Kate­go­rien

Quote stimmt, Fein­tu­ning nötig (Bewer­bungs­expe­ri­ment Teil 4)

Published On: 18. April 2013Cate­go­ries: Führung

Copy­right: Svenja Hofert

Mein Test-Bewerber sucht immer noch. Seit das Bewer­bungs­expe­ri­ment begonnen hat, ist gut ein halbes Jahr vergangen, wir star­teten im Oktober 2012. Bis heute hat mein anonymer Fall 23 Bewer­bungen raus­ge­schickt – fokus­sierter als zuvor und mit stär­kerem Augen­merk auf Kern­kom­pe­tenzen. Weiterhin haben wir eine persön­liche Erklä­rung für eine auf den ersten Blick unge­wöhn­liche Entschei­dung für die Art des Zweit­stu­diums im CV ergänzt. Ich halte nichts von Recht­fer­ti­gungen, aber manchmal ist es einfach notwendig, sich bzw. etwas zu erklären, weil beim Gegen­über sonst „System 1“ losgeht – man inter­pre­tiert. Freie Inter­pre­ta­tionen sind meis­tens falsch; gemacht werden sie trotzdem.

Die Reso­nanz auf die Unter­lagen ist mit rund 15% im Rahmen dessen, was ich aufgrund des Lebens­laufs erwartet habe. Die Fokus­sie­rung funk­tio­niert. Sie könnte noch besser klappen, wäre der Bewerber bereit, seinen Wohnort zu verlassen. Das geht aus fami­liären Gründen nicht. Flexi­bleren Bewer­bern rate ich dagegen: Im Zweifel lieber zwei lehr­reiche Jahre woan­ders mitnehmen, um dann profi­lierter zurück­zu­kehren.

Bisher gab es drei Einla­dungen verschie­dener durch die Bank mittel­stän­di­scher Unter­nehmen. Auch das hatte ich aufgrund des CV prognos­ti­ziert: Bei den Konzernen bestehen schlech­tere Einla­­dungs-Aussichten aufgrund des stär­keren Bewer­ber­sogs, der nur durch­schnitt­li­chen Noten und der eher „ersten Kennt­nisse“. Es zeigt sich auch, dass es Sinn macht, sich auch auf Stellen zu bewerben, die eigent­lich zumin­dest „auch“ für kauf­män­ni­sche Lehr­ab­schlüsse ausge­schrieben sind. Und zwar trotz Doppel­ab­schluss Diplom und Master. Übri­gens keine Selten­heit: Ich habe Bewerber mit drei Master­ab­schlüssen gesehen: Das bringt alles nichts, wenn die Berufs­er­fah­rung dazu fehlt, die Kennt­nisse nicht aktuell sind oder die Branche Probleme hat, Stich­wort Medien und Verlage.

Nach dem einen Zweit­ge­spräch gab es für meinen Bewerber einen Test, in dem vor allem kogni­tive Fähig­keiten geprüft wurden sowie einige firmen­in­di­vi­du­elle Aufgaben zu lösen waren. Es handelte sich um firmen­spe­zi­fi­sche Berech­nungen. Mit zwei Aufgaben konnte der Bewerber gar nichts anfangen —  danach eine nette Absage.

Wir haben zwei Mal über das  Vorstel­lungs­ge­spräch gespro­chen, einmal rund eine Stunde im Januar und diese Woche eine halbe. Ich würde eine viel inten­si­vere Vorbe­rei­tung mit Video für sinn­voll halten, auch wenn ich Vorbe­rei­tung nicht per se für hilf­reich erachte, siehe hier. Es zeigt sich wieder einmal: Die, die´s bräuchten, nehmen es erst in Anspruch, wenn alle Stricke reißen und die, die es nicht brau­chen, über­treiben es…

Aber egal, ein paar Tipps sind besser als nichts: Beim ersten Gespräch machte ich klar, dass die sach­liche und prägnante Kürze im kolle­gialen Umgang viel­leicht sehr sympa­thisch, aber kaum geeignet ist, Vertrauen aufzu­bauen. Ein wenig detail­lierter zu spre­chen, erhöht das Verständnis. Das konnte er gut umsetzen.

Es blieb der Eindruck, dass die Lücke das Haupt­pro­blem sei (zum konstruk­tiven Umgang mit Lücken im Lebens­lauf gibt es bei Kexpa® einen Kurs). Er verwi­ckelte sich in Wider­sprüche. Ich empfahl maxi­male Nähe zur Wahr­heit und einen kleinen Blick hinter die fami­liären Kulissen zu gewähren, der offen­legt, warum die Lücke entstanden ist.

Ich habe mit Offen­heit — bis zu einem gewissen Grad — weit über­wie­gend gute Erfah­rungen gemacht. Gut, es gibt verein­zelt Perso­naler und Fach­vor­ge­setzte, die bohren, gemeines Zeugs sagen und Grenzen zum Privaten nicht respek­tieren, aber das ist die Ausnahme und kommt in den letzten Jahren seltener vor.

Jetzt bin ich gespannt auf das Ergebnis des dritten Gesprächs und hoffe, das Expe­ri­ment bald erfolg­reich abschließen zu können.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Boris Schneider 19. April 2013 at 15:47 — Reply

    Da sieht man mal wieder, dass die besten Abschlüsse nichts bringen, wenn die Erfah­rung fehlt und keiner möchte jemanden einstellen um ihm Erfah­rung mit auf dem Weg zu geben. Teil­weise haben es Studierte schwerer Arbeit zu finden als Abgänger von Schulen oder Personen, die eine betrieb­liche Ausbil­dung absol­viert haben.

  2. Jahns 20. Juli 2014 at 19:39 — Reply

    Gibt es einen Teil 5?

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