Kate­go­rien

Reich werden: Ich will mit 40 nicht mehr arbeiten!

Published On: 5. März 2012Cate­go­ries: Führung

Dieser Zug ist für mich leider abge­fahren, denn ich habe falsche Entschei­dungen getroffen. Mit Coaching und Bera­tung wird man nicht reich. Und außer Joanne K. Rowling hat es auch kaum ein Autor je zu nennens­wertem Reichtum gebracht.  Verkauft man 100.000 Taschen­bü­cher, was einen in die Spiegel-Best­­sel­­ler­­listen kata­pul­tiert, bekommt selbst wer mit dem Verlag gut verhan­delt hat, kaum 100.000 Euros. Lohnt sich nicht — abzüg­lich Steuern verbleibt gerade genug Geld für ein Garten­haus von Obi. Und als Blogger? Fragt sich, wie viel Pete Cashmore von Mashable umsetzt mit seinen 20 Millionen Page Impres­sions, aber bis 40 hat der gute Junge auch noch andert­halb Jahr­zehnte.

Doch welche Stra­te­gien empfehlen sich für Menschen, die sich die frühe Frei­heit und Unab­hän­gig­keit des Reich­tums gönnen wollen, ob für ein dolce vita oder ein Invest­ment in Sinn­volles? Früher war es allein das Unter­neh­mertum. Inzwi­schen gibt es auch ein paar andere Möglich­keiten, Danke an die Zukunft der Arbeit.

1.      Ein paar Jahre in der rich­tigen Branche

Die übli­chen Verdäch­tigen für Groß­ver­diener sind Pharma, Versi­che­rung und Banken. Wenn Sie wirk­lich absahnen möchten, Finger weg von Tourismus, Medien oder gar Handel, ob Groß- oder Einzel- ist egal. Selbst in Stab­stellen sind bei den Gutzah­lern 150.000 EUR drin, das macht etwa 80.000 netto. Lassen Sie sich nicht verführen und stecken Sie nicht gleich alles ins Luxus-Reihen­­haus.

Seien Sie sparsam und legen Sie die Hälfte auf Seite: In 10 Jahren haben Sie 400.000,– auch unter dem Kopf­kissen gespart. Mit Zinses­zins 4% sind es 440.244,28, bei 10% ganze 597.496,98 EUR. Wer sich das mal selbst ausrechnen will, kann jetzt bei Face­book rein­schauen, da lad ich das mal zum Down­load hoch. Eines meiner Hobbies: Excel­ta­bellen erstellen. (Auf dem Foto seht ihr den lanegn Weg zur Million bei aktuell 4% für Fest­geld). Auch nichts zum Reich­werden.

2.      Ein paar Jahre in der rich­tigen Posi­tion

Forschung & Entwick­lung: nett, aber nichts für frei­wil­lige Früh­rentner. Personal? Irgendwo bei 150.000 EUROs Jahres­brutto ist Schicht. Steigen Sie lieber möglichst vertriebsnah ein und auf geht´s. Zirka 10–15 Jahre mindes­tens eine Bereichs­kom­pe­tenz aufbauen und dann den Hut nehmen mit einer größeren Abfin­dung. Geht oft ganz auto­ma­tisch, weil die Umstruk­tu­rie­rungs­zirkel einen über kurz oder lang sowieso erwi­schen. Je höher Sie da schon aufge­stiegen sind, desto eher sind Sie im Visier der Sanierer (bezahlt Ihnen aber auch mehr, wenn Sie gehen).

3.      Nicht wech­seln, aufsteigen

Noch gibt es starre Hier­ar­chien, mit Haupt­ab­tei­lungs­lei­tung etc. Ich vermute: nicht mehr lang; ich gebe der alten Hier­ar­chie noch 20 Jahre in konser­va­tiven Bran­chen. Bis dahin macht es ökono­misch unter Umständen Sinn, in einer Firma möglichst weit nach oben zu steigen. Denn nur so werden Sie zu NICHT markt­üb­li­chen Gehäl­tern gelangen; draußen würde gleich korri­giert (das ist die neue Arbeits­welt). Durch­beißen kann sich lohnen, wenn man einen Plan B. hat.

4.      Ein paar Jahre mit dem rich­tigen Thema

Schnell­dre­hend sollte es sein, also irgendwas mit Technik. Aber dann bitte nur in Free­lance, die Gehälter für Fest­an­stel­lungen hängen denen für freie Projekt­tä­tig­keiten weit hinterher. SAP reicht dabei für solide 100.000 – 150.000 EUR. Wer mehr will, muss Guru werden oder Evan­ge­list, aber auch dann wird es schwierig. (Gegen­bei­spiele bitte melden.) Das Gehalt reicht aber siehe 1. um ordent­lich was auf die hohe Kante zu legen.

