Kate­go­rien

Null Daten­schutz, falsche Verspre­chen: Liebe Perso­naler, so geht´s nicht

Published On: 30. Juli 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Diesen offenen Blog muss ich einfach mal schreiben. Weil mir wirk­lich so oft Unfass­bares berichtet wird über die Perso­nal­aus­wahl und den Recrui­tin­g­pro­zess. Vielen meiner Kunden wider­fahren Dinge, die weit über den Anek­do­ten­status hinaus­gehen. Ich nehme hier explizit die Profis aus. Bewerber können diese gut unter­scheiden  von den anderen. „Das war ein Super-Perso­naler“  auch solche State­ments gibt es.

Es über­wiegen indes bad news. Etwa zum Daten­schutz. Wollen Sie nicht auch, dass mit Ihren sensi­blen Daten sorg­fältig umge­gangen wird? Kürz­lich bekam eine Kundin eine E‑Mail-Bewer­­bung als zerknülltes Papier­do­ku­ment zurück – leider stammte die Bewer­bung gar nicht von ihr, sondern von einer Namens­vet­terin. Schon einmal schrieb ich über die Absage in CC:, die eine Hamburger Firma an 283 Bewerber sandte.  Und  dann beklagen sich Unter­nehmen darüber, dass die Qualität der Bewerber sinkt. Wie viel Vertrauen in ein Unter­nehmen haben Sie, das so handelt?

Bewer­bern unter­laufen sicher auch viele Pein­lich­keiten. Aber es gibt einen entschei­denden Unter­schied: Sie sind als HR-ler Profi, oder sollten es jeden­falls sein. Wie wollen Sie im kommenden Zeit­alter öffent­li­cher Bewer­tungen über Kununu und andere mit solch einem Verhalten bestehen? Ist der Ruf erst ruiniert… müssen Sie viel mehr inves­tieren als jetzt.

Nach­läs­sig­keit ist das eine.  Die Tatsache, dass Unter­nehmen oft nicht wissen, wen sie eigent­lich suchen, etwas fast noch Schlim­meres. Da werden Bewerber einge­laden und durch ein aufwän­diges Verfahren geschleust, das mehrere tausend Euro kostet. Die Bewerber bereiten Präsen­ta­tionen vor, üben das Gespräch, denken nach und inves­tieren Zeit — in Sie. Alles auf Basis der Infor­ma­tionen, die Sie, liebe Unter­nehmen, in Anzeigen und auf der Website geben. Da sollte man doch davon ausgehen, dass diese stimmig sind und durch­dacht.

Wenn Sie nach jemand suchen, der mit krea­tivem Wind neue Ideen einbringt, dann kann es doch nicht sein, dass am Ende raus­kommt, dass in Ihrem Unter­nehmen Ideen gar nicht gewünscht sind, weil 80% der Mitar­beiter über 50 sind, seit 30 Jahren im Betrieb und erst einmal profes­sio­nelle Stra­te­gie­ent­wick­lung mit anschlie­ßendem Change Manage­ment ange­sagt wäre, bevor man einen enga­gierten Krea­tiven verheizt?

„Wir haben erst nach zehn Gesprä­chen gemerkt, wen wir suchen!“ Solche Sätze habe ich mehr­mals gehört. Wieso setzen Sie sich denn nicht mit den entschei­denden Stellen zusammen, bevor sie eine Anzeige konzep­tio­nieren und dann texten? Wieso steht so oft kein Konzept dahinter? Warum inves­tieren Sie nicht in eine wirk­lich genaue Defi­ni­tion dessen, was Sie suchen? Warum holen Sie sich nicht jemand von außen, wenn der interne Blick zu Scheu­klappen führt?

