Kate­go­rien

Schi­cken Sie uns doch mal Ihr Profil…Hilfe, was meinen die denn?

Published On: 4. Juli 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Der gute, alte Lebens­lauf bildet die Erfah­rungen von Wissens­ar­bei­tern, zumal von jenen, die in Projekten arbeiten, nur unzu­rei­chend ab. Auch Wissen­schaftler finden sich nicht ausrei­chend wieder auf den zwei bis drei angeb­lich maximal zuläs­sigen Seiten.

Arbeiten Wissens­ar­beiter als Free­lancer hören Sie norma­ler­weise „Schi­cken Sie doch mal ein Profil“. Schweizer spre­chen mitunter auch von einem Dossier. Gemeint es dasselbe. Wer aus einer Ange­stell­ten­po­si­tion kommt, setzt Profil oft mit CV gleich. Doch das ist es nicht.

Nicht mal Wiki­pedia kennt und erklärt solch ein Profil, wie ich es meine. Es kennt nur das Xing-Profil. Googelt man „Profil“, so findet man vor allem ältere Beiträge von mir. Fazit: Es scheint sich dort etwas im Gebrauch etabliert zu haben, für das es keine theo­re­ti­sche Erklä­rung gibt. Scheinbar hat in den letzten Jahren außer mir kaum jemand das Thema aufge­griffen.

In der Praxis ist es dennoch normaler Recrui­­ting-Bestan­d­­teil. Fragen Sie Vermittler wie Hays oder Harvey Nash, so wissen diese ganz genau was mit so einem PROFIL gemeint ist: Es ist etwas, dass Auskunft über die Einsatz­be­reiche und fach­li­chen Kompe­tenzen von jemanden gibt, die rele­vant für Projekte sind. Eine Projekt­liste gehört dazu.

Ich habe im Laufe der Jahre die Erfah­rung gemacht, dass eine Drei­tei­lung des Profils am sinn­vollsten ist: Eine Über­sichts­seite mit den wich­tigsten Facts, eine Skill-Über­­­sicht mit Selbst­ein­schät­zung, die auch nicht-fach­­liche Skills inklu­diert (auch eine bis maximal zwei Seiten) sowie eine ausführ­liche Projekt­liste. Natür­lich solte hier nicht im Gulp-Stil alles aufge­füht sein, was einen Namen hat, sondern nur wirk­lich rele­vante Themen.

Insge­samt kommen so leicht 8 bis 10 Seiten zusammen. Mehr muss es auch gar nicht sein, weniger aber auch nicht. Gerade aktu­elle Projekte sollten ausführ­lich beschreiben sein und folgende Angaben enthalten:

  • Projekt­name, Zeit­raum, Kunde (wobei dieser nicht genannt, sondern nur umschrieben sein kann), Rolle/Fuktion, Projekt und Projekt­ziel, Aufgaben im Projekte, even­tuell eine beson­dere Heraus­for­de­rung und einge­setzte Tech­no­lo­gien und/oder Methoden.

Der Fokus sollte dabei auf aktu­ellen Projekten liegen. Ein halb­jäh­riges Projekt darf dabei schon mal auf einer halben Seiten beschrieben sein. Diese Form bietet sich auch für Nicht-ITler an, zum Beispiel für Wissen­schaftler, die in Projekten arbeiten. Sie macht auch sehr viel Sinn für Ange­stellte. Hier gehört aber ein Lebens­lauf weiterhin dazu. Nur darf er dann sehr viel kürzer sein. Nicht Projekt­ori­en­tierten Wissen­schaft­lern empfiehlt sich eine Publi­ka­tions–  und gege­be­nen­falls  Vortrags­über­sicht.

Je nach Thema sollten die letzten 5–10 Jahre doku­men­tiert sein. Die Auswahl sollten Sie treffen, je nachdem wie rele­vant die Projekt­er­fah­rungen für Ihre aktu­elle Suche sind.  Wenn Sie heute als Java-Entwickler tätig sind, ist eine frühere Tätig­keit im COBOL-Umfeld erst mal irrele­vant, ja mehr noch: sie kann stören.

In der IT gibt es typi­sche Rollen oder auch Funk­tionen: System­ar­chi­tekt, Entwickler, Berater, Admi­nis­trator und Projekt­leiter oder Teil­pro­jekt­leiter. Wie groß war das Projekt, in dem Sie gear­beitet haben, wie viele Personen waren einge­bunden? Das ist eine rele­vante Infor­ma­tion für die Projekt­be­schrei­bung. Zerti­fi­zie­rungen werden in der IT immer wich­tiger, wobei sich Prak­tiker und Theo­re­tiker oft mit wenig Verständnis gegen­über­stehen.  Meiner Erfah­rung nach führt beides zusammen zum größten Erfolg: die regel­mäßig doku­men­tierte Weiter­bil­dung gemeinsam mit dem prak­ti­schen Nach­weis. Im Profil sollte beides aufge­führt sein, sofern es wichtig ist. Das ist der Punkt: Die Kunst liegt in der rich­tigen Auswahl; alles rein­schreiben kann jeder 😉

