Hoch­schule Stein­beis bereitet einen nicht-konse­­ku­­tiven Studi­en­gang im E‑Learning vor. Die Digi­ta­li­sie­rung der Bildung: ganz sicher ein Zukunfts­thema.

Das soll aber nicht heißen, dass es nur Tech­no­lo­gie­themen sind, die inter­es­sant sind! Im Zweifel erhalten Sie aber leichter mit solchen Themen Zutritt in den Arbeits­markt als mit einem Master of Sexology oder Gender Studies.

Da wir davon ausgehen können, dass uns das Thema Spra­chen­lernen und Inte­gra­tion eine Weile beschäf­tigen würde, könnten Sie auch über einen Master in Deutsch als Fremd­sprache nach­denken — bitte im Bewusst­sein, dass Sie in diesen beruf­li­chen Feldern nie viel Geld verdienen werden, wenn sich unser Wirt­schafts­system nicht ganz neu struk­tu­riert. Auch soziale Arbeit ist sicher ein Zukunfts­feld, meines Wissens gibt es derzeit keinen Weiter­­bil­­dungs-Master, der zum Beispiel Geis­tes­wis­sen­schaftler in diese Rich­tung bringen könnte. Sozi­al­wis­sen­schaftler aller­dings können teils umsat­teln. Da viele Schwie­rig­keiten auf dem Arbeits­markt haben, durchaus nach­den­kens­wert.

3. Wählen Sie den rich­tigen Zeit­punkt

In den Master­pro­grammen liegen also viele Chancen – auch für Menschen, die bereits einen oder zwei Abschlüsse haben und schon länger im Beruf stecken. Stützt der Arbeit­geber das Projekt „Master“, ist alles weitere einfach. Unserer Erfah­rung ist jedoch meist so: Die Berufs­tä­gigen sind 5,6 Jahre oder sogar länger im Job und sie möchten dann einen neuen Dreh. Einige wollen nicht beim Arbeit­geber bleiben, weil sie das „Neue“ dort auch nicht anwenden können. Andere wollen karrie­re­tech­nisch weiter­kommen, eine dritte Gruppe braucht neues intel­lek­tu­elles Futter (für diese steht auch die Promo­tion als Option parat). Der Master bedeutet dann nicht selten auch eine zeit­weise Gehalts­ein­buße. Optimal ist er deshalb in Fami­li­en­phasen, in denen Mann oder Frau ohnehin kürzer treten wollen. Oder bei einer gezielten Neuori­en­tie­rung.

4. Lassen Sie sich nicht von PR blenden

Wie überall wirkt auch bei der Master­wahl die Verfüg­bar­keits­heu­ristik: Menschen neigen dazu, das zu präfe­rieren, was sie kennen und oft sehen. Das ist aber nicht notwen­di­ger­weise auch gut oder bietet die verspro­chenen Chancen. Vieles hört sich auch einfach und nach wenig „Mathe“ an – leider haben gerade Frauen hier oft auch lange nach dem ersten Abschluss noch unnö­tigen Respekt.

Ich würde mich freuen, wenn es bei bildungs­po­li­ti­schen Ange­boten irgend­wann einmal ist wie bei Gesund­heits­wer­bung: Sie muss regle­men­tiert werden. Derzeit gibt es wenig Werbe­ein­schrän­kungen und kaum objek­tive Krite­rien — aber einige dann schon. Eine wieder­holte inter­na­tio­nale Akkre­di­tie­rung ist ein gutes Zeichen. Auch dass ein Studi­en­gang länger besteht, spricht für ihn. Manchmal kann es aber eben auch gut sein, auf ein neues Pferd zu setzen. Nur muss man das dann noch mal genauer testen, um nicht zum Expe­ri­men­tier­feld zu werden…

5. Lassen Sie sich gut beraten

Fast 98.000 Menschen schlossen laut Statista 2014 einen Master ab, 230.000 einen Bachelor. Von den 17.437 Studi­en­gängen sind 7.689 Master. Wie viele davon nicht direkt auf dem vorhe­rigen Abschluss aufbauen, ist leider nicht ermit­telbar. Der Hoch­schul­kom­pass sortiert die weiter­bil­denden Abschlüsse nicht. Mir ist auch keine Website bekannt, die das tut (ein Angebot, das defi­nitiv fehlt!). So ist die Suche nach diesen Studi­en­gängen oft mühsame Klein­ar­beit, vor allem wenn man auch das Ausland einbe­zieht.

Bei dem Thema Weiter­bil­dungs­be­ra­tung sind Karrie­re­coachs und Karrie­re­be­rater mit viel Erfah­rung gefragt. Hier reicht kein Coaching, das Hilfe zur Selbst­hilfe gibt. Aber natür­lich muss die Bera­tung die persön­li­chen Moti­va­tionen und Ziele berück­sich­tigen. In meiner Ausbil­dung „Karrie­re­ex­perte Profes­sional“ arbeiten wir dazu mit dem 360Grad-Modell, das hilft, Karrie­re­ziele zu ermit­teln und daraus Poten­ziale abzu­leiten. Viele Klienten sind hier gut reflek­tiert und haben bereits Ideen, andere muss man auf die Spur bringen. Eine falsche Entschei­dung ist eben oft auch eine teure Entschei­dung!

Meine Daten­bank Karriereexperten.com/Teamexperten.com, die am Dienstag 2.2.2016, rund­um­er­neuert online geht, bietet einen Anhalts­punkt für die Recherche. Dort können Sie dann nach Bera­tern suchen, die meine Weiter­bil­dung “Karrie­re­ex­perte Profes­sional” durch­laufen und zusätz­lich das Konzept bestanden haben (nur ein Teil der Teil­nehmer). Außerdem können Sie die Daten­bank nach konkreter Bera­tungs­er­fah­rung durch­su­chen.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

2 Kommen­tare

  1. Hendrik Epe 1. Februar 2016 at 10:00 — Reply

    Lieber Herr Epe, immer her mit dem Besserwissen.…ändere ich ab. Ist aber ja eher ein Benen­nungs­thema. Es bleibt ja letzt­end­lich der Fakt, dass diese Studi­en­gänge nicht oder nicht voll­ständig auf den vorhe­rigen aufsetzen. In den Hoch­schul­be­schrei­bungen ist der Begriff oft noch drin. Danke und LG Svenja Hofert

    Liebe Frau Hofert,

    ich mag ja eigent­lich gar nicht so besser­wis­se­risch klingen, aber:

    Im Jahr 2010 wurde der nicht-konse­­ku­­tive Master abge­schafft. Es gibt nur noch konse­ku­tive und weiter­bil­dende Master-Studi­en­­gänge. Dies ist nach­zu­lesen in den Länder­ge­mein­samen Struk­tur­vor­gaben für die Akkre­di­tie­rung von Bachelor- und
    Master­stu­di­en­gängen (Beschluss der Kultus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 04.02.2010): http://bit.ly/1SSO7sz

    Ansonsten ist die Über­schrift eher verwir­rend…

    Beste Grüße

    Hendrik Epe

  2. Rene Rotz­wunkl 11. Februar 2016 at 18:01 — Reply

    Kleiner Hinwes:
    IT-tech­­ni­­schen würde ausge­schrieben : infor­­ma­­ti­ons­­tech­n­­lo­­gisch-tech­­ni­­sche bedeuten, bitte ändern!

Leave A Comment