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Outpla­ce­ment­be­rater? Karrie­reo­cach? — Wer passt zu meinem Anliegen? Eine Entschei­dungs­hilfe.

Published On: 13. April 2014Cate­go­ries: Aktuell
Wer hilft mir beim Jobangeln? MS Office

Wer hilft mir beim Joban­geln? MS Office

„Mein Vater sagt, ich soll mir jemand suchen, der mir einen Job vermit­telt“, sagt der 23jährige Bache­lor­ab­sol­vent. „Aha“, sage ich. „Warum sollte ein Head­hunter für Sie auf Firmen zugehen?“ frage ich. „Weil er mit mir Geld verdienen kann.“

Natür­lich ist das naiv – auch wenn der junge Mann Maschi­nenbau studiert hat (und über­rascht fest­stellen muss, dass das allen Medi­en­be­richten zum Trotz ohne Berufs­er­fah­rung auch nicht reicht, um überall rote Teppiche ausge­rollt zu bekommen). Die Spezies, die er sucht, nennt sich Perso­nal­be­rater oder auch Head­hunter. Diese Menschen erhalten ihr Geld von Unter­nehmen, die z.B. 20 Prozent Vermitt­lungs­ge­bühr zahlen. Es gibt Perso­nal­be­rater mit Exklu­siv­auf­trag (nur sie sind auf Suche für eine bestimmte Posi­tion) und solche ohne – dann jagen viele, da Geld kriegt, wer den „Hirsch“ erlegt.  Manche präsen­tieren Unter­nehmen auch inter­es­sante Kandi­daten, etwa in einer Art News­letter.

Was viele aber nicht wissen oder reali­sieren: Eine solche Dienst­leis­tung ist 23jährigen Nase­weisen im Gegen­satz zu gestan­denen Experten und Führungs­kräften oft verschlossen. Und selbst Experten und Führungs­kräfte kommen nach dem Gang zum Perso­nal­be­rater oft mit leeren Händen nach Hause und finden sich in Daten­banken wieder, in denen sie zu Schlä­fern mutieren – selten erweckt, oft vergessen.

Perso­nal­be­rater? Karrie­re­be­rater? Karrie­re­coach? Viele junge und auch ältere Menschen wissen nicht, wie sich auf dem weiten Feld der Dienst­leis­tungen rund um Arbeit und Karriere in ihren Ange­boten und Möglich­keiten vonein­ander abgrenzen. Ich habe hier eine Tabelle  als PDF erstellt.

Ob Perso­nal­be­rater oder Karrie­re­coach: Oft mache ich die Erfah­rung, dass die Anfra­genden nicht den rich­tigen Begriff für das haben, was sie suchen. Nicht wissen, was die Dienst­leis­tung beinhaltet. Oder diese nicht ange­messen hinter­fragen. Und dann enttäuscht sind, Geld für etwas ausge­geben zu haben, was sie gar nicht gesucht haben. „Ich war vorher schon mal bei einer Coacherin, aber die hat mit mir die Unter­lagen opti­miert. Ich solle mich bewerben. Das hätte ich mir auch selbst denken können.“ Solche Enttäu­schungen können Sie vermeiden, indem Sie sich vorher über­legen, welche Kompe­tenzen Sie sich wünschen (bzw. welche Ihr Problem am besten lösen) und wie konkret die Ergeb­nisse sein sollen. Sie sollten also z.B. formu­lieren, dass Sie jemanden suchen, der Ihre Jobsuche eingrenzen und Ihnen konkrete Hinweise geben kann, wo sich Bewer­bungen lohnen und wo eher nicht. Das kann ein bran­chen­er­fah­rener Karrie­re­be­rater.

Diese Form der Konkre­ti­sie­rung wird aber selten betrieben. Statt­dessen ergoo­gelt man sich Hilfe. Leider kursieren im Internet  Empfeh­lungen, die aus meiner Sicht wenig zu gebrau­chen sind. Man solle sich z.B. — so Stif­tung Waren­test — drei verschie­dene Coachs ansehen und dann entscheiden — und bewirbt en passant die Daten­bank von Chris­to­pher Rauen. Nichts dagegen, aber neutral geht anders.

Man wird, gerade im Bereich Karrie­reo­caching, auch kaum jemand finden. Kaum ein etablierter Kollegen lässt sich – für eine über­schau­bare Bera­tung von wenigen Stunden oder sogar einmalig — auf kosten­lose Vorge­spräche ein; das machen Anfänger.

tabelleauswahlJe wich­tiger Metho­den­kom­pe­tenz und Erfah­rung ist, desto eher profi­tieren Sie von jemanden, der sich nicht erst gestern selbst­ständig gemacht hat. Es kann sein, dass junge und moti­vierte Coachs beson­ders tolle und inno­va­tive Dinge machen, aber schauen Sie genau auf den Profes­sio­na­li­sie­rungs­grad und das Konzept dahinter. Frischer Wund und heftige Moti­va­ti­ons­brisen — super für Neuori­en­tie­rung. Ein alter Hase wird meist dann eine bessere Anlauf­stelle sein, wenn  Sie klare Empfeh­lungen und sichere Einschät­zungen suchen. Wobei natür­lich mit zuneh­menden Exper­ten­status und auch Bekannt­heit das Risiko der Selbst­ge­fäl­lig­keit steigt.

Auch Ehrlich­keit und echtes Bemühen um Kunden­be­lange können ein Argu­ment für einen Berater sein. In einem großen Büro sind Sie einer von vielen – in einem kleinen stehen Sie im Mittel­punkt. Das kann gerade bei der Wahl eines Outpla­ce­ment­be­ra­ters – eines in der Regel firmen­fi­nan­zierten Karrie­re­coachs — ein Argu­ment sein. Der von Vertre­tern dieser Spezies oft verspro­chene Zugang zu exklu­siven Netz­werken kann geld­wertes Zusatz-Argu­­ment sein, ist aber teils auch heiße Luft. Mit einem Outpla­ce­ment­be­rater arbeitet man drei, sechs, 12 Monate zusammen. Hier sind Vorge­spräche mit verschien­denen Anbie­tern dann doch sinn­voll – immerhin ist es eine auf Dauer ange­legte Zusam­men­ar­beit, die meist pauschal und nicht per Stunde vergütet wird. Man kann also nicht so ohne Weiteres wie im selbst­fi­nan­zierten Karrie­re­coa­ching nach zwei Stunden die Reiß­leine ziehen.

Aber seien Sie sich bewusst: Gerade in diesem lukra­tiven Segment sind oft Verkaufs­experten am Werk, die ganz genau wissen, auf welche Bedürf­nissen Sie  zielen müssen, um Menschen Ihr Angebot abzu­setzen. Verkaufen ist legitim. Aber genauso legitim ist es, wenn Sie das hinter­fragen. „Was genau sind das für Netz­werke? Wie profi­tiere ich? Können Sie mir konkrete Beispiele nennen? Darf ich einen von Ihnen vermit­telten Kunden befragen?“ Fallen die Netz­werke und Daten­banken (im allge­meinen Hoppen­stedt, den man auch in jeder Biblio­thek findet) als Zusatz­ar­gu­ment weg, ist ein Outpla­ce­ment­be­rater nur ein Karrie­re­coach inner­halb eines mögli­cher­weise größeren Verbands. Das sollte man wissen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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