Denken Sie beim Schreiben Ihres Profils daran, dass Sie mehrere Ziel­gruppen haben:

  • Erstens der Projekt­ver­mittler, der vor allem schaut, ob die wesent­li­chen Begriffe drin­stehen und wie aktuell ihre Projekt­er­fah­rung ist. Möglich, dass er kein beson­deres fach­li­ches Know-how hat und Details nichts versteht. Es ist deshalb ange­bracht, auch Synonyme zu verwenden und verständ­lich zu schreiben. In der Über­sichts­seite und auch in den Projekten kann ein Hauch von Selbst­mar­ke­ting nicht schaden. Worte wie „allein­ver­ant­wort­lich“ oder Beschrei­bungen wie „Präsen­ta­tionen vor den Fach­ver­ant­wort­li­chen und auf Vorstands­ebene“ können einen entschei­denden Unter­schied machen.
  • Zwei­tens: Der Kollege, den eine Reihe von Wissens­ar­bei­tern kommen über Empfeh­lungen von Bekannten ins Projekt. Platte Werbung mögen die nicht.
  • Drit­tens: Der Kunde, der IT-Abtei­­lungs­­­leiter oder auch Geschäfts­führer sein kann, also mehr oder weniger fach­lich.

Fazit: Die Pfeiler der Brücke sollten vom Allge­meinen, also einer Zusam­men­fas­sung, ins fach­liche Detail geschlagen werden, so errei­chen Sie die meisten für Sie rele­vanten Profil-Leser oder viel­mehr Profi-Scanner, den die Mühe zu lesen machen sich die wenigsten. Weshalb so ein Profil am besten auch noch gut aussieht.

An dieser Stelle erlaube ich mir den Hinweis, dass wir in den letzten 12 Jahren gut 300 Profil­op­ti­mie­rungen durch­ge­führt haben. Die persön­liche Opti­mie­rung, die immer auch eine Karrie­re­pla­nung enthält, mit dem Ziel der anschlie­ßenden schrift­li­chen Umset­zung dauert 6–8 Stunden, z.B. im Rahmen des Stra­te­gie­tags durch­zu­führen, Opti­mie­rung der schrift­li­chen Profile durch uns 2–3.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 4. Juli 2012 at 12:57 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    sehr schöner Artikel! Ich arbeite auch seit Jahren mit meinen Kunden an Profilen. Die Vorteile liegen auch für Fest­an­ge­stellte auf der Hand. Der Lebens­lauf gibt dann die notwen­digen Daten, wie sie ohnehin im Wesent­li­chen fest­stehen, wieder. Das Profil bietet alle Infos zu Inhalten und kann sehr gut an die Ziel­stelle ange­passt werden (idea­ler­weise für jede Stelle neu).
    Auf meiner Website können Inter­es­sierte ein Beispiel­profil herun­ter­laden um zu sehen, wie das bei mir für Fest­an­ge­stellte aussehen könnte (kompri­mierte Darstel­lung — aber insge­samt mache ich das viel kürzer und auf den Punkt, im Vergleich zu den ausführ­li­cheren Versionen, die Sie beschreiben).
    http://bit.ly/N70tXj

    Schöne Grüße,
    Chris­toph Burger

  2. […] auf Englisch – an article by Verena Wolf, sueddeutsche.de, and answer to the ques­tion “Was ist ein Profil?” by Svenja Hofert […]

  3. Raphael 20. Oktober 2015 at 21:13 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,
    auf der Suche nach einem guten Beispiel eines Kurz­pro­fils habe ich diese Seite von Ihnen entdeckt. Wie mir scheint haben sich dort ein paar kleine Fehler, augen­schein­lich über die Auto­kor­rektur von Word, einge­schli­chen. Ich habe mir erlaubt für Verbes­se­rung der Qualität Ihrer Seite diese 3 mir aufge­fal­lenen Fehler hier aufzu­schreiben. Viel­leicht würden Sie im Gegenzug mir einen Tipp oder ein schönes Beispiel zur Erstel­lung eines Kurz­pro­fils geben.(Es geht weniger um die hier bespro­chenen Projekt­be­reich sondern um die gute Darstel­lung meiner Skills.) Falls Sie das nicht tun möchten oder können ist das natür­lich auch voll­kommen in Ordnung.
    Mit feund­li­chen Grüßen
    Raphael

    Die Fehler sind vor dem jewei­ligen Klammer und mein Vorschlag mit ? in Klam­mern:
    Arbeiten Wissens­ar­beiter als Free­lancer hören Sie(sie?) norma­ler­weise „Schi­cken Sie doch mal ein Profil“. Schweizer spre­chen mitunter auch von einem Dossier. Gemeint es (ist?) dasselbe.
    Zwei­tens: Der Kollege, den (denn?) eine Reihe von Wissens­ar­bei­tern kommen über Empfeh­lungen von Bekannten ins Projekt. Platte Werbung mögen die nicht.

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