Meiden Sie dagegen alle sozialen, kultu­rellen und gesell­schaft­li­chen Bereiche, wenn Sie Ihre Taler mehren wollen. In der Politik bringen Sie es nur ganz weit, wenn Sie gut WULFFEN können, d.h. sich klamm­heim­lich Dinge unter den Nagel reißen und Netz­­werk-Deals aushan­deln.

5. Mit Copy Cats Start-uppen

Deut­sche Startups starten meist nur mit kleinem KFW-Geld (50.000–100.000) oder Venture Capital im sechs­stel­ligen Bereich (in den USA geht´s bei einer Million oft erst los). Das braucht ordent­li­ches Slow Growing bis man (viel­leicht, viel­leicht) für ein paar Millionen gekauft wird. Deshalb sollte man als jemand, der möglichst schnell la dolce vita pflegen möchte, besser auf eine solide Copy Cat  setzen, da stecken die Busi­ness Angels meist mehr rein (was Wachstum beflü­gelt). Vorher ein paar Jahre im Konzern kommen nicht schlecht, bevor man Ihnen das anver­traut.

Kann man als normaler Ange­stellter reich werden? Eher nicht. Hier noch ein paar hand­feste Zahlen aus dem neuesten Stepstone Gehalts­re­port:

  • Durch­schnitts­ge­halt Inves­t­­ment-Banking > 6 Jahre Berufs­er­fah­rung, 89.000,–
  • Durch­schnitts­ge­halt Unter­neh­mens­be­ra­tung und Wirt­schafts­prü­fung >10 Jahre, 82.960,–
  • Durch­schnitts­ge­halt Inge­nieur­wesen >10 Jahre, 68.600,–

 Nicht genug, oder?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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15 Kommen­tare

  1. Thomas Hoch­ge­schurtz 5. März 2012 at 17:25 — Reply

    Mensch, Frau Hofert, was ist los? Seit wann denken Sie über extrin­si­sche Moti­va­tion nach?

    • Svenja Hofert 5. März 2012 at 21:49 — Reply

      Sagen wir so: Die intri­ni­sche Moti­va­tion könnte besser gestillt werden, wenn extrin­sisch erst Mal Ruhe ist. LG SH

  2. Rainer Siemers 5. März 2012 at 20:51 — Reply

    Hallo Frau Hofert!
    Sehr inter­es­sante Gedanken, die Sie da zusam­men­ge­stellt haben. Wenn man dann noch zusätz­lich Spaß und Sinn mit seiner Arbeit verbinden kann, ist es bestimmt perfekt.

    Ansonsten — wer es nochmal richtig wissen will, für den habe ich einen Buch­tipp:
    Self­made: erfolg reich leben von Carsten Maschmeyer.
    Mensch­lich kann man bestimmt über Herrn M. disku­tieren, aber geschäft­lich hat es es für sich geschaft.

    • Svenja Hofert 5. März 2012 at 21:58 — Reply

      OK, ich gebe zu, Maschmeyer ist mir einfach über­haupt nicht sympa­thisch, das liegt nicht nur an Vero­nika. Machen Sie PR für den Herrn M? Lt. Amazon ist das Buch noch nicht erschienen?
      LG SH

      • Rainer Siemers 5. März 2012 at 22:47 — Reply

        Vielen Dank für Ihr schnelles Feed­back.
        Ich mache bestimmt keine PR für Herrn Maschmeyer. Das kann der selbst viel besser.
        Mir geht es nur um seine Erfolgs­ge­setze und seine Moti­va­tion. Da sind bestimmt viele Tipps drin, die jeder anwenden kann. Das Buch habe ich vorbe­stellt, weil ich schon lange darauf gewartet habe, dass Herr M. ein Buch schreibt.
        LG und allen viel Erfolg
        Rainer Siemers

        • Svenja Hofert 6. März 2012 at 10:12 — Reply

          bin gespannt, lesen kann man es ja mal 😉 LG

  3. Lars Hahn 5. März 2012 at 21:32 — Reply

    199.000 Euro plus Büro und Fahr­zeug. Auch nett. Hat er zwar nicht mit 40 geschafft, aber immerhin.

    Übri­gens: Ist das Ehren­sold die beson­dere Fassung des bedin­gungs­losen Grund­ein­kom­mens für Alt-Bundes­prä­­si­­denten? 😉