„Du wirst einge­stellt aufgrund deiner Fach­kom­pe­tenzen und gefeuert wegen deiner Persön­lich­keit!“ Diesen Satz sollten Sie doch auch schon mehr­mals gehört haben. Wie wahr er ist. Man könnte die persön­li­chen Krite­rien wirk­lich genau defi­nieren. Will ich nun einen Krea­tiven? Dann kann ich niemand erwarten, der bei der ersten Hürde seine Idee zurück­zieht und sich den Strö­mungen anpasst. Dann muss ich damit rechnen, dass diese Person auch unbe­quem ist und diese Unbe­quem­heit von oben klar und eindeutig wollen und stärken. Jeder mit etwas psycho­lo­gi­schem Grund­ver­ständnis weiß doch: Krea­ti­vität ist keine Eigen­schaft, die ange­passte Menschen entwi­ckeln. Krea­tive müssen einen eigenen Kopf haben, sonst sind es keine. Oder wollen Sie dann doch viel­leicht jemand für die gute Stim­mung im Team? Wieso laden dann manche Perso­naler Leute ein, deren Lebens­lauf man die erfolgs­ori­en­tierte und damit immer auch ein wenig egois­ti­sche Grund­ori­en­tie­rung sofort anliest?

Beruf­liche Moti­va­tionen wie „Lernen“ nehmen sehr stark zu, nicht zuletzt eine Folge der Akade­mi­sie­rung. Und es ist eini­ger­maßen wahr­schein­lich, dass ein Akade­miker – erst recht einer mit Master — norma­ler­weise mehr von seinem Job erwartet und sich nicht dauer­haft mit dem Schrubben von Excel­ta­bellen zufrieden geben wird. Geben Sie für diese Jobs doch jemand die Chance, der geringer quali­fi­ziert ist. Warum wollen Sie unbe­dingt den mit dem super Uni-Studium, der sich im Job lang­weilt, wo doch ein anderer daran richtig Spaß haben könnte?  Wieso hinter­fragen Sie so  selten die Moti­va­tion und arbeiten nicht mit vernünf­tigen Tests?

Wieso lassen Sie Bewerber unsin­nige selbst­fa­bri­zierte Tests und Übungen machen, die keinerlei wissen­schaft­liche Rele­vanz haben und null Prognose über den Erfolg im Job geben. Ein Medi­en­un­ter­nehmen ließ setzte seine Bewerber allen Ernstes vorm Gespräch in einen Raum damit sie dort die Fähig­keit zur einfachsten Prio­ri­tä­ten­set­zung nach­weisen (was ist wich­tiger Reise buchen oder Chef durch­stellen?).  Ach ja, ange­spro­chen waren Leute mit jahre­langer Berufs­er­fah­rung.

Unsin­nige Auswahl­ver­fahren sind das eine. Sehr oft igno­riert werden auch Bewer­ber­mo­ti­va­tionen, dabei spielen diese eine ganz zentrale Rolle. Was nützt es, wenn ein Inge­nieur geniale Fach­kenntnis hat, aber sich im hier­ar­chi­schen Umfeld total unwohl fühlt? Wieso lobt ein Unter­nehmen seine flachen Hier­ar­chien und die vorbild­li­chen Weiter­ent­wick­lungs­mög­lich­keiten, wenn das alles nur hohle Luft ist? Unter­nehmen werden niemanden dauer­haft halten, der eine steile Lern­kurve erwartet, nur weil sie es ihm verspre­chen, um ihn dann zwei Jahre im intel­lek­tu­ellen Still­stand vorm Computer parken. Mir scheint oft, auch Mittel­stand­un­ter­nehmen denken wie börsen­no­tierte AGs: nur kurz­fristig. „Fach­kraft, kaufen!“ -  koste es was es wolle… Dass sich der Bewerber da öfter veräp­pelt vorkommt… wen wundert´s?