  4. Heiko Stein 6. März 2012 at 11:03 — Reply

    Inter­es­santer Beitrag, Frau Hofert. Vor allem, weil er fast an dem Tag erscheint, an dem ich (43) beginne, an meiner zweiten Million zu arbeiten …

    … weil es mit der ersten leider nicht geklappt hat 😉

  5. Frank Strat­mann 6. März 2012 at 11:03 — Reply

    Das mit dem Aufstieg in Unter­nehmen ist so eine Sache, wie Gunter Dueck gestern bemerkte: http://www.readability.com/articles/1p8ntodg

    Sie haben Zahn­arzt vergessen. Ein Klischee besagt: früher gab es den Porsche zur Praxis­ein­rich­tung dazu. Heute sind viele Praxen bereits auf dem Boden der Tatsa­chen. Das hängt aller­dings viel mit dem Thema Zukunfts­fä­hig­keit zusammen. Man könnte glatt auf die Idee kommen, sich darum zu kümmern, um was zu verdienen. Damit kann man dann Einkom­mens­mil­lionär für die virtu­elle Währung der Zufrie­den­heit werden. Höchs­tens.

    • Svenja Hofert 6. März 2012 at 13:44 — Reply

      bei Zahn­ärzten bin ich nicht so sicher. Kenne welche, die sagen, ie würden SEHR wenig verdienen, sei längst nicht mehr so wie früher. Bin geneigt das zu glauben, weil ich auch einige ins Ausland gehen sah. LG SH

      • Frank Strat­mann 5. April 2012 at 12:18 — Reply

        Aktuell gibt es neue Erkennt­nisse. So schlecht geht es Ärzten und Zahn­ärzten im SCHNITT gar nicht. Eine medi­zi­ni­sche Ausbil­dung lohnt sich nach wie vor.

  6. Chris­tian 6. März 2012 at 11:07 — Reply

    Komi­sche Rech­nung. Wer mit >40 von den Zinsen leben möchte, muss vorher entspre­chend ange­spart haben. Wer 10 Jahre lang hundert­tau­sende im Jahr hatte, wird es schwer haben, auf 50.000 pro Jahr zurück­zu­kehren. Um also jähr­lich 100.000 EUR Zinsen bei 4% zu kassieren, muss man 2,5 Millionen EUR Vermögen dafür einsetzen. Wer pro Jahr 250.000 aus dem netto zurück­legt (um nach 10 Jahren dort zu sein), wird brutto mehr als 700.000 EUR pro Jahr brau­chen, wenn er (trotz des exor­bi­tanten Einkom­mens) vergleichs­weise bescheiden lebt.

    “10 Jahre lang jeweils 700.000 EUR” klingt selbst für Abtei­lungs­leiter nicht realis­tisch. Da bewegen wir uns schon in der Liga von Vorstands­vor­sit­zenden von nicht zu kleinen Konzernen. Also bleibt weiterhin nur Erbschaft, Unter­neh­mens­ver­kauf oder der berühmte Lotto­ge­winn als Option. Oder Krimi­na­lität.

  7. anonym 8. März 2012 at 14:38 — Reply

    …ich kannte mal jemanden, der musste nicht mehr arbeiten und der wusste nach mehreren Jahren garnicht mehr was er mit seinem Leben anfangen sollte. Der hat sich dann erstmal für ein halbes Jahr einem Robin­son­club ange­schlossen — weil die ja auch animieren.

  8. Aylin 9. März 2012 at 18:40 — Reply

    Sehr gute Tipps für eine rich­tige Karriere:) Hier habe ich auch ein passenden Aritkel gefunden: http://erfolgreiche-frau.trust-wi.de/2012/02/die-reichsten-frauen-der-welt‑8/#more-453

  9. Eugen 25. Juli 2013 at 9:36 — Reply

    Schöner Beitrag, die Karrie­re­leiter sehe ich aller­dings nur von innen als solche, von außen ist es für mich eher ein brutales Hams­terrad, insbe­son­dere wenn man in die Toppo­si­tionen kommen will.

    Deshalb gefällt Punkt 5 am aller­besten. Klon starten einen Investor suchen und dann schnellst­mög­lich verkaufen. Man hat ja gesehen wie Face­book alle Klone (Studivz, Loka­listen …) patt gemacht hat.

    Gruß
    Eugen

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