Ein biss­chen weniger Werbung und mehr Authen­ti­zität wären wirk­lich hilf­reich. Ob Kai Diek­mann seine Suche nach coolen Onlinern wirk­lich ernst meint, die selt­sa­mer­weise (?) nicht im Stel­len­markt von Axel Springer zu finden ist? (sollte es da Diffe­renzen geben?) Wie dem auch sei: Ich habe mit hoch­qua­li­fi­zierten Onlinern gespro­chen, die es mal in so einem tradi­tio­nellen Umfeld à la Springer versucht haben.  Man wollte das Know-how, die Ideen… aber gegen die Macht­struk­turen kann man nicht an. Ich weiß nicht, ob das bei Bild anders sein kann. Aber ich würde allzu großen Opti­mismus erst mal dämpfen. Kompe­tenzen müssen sich auch irgendwo ando­cken können, damit sie ins System eingehen können. Dass ein paar Springer-Redak­­teure in den Betten des Silicon Valley getobt haben, zeigt nicht, dass sie verstanden haben, wie die Internet-Gene­ra­­tion tickt… Nur, dass man mit ihr feiern kann 😉

Kleine Anek­dote, wurde mir so ähnlich berichtet:

Enga­giert ein Verlag einen in den USA top-ausge­­bil­­deten Onliner. Cooler Fang, sagt der Chef­re­dak­teur und klopft sich auf die Schulter. „Jetzt will ich aber auch was bewirken“, sagt der Onliner. „Das geht hier nicht, man muss erst A fragen, dann B und schließ­lich muss auch noch der Chef­re­dak­teur zustimmen“, sagen die Redak­teure. „Wir sind schließ­lich nicht im Internet. Und online ist eh was für Leute, die nicht schreiben können.“

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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13 Kommen­tare

  1. Markus Väth 30. Juli 2013 at 14:08 — Reply

    Amen dazu!

    • D: Albrecht 20. August 2013 at 18:26 — Reply

      Ich suche jetzt seit 7 Monaten einen Job im Food­ver­trieb.
      Den aufge­führten Bewer­bungs­irr­sinn kann ich voll bestä­tigen.
      Den Gipfel setzte jedoh ein hamburger Unter­nehmen auf, dass ein Stelle auf seiner Home­page ausschreibt — jedoch ohne jegli­chen Hinter­grung ” einfach nur so obli­ga­to­risch ” wie mir die Proku­ristin tele­fo­nisch vorstam­melte !

  2. Natalie Schnack 30. Juli 2013 at 15:03 — Reply

    Gerade das erwähnte Unter­nehmen: geschrieben und gesagt wird viel, die Wahr­heit sieht ganz anders aus — so aus persön­li­cher Erfah­rung gespro­chen 😉

  3. Jens Knöpfel 31. Juli 2013 at 9:35 — Reply

    Da ist aber jemand böse … Aber wie wahr (leider), vor lauter zustim­mendem Nicken ist mir fast der Kopf abge­fallen ;-))
    Hoffent­lich lesen das auch die Rich­tigen!

    • Svenja Hofert 31. Juli 2013 at 12:26 — Reply

      es tut mir ganz ehrlich manchmal regel­recht leid für die Leute, die sich z.B. zusammen mit mir ernst­haft und leiden­schaft­lich vorbe­reiten… Mensch und dabei gobt es doch eigent­lich so viele gute Perso­naler?

  4. Monika 31. Juli 2013 at 10:29 — Reply

    Super Artikel. Trifft bestimmt die Realität vieler Bewerber ziem­lich genau. Was mir in Deutsch­land schon seit Langem auffällt und mich immer mehr stört ist die folgende Sach­lage: die meisten Unter­nehmen machen auf modern und inno­vativ, verkaufen sich als Orte der Krea­ti­vität und Mitbe­stim­mung durch Mitar­beiter (flache Hier­ar­chien und so ein Blöd­sinn), wollen also das Image des modernen Dienst­leis­ters kreieren und suchen angeb­lich hände­rin­gend nach krea­tiven, jungen und flexi­blen Fach­kräften. Stellt man sich dann als Bewerber so dar und versucht inno­vativ zu sein und im Arbeits­alltag alte, verkrus­tete Struk­turen aufzu­brö­seln, ist es mit der modernen und inno­va­tiven Haltung dann schnell vorbei. Das fängt, wie richtig beschrieben, bereits im Bewer­bungs­pro­zess an. Keine Antworten, flap­sige und unhöff­liche Mitar­beiter am Telefon, lange Auswahl­zeit­räume etc. Im Alltag herrscht dann halt doch eher die Gene­ra­tion 50+ und älter und will von Inno­va­tionen nichts wissen. Ich frag mich dann immer, wie solche Unter­nehmen lange am Markt bestehen bleiben wollen.Dass man sich bestimmten Hier­ar­chien anpassen muss, ist mir bewusst. Jedoch wird die Zukunft der Wirt­schaft durch Tech­no­logie, Ideen und fähige Mitar­beiter bestimmt, die falsche Entschei­dungen auch benennen müssen können. Nicht durch Ja-Sager und Sessel-Pupser. Das muss bei vielen deut­schen Unter­neh­mern noch ankommen.

    • Leo 31. Juli 2013 at 13:53 — Reply

      “.…Im Alltag herrscht dann halt doch eher die Gene­ra­tion 50+ und älter.…” Das hätten Sie nicht schreiben dürfen. Die beschrie­bene Situa­tion ist rund um die ca. 35 Jährigen, teil­weise extrem Karrier­süch­tigen sogar noch viel schlimmer als um die 50+, welche ihre Schäf­chen im Trockenen und die meisten Karrie­re­ziele erreicht hatten — teil­weise auch ohne hoch gesto­chene, unnütze Titel, Schulen und sons­tigen Certi­fi­cates of…

  5. Helge Wein­berg 31. Juli 2013 at 12:10 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ein sehr tref­fender Beitrag! Ich finde es gut, immer wieder mal Anspruch (an die Bewerber) und Wirk­lich­keit (im Unter­nehmen) zu verglei­chen und deut­lich zu machen, dass Krea­ti­vität nur sehr selten wirk­lich in den Unter­nehmen gewünscht wird. Denn das würde unter Umständen Verän­de­rungen bedeuten – die aber allzu selten wirk­lich will­kommen sind.

    „Wir haben erst nach zehn Gesprä­chen gemerkt, wen wir suchen!“ » Wirk­lich ein Armuts­zeugnis für Führungs­kräfte und HR, aber es scheint sehr oft der Fall zu sein. Oft genug kommt dann auch die Klage „die Bewerber sind gar nicht richtig vorbe­reitet“. Ja, warum sollten sie das sein?

    Ich möchte hier aber eine Lanze für die Gene­ra­tion 50+brechen. Bera­­tungs- und Verän­de­rungs­re­sis­tenz fängt nicht erst in diesem Alter an – und ich finde es nicht ange­messen, diese auto­ma­tisch dieser Gene­ra­tion zu unter­stellen. Das hat nur zum Teil mit poli­tical correct­ness zu tun. Wer einmal „typi­sche“ Führungs­kräfte der Gene­ra­tion Y erlebt hat, der stellt schnell fest, dass hier in Sachen Personalführung/Wertschätzung der Mitar­beiter erheb­li­cher Nach­bes­se­rungs­be­darf besteht. So schnell dürfte sich in den Einstel­lungs­pro­zessen nichts ändern.

    Beste Grüße, Helge Wein­berg

    • Svenja Hofert 31. Juli 2013 at 12:18 — Reply

      Lieber Herr Wein­berg, voll­kommen richtig, mein Beispiel war inso­fern unbe­dacht gewählt. Mir sind Umfelder mit verän­de­rungs­re­sis­tenen 30jährigen bekannt 😉 Das ist keine Frage des Alters, wohl aber von Zuge­hö­rig­keit: je länger unver­än­dert, desto resis­tenter. Persön­liche Skills indes wachsen tatsäch­lich mit dem Alter, nicht immer, aber oft. LG Svenja Hofert

  6. Gilbert 31. Juli 2013 at 22:51 — Reply

    Toller Artikel, Frau Hofert. Danke dafür, aber kein Amen 😉

    Daten­schutz ist ein Problem, das um sich greift, aber weniger auf HR zutrifft, als auf alle Online-Prozesse, beson­ders wenn sie von naiven Kollegen ange­wandt werden. Und das sehen wir viel, leider auch im HR. Kein Pardon dafür, wer das noch für #Neuland hält, will einfach nichts dazu lernen.

    Seit Anfang des Jahres rufe ich Kandi­daten aktiv dazu auf, mich und meine HR-Kollegen nach einem Durch­lauf durchs Bewer­bungs­ver­fahren bei Kununu zu bewerben, egal ob sie (wir?) im Prozess erfolg­reich waren oder nicht. Das ist ein Segen: Verbe­s­­se­rungs- und Moti­va­ti­ons­schub bei mir und meinen Kollegen und erlebte Mündig­keit der Bewerber. Denn wir sagen ihnen, dass sie den Spieß umdrehen sollen, sich nicht nur “bewerten” lassen, sondern auch uns prüfen.

    Leider ist das größte Problem, das Sie aufzeigen — Unter­nehmen nicht wissen, wen sie eigent­lich suchen — am schwersten in den Griff zu bekommen. Hier gibt es zu viele Betei­ligte am Prozess, die eben keine HR-Profis sind und auch von sich aus wenig Sensi­bi­lität dafür mitbringen, was diese Prozesse allen Betei­ligten kosten. Ich meine das gar nicht als Ausrede, sondern als Aufruf, bitte alle im Unter­nehmen, die irgendwie mit Hiring in Kontakt kommen, gefäl­ligst zu schulen und zu grillen, bis die Sensi­bi­lität da ist und vorher über­legt wird, wer gesucht wird.

    Aller­dings ist es auch legitim, dass ein Unter­nehmen durch einen Bewer­bungs­pro­zess dazu­lernt und sich das Profil leicht ändert, je mehr Bewerber man gespro­chen hat. Dazu sind Bewer­bungs­ge­spräche auch da. Wir gestehen ja auch den Bewerber zu, sich in mehreren Unter­nehmen auf unter­schied­liche Jobs zu bewerben und dabei dazu­zu­lernen und letzt­lich eine Stelle anzu­nehmen, die ihm vor dem Prozess gar nicht in den Sinn kam. Diese Invest­ments in den Prozess müssen sich Bewerber und Unter­nehmen teilen.

    Ich bin auch sehr dafür, dass nicht nur das Unter­nehmen sich die Bewer­ber­mo­ti­va­tion ansieht, sondern dass auch der Bewerber seine Moti­va­tion kennt und diese gegen das, was er im Kontakt mit dem Unter­nehmen erlebt, matcht. Bewerber sind da klar im Vorteil, denn sie haben einen priveli­gierten Zugang zu ihren eigenen Moti­va­tionen, die HRler nur einen sekun­dären: Wir müssen oft glauben oder testen, was an Moti­va­tion im Bewerber steckt.

    Aber ich stimme grund­sätz­lich zu: Die Haupt­last hier vernünf­tige Prozesse zu haben, liegt bei HR. Das ist klar, die sind die Profis in diesen Prozessen.

  7. Stefan Scheller 1. August 2013 at 12:46 — Reply

    Das Thema “unsin­nige Bewer­ber­tests” treibt mich auch sehr um. In der aktu­ellen LinkedIn-Studie zu den Top-Trends im Recrui­ting findet sich auch die Nutzung von (Big) Data für die Bewer­ber­suche. Gleich­zeitig boomen Online-Asses­s­­ment-Verfahren. Mir drängt sich der Eindruck auf, wir gipfeln langsam darin, den Menschen hinter der Bewer­bung komplett zu quan­ti­fi­zieren und effi­zient fabrik­artig in Masse “abzu­ar­beiten” — anstatt mit ihm zu reden.
    Auch deswegen habe ich zum Beispiel einen Beitrag dazu auf meinem Blog unter http://bit.ly/16HKD0H

    Inso­fern gefällt mir Ihr Beitrag sehr.
    Weiter so kritisch bleiben! — Es lohnt sich.

  8. Herr Arbeit­su­chend 1. August 2013 at 22:56 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    recht herz­li­chen Dank für Ihre Offenen Worte. Der Arbeits­markt in Deutsch­land ist genauso so zerklüfftet wie die ganze Büro­kratie.
    Ich habe ein abge­schlos­senes Studium und habe mich zum Betriebs­leiter hoch­ge­ra­ckert. Nach meiner bzw in meiner beruf­li­chen Auszeit zwecks doppeltem Nach­wuchs bin ich auf den total nicht nach­voll­zieh­baren Arbeits­markt gestoßen und ich kann Ihren Worten nur Beifall senden.
    Eine Bewer­bung meiner­seits hatte den Ausgangs­punkt Betriebs­lei­tung — nachdem ich alle Anwe­senden über­zeugt hatte und ich einen Termin zum Zweit­ge­spräch erhalten sollte hieß es — wir über­denken eben unsere Perso­nal­stra­tegie — so richtig wissen wir eigent­lich auch nicht was wir suchen ( Es ging um eine Posi­tion als Betriebs­leiter mit 800 MA ) unsere Stel­len­aus­schrei­bung war nicht ganz richtig — wir suchen doch einen Stell­ver­treter — nun gut zum Einstig in das neue Unter­nehmen — geht wohl — wiederum einige Zeit vergangen — “Es tut uns leid, das Sie nun schon so lange warten — aber wir haben uns gedacht einen Stell­ver­treter brau­chen wir nicht aber einen Logis­tig­leiter — dachte mir — regional siehts nicht so gut aus — also gehen wir noch einen Schritt zurück — is ja nur zum Einstieg. Kurze Zeit später rief ich wieder an — Herr … es tut uns ja wirk­lich leid — wir kommen mit der Stel­len­be­zeich­nung nicht wirk­lich zurecht, aber wie wäre es mit dem Titel Logis­­tiger- wat??? und wie lautet das Aufga­ben­ge­biet — Na so ähnlich wie in der Stel­len­aus­schrei­bung ( Betriebs­leiter )
    So, nun habe ich der Zusage des Zweit­ge­sprä­ches vertraut um die Rahmen­be­din­gungen zu klären und nun wird man nur durch die Umstel­lung der Stel­len­be­zei­chung von 50k auf 25k runder degra­tiert. Perso­nal­kosten sparen kann man auch auf einen anderen Weg. Nur bleibt mir zum jetzigen Zeit­punkt nur die Wahl zw H4 oder mich voll­kommen unter­be­zahlt in ein Verhältnis zu begeben, wo ich eigentl von vorheraus schon gar keine Lust habe. Ich dachte in einem Groß­kon­zern sei man besser aufge­hoben als im Mittel­stand — aber die sind noch korrupter als manche Kleinen.

    Herz­liche Grüße und alles wird gut.…

  9. Shojo 21. Dezember 2014 at 12:22 — Reply

    Herr­li­cher Artikel! Mein High­light: Den zukünf­tigen Kollegen wurde noch während der Bewer­bungs­phase — selbst­ver­ständ­lich ohne mein Wissen oder gar mein Einver­ständnis — mein aktu­eller Lebens­lauf ausge­hän­digt. Inklu­sive aktu­ellem Gehalt! Und wer hat´s ausge­hän­digt? Die Perso­nal­di­rek­tion. “Offene Kommu­ni­ka­tion” wurde dort wört­lich genommen.

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